Egal ob im Alltag oder im Beruf, jeder Mensch sieht sich tagtäglich neuen Problemen ausgesetzt, für die es eine Lösung zu finden gilt. Im Arbeitsleben werden Problemstellungen meist in Form eines Projektes beauftragt. Durch eine Gruppe interner und externer Experten erfolgt dann, auf Basis der verschiedenen theoretischen Ablaufdefinitionen für ein Projekt, im ersten Schritt eine genaue Definition des Problems sowie dessen Ursprungs. Basierend auf diesen Erkenntnissen werden dann im zweiten Schritt Lösungsmöglichkeiten abgeleitet, welche schließlich im dritten Schritt umgesetzt werden. Oftmals muss dann aber festgestellt werden, dass die eingeleiteten Lösungsschritte nicht den gewünschten Erfolg mit sich bringen bzw. neue Probleme entstanden sind. Die Folge daraus ist, dass ein Anschlussprojekt ins Leben gerufen wird, welches dann erneut nach der eben beschriebenen Schematik bearbeitet wird. Grundlegende Änderungen werden so oftmals blockiert und Chancen auf nachhaltige Veränderungen vergeben.
Action Learning hat diese Problematik erkannt und versucht dieser mit einem alternativen Vorgehensmodell entgegen zu wirken. Der Fokus dieses Verfahrens liegt dabei auf dem Lernprozess an sich, welcher im normalen Projektalltag sonst kaum Beachtung findet. Im Gegensatz zum typischen ´Schullernen´, welches Wissen auf Vorrat ansammelt, kommt im Action Learning das Praxislernen als Kernelement hinzu. Action Learning basiert auf der Überzeugung, dass Mitarbeiter einer Organisation am besten anhand einer realen Herausforderung lernen. Bei diesem handlungsorientierten Lernen geht es darum, eine neuartige Situation ohne Vorwissen zu erforschen. Alle beteiligten Mitarbeiter verstehen sich dabei als Lernende, die nicht über die einzige Wahrheit verfügen und daher eine offene Haltung einnehmen können. Probleme werden so nicht nach einer vorgegebenen Schematik bearbeitet, sondern vielmehr sollen die Menschen durch einen stetigen Lernprozess dazu befähigt werden, Fehler zu erkennen und Lösungen aus sich selbst heraus zu erarbeiten. Dies wird nur funktionieren, wenn die Teilnehmer den Willen haben, Neues zu lernen und ihr Umfeld besser zu verstehen und persönliche Möglichkeiten der Einflussnahme zu entdecken. Weiterbildung geschieht damit zeitlich synchron zur Lösung des Problems und direkt vor Ort, ohne sich unmittelbar mit dem Arbeitsalltag zu vermischen. Dadurch wird im Action Learning eine Verknüpfung des Gelernten zum Arbeitsplatz hergestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Textanalysen
2.1 Lerneinheit 1- Action Learning - Entstehung und Anwendung
2.2 Lerneinheit 2 – Bestandteile von Action Learning
2.3 Lerneinheit 3 - Lernen und Reflexion - Die verschiedenen Schulen im Action Learning
3 Reflexion
4 Projektbeschreibung
Zielsetzung & Themen
Diese Studienarbeit setzt sich zum Ziel, das theoretische Konzept des "Virtual Action Learning" zu erläutern und dessen praktische Anwendung durch eine eigenständige Fallstudie zu reflektieren, um die Methode als Instrument zur Organisations- und Personalentwicklung zu verstehen.
- Theoretische Grundlagen und Ursprünge des Action Learning nach Reg Revans
- Analyse der verschiedenen "Action-Learning-Schulen" und deren didaktische Bedeutung
- Die Rolle der Reflexion als zentrales Element des Lernprozesses
- Praktische Fallstudie zur Implementierung einer neuen Projektkultur
- Kritische Reflexion der eigenen Lernerfahrung und methodischen Fehler
Auszug aus dem Buch
2.1 Lerneinheit 1- Action Learning - Entstehung und Anwendung
In dem Artikel „ABC of Action Learning“ befasst sich Revans, der gemeinhin als der Erfinder des Action Learnings gilt, tiefer mit den Hintergründen und wesentlichen Charakteristika von Action Learning. Revans beruft sich dabei als fundamentale Basis des Action Learning u.a. auf die Lehren von Aristoteles. Der Aristotelismus unterscheidet erstmals, im Unterschied zu seinen geistigen Vorgängern, 4 verschiedene Stufen des Wissens (Wissen, Erfahrung, Erinnerung und Wahrnehmung). Mit dieser Stufung beschreibt Aristoteles zudem eine neue Art und Weise, wie Wissen entsteht: Aus Wahrnehmung entsteht Erinnerung und aus Erinnerung durch Bündelung von Erinnerungsinhalten Erfahrung. Erfahrung besteht in einer Kenntnis vieler konkreter Einzelfälle und bezeichnet die bloße Faktenkenntnis. Wissen hingegen unterscheidet sich von Erfahrung dadurch, dass es
• allgemein ist;
• nicht nur das ´Dass´ eines Sachverhalts, sondern auch das ´Warum´ umfasst.
Mit diesen Herleitungen hat Aristoteles die Denkweise der westlichen Welt bis heute nachhaltig beeinflusst. Gleichzeitig wird damit erstmals die Bedeutung des Handelns einer Person hervorgehoben, welche auch die wesentliche Grundlage des Action Learnings bildet. Nach Aristoteles ist im Handeln die Erfahrung als Wissen des Einzelnen den allgemeinen Wissensformen überlegen. Das kritische Hinterfragen von Wissens-Doktrinen wurde so zur Methode. Gerade dieses kritische Hinterfragen ist ein fundamentaler Pfeiler des Actions Learnings. Revans betont, dass in einer Zeit des kontinuierlichen Wandels Organisationen nicht nur auf das vorhandene (Fach)Wissen vertrauen dürfen, da dies nur die Vergangenheit widerspiegelt. Die Zukunft beinhaltet jedoch Neues und Unbekanntes, das nicht mit bestehendem Wissen erklärt und gemeistert werden kann. Lernen muss daher über die reine Vermittlung von Wissen hinausgehen. Handeln und Lernen werden dabei zu einer Einheit: „Managers learn as they manage, and they manage because they have learned“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung verdeutlicht die Probleme klassischer Projektbearbeitungen und stellt Action Learning als handlungsorientierte Alternative zur Förderung nachhaltiger Lernprozesse vor.
2 Textanalysen: In diesem Kapitel werden drei wissenschaftliche Lerneinheiten aufgearbeitet, die die historischen Grundlagen, die methodischen Komponenten und die verschiedenen Schulen des Action Learning detailliert beleuchten.
3 Reflexion: Der Autor reflektiert kritisch seinen eigenen Lernprozess im Seminar, räumt anfängliche Verständnisfehler ein und bewertet den Erkenntnisgewinn durch die praktische Anwendung.
4 Projektbeschreibung: Hier wird ein konkretes Fallbeispiel zur Einführung einer neuen Projektkultur in einem mittelständischen Unternehmen skizziert, wobei die gewonnenen Erkenntnisse aus der Anwendung der Action-Learning-Methode dokumentiert werden.
Schlüsselwörter
Action Learning, Virtual Action Learning, Reflexion, Handlungsorientiertes Lernen, Reg Revans, Lerngleichung, Projektkultur, Erwachsenenbildung, Lerntheorien, Management, Wissensmanagement, Selbststeuerung, Problemlösungskompetenz, Erfahrungslernen, Lernende Organisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Studienarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Konzept des Action Learning, beleuchtet dessen theoretische Wurzeln und zeigt auf, wie diese Methode zur Lösung realer Probleme in Unternehmen eingesetzt werden kann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entstehung des Action Learning, der Bedeutung von Wissensstufen nach Aristoteles, der Abgrenzung verschiedener Lernschulen sowie der zentralen Rolle der Reflexion.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe des Virtual Action Learning fundiert aufzuarbeiten und durch die praktische Anwendung in einem Fallbeispiel ein tiefgreifendes Verständnis der Methode zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit genutzt?
Es wurde eine theoretische Aufarbeitung anhand ausgewählter wissenschaftlicher Literatur vorgenommen, ergänzt durch eine praktische Fallstudie im Rahmen eines Seminars.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse der Revans-Prinzipien, eine Differenzierung zwischen den fünf Lernschulen sowie eine ausführliche Reflexion des eigenen Lernprozesses und eines praktischen Projektbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Action Learning, Reflexion, Erfahrungslernen, Wissensmanagement, Handlungsorientierung und Organisationsentwicklung sind zentrale Begriffe der Arbeit.
Warum betont der Autor die Bedeutung der Reflexion so stark?
Die Reflexion wird als wesentliches Element identifiziert, das erst ermöglicht, aus Erfahrungen nachhaltiges Wissen zu generieren, anstatt lediglich operative Aufgaben abzuarbeiten.
Welchen Fehler hat der Autor in Bezug auf die Anwendung von Action Learning gemacht?
Der Autor räumt ein, anfangs die Grundidee missverstanden zu haben, indem er versuchte, ein Projekt klassisch durch externe Experten steuern zu lassen, anstatt das Problem aktiv durch das betroffene Team mittels Reflexion zu lösen.
- Arbeit zitieren
- Bachelor Robert Hesse (Autor:in), 2013, Virtual Action Learning. Theoretische Grundlagen und Anwendung an einem Projektbeispiel, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/267874