Im folgenden werden wir beschreiben, was qualitative Sozialforschung und ihre Kennzeichen sowie ihre Grundprinzipien sind, gefolgt von einer Darstellung des Experten- oder Leitfadeninterviews und der qualitativen Inhaltsanalyse. Abschließend stellen wir die Studie „Wege aus der Jugendkriminalität - Eine qualitative Studie zu Hintergründen und Bedingungen einer erfolgreichen Reintegration von mehrfachauffälligen Jungtätern“ von Wolfgang Stelly und Jürgen Thomas dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Qualitative Sozialforschung
2. Das Experteninterview
2.1 Die Rolle des Interviewpartners als Experte
2.2 Das Expertenwissen und Forschungsinteresse
2.3 Das Expertengespräch als Leitfadeninterview
2.4 Das Konstruieren von relevanten Fragen
2.5 Die Vorbereitung des Interviews
2.6 Die Durchführung des Experteninterviews
3. Die Qualitative Inhaltsanalyse
4. Eine Beispielstudie
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die methodischen Grundlagen des Experteninterviews sowie der qualitativen Inhaltsanalyse als Erhebungs- und Auswertungsmethoden der qualitativen Sozialforschung darzustellen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie diese Instrumente dazu beitragen können, soziale Wirklichkeiten und subjektive Deutungsmuster systematisch zu rekonstruieren und wissenschaftlich auszuwerten.
- Grundprinzipien und Kennzeichen der qualitativen Sozialforschung
- Methodik des Experteninterviews: Von der Vorbereitung bis zur Durchführung
- Ansätze der qualitativen Inhaltsanalyse zur Datenaufbereitung
- Analyse von Expertenwissen als Instrument zur Erschließung sozialer Sachverhalte
- Praktische Anwendung der Methoden anhand einer Studie zur Jugendkriminalität
Auszug aus dem Buch
2. Das Experteninterview
Das Experteninterview ist in der empirischen Sozialforschung eine häufig eingesetzte Methode, um sich einen sozialen Sachverhalt – ein bestimmtes Forschungsthema – zu erschließen. Es handelt es sich um eine Befragung sogenannter Experten zu einem bestimmten Thema, „in denen soziale Situationen oder Prozesse rekonstruiert werden sollen“ (Gläser/Laudel 2009, S.13). Ein Experteninterview ist „ein Interview mit einer Person, die mit Hinblick auf ihren Status als Experte oder Expertin befragt wird, also als Person, die über spezialisiertes Wissen und dadurch im Allgemeinen auch über (meist: institutionell geregelte) Entscheidungskompetenzen verfügt.“ (W. Ludwig – Mayerhofer 2004: „ILMES-Internet-Lexikon der Methoden der empirischen Sozialforschung“, unter: http://wlm.userweb.mwn.de/ilm_e22.htm (Zugriff am 14.07.2013).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Qualitative Sozialforschung: Dieses Kapitel erläutert die Grundprinzipien und Ziele der qualitativen Forschung, die darauf abzielt, Lebenswelten aus der Perspektive der handelnden Akteure zu verstehen.
2. Das Experteninterview: Hier werden Definition, Funktion und methodische Durchführung des Experteninterviews als Instrument zur Rekonstruktion sozialer Sachverhalte detailliert beschrieben.
2.1 Die Rolle des Interviewpartners als Experte: Der Abschnitt definiert den Expertenstatus durch spezifisches Praxis- und Erfahrungswissen in einem begrenzten Problemfeld.
2.2 Das Expertenwissen und Forschungsinteresse: Es erfolgt eine Differenzierung zwischen Betriebs-, Deutungs- und Kontextwissen zur gezielten Auswahl geeigneter Interviewpartner.
2.3 Das Expertengespräch als Leitfadeninterview: Das Kapitel vergleicht standardisierte und nicht-standardisierte Interviews und hebt den Vorteil leitfadengestützter Gespräche für die qualitative Forschung hervor.
2.4 Das Konstruieren von relevanten Fragen: Hier wird die Bedeutung offener Fragestellungen und deren Balance diskutiert, um den Interviewpartner zur Erzählung zu animieren, ohne den Antwortinhalt vorzugeben.
2.5 Die Vorbereitung des Interviews: Dieser Teil befasst sich mit der Planung, wie der Wahl der Befragungssituation, der Kontaktaufnahme und der Schaffung einer Vertrauensbasis für eine hohe Ergiebigkeit der Daten.
2.6 Die Durchführung des Experteninterviews: Es werden Strategien zur Gesprächsführung auf Augenhöhe erläutert, um Experten dazu anzuregen, ihr Wissen frei und detailliert zu entfalten.
3. Die Qualitative Inhaltsanalyse: Das Kapitel beschreibt Methoden zur Aufbereitung und Auswertung komplexer Textdaten mittels eines Kategoriensystems zur systematischen Reduktion von Informationen.
4. Eine Beispielstudie: Anhand einer Studie zur Jugendkriminalität wird praktisch verdeutlicht, wie Experteninterviews mit Bewährungshelfern zur Gewinnung relevanter Forschungsdaten eingesetzt wurden.
Schlüsselwörter
Qualitative Sozialforschung, Experteninterview, Qualitative Inhaltsanalyse, Leitfadeninterview, Deutungswissen, Rekonstruktion, Sozialer Sachverhalt, Empirische Forschung, Fallbeispiel, Bewährungshilfe, Forschungsprozess, Interviewtechnik, Subjektive Sichtweise, Datenauswertung, Kategoriensystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den methodischen Grundlagen von Experteninterviews und der qualitativen Inhaltsanalyse innerhalb der Sozialwissenschaften.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Themen umfassen die Definition von Expertenwissen, die Strukturierung von Interviewleitfäden sowie die Anwendung systematischer Auswertungsverfahren auf qualitative Daten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch qualitative Methoden soziale Phänomene und Handlungsweisen besser verstanden und wissenschaftlich fundiert ausgewertet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine methodenorientierte Arbeit, die das Experteninterview als Erhebungsmethode und die qualitative Inhaltsanalyse als Auswertungsmethode theoretisch beleuchtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Interviewführung, der Auswahlkriterien für Experten und das prozessuale Vorgehen bei der Inhaltsanalyse inklusive eines konkreten Praxisbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Experteninterview, qualitative Sozialforschung, Deutungswissen und Inhaltsanalyse charakterisiert.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von rein theoretischen Abhandlungen?
Durch das Kapitel zur Beispielstudie wird der theoretische Rahmen unmittelbar auf ein konkretes Forschungsvorhaben zur Jugendkriminalität angewendet, was den Praxisbezug stärkt.
Warum ist das "Prinzip der Offenheit" in dieser Arbeit so wichtig?
Das Prinzip der Offenheit ist essenziell, da es sicherstellt, dass Untersuchungspersonen ihre relevanten subjektiven Inhalte äußern können, ohne durch zu starre Fragen in ihrer Antwort eingeschränkt zu werden.
Welchen Stellenwert nimmt die Rolle des Bewährungshelfers in der Beispielstudie ein?
Bewährungshelfer dienen als Experten, da sie über tiefgehendes Wissen zu kriminellen Karrieren und den sozialen Lebensumständen ihrer Probanden verfügen, was sie zu wertvollen Informationsquellen macht.
- Quote paper
- Johanna Kurscheid (Author), Bianca Ulavachathil (Author), 2013, Experteninterview und Qualitative Inhaltsanalyse in der Qualitativen Sozialforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/267306