Menschen auf der ganzen Welt kommunizieren miteinander in allen erdenklichen Sprachen. Jeder von uns besitzt mehrere Wörterbücher, lernt in der Schule Fremdsprachen und belegt Sprachkurse für den Urlaub. Es gibt Sprachforscher, Fremdsprachenkorrespondenten, Dolmetscher und Wörterbuchautoren, die ihren Beruf Übersetzungen und der Verschiedenheit und Vielseitigkeit der Sprachen verdanken. Ohne die Übertragung von Inhalten aus einer Sprache in eine andere Sprache, sprich Übersetzungen, wäre jedes Land abgeschirmt. Es gäbe keinen globalen Handel und fast keine Migrationsbewegungen, weil sich niemand in fremden Ländern verständigen könnte. Übersetzungen sind ein wichtiger Bestandteil des Lebens eines jeden von uns. Aber wo haben sie ihren Ursprung?
Quine kritisiert in seinem Aufsatz „word and object“ die Annahme, dass Sprache in der Struktur schon vorhanden ist. Er sieht die Existenz einer Blackbox als sehr zweifelhaft an.
Als Bedeutungsskeptiker ist der Begriff der Bedeutung für ihn unklar, genauso wie die Sprache. Es gibt zu jeder noch so brillianten Übersetzung mehrere Alternativen, die sich sogar oft gegenseitig ausschließen oder nichts miteinander gemeinsam haben.
Deswegen arbeitet er in seinem Aufsatz nicht mit Begriffen, um andere Begriffe zu erklären, sondern mit einem Gedankenexperiment, dem „Gavagai-Experiment“, um das es in meiner Hausarbeit geht. Es soll zeigen, dass es nicht gelingen kann, einer vollkommen fremden Sprache eine eindeutige Bedeutung zuzuteilen. Im Folgenden will ich die Schritte, die zu Quines These der Unbestimmtheit der Urübersetzung führen, erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Gavagai-Experiment
2.1 Anlass – die Unbestimmtheit der Urübersetzung
2.2 Durchführung
2.3 Probleme
3. Gelegenheitssätze und bleibende Sätze
4. Reizbedeutung
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die von W.V.O. Quine formulierte These der Unbestimmtheit der Urübersetzung. Ziel ist es, anhand des berühmten „Gavagai-Experiments“ zu verdeutlichen, dass eine vollkommene Übertragung von Bedeutungen zwischen zwei fremden Sprachen nicht eindeutig möglich ist, da Sprache stets als ganzheitliches System verstanden werden muss.
- Das Gavagai-Gedankenexperiment als methodisches Werkzeug
- Problematik der radikalen Übersetzung
- Unterscheidung zwischen Gelegenheitssätzen und bleibenden Sätzen
- Definition und Funktion der Reizbedeutung
- Sprachphilosophische Kritik am klassischen Bedeutungsbegriff
Auszug aus dem Buch
2.2 Durchführung
Bei dem Gavagai-Experiment nimmt Quine die Ausgangssituation an, dass ein Sprachforscher zu einem völlig fremden Volk geht. Es gibt weder Wörterbücher, noch Dolmetscher. Die Sprache ist auch nicht ähnlich zu einer Sprache, die der Forscher kennt. Es ist wichtig, dass der Sprachforscher bei null anfangen muss. Er kennt ebenso wenig, wie die Sprache, die Gewohnheiten und Sitten des Volkes. So kann er auch Gesten nicht eindeutig zuordnen.
Wir stellen uns nun folgende Situation vor: der Sprachforscher beobachtet einen Ureinwohner, während ein Kaninchen vorbei hoppelt. Daraufhin sagt der Ureinwohner „Gavagai“. Der Sprachforscher wird sich vorläufig und intuitiv „Gavagai“ als „Kaninchen“ notieren. Allerdings ist es zu diesem Zeitpunkt sehr gut möglich, dass der Ureinwohner etwas sagte wie „Tier“, „weißes Kaninchen“ oder „mein Kopf juckt“. Auch könnte der Ureinwohner das Kaninchen gar nicht gesehen haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Übersetzungen ein und erläutert Quines Kritik am klassischen Bedeutungsbegriff sowie das Ziel, die Unbestimmtheit der Urübersetzung zu ergründen.
2. Das Gavagai-Experiment: Dieses Kapitel erläutert den Anlass, die Durchführung und die logischen Probleme des Gedankenexperiments, bei dem ein Forscher versucht, eine völlig fremde Sprache ohne Vorkenntnisse zu entschlüsseln.
3. Gelegenheitssätze und bleibende Sätze: Hier wird die Differenzierung zwischen Sätzen, die an aktuelle Reize gebunden sind (Gelegenheitssätze), und solchen, die unabhängig von unmittelbaren Reizeinflüssen wahr sind (bleibende Sätze), vorgenommen.
4. Reizbedeutung: Dieses Kapitel definiert Reizbedeutung als das Paar aus affektiver und negativer Reizbedeutung und erklärt, wie ein Sprecher durch Reize zu Zustimmung oder Ablehnung veranlasst wird.
5. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Übersetzungen fehleranfällig sind und Sprache nicht isoliert, sondern nur als Ganzes betrachtet werden kann.
Schlüsselwörter
W.V.O. Quine, Gavagai-Experiment, radikale Übersetzung, Unbestimmtheit der Übersetzung, Sprachphilosophie, Bedeutung, Reizbedeutung, Gelegenheitssätze, bleibende Sätze, Urübersetzung, Semantik, Kommunikation, Sprachforscher, empirische Bedeutung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die sprachphilosophische Kritik von W.V.O. Quine an der Annahme, dass Übersetzungen zwischen Sprachen zwangsläufig eindeutige Bedeutungen transportieren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Konzepte der radikalen Übersetzung, die Reizbedeutung sowie die Unterscheidung von Sprachkategorien wie Gelegenheitssätzen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch das Gavagai-Gedankenexperiment aufzuzeigen, dass der Zugriff auf eine fremde Sprache durch die Unbestimmtheit der Übersetzung grundsätzlich erschwert ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Analyse eines philosophischen Gedankenexperiments als methodische Grundlage, um komplexe theoretische Überlegungen Quines verständlich darzulegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Durchführung des Experiments, die Analyse von Reizbedeutungen und die Kategorisierung von Sätzen nach ihrem Abhängigkeitsgrad von externen Reizen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind das Gavagai-Experiment, radikale Übersetzung, Reizbedeutung und die Unbestimmtheit der Übersetzung.
Warum kann der Sprachforscher im Experiment nicht einfach nachfragen?
Der Forscher verfügt über kein gemeinsames Vokabular oder Verständnis von „Ja“ und „Nein“, weshalb das Verständnis der Sprache ohne ein deduktives Vorgehen unmöglich bleibt.
Was unterscheidet einen Gelegenheitssatz von einem bleibenden Satz?
Ein Gelegenheitssatz erfordert einen unmittelbaren, veranlassenden Reiz für eine Antwort, während ein bleibender Satz auch unabhängig von aktuellen äußeren Umständen Bestand haben kann.
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- Tamara Mödersheim (Author), 2011, Das Gavagai-Gedankenexperiment, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/266965