Der Frankenkönig Karl der Große wurde am Abend des 1. Weihnachtstages 800 in der Peterskirche in Rom zum Kaiser gekrönt. Das Ereignis an sich scheint eindeutig, dennoch werfen der Vollzug und die Hintergründe dieser Krönung aufgrund der widersprüchlichen und nebelhaften Quellenlage bis heute zahlreiche Fragen und Diskussionen über die wirklichen Vorgänge auf. Die wenigen Quellen, die über die Kaiserkrönung berichten, bieten leider nur vereinzelte Informationen. Diese Arbeit soll sich damit befassen, unter welchen Umständen es zu Karls Erhebung zum Kaiser kam. Die Überlieferung des Ereignisses der Kaiserkrönung Karls soll unter Betrachtung der Darstellung in den Annalen von Lorsch untersucht werden. Dieser Text der Lorscher Annalen verdient besondere Aufmerksamkeit, da er ein einzigartiges und unabhängiges Zeugnis der fränkischen Geschichte des 8. und frühen 9. Jahrhunderts bietet. Der in ihm enthaltene Kommentar zur Kaiserkrönung bringt als einzige Quelle die Erhebung Karls damit in Verbindung, dass zu dieser Zeit eine weibliche Herrschaft („femineum imperium“ ) durch Kaiserin Irene herrschte.
Im Folgenden soll zunächst ein kurzer Einblick in den Aufstieg Karls zum König der Franken und die Vorgänge vor dem heiligen Abend 800 beschrieben werden. Danach erfolgt ein genauerer Einblick in die eigentliche Kaiserkrönung, geschildert in den Lorscher Annalen. Unter besonderem Augenmerk bezogen auf das Argument des „Weibkaisertums“ werden so die Argumentation des Lorscher Annalisten und damit verbundene Kontroversen aufgezeigt. Zuletzt werden die Hintergründe und die Entstehung der Lorscher Annalen etwas näher beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.) Ereignisse vor dem heiligen Abend
1.1 Der Aufstieg der Karolinger
1.2 Das Attentat auf Papst Leo III. und der Weg in die Kaiserkrönung
2.) Die Kaiserkrönung
2.1 Darstellung in den in den Lorscher Annalen
2.2 Besonderheiten
2.3 Kontroversen zur Kaiserkrönung
3.) Quellenkritik der Lorscher Annalen
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Hintergründe und den Ablauf der Kaiserkrönung Karls des Großen am 25. Dezember 800 unter besonderer Berücksichtigung der Darstellung in den Lorscher Annalen. Im Zentrum der Analyse steht die Frage, wie die Annalisten die Erhebung Karls zum Kaiser legitimierten und welche Rolle die zeitgenössische politische Situation, insbesondere das sogenannte „Weibkaisertum“ der Kaiserin Irene in Byzanz, dabei spielte.
- Der Aufstieg der Karolinger und das Verhältnis zum Papsttum
- Das Attentat auf Papst Leo III. als politischer Wendepunkt
- Die Argumentationsstruktur der Lorscher Annalen zur Kaiserkrönung
- Das Konzept des „Weibkaisertums“ und die Namentheorie (nomen imperatoris)
- Quellenkritische Einordnung und Entstehungsgeschichte der Lorscher Annalen
Auszug aus dem Buch
2.1 Darstellung in den in den Lorscher Annalen
Nach dem Bericht der Lorscher Annalen war es diese Versammlung vom 23.12.800 in der Peterskirche, die nach dem Reinigungseid des Papstes beschloss, dass man Karl, den König der Franken, „Kaiser“ nennen müsse. Karl hat laut den Lorscher Annalen diesen Antrag nicht abschlagen können, und er „ …unterwarf sich mit aller Demut Gott, und nahm auf Bitten der Bischöfe und des gesamten Christenvolkes am Fest der Geburt unseres Herrn Jesu Christi den Kaisertitel mit der Segnung durch den Herrn Papst Leo an“.
Der Annalist der Lorscher Annalen nennt im Vorhinein Argumente für die Entscheidung des Papstes Karl zum Kaiser zu erheben. Als erstes wäre das „nomen imperatoris“ bei den Byzantinern vakant, denn dort herrschte seit 799 die Kaiserin Irene. „Und weil schon damals das Kaisertum bei den Griechen nicht mehr bestand und sie eine weibliche Herrschaft hatten…, daher sei dieses „Weibkaisertum“ ein erstes Argument Karl zum Kaiser zu erheben. Das zweite Argument des Annalisten knüpft sofort daran an, Karl biete sich als Kaiser an, denn er herrschte über Rom, wo Cäsaren immer zu residieren pflegten, sowie über die übrigen „sedes“ (Sitze) in Italien, Gallien und Germanien, und weil „Gott ihm alle diese Sitze in seine Macht gegeben“ habe.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der widersprüchlichen Quellenlage zur Kaiserkrönung ein und formuliert das Ziel, die Darstellung in den Lorscher Annalen zu analysieren.
1.) Ereignisse vor dem heiligen Abend: Dieses Kapitel skizziert den Aufstieg der Karolinger und erläutert die Ereignisse um das Attentat auf Papst Leo III., die eine Annäherung zwischen dem Papsttum und dem Frankenreich begünstigten.
2.) Die Kaiserkrönung: Das Kapitel analysiert die konkrete Schilderung der Krönung in den Lorscher Annalen und untersucht die darin enthaltenen Legitimationsargumente sowie die Bedeutung der byzantinischen Situation.
3.) Quellenkritik der Lorscher Annalen: Hier werden die Entstehung, das fragmentarische Überlieferungsbild und die Zuschreibungsdebatten zur Autorenschaft der Lorscher Annalen kritisch beleuchtet.
Schluss: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Lorscher Annalen als eine zwar einseitige, aber historisch bedeutsame und zuverlässige Sichtweise auf das komplexe Ereignis der Kaiserkrönung.
Schlüsselwörter
Karl der Große, Kaiserkrönung, Lorscher Annalen, Papst Leo III., Frankenreich, Weibkaisertum, Kaiserin Irene, Byzanz, Nomen Imperatoris, Quellenkritik, Karolinger, Mittelalterliche Geschichte, 800 n. Chr., Reichsbildung, Politische Legitimation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Umständen der Kaiserkrönung Karls des Großen im Jahr 800 n. Chr. und analysiert, wie diese Ereignisse in den zeitgenössischen Lorscher Annalen dokumentiert und politisch begründet wurden.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Die Arbeit thematisiert den Aufstieg der Karolinger, die politische Krise des Papsttums unter Leo III., die Legitimation der Kaiserwürde und die quellenkritische Einordnung der Lorscher Annalen als historisches Zeugnis.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, zu untersuchen, unter welchen Umständen Karl zum Kaiser erhoben wurde und welche Rolle dabei die spezifische Argumentation der Lorscher Annalen, insbesondere das Argument des „Weibkaisertums“, spielte.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse herangezogen?
Die Arbeit nutzt eine quellenanalytische Methode, indem sie den Text der Lorscher Annalen in den Kontext der bekannten historischen Ereignisse stellt und die Argumentationsstruktur des Autors kritisch hinterfragt.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil behandelt die Vorgeschichte des Attentats auf Papst Leo III., die detaillierte Darstellung der Kaiserkrönung in den Annalen sowie die kritische Reflexion über die Autorenschaft und Entstehungsorte des Annalen-Fragments.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung historischer Fakten mit der Analyse zeitgenössischer politischer Rhetorik aus, wobei sie besonders die Wahrnehmung Byzanz' durch die fränkischen Annalisten betont.
Welche Bedeutung kommt dem „Weibkaisertum“ für die Argumentation der Annalen zu?
Laut den Lorscher Annalen galt das Kaisertum in Byzanz unter Kaiserin Irene als vakant, da eine weibliche Herrschaft den Anforderungen an ein „nomen imperatoris“ nicht entsprach, was die Krönung Karls im Westen aus Sicht der Annalisten legitimierte.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Papst Leo III.?
Papst Leo III. wird als Akteur dargestellt, der aufgrund seiner misslichen politischen Lage in Rom dringend auf die Unterstützung Karls angewiesen war, was letztlich den Weg für die Kaiserkrönung ebnete.
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- Stefan Schmidt (Author), 2013, Karl der Große: Die Kaiserkrönung im Spiegel der Lorscher Annalen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/266914