Der Begriff des Heiligen wird seit einiger Zeit im Kontext der Religionsbegriffe und Religionsbestimmung wieder in der Theologie – insbesondere unter Rückgriff auf RUDOLF OTTO – diskutiert.
Im Folgenden sollen zunächst OTTOS Vorüberlegungen zum Heiligen dargelegt werden. Im Anschluss wird auf das Heilige selbst eingegangen und mit Informationen zur Phänomenologie im Allgemeinen ergänzt. Den Abschluss bilden Thesen zum Religionsbegriff OTTOS und zum Verhältnis von Subjekt-Objekt in dessen Ausführungen zum Heiligen, die mit einem Fazit abgeschlossen werden.
Vor seinem Hauptwerk Das Heilige (1917) beschäftigte sich OTTO mit dem Darwinismus, was zu seiner Zeit und in der heutigen Forschung kaum bekannt war bzw. ist (vgl. BARTH 2009: 446). Er verstand den Darwinismus als eine „mechanistische Lebenstheorie“, als „Deszendenzlehre“ (OTTO 1929: 71). Weiterhin sah er in den Ideen DARWINS keinen Plan und somit keine teleologische Ausrichtung. Der Mensch sei viel mehr „ein zufälliges Aggregat“, also „(d)as Gegenteil eines Entwicklungsproduktes“ (OTTO 1932: 197). Zwar räumte OTTO dem Darwisnismus die Fähigkeit ein, Fakten festzustellen, dieser könne aber nicht in das Innere der Dinge, also zu den Dingen an sich vordringen (vgl. BARTH: 449) und somit nicht Religion/Religiosität/Frömmigkeit erfassen. Die Frömmigkeit ist aber nach OTTO genau das, was die „Erweiterung des Weltgefühls selbst“ mit sich bringt (OTTO 1932: 212f.) und für die die Teleologie, „das Wissen um Sinn und ,Zweck‘“ (BARTH 2009: 452), konstitutiv ist. Und eben die Teleologie fehle seiner Ansicht nach dem Darwinismus, sodass er sie als „Gefahr für Geist und Frömmigkeit [/Religion/ Religiosität]“ (ebd.: 460) ansah. Insgesamt sei – so OTTO – teleologisches Denken vernünftiger als das eben nicht-teleologische darwinistische Denken, „weil es einer ,höheren Vernunft‘ entspricht“ (ebd.: 456).
Inhaltsverzeichnis
1. RUDOLF OTTOS Begriff des Heiligen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Begriff des Heiligen von Rudolf Otto auseinander, analysiert dessen Abgrenzung zu zeitgenössischen Ansätzen wie dem Darwinismus und Schleiermachers Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit und untersucht die Anschlussfähigkeit des numinosen Erlebens für eine moderne Religionsdebatte.
- Kritik an reduktionistischen und subjektivistischen Religionsbegriffen
- Phänomenologische Analyse der Kategorie des Numinosen
- Verhältnisbestimmung von Subjekt und Objekt im Kontext religiöser Erfahrung
- Bedeutung des Begriffs "mysterium tremendum et fascinans"
- Impulse des Ottoschen Ansatzes für den interreligiösen Dialog
Auszug aus dem Buch
RUDOLF OTTOS Begriff des Heiligen
Der Begriff des Heiligen wird seit einiger Zeit im Kontext der Religionsbegriffe und Religionsbestimmung wieder in der Theologie – insbesondere unter Rückgriff auf RUDOLF OTTO – diskutiert. Im Folgenden sollen zunächst OTTOS Vorüberlegungen zum Heiligen dargelegt werden. Im Anschluss wird auf das Heilige selbst eingegangen und mit Informationen zur Phänomenologie im Allgemeinen ergänzt. Den Abschluss bilden Thesen zum Religionsbegriff OTTOS und zum Verhältnis von Subjekt-Objekt in dessen Ausführungen zum Heiligen, die mit einem Fazit abgeschlossen werden.
Vor seinem Hauptwerk Das Heilige (1917) beschäftigte sich OTTO mit dem Darwinismus, was zu seiner Zeit und in der heutigen Forschung kaum bekannt war bzw. ist (vgl. BARTH 2009: 446). Er verstand den Darwinismus als eine „mechanistische Lebenstheorie“, als „Deszendenzlehre“ (OTTO 1929: 71). Weiterhin sah er in den Ideen DARWINS keinen Plan und somit keine teleologische Ausrichtung. Der Mensch sei viel mehr „ein zufälliges Aggregat“, also „(d)as Gegenteil eines Entwicklungsproduktes“ (OTTO 1932: 197). Zwar räumte OTTO dem Darwisnismus die Fähigkeit ein, Fakten festzustellen, dieser könne aber nicht in das Innere der Dinge, also zu den Dingen an sich vordringen (vgl. BARTH: 449) und somit nicht Religion/Religiosität/Frömmigkeit erfassen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. RUDOLF OTTOS Begriff des Heiligen: Das Kapitel führt in die phänomenologische Herangehensweise Rudolf Ottos ein, setzt sich kritisch mit seiner Abgrenzung zum Darwinismus und zu Schleiermacher auseinander und definiert das Numinose als eine über die bloße Subjektivität hinausgehende Begegnungserfahrung.
Schlüsselwörter
Rudolf Otto, Das Heilige, Numinose, Mysterium tremendum et fascinans, Religionsphänomenologie, Kreaturgefühl, Teleologie, Subjekt-Objekt-Verhältnis, Dialektische Theologie, Religionsbegriff, Schleiermacher, Darwinismus, Transzendenz, interreligiöser Dialog, Gotteserfahrung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Verständnis des Heiligen bei Rudolf Otto und dessen Bedeutung für die moderne Theologie und Religionswissenschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten gehören die phänomenologische Analyse religiöser Erfahrung, die Kritik an naturalistischen und subjektivistischen Religionsmodellen sowie die Erörterung des Numinosen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Aufarbeitung von Ottos Religionsbegriff, um dessen Potenzial für aktuelle Debatten über Religion und interreligiösen Dialog aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen phänomenologischen Ansatz, der sich auf die Analyse religiöser Grundbegriffe und deren Rezeption in der Theologiegeschichte stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Ottos Auseinandersetzung mit Darwin und Schleiermacher, erläutert die Komponenten des Numinosen wie das "Kreaturgefühl" und das "Mysterium tremendum et fascinans" und hinterfragt die Möglichkeiten eines objektiven Zugangs zum Heiligen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Numinose, Mysterium tremendum et fascinans, Religionsphänomenologie und das Verhältnis von Subjekt und Objekt.
Wie definiert Otto das "Kreaturgefühl"?
Das Kreaturgefühl wird als Reflex auf das numinose Objekt verstanden, bei dem sich das Subjekt seiner eigenen Nichtigkeit gegenüber der absoluten Übermacht (Majestas) bewusst wird.
Inwiefern unterscheidet sich Ottos Ansatz von Schleiermacher?
Otto kritisiert Schleiermachers Ansatz als zu subjektivistisch und betont stattdessen das Numinose als ein objektives, von außen kommendes Widerfahrnis, das dem Menschen begegnet.
Kann das Numinose auch außerhalb des klassischen Gottesbegriffs existieren?
Ja, Otto öffnet den Begriff des Heiligen so weit, dass er auch Religionen ohne expliziten Gottesglauben erfasst, indem er das Numinose als etwas "ganz Anderes" definiert.
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- Anonym (Author), 2013, Rudolf Ottos Begriff des Heiligen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/266802