Als Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA die ersten Großunternehmen, wie beispielsweise General Motors, entstanden, kam die Frage auf, wie solche komplexen Gebilde auf Managementebene steuerbar bleiben. Als Antwort darauf entstand das Budgetary Control Modell, die sogenannte Budgetsteuerung. Mit dem Budgetary Control Modell konnten Manager nun Entscheidungen an untere Hierarchieebenen delegieren. Erst dadurch wurde es möglich, derart große Unternehmen überhaupt effektiv führen zu können.
Die Unternehmen des 21. Jahrhunderts müssen in einem vergleichbaren Umfeld des Wandels bestehen. Globalisierung, Internet-Zeitalter, Nachhaltigkeit und Compliance sind nur vier Schlagworte des gegenwärtigen Wandels. Eine Herausforderung für die Unternehmensführung und das Controlling besteht hierbei darin, diesem Wandel mit einer Weiterentwicklung bereits bestehender Führungsinstrumente oder der Entwicklung völlig neuer Konzepte zu begegnen. Unternehmen haben auf die grundlegenden Veränderungen Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Einführung der Budgetierung reagiert. Diese kann auch heute noch eine Antwort auf diesen Wandel geben, wie die weite Verbreitung in den Unternehmen zeigt. Es gibt jedoch auch Zweifel an dieser An-sicht und vielleicht gibt es eine Lösung, die „jenseits“ von Budgets liegt?
Inhaltsverzeichnis
1. Unternehmensführung im Kontext eines stetigen Wirtschaftswandels
2. Budgetierung als Controlling-Instrument
2.1 Einordnung der Budgetierung
2.2 Kennzeichnung der Budgetierung
2.3 Beyond Budgeting als Weiterentwicklung der Budgetierung
3. Abkehr von der Budgetierung – der Beyond-Budgeting-Ansatz
3.1 Entstehungshintergründe des Beyond Budgeting
3.2 Gestaltungsprinzipien des Beyond-Budgeting-Modells
3.2.1 Prinzipien adaptiver Prozesse
3.2.2 Prinzipien radikaler Dezentralisierung
3.3 Empfohlene Instrumente zur Umsetzung des Beyond-Budgeting-Modells
3.3.1 Allgemeine Instrumente
3.3.2 Spezifische Instrumente
3.4 Beyond Budgeting – eine kritische Würdigung
4. Zur Rolle des Controllers bei der Entlarvung von Management-Hypes
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das Beyond-Budgeting-Modell als Antwort auf die Herausforderungen der traditionellen Budgetierung in einem dynamischen Wirtschaftsumfeld. Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, ob dieses Managementkonzept tatsächlich revolutionäre Vorteile gegenüber klassischen Budgetierungstechniken bietet oder ob eine evolutionäre Weiterentwicklung der bewährten Instrumente zielführender ist.
- Historische Einordnung und Funktionen der Budgetierung
- Kritik an klassischen Budgetierungsprozessen
- Darstellung der Gestaltungsprinzipien des Beyond-Budgeting-Modells
- Analyse relevanter Instrumente zur Umsetzung adaptiver Managementprozesse
- Kritische Würdigung des Beyond-Budgeting-Ansatzes aus Controllingsicht
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Prinzipien adaptiver Prozesse
Die Prinzipien adaptiver Managementprozesse sind darauf ausgerichtet, die Führungsprozesse im Unternehmen zu flexibilisieren (vgl. Sure [Controlling-Instrumente] 140 f.). Der Weg zur anpassungsfähigen Organisation soll durch
relative Zielvereinbarungen, die sich auf Basis externer und interner Benchmarks selbst an Umfeldentwicklungen anpassen und so eine Manipulation der Zielerreichungsgrößen erschweren,
ein Vergütungssystem, das als Bemessungsgrundlage für die erfolgsabhängige Entlohnung die Gruppenleistung relativ zum Wettbewerb heranzieht,
eine kontinuierliche, in kurzen Rhythmen erfolgende, durch Früherkennungsindikatoren unterstützte Überprüfung und Anpassung der Mittel- und Kurzfristplanung an neue Umweltbedingungen auf dezentraler Ebene,
die bedarfsgerechte, an internen Märkten orientierte Bereitstellung von Ressourcen,
eine dynamisch-kundenorientierte Koordination aller unternehmensinternen Aktivitäten durch Selbstabstimmung über interne Märkte anstelle einer Koordination durch Vorgabe starrer Budgets,
offene Informationssysteme, die durch Bereitstellung von relativen Erfolgsindikatoren eine transparente Leistungsmessung auf allen Ebenen ermöglichen, dadurch Anreize zur Selbstkontrolle schaffen und so eine zentral angesiedelte Kontrollstruktur redundant machen,
erfolgreich beschritten werden (vgl. Hope/Fraser [Budgeting] 18 ff., 61 ff.; Troßmann [Controlling] 219; Baumeister [Beyond Budgeting] 385; Weber/Linder [Better Budgeting] 21 ff.; Sure [Controlling-Instrumente] 142 ff.; Greiner [Budgetierung] 191 ff.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Unternehmensführung im Kontext eines stetigen Wirtschaftswandels: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Budgetsteuerung als Instrument zur Bewältigung komplexer Organisationsstrukturen und stellt die Notwendigkeit dar, Führungsinstrumente an den modernen Wandel anzupassen.
2. Budgetierung als Controlling-Instrument: Es erfolgt eine Einordnung der Budgetierung als koordinative Führungsaufgabe und eine Definition zentraler Begriffe, einschließlich der Unterscheidung in verschiedene Budgettypen und deren Funktionen.
3. Abkehr von der Budgetierung – der Beyond-Budgeting-Ansatz: Dieses Kapitel analysiert die Kritik am traditionellen Budgetierungsprozess und stellt die Prinzipien des Beyond-Budgeting-Modells sowie die entsprechenden Umsetzungsinstrumente vor, gefolgt von einer kritischen Würdigung.
4. Zur Rolle des Controllers bei der Entlarvung von Management-Hypes: Der Autor plädiert dafür, dass Controller neue Managementkonzepte kritisch hinterfragen und methodisch fundiert einordnen sollten, um gegen kurzlebige Management-Trends Einhalt zu gebieten.
Schlüsselwörter
Beyond Budgeting, Budgetierung, Controlling, Management-Hype, Adaptive Prozesse, Radikale Dezentralisierung, Budgetsteuerung, Unternehmensführung, Rollende Forecasts, Balanced Scorecard, Kennzahlensysteme, Unternehmenswandel, Koordination, Ressourcenbereitstellung, Leistungsmessung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit der traditionellen Budgetierung im Vergleich zum Beyond-Budgeting-Ansatz unter Berücksichtigung moderner Marktdynamiken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Budgetsteuerung, moderne Managementkonzepte, die Flexibilisierung von Führungsprozessen und die Rolle des Controllings als kritischer Instanz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Prüfung, ob Beyond Budgeting die Anforderungen einer sich dynamisierenden Unternehmensumwelt tatsächlich besser erfüllt als klassische Budgetierungsinstrumente.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, um die Ansätze der Budgetierung und des Beyond Budgeting gegenüberzustellen und deren Daseinsberechtigung zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung der Budgetierung, die Herleitung der Beyond-Budgeting-Prinzipien (adaptiv und dezentral), die Vorstellung der Instrumente und eine abschließende kritische Reflexion.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Beyond Budgeting, Controlling-Instrumente, Budgetierungspraxis und Evolution statt Revolution geprägt.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Controllers im Umgang mit Management-Hypes?
Der Autor betont, dass ein guter Controller die Aufgabe hat, bahnbrechend angepriesene Konzepte kritisch zu hinterfragen und deren tatsächlichen Mehrwert auf einer fundierten Basis zu prüfen.
Warum wird Beyond Budgeting als „revolutionär“ hinterfragt?
Der Autor argumentiert, dass viele Forderungen des Beyond Budgeting nicht neu sind und dass auch klassische Ansätze, wie die Nullbasisbudgetierung, bei konsequenter Anwendung dynamische Anforderungen erfüllen können.
- Quote paper
- Frank Mangold (Author), 2013, Vorschläge des Beyond-Budgeting-Ansatzes, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/265387