Um im späteren Verlauf der Untersuchung konkret auf die Ausgangsfrage eingehen zu können, beginne ich mit der Charakterisierung der Hauptfigur. Es soll hierbei der Ist-Zustand der Figur betrachtet werden. In diesem Teil werden primär das erste und zweite Kapitel des Romans, sowie Textpassagen, die sich auf die Vergangenheit der Hauptfigur beziehen, für die Untersuchung herangezogen.
Im darauffolgenden Schritt wird Inge Lohmark in den Kontext anderer Figuren gestellt. Alle für die Erzählung wichtigen Figuren sollen dabei in ihrer Beziehung zu Lohmark beleuchtet werden.
Im dritten Teil wird der Frage nachgegangen, ob Inge Lohmark während der Erzählung eine Wandlung durchlebt. Besonders die Ereignisse des dritten Kapitels „Entwicklungs-lehre“ dienen hier als Untersuchungsgegenstand. In der abschließenden Schlussbetrachtung werde ich die Ergebnisse zusammenführen und im Gesamtkontext der Arbeit auswerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Figurenanalyse
2.1. Inge Lohmark
3. Figurenkonstellation
3.1. Inge Lohmark und Wolfgang
3.2. Inge Lohmark und Claudia
3.3. Inge Lohmark und ihre Schüler
3.4. Inge Lohmark und ihre Kollegen
4. Durchlebt Inge Lohmark eine Entwicklung
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Handeln, Denken und die psychologische Verfassung der Hauptfigur Inge Lohmark aus dem Roman "Der Hals der Giraffe" von Judith Schalansky. Im Zentrum der Forschungsfrage steht die Analyse, ob die Protagonistin im Verlauf der Erzählung eine charakterliche Entwicklung durchlebt oder ob sie in ihren erstarrten Weltanschauungen und Verhaltensmustern verharrt.
- Figurenanalyse der Protagonistin Inge Lohmark unter Berücksichtigung ihrer Biografie.
- Untersuchung der Figurenkonstellation und der zwischenmenschlichen Beziehungen im beruflichen sowie privaten Kontext.
- Analyse des Einflusses darwinistischer und lamarckistischer Weltbilder auf das Handeln der Figur.
- Erörterung der Thematik von Wandel, Anpassung und dem Scheitern in einer sich verändernden Umwelt.
Auszug aus dem Buch
3.3. Inge Lohmark und ihre Schüler
Das Verhältnis zu ihren Schülern beschreibt Inge Lohmark selbst als „professionell“33. Dazu gehören weder Nähe noch Verständnis, wohl aber das Siezen ab der neunten Klasse sowie eine angemessene Distanz zu den Schülern.
Gleich zu Beginn des Romans kategorisiert Inge Lohmark ihre Schüler auf einem Sitzplan. Sie ordnet zu, rubriziert die Schüler in Versager, Schleimer, in die Braven und Faulen. Wieder wird deutlich, dass Lohmark den Menschen als Tier begreift, als eine Rasse unter vielen. Mit Adjektiven, die Schalansky aus einem Atlas für Nutztierrassen entnommen hat34: spätreif, frohwüchsig, gut bemuskelt, selbstsüchtig, normiert Inge Lohmark ihre Schüler. Nicht zuletzt die langjährige Berufsroutine verleitet sie dazu, das Individuum zu vergessen und die Schüler stattdessen als Typen zu betrachten. Auch im weiteren Verlauf der Erzählung lässt die Lehrerin kaum ein gutes Haar an ihren Schülern, stattdessen klassifiziert sie die Schüler als „natürliche Feinde“35.
Lieblinge hat Inge Lohmark keine, weder fleißigen, guten Schülern noch den Faulen kann sie etwas abgewinnen.
Sie waren nichts als Blutsauger, die einem jede Lebensenergie raubten. Sich vom Lehrkörper ernährten, von seiner Zuständigkeit und der Angst, die Aufsichtspflicht zu verletzen. Unentwegt fielen sie über einen her. Mit unsinnigen Fragen, dürftigen Eingebungen und unappetitlichen Vertraulichkeiten. Reinster Vampirismus.36
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung des Romans und der Zielsetzung der Arbeit, die Hauptfigur Inge Lohmark hinsichtlich einer möglichen Wandlung zu untersuchen.
2. Figurenanalyse: Betrachtung des Ist-Zustands von Inge Lohmark, ihrer Lehrerrolle und ihrer tiefen Verwurzelung in einer biologistisch geprägten Weltanschauung.
3. Figurenkonstellation: Analyse der sozialen Umgebung der Protagonistin, unterteilt in ihr privates Umfeld (Wolfgang, Claudia) und ihr berufliches Umfeld (Schüler, Kollegen).
4. Durchlebt Inge Lohmark eine Entwicklung: Untersuchung des Kulminationspunkts, an dem die Figur zwischen Darwinismus und Lamarckismus schwankt und ihre eigene emotionale Stagnation hinterfragt.
5. Schlussbetrachtung: Zusammenführung der Ergebnisse, wobei das Scheitern der Figur und die Umkehrung der Gattung "Bildungsroman" konstatiert werden.
Schlüsselwörter
Inge Lohmark, Judith Schalansky, Der Hals der Giraffe, Darwinismus, Lamarckismus, Bildungsroman, Figurenkonstellation, Pädagogik, soziale Evolution, Wandel, Stagnation, DDR-Vergangenheit, Identität, Biologielehrerin, Anpassung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Hauptfigur Inge Lohmark aus Judith Schalanskys Roman "Der Hals der Giraffe" im Hinblick auf ihr Denken, ihr Handeln und eine mögliche charakterliche Entwicklung im Verlauf der Erzählung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit befasst sich mit der Charakterisierung der Protagonistin, ihrer Einordnung in das soziale Gefüge, ihrem Verständnis von Naturgesetzen als Lebensmodell sowie dem Wandel von Gesellschaft und Individuum.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu klären, ob Inge Lohmark während des Romans eine tatsächliche Wandlung durchlebt oder ob ihr Verhalten in einem erstarrten, biologistisch determinierten Weltbild verhaftet bleibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Figurenanalyse durchgeführt, die Textstellen aus dem Roman mit narratologischen Aspekten verknüpft und die Figur in ihre soziale Konstellation einbettet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Charakterisierung der Figur, die Analyse ihrer Beziehungen zu Familie, Schülern und Kollegen sowie die Untersuchung der entscheidenden Wendepunkte im Handlungsverlauf.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Inge Lohmark, Darwinismus, Lamarckismus, Bildungsroman, Entwicklung, soziale Evolution, Stagnation und Identität.
Wie definiert Inge Lohmark das Verhältnis zu ihren Schülern?
Lohmark bezeichnet ihr Verhältnis als "professionell" und betrachtet ihre Schüler als bloße Objekte, die sie nach naturwissenschaftlichen Kategorien klassifiziert und denen sie mit zynischer Distanz begegnet.
Welche Rolle spielt der Lamarckismus in der Analyse der Schlüsselszene?
Der Wechsel von einer darwinistischen Weltsicht hin zu einer lamarckistischen Interpretation im dritten Kapitel markiert einen kulminierenden Moment, in dem Lohmark ihre bisherige Überzeugung vom Unabänderlichen hinterfragt.
- Arbeit zitieren
- Annkatrin Klückmann (Autor:in), 2013, Judith Schalanskys "Der Hals der Giraffe": Durchlebt die Hauptfigur Inge Lohmark eine Wandlung?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/265235