Publizistische Qualität ist ein schwer definierbares, meritorisches Gut. Seiner Sicherung wird heutzutage nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Ebenfalls wird befürchtet, es sei zunehmend von der wachsenden Boulevardisierung und Gewinnorientierung bedroht. Kann der Journalismus nicht mehr die ihm zugeteilte Informationsfunktion erfüllen, so wird die politische Meinungs- und Willensbildung nicht mehr im ausreichenden Maße stattfinden, um eine funktionierende Demokratie zu sichern.
Dieses wissenschaftliche Gutachten wurde anlässlich des Qualitätsstreits zwischen dem öffentlich-rechtlichen Sender ZDFinfo und dem privaten Rundfunk erstellt. Es hat das Ziel, die aktuelle Situation des Qualitätsjournalismus aus einer kommunikationswissenschaftlicher Sicht zu beleuchten. Um einen groben Überblick über die moderne Qualitätsforschung zu verschaffen, wird zunächst der aktuelle Forschungsstand vorgestellt. Da es unmöglich ist, alle Tendenzen und Aspekte des aktuellen wissenschaftlichen Diskurses vorzustellen, konzentriert sich der Bericht auf die aus der Sicht des Verfassers bedeutendsten Forschungsansätze: Die normativ-demokratietheoretischen, die journalistisch-analytischen und die publikumsorientierten Ansätze. Alle drei Kategoriengruppen sowie ihnen zugeordnete Überlegungen einzelner Wissenschaftler bieten unterschiedliche Zugangswege zur Qualitätsforschung. Damit ZDFinfo auch weiterhin qualitativ hochwertige Angebote gewährleisten kann, werden in diesem Bericht drei verschiedene Vorschläge zur Qualitätssicherung vorgestellt. Auf der interredaktionellen Ebene der Organisation und Mitarbeiter wird das „Total Quality Management“ als eine Art qualitätsfördernden Managements präsentiert. Für die Gewährleistung der Qualität auf der Ebene der Sendungsinhalten wird das Benchmarking-Konzept veranschaulicht. Schließlich wird die Idee von Infotainment erläutert, als ein Versuch, qualitativ hochwertige Inhalte mit publikumsorientierten Darstellungsmethoden zu vereinbaren. Durch eine knappe Zusammenfassung der aus diesem Schreiben hervorgehenden Ergebnisse wird der Bericht abgeschlossen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aktueller Forschungsstand
2.1. Normativ-demokratietheoretische Ansätze
2.2. Journalistisch-analytische Ansätze
2.3. Publikumsorientierte Ansätze
3. Vorschläge zu Qualitätssicherung
3.1. Organisation und Mitarbeiter: Qualitätsmanagement
3.2. Qualitätssicherung bei Medieninhalten: Das Benchmarking
3.3. Publikumsorientierung: Infotainment
4. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Gutachten analysiert die aktuelle Situation des Qualitätsjournalismus aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive, um dem Nachrichtensender ZDFinfo Handlungsempfehlungen zur Qualitätssicherung zu geben und das Spannungsfeld zwischen journalistischem Anspruch, ökonomischem Druck und Publikumsbedürfnissen zu beleuchten.
- Grundlagen der Qualitätsforschung im Journalismus
- Normative, analytische und publikumsorientierte Forschungsansätze
- Strategien der Qualitätssicherung mittels Total Quality Management (TQM)
- Benchmarking-Verfahren zur Optimierung journalistischer Inhalte
- Die Rolle von Infotainment im modernen Medienwettbewerb
Auszug aus dem Buch
3.2. Qualitätssicherung bei Medieninhalten: Das Benchmarking
Um die Qualität journalistischer Informationsinhalte zu sichern, bedarf es ebenfalls einer strukturellen Änderung in der Redaktion. Das Benchmarking-Verfahren ist ein komplexer Prozess, der zu einer Produktverbesserung führen soll (vgl. Arnold 2009: 338). Das Ziel ist es, ein Katalog mit Regeln und Richtlinien aufzustellen, das von allein Mitarbeitern der Redaktion zu befolgen ist. Das Benchmarking lässt sich in andere Konzepte, zum Beispiel in das oben erwähnte TQM, integrieren.
Nach dem Benchmarking-Konzept von Haller (2001) besteht der erste Schritt in der Ermittlung der Schwächen eines Produkts. Zunächst gilt es, die Ziele festzulegen, zu denen eine Produktverbesserung führen soll. Eine kontinuierliche Erfolgskontrolle ist der abschließende Schritt des Konzeptes. „Benchmarking [...] meint in den Wirtschaftswissenschaften ein Managementinstrument, mit dem die Leistungen [...] ermittelt und zur Analyse eigener Schwachpunkte herangezogen werden.“ (Arnold 2009: 338) Überträgt man dieses wirtschaftswissenschaftliche Konzept auf die publizistische Qualitätsforschung, so heißt das: Es sind „quantifizierende Merkmale zur Bestimmung der journalistischen Leistung“ ausfindig zu machen, ein „zuverlässiges Messinstrument“ muss eingerichtet werden und für jedes Merkmal muss eine „Bezugsgröße“ ermittelt werden (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die Relevanz publizistischer Qualität für die Demokratie und stellt die Zielsetzung des Gutachtens sowie die zentralen Forschungsansätze vor.
2. Aktueller Forschungsstand: Dieses Kapitel erläutert verschiedene theoretische Kategorien der Qualitätsforschung, insbesondere normativ-demokratietheoretische, journalistisch-analytische und publikumsorientierte Ansätze.
3. Vorschläge zu Qualitätssicherung: Hier werden konkrete Management- und Analysekonzepte wie TQM, Benchmarking und Infotainment vorgestellt, um die Qualität in Redaktionen nachhaltig zu sichern.
4. Fazit: Das Fazit führt die verschiedenen Ansätze zusammen und plädiert für eine Kombination aus internem Qualitätsmanagement und publikumsorientierter Programmgestaltung.
Schlüsselwörter
Qualitätsjournalismus, Qualitätssicherung, ZDFinfo, Medienökonomie, Benchmarking, Total Quality Management, Infotainment, Medienethik, Rezipientenforschung, Journalismusforschung, öffentliche Aufgabe, Publikumsbindung, Nachrichtensender, Medienwettbewerb, journalistische Leistung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem wissenschaftlichen Gutachten grundsätzlich?
Das Dokument befasst sich mit der Sicherung von Qualitätsjournalismus unter Berücksichtigung von sowohl inhaltlichen als auch ökonomischen Anforderungen im Kontext des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Arbeit ab?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Ansätzen der Medienqualität, redaktionellen Managementstrategien wie TQM und Benchmarking sowie der Rolle von Unterhaltungsformaten im Nachrichtenwesen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, der Redaktion von ZDFinfo wissenschaftlich fundierte Wege aufzuzeigen, wie publizistische Qualität trotz zunehmenden Wettbewerbsdrucks bewahrt und gesteigert werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die zentrale kommunikationswissenschaftliche Konzepte und Modelle (z.B. von Arnold, McQuail, Ruß-Mohl) auf die spezifische Situation des Senders anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bestandsaufnahme der Forschungsansätze und die anschließende Diskussion konkreter Qualitätssicherungsinstrumente wie TQM, Benchmarking und Infotainment.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Schlagworte sind Qualitätsjournalismus, Qualitätssicherung, Medienökonomie, Benchmarking und Infotainment.
Warum wird Benchmarking als Instrument zur Qualitätssicherung empfohlen?
Benchmarking erlaubt durch den Vergleich mit Branchenbesten eine datengestützte Identifikation von Schwächen und eine systematische Verbesserung des eigenen journalistischen Produktes.
Wie bewertet der Autor den Einsatz von Infotainment?
Der Autor sieht Infotainment als zweischneidiges Schwert: Es kann als Marketinginstrument dienen, um Quoten zu sichern, darf aber nicht dazu führen, dass komplexe Sachverhalte inhaltlich vernachlässigt werden.
- Arbeit zitieren
- Polina Polovnikova (Autor:in), 2013, Qualität im Journalismus, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/265223