In der vorliegenden Arbeit soll das dieses Spannungsverhältnis zwischen Theologie und Wissenschaft bei Ockham, der einerseits ein gelehrter Philosoph war, der die Regeln der Philosophie bis ins Kleinste studiert hat und sie so genau wie möglich auch versuchte anzuwenden, der andererseits aber auch ein gläubiger Theologe war, näher beleuchtet werden. Zuerst wird Ockham in seinen geschichtlichen Hintergrund einordnen, um im Hinblick auf seine Stellung im Geschichtsverlauf sein Denken und Wirken besser verstehen zu können. Um nun seinem Wissenschaftsverständnis und der Wissenschaftlichkeit der Theologie bei Ockham auf die Spur zu kommen, muss man zunächst kurz das Gottesverständnis bei Ockham betrachten, um danach seine Erkenntnislehre, die stark von diesem Gottesverständnis geprägt ist, verstehen zu können. Nun weiß man wie der Mensch überhaupt etwas erkennen kann und sieht wie Wissenschaft und wissenschaftlicher Erkenntnis durch diese Art des Erkennens völlig neu von Ockham definiert werden. Man kommt hier unweigerlich zu einem strengen Wissens- und Wissenschaftsbegriff. Am Schluss kommt man jetzt zur entscheidenden Frage: Kann die Theologie einen so streng formulierten Wissenschaftsbegriff erfüllen?
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG
KONTEXT
ALLMACHT GOTTES
ERKENNTNISLEHRE
ABSTRAKTIVE UND INTUITIVE ERKENNTNIS
WIE ERKENNT DER MENSCH?
WIE KANN DER MENSCH GLAUBENSWAHRHEITEN ERKENNEN?
WISSENSCHAFT BEI OCKHAM
WISSENSBEGRIFF
WISSENSCHAFT NEU DEFINIERT
THEOLOGIE UND WISSENSCHAFT
FAZIT
LITERATURANGABEN
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsverhältnis zwischen Theologie und Wissenschaft im Denken von Wilhelm von Ockham. Dabei wird analysiert, wie Ockham durch seine Erkenntnislehre und seinen strengen Wissenschaftsbegriff die Grenzen beider Disziplinen neu definiert und ob die Theologie in diesem Modell als Wissenschaft bestehen kann.
- Historischer Kontext der Lehrverurteilungen des 13. Jahrhunderts
- Ockhams Gottesverständnis und das Modell der Allmacht (potentia absoluta/ordinata)
- Theorie der intuitiven und abstraktiven Erkenntnis
- Kriterien für den strengen Wissensbegriff bei Ockham
- Die kritische Untersuchung der Theologie auf ihre wissenschaftliche Validität
Auszug aus dem Buch
Wissenschaft bei Ockham
Nach Ockham kann ›wissen‹ auf verschiedene Weisen aufgefasst werden, er unterscheidet vier Arten von Wissen. Er legt in seiner „Summa logicae“ eine dreifach unterteilte Definition von Wissen dar. Im Prolog seines Physikkommentars zu den wissenschaftlichen Schriften des Aristoteles taucht sogar eine vierfache Wissensdefinition auf, wobei hier nur die eine weitere Art des Wissens am Anfang hinzugefügt wird. Alles andere wird gleich definiert und beide Wissensdefinitionen zielen auf die gleiche Form des wissenschaftlichen Wissens ab.
Erstens ist „›Wissen‹ auf eine Weise eine gewisse Erkenntnis von etwas Wahrem“. Hier muss man etwas nicht real erfassen um es wissen zu können, sondern man glaubt einer Person oder Autorität und erfasst das, was von ihr gesagt wird, als wahren Sachverhalt. Dieses Wissen ist kein evidentes Wissen, aber da wir ohne Zweifel zustimmen können und es wahre Aussagen sind, sagen wir trotzdem, dass wir es wissen.
Zweitens „ist ›wissen‹ das evidente Verstehen der Wahrheit“, hier kann man nicht nur „notwendige, sondern ebenfalls kontingente Sachverhalte“ wissen. Das heißt man kann Dinge evident erkennen und wissen, wenn man sie unmittelbar wahrnehmen und nachprüfen kann, so wie in den Beispielen, die Ockham anführt: „ich weiß, dass du sitzest, und ich weiß, dass ich erkenne und lebe“.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Vorstellung des Denkers Wilhelm von Ockham und Einbettung in den philosophisch-theologischen Diskurs seiner Zeit sowie Darlegung des Zieles der Untersuchung.
KONTEXT: Erläuterung der Lehrverurteilungen von 1277 als Bruch zwischen Philosophie und Theologie und deren Einfluss auf nachfolgende Denker wie Duns Scotus.
ALLMACHT GOTTES: Analyse der göttlichen Macht bei Ockham, insbesondere der Unterscheidung zwischen der absoluten (potentia absoluta) und ordnungsgemäßen Macht (potentia ordinata).
ERKENNTNISLEHRE: Darstellung der intuitiven und abstraktiven Erkenntnis sowie der Frage nach der menschlichen Erkenntnisfähigkeit bezüglich Einzeldingen und Glaubenswahrheiten.
WISSENSCHAFT BEI OCKHAM: Erörterung des Wissensbegriffs und der Definition von Wissenschaft als ein durch Syllogismen erzeugter Prozess.
THEOLOGIE UND WISSENSCHAFT: Kritische Untersuchung, warum die Theologie nach Ockhams strengem Wissenschaftsverständnis keine Wissenschaft sein kann.
FAZIT: Zusammenfassende Würdigung von Ockhams Beitrag zur modernen Wissenschaftsauffassung und dessen Auswirkungen auf das Verhältnis von Kirche und Staat.
LITERATURANGABEN: Verzeichnis der herangezogenen Quellen und Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Wilhelm von Ockham, Wissenschaftsbegriff, Theologie, Erkenntnislehre, Allmacht Gottes, Nominalismus, Intuitive Erkenntnis, Abstraktive Erkenntnis, Syllogismus, Lehrverurteilung, Mittelalter, Glaube, Evidenz, Philosophie, Gott.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit dem Verhältnis von Wissenschaft und Theologie im Werk von Wilhelm von Ockham, ausgehend von seiner erkenntnistheoretischen Position.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind Ockhams Erkenntnislehre, seine Definition von Wissenschaft, sein Verständnis von Gottes Allmacht und die Frage, ob Theologie unter diesen strengen Prämissen als Wissenschaft gelten kann.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ockham Wissenschaft definiert und warum er daraus schlussfolgert, dass die Theologie nach diesen Maßstäben keine Wissenschaft im strengen Sinne ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es wird eine systematische Analyse der Schriften Ockhams vorgenommen, unter Einbeziehung des historischen Kontextes (1277) und des Vergleichs mit anderen Denkern wie Thomas von Aquin und Duns Scotus.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Erkenntnislehre, die Unterscheidung der göttlichen Mächte (potentia absoluta/ordinata), die Definition von Wissen sowie die Anwendung der Logik auf die Theologie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Schlüsselbegriffe sind Erkenntnislehre, Wissenschaftsbegriff, Allmacht Gottes, Nominalismus und die Syllogistik bei Ockham.
Warum leugnet Ockham den wissenschaftlichen Charakter der Theologie?
Weil der Theologie für Ockham die selbstevidenten Prämissen fehlen, da ihre Grundlagen auf Offenbarungen und dem Glauben beruhen und nicht auf einer rein vernunftgemäßen, evidenten Einsicht.
Welche Rolle spielt die "potentia absoluta" in Ockhams Denken?
Sie dient als Modell für die Allmacht Gottes, das zeigt, dass Gott nicht an Zweitursachen gebunden ist, was Ockhams Erkenntnislehre und die Unabhängigkeit des Glaubens maßgeblich beeinflusst.
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- Stefanie Bucher (Autor:in), 2009, Das Verhältnis von Wissenschaft und Theologie bei Wilhelm von Ockham, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/265034