Um sich einen Vorteil am Markt aufzubauen und zu erhalten, setzen Firmen heutzutage vermehrt darauf, sich durch innovative Ideen und Produkte von der Konkurrenz abzusetzen. Es bedarf der Kreativität der Mitarbeiter, neue und zugleich nützliche Varianten bzw. Optimierungspotentiale zu entwickeln. Auf der anderen Seite sind Kontrollsysteme, aufgrund der Interessensdivergenzen zwischen Unternehmen und Mitarbeitern, ein nicht wegzudenkendes Instrument zur Überwachung der Leistung der Mitarbeiter geworden.
Ziel dieser Arbeit ist es, den Zusammenhang zur Verfügung stehender Kontroll- und Anreizsysteme auf die Kreativität der Mitarbeiter anhand einer ausführlichen Analyse bereits bestehender Studien zu untersuchen. Es gelingt der vorliegenden Arbeit aufzuzeigen, dass sich vor allem die direkteste Form der Kontrolle, die Handlungskontrolle, negativ auf die nachfolgende Kreativität auswirkt. Das liegt hauptsächlich darin begründet, dass die Persönlichkeitsstruktur kreativer Mitarbeiter auf Unabhängigkeit und Autonomie ausgerichtet und somit mit direkter Überwachung nicht kompatibel ist. Beim Einsatz von anderen Kontrollmechanismen wie der personellen und kulturellen Kontrolle konnten dagegen positive Potentiale aufgezeigt werden. Entscheidend für den Erfolg ist es hierbei, dass die Eigenschaft der jeweiligen Kontrollform für die Mitarbeiter nur wenig wahrnehmbar ist, da sie indirekt schon zum Zeitpunkt der Vorauswahl bei Anstellung oder durch die Implementierung einer geeigneten Firmenkultur erfolgt. Diese gefühlte „Freiheit― erhöht die Wahrscheinlichkeit einer hohen intrinsischen Motivation der Mitarbeiter, was im besten Fall zu einer Selbstkontrolle führt.
Weniger eindeutige Resultate liefern die Auswirkungen von Anreizen auf die Kreativität. Insbesondere die gegenwärtige Forschung zur monetären Anreizgestaltung lässt noch kein eindeutiges Fazit zu. Konsens besteht jedoch beim Einsatz von verbalen Anreizen in Form von positivem Feedback. Durch das Fördern des wahrgenommenen Kompetenz- und Selbstbestimmungsgefühls wurden ausschließlich kreativitätsdienliche Effekte festgestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Kreativität und Kontrolle in Unternehmen
1.2 Problemstellung, Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2. Kreativität
2.1 Individuelle Kreativität
2.1.1 Persönlichkeitspsychologischer Ansatz
2.1.2 Soziopsychologischer Ansatz – Drei Bestandteile kreativer Wertschöpfung
2.2 Kreativität im Kontext externer Einflussfaktoren
2.2.1 Externe Einflussfaktoren individueller Kreativität
2.2.2 Wechselwirkungen von externen und persönlichen Kreativitätsmerkmalen
2.3 Messung von Kreativität
2.3.1 Die Consensual Assessment Technique
2.3.2 Weitere Verfahren zur Messung von Kreativität
3. Motivation als Ausgangspunkt der Wirkung von Kontroll- und Anreizsystemen
3.1 Motive und Motivation
3.2 Formen der Motivation
3.2.1 Intrinsische Motivation
3.2.2 Extrinsische Motivation
3.3 Motivationstheorien
3.3.1 Die Bedürfnishierarchie nach Maslow
3.3.2 Die Zweifaktorentheorie nach Herzberg, Mausner und Snyderman
3.3.3 Die kognitive Bewertungstheorie nach Deci und Ryan
3.3.4 Die Prizipal-Agenten-Theorie
3.3.5 Die Motivation Crowding Theory
4. Kontrollsysteme und Kreativität
4.1 Typologie und Entwicklung von Kontrollsystemen
4.2 Handlungskontrolle und ihre Wirkung auf die Kreativität von Mitarbeitern
4.3 Personelle Kontrolle und ihre Wirkung auf die Kreativität von Mitarbeitern
4.4 Kulturelle Kontrolle und ihre Wirkung auf die Kreativität von Mitarbeitern
5. Anreizsysteme im Kontext von Kreativität
5.1 Ergebniskontrollen in kreativen Bereichen
5.2 Anreize und ihre Wirkung auf die intrinsische Motivation
5.3 Materielle Anreize und Kreativität
5.3.1 Negative Effekte
5.3.2 Positive Effekte
5.4 Verbale Anreize und Kreativität
6. Diskussion
6.1 Theoretischer Beitrag und Handlungsempfehlungen
6.2 Einschränkungen und weitere Forschungsfelder
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, den Zusammenhang zwischen Kontroll- und Anreizsystemen sowie der Kreativität von Mitarbeitern wissenschaftlich zu untersuchen und zu analysieren, wie Unternehmen Leistungssteuerung und innovative Prozesse in Einklang bringen können.
- Grundlagen der individuellen Kreativität und deren Messmethoden.
- Die Rolle der Motivation als Bindeglied zwischen Kontrolle und kreativer Leistung.
- Analyse verschiedener Kontrollmechanismen (Handlungs-, personen- und kulturbezogene Kontrolle).
- Wirkungsweise materieller und verbaler Anreizsysteme auf die intrinsische Motivation.
Auszug aus dem Buch
1.1 Kreativität und Kontrolle in Unternehmen
Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind Unternehmen heute angehalten, kontinuierlich nach Wachstumsmöglichkeiten und neuen Methoden zur Leistungssteigerung Ausschau zu halten. Veränderte Kundenwünsche, neue Technologien, eine sich zunehmend rasant entwickelnde Globalisierung und sich verändernde gesellschaftliche Werte sind Herausforderungen, denen sich Organisationen stellen müssen (McMullen und Shepherd 2006).
Zur Beibehaltung und Generierung von Wettbewerbsvorteilen sind Firmen, vor allem wegen der Möglichkeit einfache, algorithmische Routinearbeit in Niedriglohnländern auszulagern (Pink 2011), vermehrt darauf angewiesen, auf intangible Ressourcen wie die individuellen Fähigkeiten der eigenen Mitarbeiter zu setzen.
Eine dieser Fähigkeiten, mit der sich diese Masterarbeit beschäftigt, ist Kreativität, also die Ideengewinnung für Produkte, Serviceleistungen oder Prozeduren, die neu und zugleich potentiell brauchbar, also direkt oder indirekt wertsteigernd für das Unternehmen sind (Amabile 1983a; Zhou und Shalley 2003).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Kreativität als Wettbewerbsfaktor ein und definiert die Problemstellung der Arbeit im Hinblick auf die Steuerung durch Kontrollsysteme.
2. Kreativität: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen individueller Kreativität, einschließlich Persönlichkeitsmerkmalen, externer Einflussfaktoren und verschiedener Messverfahren wie der Consensual Assessment Technique.
3. Motivation als Ausgangspunkt der Wirkung von Kontroll- und Anreizsystemen: Hier werden zentrale Motivationstheorien wie die Bedürfnishierarchie nach Maslow oder die Motivation Crowding Theory analysiert, um die psychologischen Grundlagen menschlichen Handelns im Arbeitskontext zu verstehen.
4. Kontrollsysteme und Kreativität: Dieses Kapitel untersucht verschiedene Kontrollmechanismen wie Handlungs-, personen- und kulturelle Kontrolle und analysiert deren Auswirkungen auf die kreative Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter.
5. Anreizsysteme im Kontext von Kreativität: Hier liegt der Fokus auf der Wirkung von materiellen und verbalen Anreizen auf die intrinsische Motivation und deren Konsequenzen für kreative Arbeitsprozesse.
6. Diskussion: Das abschließende Kapitel fasst die theoretischen Erkenntnisse zusammen, leitet Handlungsempfehlungen für die Unternehmensführung ab und benennt Einschränkungen sowie künftige Forschungsfelder.
Schlüsselwörter
Kreativität, Kontrollsysteme, Anreizsysteme, Intrinsische Motivation, Extrinsische Motivation, Leistungssteuerung, Arbeitsumfeld, Innovationsmanagement, Personalmanagement, Motivation Crowding Theory, Consensual Assessment Technique, Unternehmenserfolg, Mitarbeiterführung, Handlungskontrolle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen den notwendigen Kontroll- und Anreizsystemen eines Unternehmens und dem Bedürfnis nach Kreativität bei den Mitarbeitern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Messung von Kreativität, motivationstheoretische Grundlagen, verschiedene Arten der Unternehmenskontrolle sowie die Auswirkungen von Belohnungssystemen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Einfluss von Kontroll- und Anreizsystemen auf die kreative Leistung von Mitarbeitern zu beleuchten und aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen diese Instrumente die Kreativität fördern oder hemmen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Analyse bestehender wissenschaftlicher Literatur und empirischer Studien aus den Bereichen Psychologie und Betriebswirtschaftslehre.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Kreativität und Motivation sowie die anschließende kritische Analyse von Kontroll- und Anreizmechanismen in der betrieblichen Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Kreativität, Kontrollsysteme, Anreizsysteme, intrinsische und extrinsische Motivation sowie Innovationsfähigkeit.
Warum wird die Prizipal-Agenten-Theorie in diesem Kontext verwendet?
Sie dient als ökonomischer Erklärungsrahmen, um das grundlegende Problem der Interessendivergenz zwischen Unternehmen (Prinzipal) und Mitarbeitern (Agent) und die daraus resultierende Notwendigkeit von Kontrollsystemen zu verstehen.
Welche Bedeutung hat das Feedback für kreative Mitarbeiter?
Die Arbeit zeigt, dass informatives und positives Feedback die intrinsische Motivation und somit die Kreativität steigern kann, wohingegen kontrollierendes Feedback eher hemmend wirkt.
Können finanzielle Anreize die Kreativität fördern?
Dies ist ein kontroverses Thema; die Ergebnisse deuten darauf hin, dass materielle Anreize in komplexen kreativen Aufgaben die intrinsische Motivation untergraben können, sofern sie primär als kontrollierend wahrgenommen werden.
- Arbeit zitieren
- Benjamin Mayer (Autor:in), 2012, Kontroll- und Anreizsysteme und ihre Wirkung auf die Kreativität von Mitarbeitern, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/264610