Über 200 Krankenhäuser werden bis 2020 in Deutschland schließen müssen. Während sich im Jahr 2010 gerade mal jedes zehnte Krankenhaus in Insolvenzgefahr befand, wird 2020 bereits jedes sechste Krankenhaus von der Insolvenz bedroht sein. Schon heute erwirtschaftet etwa nur die Hälfte aller Krankenhäuser die Erträge, die zur Substanzerhaltung notwendig sind. Und in den nächsten Jahren wird sich diese Situation noch weiter zuspitzen. So lauten die alarmierenden Prognosen bis zum Jahr 2020, wenn sich die wirtschaftliche Situation nicht entscheidend verbessert. Zu dieser Erkenntnis kommen die Autoren des aktuellen Krankenhaus Rating Reports 2012. Für die dem Report zugrundeliegende bundesweite Gemeinschaftsstudie von RWI, HCB und Accenture wurden Jahresabschlüsse aus den Jahren 2009 und 2010 von insgesamt über 1.000 deutschen Krankenhäusern gründlich analysiert. Basierend auf diesen Daten konnten zum einen Hochrechnungen für die Jahre 2011 und 2012 durchgeführt und zum anderen Prognosen für 2020 aufgestellt werden. Demnach sind es besonders die kleinen kommunalen, die öffentlich-rechtlichen und die westdeutschen Krankenhäuser, denen schwierige Zeiten vorhergesagt werden. Während die Lage in Sachsen-Anhalt, Thüringen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Sachsen vergleichsweise gut ist, müssen die Krankenhäuser in Hessen, Baden-Württemberg und Niedersachsen ums Überleben kämpfen. Bei der Unterteilung nach Trägern zeichnet sich ebenso eine klare Tendenz ab. Während 80 % der privaten Krankenhäuser die trägerspezifische Mindest-Marge erreichen, trifft dies nur auf 40 % der nichtprivaten zu. Weiterhin arbeiten Kliniken mit einem hohen Spezialisierungsgrad qualitativ und wirtschaftlich nachweislich besser als Krankenhäuser mit einem breiten Leistungsspektrum. Es konnte nachgewiesen werden, dass mit dem Grad der Spezialisierung auch der Erfolg eines Krankenhauses zunimmt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Charakterisierung des deutschen Krankenhauswesens
2.1 Grundlagen des deutschen Gesundheitssystems
2.2 Grundlegende Merkmale von Krankenhäusern
2.2.1 Aktuelle Rahmendaten
2.2.2 Systematisierungsmöglichkeiten
2.2.3 Ziele und Aufgaben
2.2.4 Organisationsstruktur
2.3 Finanzierung von Krankenhäusern
2.3.1 Investitionsfinanzierung
2.3.2 Betriebskostenvergütung
3 Rahmenbedingungen deutscher Krankenhäuser
3.1 Gesetzliche Rahmenbedingungen
3.2 Veränderungen des Wettbewerbsumfelds
4 Controlling im Krankenhaus
4.1 Controlling-Begriff
4.2 Zielsetzung und Aufgaben des Controllings im Krankenhaus
4.3 Kosten- und Leistungsrechnung als Grundlage des Controllings
4.4 Operative Controlling-Instrumente im Krankenhaus
4.4.1 Kennzahlen und Berichtswesen
4.4.2 Clinical Pathways
4.4.3 Prozesskostenrechnung
4.5 Taktische Controlling-Instrumente im Krankenhaus
4.5.1 Fallmix-Optimierung
4.5.2 Multiattributive Investitionsplanung
4.6 Strategische Controlling-Instrumente im Krankenhaus
4.6.1 SWOT-Analyse
4.6.2 Portfolio-Analyse
4.6.3 Benchmarking
4.6.4 Balanced Scorecard
5 Perspektiven und Weiterentwicklungen
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Diplomarbeit ist es, den Status quo des Controllings in deutschen Krankenhäusern zu untersuchen, bestehende Controlling-Instrumente zu analysieren sowie deren Eignung und Anwendungsmöglichkeiten für Krankenhäuser kritisch zu bewerten. Im Zentrum der Forschungsfrage steht, welche Instrumente bereits verbreitet sind, welche Potenziale sie zur Ertragssteigerung bieten und welche spezifischen Aufgaben dem Krankenhauscontrolling sowie dem Medizincontrolling zukommen, um in einem zunehmend kompetitiven Umfeld bestehen zu können.
- Kritische Analyse des deutschen Krankenhaussektors und seiner Finanzierungsstrukturen.
- Differenzierung und Integration von Krankenhauscontrolling und Medizincontrolling.
- Untersuchung operativer, taktischer und strategischer Controlling-Instrumente (z.B. DRGs, Clinical Pathways, Fallmix-Optimierung).
- Diskussion zukünftiger Perspektiven und Entwicklungen im Krankenhausmanagement.
Auszug aus dem Buch
4.4.2 Clinical Pathways
Ein sehr bedeutendes und für den Krankenhaussektor spezifisches operatives Controlling-Instrument stellen die sogenannten klinischen Behandlungspfade bzw. Clinical Pathways dar, womit sich nahezu alle medizinischen Kernprozesse im Krankenhaus abbilden lassen. Sie können als lokal und interdisziplinär vereinbarte Standards für die ärztliche und pflegerische Leistungserstellung auf Basis der bestmöglichen medizinisch-pflegerischen Evidenz beschrieben werden (vgl. Kitchiner/Bundred, 1999, S. 54). Die Entwicklung und Umsetzung klinischer Behandlungspfade dienen der möglichst weitgehenden Standardisierung von Arbeitsabläufen, wodurch die Effizienz von Leistungsprozessen gesteigert und die dazugehörigen Kosten minimiert werden können (vgl. Huttin, 1997, S. 207ff.).
Prinzipiell kann sowohl eine Diagnose als auch eine medizinische Leistung als Ausgangspunkt der Methode herangezogen werden, wobei mit der DRG-Einführung die erstmalig vom Arzt dokumentierte Diagnose bzw. DRG dafür genereller sinnvoller erscheint (vgl. Edick/Whipple, 2001, S. 17ff.). Von der Hauptdiagnose ausgehend werden alle Beteiligten des Krankenhauspersonals anhand eines standardisierten Ablaufschemas durch den Behandlungsprozess geleitet. Neben den Vorgaben zum Ablauf und der Prozedurreihenfolge werden zu erreichende Zwischenziele angezeigt (vgl. Ireson, 1997, S. 16). Klinische Behandlungspfade werden den Ärzten und dem Pflegepersonal in der Regel als Hilfsmittel für ihre tägliche Arbeit grafisch visualisiert zur Verfügung gestellt (vgl. Greulich, 1997, S. 149f.). In Abbildung 7 ist ein Behandlungspfad für die Basisdiagnose Pneumonie beispielhaft dargestellt (vgl. Dykes/Wheeler, 2002, S. 64).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die zunehmende wirtschaftliche Bedrohung deutscher Krankenhäuser durch Insolvenzen und den wachsenden Druck zur Ökonomisierung, wodurch die Notwendigkeit moderner Controlling-Instrumente unterstrichen wird.
2 Charakterisierung des deutschen Krankenhauswesens: In diesem Kapitel werden das Gesundheitssystem, die organisatorischen Merkmale von Krankenhäusern sowie die spezifischen Rahmenbedingungen der Krankenhausfinanzierung – insbesondere die duale Finanzierung und der Wandel zum DRG-Vergütungssystem – detailliert dargestellt.
3 Rahmenbedingungen deutscher Krankenhäuser: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Einflussfaktoren und die sich wandelnden Marktbedingungen, die Krankenhäuser zu einer kontinuierlichen Anpassung ihrer internen Strukturen und Prozesse zwingen.
4 Controlling im Krankenhaus: Dieser zentrale Teil der Arbeit widmet sich der Definition und den Aufgaben des Krankenhauscontrollings, der Kosten- und Leistungsrechnung sowie der systematischen Vorstellung operativer, taktischer und strategischer Instrumente wie Kennzahlen, Fallmix-Optimierung und Balanced Scorecard.
5 Perspektiven und Weiterentwicklungen: Das abschließende Kapitel diskutiert die zukünftige Marktentwicklung, wie die notwendige Marktbereinigung und die strategische Neuausrichtung, und betont die wachsende Bedeutung des Medizincontrollings für den langfristigen Erfolg von Krankenhäusern.
Schlüsselwörter
Krankenhauscontrolling, Medizincontrolling, DRG-System, Fallpauschalen, Betriebswirtschaft, Prozessoptimierung, Clinical Pathways, Fallmix-Optimierung, Investitionsplanung, SWOT-Analyse, Portfolio-Analyse, Benchmarking, Balanced Scorecard, Krankenhausfinanzierung, Qualitätsmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Bestandsaufnahme des Controllings in deutschen Krankenhäusern unter Berücksichtigung der veränderten wirtschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Finanzierung von Krankenhäusern, der Einsatz verschiedener Controlling-Instrumente sowie die Koordination medizinischer und betriebswirtschaftlicher Prozesse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, welche Controlling-Instrumente in der Praxis genutzt werden, wo Potenziale für Ertragssteigerungen liegen und wie die Rollenverteilung zwischen Krankenhaus- und Medizincontrollern idealerweise gestaltet sein sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien (z.B. Krankenhaus Rating Report, Studien von Hundt/Schulze) und verknüpft diese mit theoretischen Modellen der Betriebswirtschaftslehre.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in operative, taktische und strategische Controlling-Instrumente, deren Anwendung im Krankenhausumfeld detailliert analysiert wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Krankenhauscontrolling, DRG-Vergütungssystem, Effizienzsteigerung, Medizincontrolling und strategische Planungsinstrumente.
Warum ist die Abgrenzung zwischen Krankenhauscontrolling und Medizincontrolling so wichtig?
Die Arbeit verdeutlicht, dass für eine ganzheitliche Steuerung sowohl betriebswirtschaftliche Daten als auch fundiertes medizinisches Fachwissen erforderlich sind, weshalb eine enge Zusammenarbeit beider Bereiche essenziell ist.
Welche Rolle spielen Clinical Pathways?
Clinical Pathways sind ein operatives Instrument zur Standardisierung von Behandlungsprozessen, das hilft, die Effizienz zu steigern, Kosten zu minimieren und die Behandlungsqualität sicherzustellen.
Warum ist die Multiattributive Investitionsplanung für Krankenhäuser relevant?
Sie ermöglicht es, Investitionsentscheidungen nicht nur an Finanzkennzahlen, sondern auch an qualitativen Zielen (z.B. Patientenzufriedenheit) auszurichten, was angesichts knapper Mittel besonders wichtig ist.
Welchen Stellenwert hat die Balanced Scorecard im Krankenhaus?
Obwohl sie komplex in der Implementierung ist, bietet die Balanced Scorecard als strategisches Instrument die Möglichkeit, auch "weiche" Faktoren wie die Qualität interner Prozesse oder das Lernpotenzial in die Steuerung einzubeziehen.
- Arbeit zitieren
- Katja Schönemann (Autor:in), 2013, Controlling im Krankenhaus - Eine kritische Bestandsaufnahme und Perspektiven der Weiterentwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/263433