Während sich die Wissenschaft bereits ausführlich mit dem Vergleich zwischen aktiv gemanagten Investmentfonds und ETFs sowie den Marktunvollkommenheiten beschäftigt hat, wurde der Vorgehensweise der Market Maker bei der intraday-Preisstellung bisher erst wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Um diese Lücke in der Literatur zu schließen, widmet sich diese Arbeit sowohl den intraday Preisquotierungen als auch deren Bid-Ask Spreads von den fünf ETFs auf den Deutschen Aktienindex (DAX). Dabei soll im ersten Teil der hier durchgeführten Analysen untersucht werden, ob der DAX-Futures (FDAX) einen signifikanten Beitrag auf die Preisquotierungen der ETFs leistet. Dies würde im krassen Widerspruch zu dem eigentlichen Ziel dieser ETFs stehen, nämlich die Performance des DAX und nicht die seines Futures zu replizieren. Zwar wurde ein solcher Zusammenhang schon von Schmidhammer, Lobe und Röder (2011) nachgewiesen, jedoch noch nicht auf Basis sekündlicher Daten. Zudem steht im Fokus dieser Analyse im Gegensatz zu der der oben genannten Autoren die Entwicklung des FDAX-Einflusses über die einzelnen Tage des Beobachtungszeitraums. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den intraday Bid-Ask Spreads. Da für ETFs vorab festgelegte maximale Spreads gelten, steht hier im Mittelpunkt des Interesses inwiefern die Market Maker dem Ziel gerecht werden, sich an diese Maximalwerte zu halten. Da diese Spread-Obergrenze für jeden ETF verschieden angesetzt sein kann und um ein ungetrübtes Bild der Qualität der Spreads der einzelnen ETFs gewährleisten zu können, wird in einer zweiten Untersuchung überprüft, wie die fünf ETFs bei einem einheitlichen Maximalwert abschneiden würden. Einen weiteren Schwerpunkt der darauf folgenden Analysen bilden die Einflussfaktoren der Bid-Ask Spreads. Insbesondere stellt sich dabei die Frage inwiefern sich die erwartete, kurzfristige DAX-Volatilität sowie die Entwicklung des FDAX auf die Höhe der Spreads auswirkt. Da bereits für Spreads von internationalen ETF-Märkten charakteristische intraday Verteilungsmuster nachgewiesen werden konnten, widmet sich der letzte Teil dieser Arbeit der Identifikation solcher für den deutschen Markt. Um die genannten Sachverhalte und Forschungsschwerpunkte auch unter extremen Marktbedingungen zu überprüfen, bietet sich das Marktumfeld des DAX im Oktober 2008 durch seine teilweise sehr hohe Volatilität und die Marktverwerfungen, hervorgerufen durch die Kurskapriolen der VW-Aktie, als die ideale Beobachtungsperiode an.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. GRUNDLAGEN ÜBER EXCHANGE TRADED FUNDS
2.1. DEFINITION UND ABGRENZUNG
2.2. REPLIKATIONSMETHODEN
2.3. DER CREATION-/ REDEMPTION-PROZESS
3. LITERATURÜBERBLICK
4. BESCHREIBUNG UND AUFBEREITUNG DER DATENSÄTZE
4.1. DATENSATZ
4.2. DATENAUFBEREITUNG DER MITTLEREN PREISQUOTIERUNGEN
4.3. DATENAUFBEREITUNG DER BID-ASK SPREADS
4.4. DATENAUFBEREITUNG DER DAX-FUTURES KURSE
5. ANALYSE DER INTRADAY PREISQUOTIERUNGEN
5.1. EINFLUSS DES DAX-FUTURES AUF DIE PREISQUOTIERUNGEN
5.2. EINFLUSS DER ERWARTETEN, KURZFRISTIGEN DAX-VOLATILITÄT AUF DIE PREISQUOTIERUNGEN
6. ANALYSE DER INTRADAY BID-ASK SPREADS
6.1. DESKRIPTIVE STATISTIK DER INTRADAY BID-ASK-SPREADS
6.2. EINFLUSS DER KURZFRISTIGEN VOLATILITÄT AUF DIE BID-ASK SPREADS
6.3. EINFLUSS DES DAX-FUTURES AUF DIE BID-ASK SPREADS
6.4. INTRADAY VERTEILUNGSMUSTER DER BID-ASK SPREADS
7. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Intraday-Verhalten von Preisquotierungen und Bid-Ask Spreads bei fünf DAX-ETFs unter Berücksichtigung extremer Marktbedingungen (Oktober 2008). Ziel ist es, den Einfluss des DAX-Futures sowie der kurzfristigen DAX-Volatilität auf die Preisstellung und die Liquidität der ETFs zu analysieren und Lücken in der Literatur zur Intraday-Vorgehensweise der Market Maker zu schließen.
- Analyse der Preisfindung durch DAX-Futures
- Untersuchung der Auswirkungen von Volatilität auf Preisquotierungen
- Evaluierung der Bid-Ask Spreads unter extremen Marktbedingungen
- Identifikation von Intraday-Verteilungsmustern der Spreads
Auszug aus dem Buch
2.3. Der Creation-/ Redemption-Prozess
Wie der Name „Exchange Traded Funds“ schon vermuten lässt, handelt es sich bei diesen um börsengehandelte Investmentfonds. Damit ETFs jederzeit an der Börse erworben und verkauft werden können, muss genügend Liquidität in diesem Markt vorherrschen. Diese Liquidität wird durch zwei Wege, den Börsenhandel im Sekundärmarkt und dem Creation-/ Redemption-Prozess im Primärmarkt, gewährleistet. Eine dabei tragende Rolle kommt insbesondere dem einzigartigen Creation-/ Redemption-Prozess zu, der sich durch einen in sich geschlossenen Prozess in Sachwerten („in-Kind“- Prozess) auszeichnet. Dieser wird im Folgenden erläutert.
Für die Bereitstellung einer ausreichenden Liquidität sind die sogenannten Market Maker (auch „Autorisierte Teilnehmer“ oder „Designated Sponsors“) verantwortlich. Diese sind dazu verpflichtet, kontinuierlich für ein Mindestquotierungsvolumen verbindliche und marktnahe Geld- und Brief-Preise zu stellen und dies zu mindestens 90 % der offiziellen Handelszeiten. Zudem sind sie das Bindeglied zwischen Primär- und Sekundärmarkt. Der Primärmarkt ist praktisch der Entstehungsort der ETFs, der durch die alleinige Interaktion zwischen ETF-Emittent und Market Makern gekennzeichnet ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Bedeutung und das Wachstum von ETFs sowie Formulierung der Forschungsfrage bezüglich der Intraday-Preisstellung und Bid-Ask Spreads.
2. GRUNDLAGEN ÜBER EXCHANGE TRADED FUNDS: Definition von ETFs, Erläuterung der Replikationsmethoden und Beschreibung des Creation-/Redemption-Prozesses zur Liquiditätsbereitstellung.
3. LITERATURÜBERBLICK: Darstellung bestehender wissenschaftlicher Untersuchungen zur Performance, den Marktunvollkommenheiten und den Bid-Ask Spreads von ETFs.
4. BESCHREIBUNG UND AUFBEREITUNG DER DATENSÄTZE: Erläuterung des Datensatzes aus dem Oktober 2008 und der methodischen Schritte zur Bereinigung und Transformation der Daten.
5. ANALYSE DER INTRADAY PREISQUOTIERUNGEN: Untersuchung des Einflusses von DAX-Futures und Volatilität auf die Preisabweichungen zwischen DAX und den ETFs mittels OLS-Regressionsmodellen.
6. ANALYSE DER INTRADAY BID-ASK SPREADS: Deskriptive Analyse der Spreads sowie Untersuchung ihrer Einflussfaktoren und Identifikation von Intraday-Verteilungsmustern.
7. ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenfassende Darstellung der wichtigsten Ergebnisse der Analysen unter extremen Marktbedingungen im Oktober 2008.
Schlüsselwörter
DAX, ETFs, Intraday, Preisquotierung, Bid-Ask Spreads, Market Maker, Creation-/Redemption-Prozess, DAX-Futures, Volatilität, Liquidität, Finanzdienstleistungen, Börse Frankfurt, Preisfindung, Arbitrage, Regressionsanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Intraday-Analyse von Preisquotierungen und Geld-Brief-Spannen (Bid-Ask Spreads) von ETFs, die den DAX nachbilden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Preisfindung bei ETFs, das Liquiditätsmanagement durch Market Maker und der Einfluss von Marktvolatilität auf die Handelsqualität.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist zu klären, ob DAX-Futures die Preisbildung der ETFs signifikant beeinflussen und inwieweit die Volatilität des Basiswertes die Spreads verändert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt quantitative empirische Methoden, insbesondere OLS-Regressionsmodelle, um sekündliche Handelsdaten aus dem Oktober 2008 statistisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Datengrundlagen aufbereitet, gefolgt von einer detaillierten Analyse des Einflusses von Futures und Volatilität auf Preis und Spreads, ergänzt durch deskriptive Statistiken zu Verteilungsmustern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DAX, ETFs, Intraday, Bid-Ask Spreads, Market Maker und Volatilität.
Welche besondere Beobachtungsperiode wird gewählt?
Es wird der Oktober 2008 gewählt, da dieser Monat durch hohe Volatilität und Marktverwerfungen infolge der Kurskapriolen der VW-Aktie gekennzeichnet war.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Market Maker?
Der Autor stellt fest, dass Market Maker in extremen Marktsituationen nicht garantieren können, dass die Spreads unter einem maximalen Zielwert bleiben, obwohl sie sich im Durchschnitt daran orientieren.
- Quote paper
- André Philipp Flaton (Author), 2012, Intraday-Preisstellung von DAX ETFs, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/263306