Von Nietzsche weiß man, dass er, zumindest in seinen letzten
Lebensjahren, einige Schriften in sehr scharfem Ton verfasste. Als
Philologe, war er der Schriftsprache besonders mächtig, er konnte sich gut
ausdrücken und seine Polemik offerieren. Nicht immer sagte er gerade
heraus, was er dachte, sondern verpackte es oft ironisch. So ist man also
nie ganz sicher, wie er etwas meint. Er ist nicht immer einfach zu
verstehen und wird vielleicht gerade deshalb häufiger falsch verstanden.
Friedrich Nietzsche hat in seinen späten Lebensjahren ein Buch
geschrieben mit dem Titel: „Der Antichrist“, mit dem ersten Untertitel
„Umwertung aller Werte“, was er später in „Fluch auf das Christentum“
geändert hat.
In diesem Buch geht es gegen das Christentum und explizit gegen die
„Priester“, auch um Jesus und wie er zum „Erlöser“ wurde. Nietzsche
kritisiert das Christentum und die Priester in besonderer Art.
Erstaunlicherweise ist in Bezug auf Jesus eine nicht so offensichtliche Kritik
oder Abkehr zu bemerken, was ungewöhnlich ist. Er hebt ihn aber auch
nicht besonders positiv heraus, eher will er ihn auf eine andere Ebene,
eine weniger anerkennende Ebene bringen, eine Sichtweise, in der Jesus
nämlich menschlich unbedeutend und pathologisch gesehen werden
muss.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff „Erlöser“
3. Was sagt Nietzsche über Jesus?
3.1 Jesus als Mensch und Person
3.2 Jesus, ein Held?
3.3 Jesus, ein Genie?
3.4 Jesus, ein Idiot?
4. Jesus, der „Typ des Erlösers“
5. Jesus als „Erlöser“
6. Paulus und der „Erlöser“
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kritische Auseinandersetzung Friedrich Nietzsches mit der Figur Jesu Christi und dem Konzept des „Erlösers“ in seinem Spätwerk „Der Antichrist“. Dabei wird analysiert, wie Nietzsche versucht, das christliche Fundament zu erschüttern, indem er Jesus als historisch unbedeutend und psychologisch pathologisch darstellt, während er gleichzeitig die Rolle des Apostels Paulus als maßgeblichen „Fälscher“ der ursprünglichen Lehre Jesu entlarvt.
- Die psychologische Dekonstruktion der „Erlöser“-Figur durch Nietzsche.
- Die Rolle von Paulus bei der Transformation Jesu zum heilsgeschichtlichen Erlöser.
- Nietzsches polemische Charakterisierung Jesu (Held, Genie, Idiot).
- Das Spannungsfeld zwischen Nietzsches Religionskritik und historischer Realität.
Auszug aus dem Buch
3.4 Jesus, ein Idiot?
Was aber bedeutete der Begriff „Idiot“ damals und was heute?
Idiot wird vom griech. (Idiotes) her abgeleitet und bedeutet wertfrei bis heute etwa „Privatperson“. im Gegensatz zu einer Person, die ein öffentliches Amt innehat oder im Namen einer Institution handelt). Vom lat. Idiota wurde das ein Synonym für „Laie“, , „Pfuscher“, „Stümper“, „unwissender Mensch“. Später wurde der Begriff allgemein auf Laien oder Personen mit einem geringen Bildungsgrad angewandt“. (IQ unter 60).
In der Medizin und Psychologie war „Idiotie“ eine Diagnose für bestimmte Formen geistiger Behinderung. Heute wird es als Schimpfwort eingesetzt und bezeichnet einen dummen Menschen, der nicht rational handeln kann. Dieser Begriff hat also im Laufe der Zeit Wandlungen erfahren. Er ist mehr und mehr zu einem Schimpfwort geworden. Damals, wie auch heute bezeichnet man damit einen Menschen, der nicht fähig ist zu denken, nachzudenken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in Nietzsches scharfe, ironische Polemik gegen das Christentum und die Zielsetzung, Jesus menschlich und pathologisch einzuordnen.
2. Der Begriff „Erlöser“: Definition und lexikalische Einordnung des Erlösungsbegriffs im religiösen Kontext sowie dessen gegenseitige Bedingtheit.
3. Was sagt Nietzsche über Jesus?: Analyse von Nietzsches fundamentaler Kritik am Christentum und der gezielten Abwertung Jesu als „höheren Typus“, der für Nietzsche ein feindseliges Ideal darstellt.
3.1 Jesus als Mensch und Person: Betrachtung von Jesus als eine Person mit eingeschränkter Begrifflichkeit und fehlendem Bezug zu staatlicher oder gesellschaftlicher Realität.
3.2 Jesus, ein Held?: Erörterung der Frage, ob Jesus als „Held“ bezeichnet werden kann, wobei Nietzsche dies aufgrund des fehlenden Willens zur Macht ablehnt.
3.3 Jesus, ein Genie?: Untersuchung der Einordnung Jesu als „Genie“, was Nietzsche ebenfalls zurückweist, da Jesus nach seinem Verständnis keinen Zugang zur geistigen Welt hat.
3.4 Jesus, ein Idiot?: Analyse von Nietzsches Verwendung des Begriffs „Idiot“ zur Kennzeichnung eines Menschen, der in einer eigenen, realitätsfernen Welt lebt.
4. Jesus, der „Typ des Erlösers“: Darstellung von Jesus als psychologischen Typus statt als historisch fassbare Person.
5. Jesus als „Erlöser“: Untersuchung, wie die Jünger nach dem Tod Jesu durch das Konstrukt des Opfertodes eine neue, auf Rache und Vergeltung basierende Lehre schufen.
6. Paulus und der „Erlöser“: Darstellung des Paulus als zentralen Akteur, der durch die Erfindung von Opfertod und Auferstehung das ursprüngliche Wirken Jesu „fälschte“.
7. Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Einschätzung von Nietzsches Versuch, das Christentum durch die Entlarvung des Erlösungsgedankens als Instrument der Bevormundung zu überwinden.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Der Antichrist, Erlöser, Christentum, Paulus, Umwertung aller Werte, Religionskritik, Sündenfall, Opfertod, Instinkt, Psychologie, Atheismus, Moral, Auferstehung, Nihilismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert Friedrich Nietzsches kritische Sicht auf Jesus Christus und die christliche Erlösungslehre, wie sie in seinem späten Werk „Der Antichrist“ formuliert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehungsgeschichte der christlichen Dogmatik, die Rolle des Apostels Paulus als „Fälscher“ des Evangeliums und die psychologische Einordnung der Figur Jesu durch Nietzsche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Nietzsches Argumentationsstruktur offenzulegen, mit der er versucht, Jesus als einen realitätsfernen, aber nicht böswilligen Menschen darzustellen, um die gesamte christliche Moral zu delegitimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine textanalytische Untersuchung, die Nietzsches Originalschriften mit zeitgenössischer Sekundärliteratur vergleicht, um seine Schlussfolgerungen einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Nietzsches Typologien (Held, Genie, Idiot), die Rolle der Jünger bei der Transformation der Lehre Jesu und die entscheidende Rolle des Paulus bei der Konstruktion des „Erlösers“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Umwertung aller Werte“, „Antichrist“, „Erlöser“, „Paulus“ und „Nietzsches Religionskritik“ charakterisiert.
Wie bewertet Nietzsche die Person Jesus im Vergleich zum Christentum?
Nietzsche unterscheidet zwischen dem historischen Jesus, den er eher als unbedeutenden, einfachen Menschen sieht, und dem durch die Kirche konstruierten „Erlöser“, den er vehement ablehnt.
Warum spielt Paulus eine so entscheidende Rolle in der Argumentation?
Für Nietzsche ist Paulus derjenige, der die ursprüngliche, friedliche Lebenspraxis Jesu durch die Erfindung von Sünde, Strafe und Auferstehung erst in das christliche Machtsystem transformiert hat.
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- Berta Margarete Huldt (Author), 2013, Wie wurde Jesus zum Erlöser?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/262902