Politischer Unterricht, so der Politikdidaktiker Klaus Moegling, „ist darauf angewiesen, sich in
Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen zu bilden und zu realisieren, ist ambivalent
und enthält ein Anpassungs- sowie ein Widerstandsmoment“ (Moegling 2010: 74).
Arbeitsauftrag: Reflektieren Sie diese in Anlehnung an Adorno entwickelte politikdidaktische
Konzeption im Hinblick auf einen problem- und subjektorientierten Unterricht. Bedenken Sie im
Rahmen dessen sowohl das zwischen den didaktischen Konzeptionen bestehende
Spannungsverhältnis als auch die besonderen Schwierigkeiten, die sich aus den differenten
gesellschaftlichen Funktionen der Institution Schule ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und theoretische Grundlegung zur Mündigkeit
2. Die Rolle der instrumentellen Vernunft im modernen Bildungswesen
3. Institutionelle Barrieren: Kommunikationsbehinderung im Unterricht
4. Subjektorientierung versus Handlungsproblematik
5. Die gesellschaftlichen Funktionen der Schule
6. Problemorientierung als didaktisches Brückenkonzept
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit reflektiert die von Klaus Moegling entwickelte politikdidaktische Konzeption unter Rückgriff auf Adornos Erziehungsideale und untersucht das Spannungsfeld zwischen Subjekt- und Problemorientierung im Kontext der institutionellen Zwänge des heutigen Schulsystems.
- Mündigkeit als Gegenkraft zur instrumentellen Vernunft
- Institutionelle Hindernisse für expansives Lernen
- Die gesellschaftlichen Funktionen der Institution Schule
- Problemorientierung als Brücke zur Mündigkeit
Auszug aus dem Buch
Die Behinderung von Kommunikation als Instrument defensiven Lernens
Die Behinderung von Kommunikation ist nur eine Möglichkeit von vielen die Eindämmung expansiver Lernprozesse zu begünstigen und defensives Lernen zu fördern. Es muss betont werden, dass defensives Lernen im Politikunterricht nicht in Mündigkeit der Lernenden resultieren kann, da es nicht durch Interesse motiviert ist, sondern durch Furcht vor Sanktionen. Dies gilt für defensives Lernen allgemein, jedoch hat vor allem der Politikunterricht das Ziel der Mündigkeit der Lernenden, das bedeutet die Vermittlung von Fähigkeiten über das Fachwissen hinaus. Politkunterricht trägt eine Verantwortung wie kaum ein anderes Schulfach, da es die Mitwirkung der Individuen an der Gestaltung der Gesellschaft in direkterem Maße beeinflusst und verantwortet als Fächer, die reines Fachwissen oder Sprachkenntnisse vermitteln.
Wenn das Lernen im Politikunterricht durch Furcht und Selbstschutz angetrieben wird, kann sich freiwilliges politisches Engagement außerhalb der Schule schwer entwickeln. Dies gilt auch für eine nachlässige und motivationslose Durchführung des Politikunterrichts, soll jedoch nicht weiter ausgeführt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und theoretische Grundlegung zur Mündigkeit: Dieses Kapitel definiert Mündigkeit als das zentrale Ziel des politischen Unterrichts, das über bloße Anpassung an gesellschaftliche Strukturen hinausgeht.
2. Die Rolle der instrumentellen Vernunft im modernen Bildungswesen: Es wird analysiert, wie eine rein ökonomisch geprägte instrumentelle Vernunft die Bildung behindert und das Streben nach moralischer Mündigkeit untergräbt.
3. Institutionelle Barrieren: Kommunikationsbehinderung im Unterricht: Dieses Kapitel beleuchtet, wie schulische Zwänge und die Rolle der Lehrkraft den notwendigen Dialog für expansives Lernen systematisch unterdrücken.
4. Subjektorientierung versus Handlungsproblematik: Der Text erörtert, warum das Fehlen von echtem Lerninteresse zu defensiven Verhaltensweisen bei Schülern führt, statt zur Auseinandersetzung mit der eigenen Lernproblematik.
5. Die gesellschaftlichen Funktionen der Schule: Hier werden die widersprüchlichen Funktionen wie Qualifikation, Selektion und Integration untersucht, die eine Umsetzung von Subjektorientierung erschweren.
6. Problemorientierung als didaktisches Brückenkonzept: Abschließend wird dargelegt, wie die Problemorientierung trotz ihrer vorgegebenen Kategorien den Einstieg in die Mündigkeit erleichtern kann.
Schlüsselwörter
Mündigkeit, Politische Bildung, Politikunterricht, Subjektorientierung, Problemorientierung, instrumentelle Vernunft, expansives Lernen, defensives Lernen, Schule, Selektion, Sozialisation, Emanzipation, gesellschaftliche Strukturen, Partizipation, Bildungsauftrag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Herausforderungen, Mündigkeit als Erziehungsziel im Rahmen eines selektierenden und ökonomisch geprägten Schulsystems zu erreichen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören das Spannungsfeld zwischen Subjekt- und Problemorientierung, die institutionelle Behinderung von Kommunikation sowie die Kritik an der instrumentellen Vernunft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu reflektieren, wie Politikunterricht Lernende trotz institutioneller Barrieren zur Mündigkeit befähigen kann.
Welche theoretischen Bezugspunkte werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich maßgeblich auf die politikdidaktischen Überlegungen von Klaus Moegling, die kritische Psychologie von Klaus Holzkamp sowie die Philosophie von Adorno und Kant.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Konflikte zwischen den Funktionen der Schule, die Bedeutung von Interesse für Lernprozesse und die Tauglichkeit der Problemorientierung als Methode.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Mündigkeit, instrumentelle Vernunft, Subjektorientierung und die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen.
Was ist mit dem „Lehrlernkurzschluss“ gemeint?
Dieser Begriff beschreibt die falsche Annahme, dass das investierte Quantum an Zeit zur Wissensvermittlung direkt dem tatsächlichen Lernerfolg des Schülers entspricht.
Warum ist die Problemorientierung für den Unterricht so bedeutend?
Sie bietet einen methodischen Weg, an die Vorerfahrungen der Schüler anzuknüpfen und durch analytische Kategorien Interesse an gesellschaftlichen Konflikten zu wecken.
- Arbeit zitieren
- Margarita Apyestina (Autor:in), 2011, Politischer Unterricht als Anpassungs- und Widerstandsmoment, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/262750