In dieser Arbeit werden drei Varietäten des in Lateinamerika gesprochenen Spanisch untersucht. Herausgestellt wird, ob sich diese aus der andalusischen Varietät des Spanischen herausgebildet haben, da besonders viele Siedler zur Kolonialzeit aus Andalusien stammten.
Inhaltsverzeichnis
1) Einleitung
2) Thesen zur Herausbildung des amerikanischen Spanisch
2.1) Die Andalucismo-These
2.2) Die Antiandalucismo-These
3) Methode
4) Phonetische Besonderheiten des amerikanischen Spanisch
4.1) Seseo
4.2) Yeísmo
4.3) Die Realisierung von /s/
5) Phonetische Besonderheiten der habla andaluz
5.1) Seseo
5.2) Yeísmo
5.3) Die Realisierung von /s/
6) Vergleich der phonetischen Besonderheiten
6.1) Seseo
6.2) Yeísmo
6.3) Die Realisierung von /s/
7) Fazit
8) Bibliographie
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von Sprachaufnahmen, ob sich das in Lateinamerika gesprochene Spanisch direkt aus der andalusischen Varietät herleiten lässt oder ob andere Faktoren für dessen Herausbildung maßgeblich waren.
- Analyse und Vergleich phonetischer Merkmale zwischen amerikanischem Spanisch und andalusischem Spanisch.
- Überprüfung der klassischen Thesen zur Herausbildung des amerikanischen Spanisch (Andalucismo- vs. Antiandalucismo-These).
- Untersuchung spezifischer Phänomene wie Seseo, Yeísmo und die Realisierung von /s/ anhand von Sprecherbeispielen.
- Kritische Reflexion über die Homogenität bzw. Heterogenität sprachlicher Entwicklungen im hispanoamerikanischen Raum.
- Diskussion über Eigeninnovationen und Einflüsse anderer europäischer oder indigener Varietäten.
Auszug aus dem Buch
4.2) Yeísmo
Ebenso wie bei dem seseo handelt es sich bei dem yeísmo um eine Dephono-logisierung. In diesem Fall wird die Opposition zwischen den Phonemen /ʎ/ und /j/ zugunsten von /j/ aufgehoben (vgl. Noll 2001: 28). In den vorliegenden Sprecherbeispielen realisieren der Sprecher aus Caracas (Venezuela) und die Sprecherin aus Trujillo (Peru) [ejo] für <ellos>. Die Sprecherin aus Peru realisiert zudem [ßrijo] für <brilló>, während in der standardspanischen Aussprache in beiden Fällen das Phonem /ʎ/ realisiert worden wäre (vgl. Böhle/Milagros Iglesias Iglesias/Madárnas Aceña 2003: 263/106). Der Sprecher aus Venezuela realisiert im Fall von <brilló> [ßriʝo] (siehe A1). Es handelt sich in diesem Fall um eine Affrizierung des Lautes /j/. [ʝ] ist also das Ergebnis eines Lautwandels, in dem sich der palatale Halbkonsonant /j/ in eine palatale Affrikate wandelt (vgl. Piñero 2006: rasgos dialectales>Prononciación de las semiconsonantes,Africación de /j/). Der Sprecher des vorliegenden Sprachmaterials realisiert jedoch nur den stimmhaften palatalen Frikativ /ʝ/ der Affrikate, denn diese besteht per Definition aus der Kombination eines Plosiv und eines Frikativs. Ob diese in ihrer phonologischen Wertung aber als ein oder zwei Phoneme angesehen werden sollten, ist noch umstritten (vgl. Bußman 1983: 12).
Zusammenfassung der Kapitel
1) Einleitung: Einführung in die historische Eroberung Amerikas und die daraus resultierenden sprachlichen Migrationsbewegungen sowie die Präsentation der zentralen Forschungsfrage.
2) Thesen zur Herausbildung des amerikanischen Spanisch: Gegenüberstellung der Andalucismo-These, die einen andalusischen Ursprung postuliert, und der Antiandalucismo-These, die eine unabhängige Entwicklung betont.
3) Methode: Erläuterung der Untersuchungsgrundlage mittels der Dialectoteca del Español und Begründung der Sprecherauswahl aus verschiedenen Regionen.
4) Phonetische Besonderheiten des amerikanischen Spanisch: Detaillierte Analyse der Phänomene Seseo, Yeísmo und der Realisierung des /s/ in ausgewählten lateinamerikanischen Regionen.
5) Phonetische Besonderheiten der habla andaluz: Untersuchung der gleichen phonetischen Merkmale in der andalusischen Varietät anhand einer Sprecherin aus Sevilla.
6) Vergleich der phonetischen Besonderheiten: Synthese der Ergebnisse durch einen systematischen Vergleich, der Gemeinsamkeiten und Divergenzen in Bezug auf den Ursprung beleuchtet.
7) Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die Entstehung des amerikanischen Spanisch nicht ausschließlich auf das Andalusische zurückzuführen ist, sondern ein heterogener Prozess unter Einfluss verschiedener Faktoren war.
8) Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primärquellen und weiterführender wissenschaftlicher Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Amerikanisches Spanisch, Andalusisches Spanisch, Seseo, Yeísmo, Sprachgeschichte, Phonetische Variation, Dialektologie, Sprachwandel, Migration, Sprecheranalyse, Habla andaluz, Assimilation, Aspiration, Sprachursprung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die sprachhistorische Verbindung zwischen dem Spanisch in Amerika und der andalusischen Varietät des Spanischen, um zu klären, ob das amerikanische Spanisch aus dem Andalusischen hervorgegangen ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf phonetischen Besonderheiten, namentlich Seseo, Yeísmo und die Aspiration bzw. Elision des /s/.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Prüfung, ob die genannten phonetischen Merkmale als Beweis für eine andalusische Herkunft des amerikanischen Spanisch dienen können oder ob regionale Unterschiede dagegen sprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine korpusbasierte Analyse, bei der Sprachproben aus der „Dialectoteca del Español“ von Sprechern aus verschiedenen Regionen Amerikas mit einer Sprecherin aus Sevilla verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Thesen zur Sprachherkunft vorgestellt, gefolgt von einer detaillierten phonetischen Analyse und einem anschließenden Vergleich der Daten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Seseo, Yeísmo, Amerikanisches Spanisch, Andalusisches Spanisch und Sprachwandel.
Was genau beschreibt der Begriff des "Žeísmo" in dieser Arbeit?
Der Žeísmo beschreibt eine Weiterentwicklung des Yeísmo, bei der durch Assibilation und anschließende Desonorisierung ein neuer Laut entsteht, der besonders für den Río de la Plata Raum charakteristisch ist.
Warum ist die Realisierung des /s/ bei der Sprecherin aus Sevilla laut Autorin überraschend?
Die Sprecherin aus Sevilla realisiert das /s/ kontinuierlich, obwohl die Aspiration von /s/ in der wissenschaftlichen Literatur als eines der wichtigsten Merkmale des andalusischen Spanisch definiert wird.
Können die Untersuchungsergebnisse den andalusischen Ursprung des amerikanischen Spanisch eindeutig bestätigen?
Nein, die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Ursprung heterogen ist und neben andalusischen Einflüssen auch kastilische Merkmale sowie lokale Eigeninnovationen eine bedeutende Rolle spielten.
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- Janike Kyritz (Author), 2013, Bildete sich das amerikanische Spanisch aus der andalusischen Varietät heraus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/262432