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Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg - Entstehung und Zerstörung des Wehrmachtsmythos

Titel: Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg - Entstehung und Zerstörung des Wehrmachtsmythos

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2003 , 34 Seiten , Note: 2

Autor:in: Jürgen Bader (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Als die Ausstellung „Vernichtungskrieg, Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944“ 1995 durch das Hamburger Institut für Sozialforschung zusammengestellt wurde und auf Reise durch die Bundesrepublik ging, entbrannte eine hitzige Debatte in der Gesellschaft ob und auf welche Weise Angehörige der deutschen Wehrmacht an Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs beteiligt waren. Zum ersten Mal in der Geschichte der BRD gerieten einfache Angehörige der Wehrmacht – die „Landser“ – in den Verdacht, nicht nur an den verschiedenen Fronten gekämpft zu haben, sondern auch an Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung und sonstigen Gräueltaten beteiligt gewesen zu sein oder doch zumindest davon gewusst zu haben. Der Mythos vom tapferen deutschen Soldaten, der mit einer „weißen Weste“ aus dem Krieg nach Hause kam, war zerstört.

Dass diese Ausstellung solch emotionale Debatten in Politik und Gesellschaft auslöste, gar zu Demonstrationen in den einzelnen Ausstellungsstädten führte, verwundert aber nicht. Nicht die Schuld oder Unschuld einzelner NS-Größen, sondern die Schuldfrage von rund 20 Millionen Angehörigen der Wehrmacht wurde gestellt. Über 50 Jahre nach der bedingungslosen Kapitulation Hitlerdeutschlands stellte sich nun die Frage, welchen Anteil die Großvätergeneration an den verbrecherischen Taten, die im Namen Hitlers begannen wurden, hatte. Dieses Mal befanden sich nicht die Angehörigen der SS oder anderen NS-Organisationen auf der Anklagebank, sondern jene Großväter, die als Soldaten der Wehrmacht in den Krieg ziehen mussten. Auf diese Weise war so praktisch jede Familie von der Diskussion betroffen. Die Erzählungen des eigenen Vaters oder Großvaters wurden urplötzlich, nach so langer Zeit, in Frage gestellt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die Wehrmacht

2.1. Struktur und Einsatz der Wehrmacht

2.2 Verbrechen der Wehrmacht im Osten

2.2.1 Verbrechen in anderen besetzten Gebieten

2.2.1.1 Die Wehrmacht in Serbien

2.2.1.2 Die Wehrmacht in Griechenland

3. Umgang mit der Wehrmacht, deren Angehörigen und NS-Verbrechen nach 1945

3.1 Gerichtsverhandlungen

3.1.1 Alliierte und ausländische Gerichte

3.1.2 Deutsche Gerichte

3.2 Prozess gegen Angehörige der Wehrmacht – der „OKW-Prozess“

3.3 Die Stimmung innerhalb der Gesellschaft und der Umgang mit Schuld

4. Wehrmachtsmythos und Diskussion im Zuge der Wehrmachtsaustellung

5. Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht die historische Beteiligung der deutschen Wehrmacht an Kriegsverbrechen und NS-Gewalttaten während des Zweiten Weltkriegs. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem lange gepflegten Mythos der „sauberen Wehrmacht“ und der dokumentierten Realität aufzuzeigen sowie den Umgang der deutschen Nachkriegsgesellschaft mit dieser historischen Schuld kritisch zu analysieren.

  • Struktur und militärische Einsätze der Wehrmacht im Krieg.
  • Detaillierte Analyse der Verbrechen in den besetzten Ostgebieten, Serbien und Griechenland.
  • Juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen durch alliierte und deutsche Instanzen nach 1945.
  • Entstehung und Dekonstruktion des Wehrmachtsmythos, insbesondere durch die Wehrmachtsausstellung.
  • Gesellschaftlicher Umgang mit individueller und kollektiver Schuld im Nachkriegsdeutschland.

Auszug aus dem Buch

2.2.1.1 Die Wehrmacht in Serbien

Wehrmachtsanghörige beteiligten sich aber nicht nur an Verbrechen in den Ostgebieten, sondern auch beispielsweise im besetzten Serbien, als der Versuch unternommen wurde, Serbien „judenfrei“ zu machen, was leider auch gelang. Auffällig in Serbien ist, dass die Wehrmacht die Vernichtung von ungefähr 17 000 Juden weitestgehend selbst vornahm. Innerhalb von nur einem Jahr führte sie die „Säuberung“ durch, ohne eine ausdrückliche Weisung dazu erhalten zu haben. Wiederum kamen die Denkmuster vom deutschen „Herrenmenschen“ zum tragen, der sich gegenüber dem Slawen durchsetzen müsse. Wie stark dies in den Köpfen der Soldaten verankert sein musste, zeigen Feldpostbriefe, die nach Massenerschießungen geschrieben wurden und die „sowohl von den befehlenden Offizieren als auch von den ausführenden Soldaten unisono als „Erfolgsstories“ gewertet wurden“.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorwort: Die Einleitung beleuchtet die durch die Wehrmachtsausstellung 1995 ausgelöste Debatte über die Rolle der Wehrmacht und zerstört den Mythos vom unbeteiligten „Landser“.

2. Die Wehrmacht: Dieses Kapitel erläutert die Führungsstruktur der Wehrmacht und analysiert ihre aktive Beteiligung an rassenideologischen Vernichtungskriegen sowie spezifischen Gräueltaten in Osteuropa und auf dem Balkan.

3. Umgang mit der Wehrmacht, deren Angehörigen und NS-Verbrechen nach 1945: Es wird der juristische Umgang mit Kriegsverbrechern durch alliierte sowie deutsche Gerichte betrachtet und die zögerliche Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in der jungen Bundesrepublik dargelegt.

4. Wehrmachtsmythos und Diskussion im Zuge der Wehrmachtsaustellung: Das Kapitel beschreibt, wie durch Tarnsprache und gezielte Propaganda der Mythos der „sauberen Wehrmacht“ erschaffen und erst durch die spätere gesellschaftliche Auseinandersetzung entkräftet wurde.

5. Resümee: Die Schlussbetrachtung fasst die wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen, die eine pauschale Entlastung der Wehrmacht unmöglich machen und fordert eine Anerkennung der historischen Mittäterschaft.

Schlüsselwörter

Wehrmacht, Zweiter Weltkrieg, Wehrmachtsausstellung, Vernichtungskrieg, NS-Verbrechen, Entnazifizierung, Wehrmachtsmythos, Kriegsverbrecherprozesse, OKW-Prozess, Vergangenheitsbewältigung, Mittäterschaft, Holocaust, Zivilbevölkerung, Kollektivschuld, Historische Verantwortung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Verstrickung der Wehrmacht in nationalsozialistische Kriegsverbrechen und untersucht, wie der Mythos einer „sauberen Wehrmacht“ nach 1945 aufgebaut und gesellschaftlich aufrechterhalten wurde.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die militärischen Strukturen der Wehrmacht, die aktive Teilnahme an Massenmorden in besetzten Gebieten, die juristische Aufarbeitung nach dem Krieg sowie die gesellschaftliche Verdrängung dieser Schuld.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die historische Dekonstruktion des Wehrmachtsmythos und die Aufzeichnung, wie die Wehrmacht über die reine militärische Rolle hinaus an der Vernichtungspolitik des NS-Regimes beteiligt war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Auswertung historischer Quellen, Dokumentationen von Gerichtsverfahren, zeitgenössischen Aufzeichnungen und einer tiefgehenden Analyse der wissenschaftlichen Fachliteratur zum Thema.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Wehrmachtsverbrechen in verschiedenen besetzten Gebieten, die Darstellung der alliierten und deutschen Nachkriegsjustiz sowie eine Untersuchung der gesellschaftlichen Stimmung und der Mythenbildung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Wehrmachtsmythos, Vernichtungskrieg, NS-Verbrechen, Vergangenheitsbewältigung und historische Mittäterschaft.

Warum war die "Wehrmachtsausstellung" so umstritten?

Sie war umstritten, weil sie den langgepflegten Mythos der „sauberen“ Wehrmacht zerstörte und eine gesamte Generation mit der nachgewiesenen Beteiligung ihrer Angehörigen an Kriegsverbrechen konfrontierte.

Was besagt der Begriff der „zweiten Schuld“ im Kontext der Arbeit?

Die „zweite Schuld“ bezeichnet den bewussten Umgang der deutschen Nachkriegsgesellschaft mit der Vergangenheit, insbesondere die Verdrängung und das Leugnen der eigenen Mitverantwortung durch die „Schlussstrichmentalität“.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg - Entstehung und Zerstörung des Wehrmachtsmythos
Hochschule
Pädagogische Hochschule Weingarten  (Institut für Geschichte)
Note
2
Autor
Jürgen Bader (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
34
Katalognummer
V25485
ISBN (eBook)
9783638280945
ISBN (Buch)
9783638691642
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Verbrechen Wehrmacht Zweiten Weltkrieg Entstehung Zerstörung Wehrmachtsmythos
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Jürgen Bader (Autor:in), 2003, Verbrechen der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg - Entstehung und Zerstörung des Wehrmachtsmythos, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/25485
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Leseprobe aus  34  Seiten
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