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Das Zinsverbot in der islamischen Wirtschaftsordnung vor dem Hintergrund philosophischer und religiöser Konzepte

Titel: Das Zinsverbot in der islamischen Wirtschaftsordnung vor dem Hintergrund philosophischer und religiöser Konzepte

Diplomarbeit , 2001 , 81 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Steffen Jörg (Autor:in)

VWL - Sonstiges

Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Konferenz der islamischen Länder ist eine Organisation in der sich heutzutage ungefähr 50 Länder zusammengeschlossen haben, deren Bevölkerung überwiegend muslimisch ist. Der Großteil dieser Länder erlangte in den 50er und 60er Jahre ihre Unabhängigkeit von den europäischen Kolonialmächten. Mit dieser Unabhängigkeit vollzog sich auch eine Revitalisierung des Islam, welche Einfluß auf soziale, politische und wirtschaftliche Bereiche der Länder hatte.
Die Ergebnisse der Bemühungen islamischer Länder, „geistig zu den eigenen Wurzeln zurück zu finden sowie politisch und wirtschaftlich – vom Westen unabhängig – auf eigenen Beinen stehen zu wollen“, manifestierten sich, auf die wirtschaftliche Seite bezogen, seit den 70er Jahre am deutlichsten in zwei Punkten: Einerseits in der Tatsache, daß die Islamische Ökonomik an immer mehr Hochschulen als neue ökonomische Disziplin Einzug fand, andererseits im Phänomen des Islamic Banking, eines auf der Basis des Zinsverbotes basierenden Bankensystems, welches in dieser Zeit seinen Anfang nahm und seitdem sehr erfolgreich expandiert.
Seit dieser Zeit beschäftigen sich zunehmend muslimische Ökonomen mit der Entwicklung von Konzepten einer islamischen Wirtschaftsordnung. Auch wenn meist von westlicher Seite der Vorwurf gemacht wird, daß es sich bei diesen Entwürfen um keine völligen Neuschöpfungen handelt, konstatiert NIENHAUS, „daß es selbst dann sinnvoll wäre, von einer islamischen Wirtschaftsordnung zu sprechen, wenn der Vorwurf der mangelnden Originalität zuträfe.“ Dies deshalb, weil diese Entwürfe Elemente aufweisen, die man sehr wohl als originell bezeichnen kann, da sie zumindest heutzutage, in der Art und Weise in der westlichen Welt nicht vorzufinden sind. Neben dem Sozialwesen mit der Konzeption der zak¡t-Abgabe (einer Art Sozialsteuer zur Herstellung einer gerechteren Einkommensverteilung) ist vor allem die Ideen eines zinslosen Finanzsystems das Hauptcharakteristikum einer islamischen Wirtschaftsordnung.
Neben einem Überblick über Konzepte islamische Wirtschaftsordnung, mit dem Zinsverbot als zentrales Charakteristikum, wird auch die Auseinandersetzung mit dem Zins in den beiden anderen monotheistischen Weltreligionen, Christen- und Judentum, beleuchtet. Aber auch jenseits der Religionen war und ist der Zins eine wirtschaftliche Größe, die immer wieder nicht nur unter ökonomischen, sondern auch und vor allem unter ethischen Gesichtspunkten diskutiert wurde und wird.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

1.1 PROBLEMSTELLUNG

1.2 VORGEHENSWEISE

1.3 BEGRIFFLICHES

2 DIE DISKUSSION UM DEN ZINS

2.1 DER ZINS IN DER ANTIKE

2.1.1 Aristoteles und das antike Griechenland

2.1.2 Das Römische Reich

2.2 DER ZINS IM JUDENTUM

2.3 DER ZINS IM CHRISTENTUM

2.3.1 Entwicklung des christlichen Zinsverbotes

2.3.2 Scholastische Zins- und Wucherlehre

2.4 DIE FREIWIRTSCHAFTSTHEORIE

2.4.1 Die Freigeldtheorie

2.4.2 Freigeldexperimente

3 DER ISLAM: EIN ÜBERBLICK

3.1 EINFÜHRUNG IN DEN ISLAM

3.1.1 Der Koran (al-Qur´¡n)

3.1.2 Sunna und ®ad¢

3.1.3 Die fünf Säulen des Islam

3.1.4 Die ºar ´a

3.2 DAS ISLAMISCHE RECHTSSYSTEM

3.2.1 Quellen des islamischen Rechts

3.2.2 Rechtsschulen

3.2.3 Wirtschaftsrecht

4 DIE ISLAMISCHE WIRTSCHAFTSORDNUNG

4.1 HISTORISCHE ENTWICKLUNG DER ISLAMISCHEN WIRTSCHAFTSORDNUNG

4.2 ETHISCHE UND MORALISCHE PRINZIPIEN ALS BASIS DER ISLAMISCHEN WIRTSCHAFTSORDNUNG

4.2.1 tau®d

4.2.2 ¶il¡fa

4.2.3 Prinzip der Nicht-Schädigung

4.2.4 Prinzip der sozialen Gerechtigkeit

4.3 ISLAMISCHE EIGENTUMSVORSTELLUNGEN

4.3.1 Entstehung von Eigentum

4.3.2 Verwendung von Eigentum

4.3.3 Eigentum an Produktionsmittel

4.4 DAS ZAK¡T-GEBOT

4.5 DAS ZINSVERBOT

4.5.1 Der Zinsbegriff im Islam: Rib¡

4.5.2 Das Zinsverbot im islamischen Recht

4.5.3 Argumente gegen den Zins

4.6 DIE ISLAMISCHE ALTERNATIVE: „ISLAMIC BANKING“

4.6.1 Historische Entwicklung

4.6.2 Die Praxis

5 SCHLUß

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die islamische Wirtschaftsordnung und das darin enthaltene Zinsverbot vor dem Hintergrund philosophischer und religiöser Konzepte zu untersuchen. Sie analysiert, wie sich der Islam in Bezug auf wirtschaftliche Disziplinen wie das Islamic Banking positioniert und inwiefern ein zinsloses Finanzsystem als Alternative zum westlichen Modell fungieren kann.

  • Historische Entwicklung der Zinsdiskussion und -kritik
  • Ethische und moralische Grundlagen des islamischen Wirtschaftssystems
  • Die Rolle des Zinsverbotes (Riba) und der Almosensteuer (Zakat)
  • Praktische Implementierung islamischer Finanzierungsinstrumente (Islamic Banking)

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Aristoteles und das antike Griechenland

Sowohl jüdische als auch christliche aber ebenso moderne Konzepte über das Zinsverbot sind alle beeinflußt von der aristotelischen Argumentation über die Sterilität des Geldes. Aristoteles (384-322 v. Chr.) und sein Lehrer Platon (427-347 v. Chr.) waren die ersten namhaften Vertreter eines Zinsverbotes.

Die Argumente des Aristoteles sollen hier im folgenden wiedergegeben werden. Ihr Ausgangspunkt liegt in der Vorstellung Aristoteles‘ von der zweifachen Verwendungsart einer Sache, die er anhand eines Schuhes beispielhaft verdeutlicht:

„Nehmen wir nun für ihre Betrachtung folgenden Ausgangspunkt. Die Benutzung eines jeden Besitztums ist eine doppelte, und beide Male wird das Besitztum als solches, aber nicht als solches in der gleichen Weise benutzt, sondern die eine Art von Benutzung ist die dem Gegenstand eigentümliche, die andere nicht, z.B. den Schuh kann man benutzen zum Anziehen, aber auch als Tauschmittel. Denn beides sind wirklich Benutzungsweisen des Schuhs, insofern auch der, welcher einem anderen, der eines Schuhs bedarf, einen solchen für Geld oder Lebensmittel zum Tausch gibt, damit den Schuh als Schuh benutzt, aber nicht in der demselben eigentümlichen Benutzungsweise, denn nicht zu dem Zweck ist der Schuh gemacht, als Tauschmittel zu dienen. Und ebenso verhält es sich mit allen anderen Besitzstücken“ (ARISTOTELES 1994:62).

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Darstellung der Problemstellung und Vorgehensweise bei der Untersuchung der islamischen Wirtschaftsordnung.

2 DIE DISKUSSION UM DEN ZINS: Historischer Überblick über Zinskritik und Zinsverbote in Antike, Judentum, Christentum sowie die Freiwirtschaftstheorie.

3 DER ISLAM: EIN ÜBERBLICK: Einführung in den Islam, seine zentralen Glaubensquellen, das Rechtssystem und die fünf Säulen des Glaubens.

4 DIE ISLAMISCHE WIRTSCHAFTSORDNUNG: Analyse der ethischen Prinzipien, Eigentumsvorstellungen, des Zakat-Gebots und der Umsetzung des Zinsverbots durch Islamic Banking.

5 SCHLUß: Synthese der Ergebnisse und Schlussbetrachtung zur Relevanz islamischer Wirtschaftsmodelle.

Schlüsselwörter

Islamische Wirtschaftsordnung, Zinsverbot, Riba, Islamic Banking, Zakat, Wirtschaftsethik, Muarabah, Freiwirtschaftstheorie, Eigentum, Scholastik, Geldtheorie, Finanzsystem, Wirtschaftsrecht.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die islamische Wirtschaftsordnung unter besonderer Berücksichtigung des Zinsverbots und dessen theoretischer sowie praktischer Einordnung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Geschichte der Zinskritik, die Grundlagen der islamischen Religion und Jurisprudenz sowie die moderne Praxis islamischer Finanzinstitute.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das islamische Zinsverbot vor dem Hintergrund philosophischer und religiöser Konzepte neutral darzustellen und in den Kontext anderer ökonomischer Ansätze zu setzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine historisch-theoretische Analyse, die verschiedene ökonomische Konzepte (Scholastik, Freiwirtschaft, islamische Ökonomik) gegenüberstellt und vergleicht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden neben den historischen Wurzeln des Zinsverbots die ethischen Prinzipien (z.B. Tauhid, Hilafa) des Islams sowie die konkreten Finanzinstrumente wie Mudaraba und Murabaha erläutert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Riba, Zakat, Islamic Banking, islamische Wirtschaftsordnung und das Prinzip des gerechten Preises.

Warum wird das Zinsverbot im Islam als so bedeutend angesehen?

Es gilt als zentrales Charakteristikum, das sicherstellen soll, dass Vermögen nicht durch bloße Kapitalanhäufung, sondern durch produktive Arbeit und soziale Verantwortung entsteht.

Wie unterscheidet sich Mudaraba von der herkömmlichen Zinsfinanzierung?

Im Gegensatz zum zinsbasierten Kredit, bei dem ein fester Gewinn vorbestimmt ist, basiert Mudaraba auf einer Gewinn- und Verlustbeteiligung zwischen Kapitalgeber und Unternehmer.

Ende der Leseprobe aus 81 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Zinsverbot in der islamischen Wirtschaftsordnung vor dem Hintergrund philosophischer und religiöser Konzepte
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Alfred Weber Institut - Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Note
1,3
Autor
Steffen Jörg (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
81
Katalognummer
V2377
ISBN (eBook)
9783638114493
ISBN (Buch)
9783638690829
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zinsverbot Islam Islamische Wirtschaftordung riba zins
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Steffen Jörg (Autor:in), 2001, Das Zinsverbot in der islamischen Wirtschaftsordnung vor dem Hintergrund philosophischer und religiöser Konzepte, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/2377
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  81  Seiten
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