Wie kann der Journalismus modernisiert werden? Sich mit dieser Frage zu beschäftigen, ohne dabei jenes althergebrachte Gewerbe in seinen Grundfesten zu erschüttern und damit den Unmut vieler auf sich zu ziehen, ist schwierig, aber im heutigen Zeitalter der Globalisierung unabdingbar. Für eine erfolgreiche Zukunft des Journalismus, der sich bekanntermaßen momentan – vor allem im Printbereich – vielen Problemen ausgesetzt sieht, sind innovative Lösungen vonnöten. So wagen immer mehr Medienunternehmen einen neuen Schritt und strukturieren ihre Redaktionen, die Herzstücke journalistischer Arbeit, grundlegend um. In Folge dessen sind Konflikte vorprogrammiert, zumal Journalismus und Management oftmals nicht die gleichen Sichtweisen teilen und schon gar nicht die gleichen Ziele verfolgen: Es muss zwischen kreativer Freiheit und Wirtschaftlichkeit abgewogen werden. Obwohl es diverse Möglichkeiten einer Reorganisation von Redaktionen gibt, hat sich das Modell des sogenannten „Newsrooms“ als geeignet herausgestellt und wird deswegen immer populärer – sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien und dem Rest der Welt.
In der Diskussion gibt es dabei die Position, die das Modell mit unmittelbarer Qualitätssteigerung in Beziehung setzt, und die, die es als alleinige Sparmaßnahme kritisch beäugt (vgl. Menschick 2004: 14). Relevant ist demnach, welche Auswirkungen diese Reorganisation auf den Journalismus, insbesondere die Journalisten hat. Mit Blick auf die Komponente der Modernisierung, die ursächlich für die Reformen ist, soll es also im Folgenden um die Frage gehen: Inwiefern optimiert das Redaktionskonzept des Newsrooms die journalistische Arbeit und wird die Freiheit der Journalisten dadurch eingeschränkt?
Um sich der Beantwortung dieser Frage annähern zu können, wird zunächst das traditionelle Redaktionsmanagement mit seiner Organisation und seinen Problemen vorgestellt, damit dann ein Vergleich zum modernen Redaktionskonzept des Newsrooms gezogen werden kann. Auch beim Newsroom soll die Organisation erläutert werden, die dann in die Darlegung der Vor- und Nachteile desselben münden soll. Es folgt das Beispiel des Prototyps eines Newsrooms, nämlich dem der British Broadcasting Corporation (BBC), um aufzuzeigen, wie das System in der Praxis funktioniert. Danach soll ein Fazit stehen, in dem die Subsumtion der theoretischen Aspekte des Modells unter das Praxisbeispiel und damit einhergehend der Versuch der Beantwortung der Forschungsfrage erfolgt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Redaktionsmanagement traditionell: Ressortierung
2.1. Organisation traditioneller Redaktionen
2.2. Probleme traditioneller Redaktionen
3. Redaktionsmanagement modern: Newsroom
3.1. Organisation des Newsrooms
3.2. Vorteile des Newsrooms
3.3. Nachteile des Newsrooms
4. Beispiel: Newsroom der BBC
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Modernisierung journalistischer Redaktionsstrukturen durch das Newsroom-Konzept. Das primäre Ziel ist die Analyse der Auswirkungen dieser Organisationsform auf die Qualität der journalistischen Arbeit sowie die individuelle Freiheit der Journalisten im Vergleich zum traditionellen Redaktionsmanagement.
- Traditionelles Redaktionsmanagement und seine Herausforderungen
- Struktur und Funktionsweise des Newsrooms
- Vorteile und Nachteile der Newsroom-Integration
- Praxisbeispiel: Der Newsroom der British Broadcasting Corporation (BBC)
- Auswirkungen auf Journalisten: Effizienz, Rollenverständnis und Arbeitsbedingungen
Auszug aus dem Buch
3.1. Organisation des Newsrooms
Im Allgemeinen kann der Newsroom als übergeordnetes Konzept gesehen werden. Bei der Umstrukturierung der Redaktionen in verschiedenen Medienunternehmen gibt es zwar die gleichen Zielsetzungen, die genaue organisatorische Umsetzung differiert jedoch stark, weil Rahmenbedingungen und Umstände oftmals unterschiedlich sind und ein vollständiger Umbruch zu stark in das bisherige Geschehen eingreifen würde (vgl. Meier 2006: 211).
Was den räumlichen Aufbau, der Kern des Modells ist, angeht, sieht dies folgendermaßen aus: Vorher gesonderte Arbeitsplätze und Räumlichkeiten sind nun „zu einer großen Nachrichtenzentrale […] verschmolzen“ (Mast 2012: 410); auch gibt es einen sogenannten „Newsdesk“ im Newsroom selbst, der den Knotenpunkt desselben ausmacht, weil an ihm alle hierarchisch höhergestellten Personen wie beispielsweise der Chefredakteur oder Ressortleiter und andere wichtige Mitarbeiter permanent verfügbar sind und das Geschehen koordinieren (vgl. ebd.: 409f.).
Zentral ist dabei noch, dass die Redakteure verschiedener Ressorts, die im traditionellen Sinne räumlich abgetrennt gearbeitet haben, nun zusammensitzen und kooperieren – wie die neue Tischanordnung aussehen soll, ist völlig offen: beispielsweise nach Ressorts oder nach bestimmten Leistungen. Hierbei ist zu bedenken, dass dies – wenn nicht ganz neue Räumlichkeiten genutzt werden – auch den Einriss von Wänden erfordert (vgl. ebd.: 413f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Notwendigkeit der Modernisierung des Journalismus im Zeitalter der Globalisierung und stellt die Forschungsfrage nach den Auswirkungen des Newsrooms auf die journalistische Freiheit.
2. Redaktionsmanagement traditionell: Ressortierung: Dieses Kapitel beschreibt die klassische Aufbauorganisation von Redaktionen, die durch horizontale Arbeitsteilung und Ressortautonomie geprägt ist, sowie die damit verbundenen Probleme in einer digitalisierten Welt.
3. Redaktionsmanagement modern: Newsroom: Hier wird das Konzept des Newsrooms als Antwort auf moderne Anforderungen erläutert, wobei insbesondere die räumliche Zusammenlegung und die neue Rollenverteilung in Reporter und Editoren diskutiert werden.
4. Beispiel: Newsroom der BBC: Dieses Kapitel analysiert das News Centre der BBC als praktisches Anwendungsbeispiel und beleuchtet, wie dort Rollenverteilung und journalistische Arbeitsweisen in der Praxis umgesetzt werden.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Newsroom zwar Effizienzgewinne bietet, jedoch die journalistische Freiheit im Vergleich zum traditionellen Modell einschränkt.
Schlüsselwörter
Journalismus, Newsroom, Redaktionsmanagement, Digitalisierung, BBC, Ressortierung, Newsdesk, Crossmedialität, Redaktionsorganisation, Journalisten, Multiskilling, Arbeitsteilung, Medienwandel, Medienproduktion, Effizienzsteigerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Strukturwandel in journalistischen Redaktionen vom klassischen Ressortmodell hin zum modernen Newsroom-Konzept.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Organisation von Redaktionen, den Auswirkungen der Digitalisierung auf journalistische Arbeitsabläufe und der kritischen Reflexion über Vor- und Nachteile von Newsrooms.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwiefern das Redaktionskonzept des Newsrooms die journalistische Arbeit optimiert und ob dadurch die Freiheit der Journalisten eingeschränkt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse der Redaktionsorganisation sowie eine Fallstudie des Newsrooms der British Broadcasting Corporation (BBC).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des traditionellen Managements, die Definition und Organisation des Newsrooms sowie eine detaillierte Erörterung der Vorteile und Nachteile aus Sicht der Journalisten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Journalismus, Newsroom, Ressortierung, Newsdesk, Crossmedialität, Redaktionsorganisation und Multiskilling.
Welchen Einfluss hat das Konzept auf die redaktionelle Freiheit?
Laut der Arbeit schränkt das Newsroom-Konzept die individuelle journalistische Freiheit im Vergleich zur traditionellen Ressortautonomie eher ein, da der Fokus stärker auf gemeinschaftlichen Produktionsprozessen liegt.
Wie wird das "Multiskilling" bei der BBC bewertet?
Das Multiskilling wird ambivalent betrachtet: Einerseits erhöht es die Produktivität, andererseits wird die Belastung für die Mitarbeiter als sehr hoch wahrgenommen.
- Quote paper
- Robin Janzik (Author), 2013, Das Konzept des Newsrooms am Beispiel der British Broadcasting Corporation, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/233569