Noch vor ungefähr einem halben Jahrhundert war jeder Zehnte in Deutschland 65 Jahre oder älter. Heute trifft dies bereits auf fast jeden fünften Menschen zu und es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzen wird (Hoffmann et al. 2009). Aus diesem Grund sind die Gesundheit und das Wohlbefinden der älteren Bevölkerung vermehrt in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen gerückt (von dem Knesebeck 2005) und sollen auch in dieser Ausarbeitung betrachtet werden.
Der Zusammenhang zwischen sozialen Beziehungen beziehungsweise der hieraus resultierenden sozialen Unterstützung und der Gesundheit wurde vielfach untersucht und belegt (Diewald 1991), dennoch sind die Befunde für die Auswirkungen sozialer Beziehungen auf die Gesundheit im Alter nach wie vor inkonsistent (von dem Knesebeck 2005). Da der soziale Wandel einen maßgeblichen Einfluss auf die Strukturen und Institutionen in einer Gesellschaft haben kann (Siegrist 2005), soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit die Frage beantwortet werden, wie soziale Beziehungen auf die Gesundheit im Alter einwirken und welchen Einfluss die Auswirkungen des sozialen Wandels hierauf nehmen können.
Hierzu werden zunächst die Begriffe „soziale Beziehungen“ und „sozialer Wandel“ sowie die in diesem Zusammenhang relevanten Aspekte und Indikatoren dargestellt und wenn notwendig eindeutig definiert. Des Weiteren werden Befunde dargestellt, die die Bedeutung dieser Konzepte in Zusammenhang mit der Gesundheit sowie mit der Lebenslage im Alter verdeutlichen sollen. Im Anschluss daran wird diskutiert, in welcher Art und Weise soziale Beziehungen auf die Gesundheit im Alter einwirken können und welche Bedeutung den Auswirkungen des sozialen Wandels beigemessen werden kann. Abschließend werden wesentliche Faktoren angesprochen, welche bei möglichen Interventionen berücksichtigt werden sollten, um negative Konsequenzen für die Gesundheit im Alter reduzieren oder gegebenenfalls vermeiden zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Soziale Beziehungen
2.1.1 Soziale Netzwerke
2.1.2 Soziale Unterstützung
2.1.3 Soziale Reziprozität
2.2 Sozialer Wandel
2.2.1 Rationalisierung
2.2.2 Tertiarisierung
2.2.3 Individualisierung
3 Soziale Beziehungen und sozialer Wandel
3.1 Auswirkungen auf die Gesundheit
3.2 Auswirkungen auf die Lebenslage im Alter
4 Diskussion und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen sozialen Beziehungen, dem sozialen Wandel und der Gesundheit im Alter. Dabei wird der Forschungsfrage nachgegangen, wie sich soziale Beziehungen auf die Gesundheit älterer Menschen auswirken und welchen Einfluss Prozesse des sozialen Wandels auf diese Dynamik nehmen.
- Definition zentraler Begriffe wie Soziale Beziehungen, Soziale Netzwerke und Sozialer Wandel
- Analyse der gesundheitlichen Wirkmechanismen sozialer Unterstützung (Direkt- und Puffereffekt)
- Untersuchung der Auswirkungen von Individualisierung, Rationalisierung und Tertiarisierung auf die Lebenslage im Alter
- Diskussion theoretischer Ansätze zum Altern (Disengagementtheorie vs. Aktivitätstheorie)
- Ableitung von Faktoren für eine gelingende soziale Integration im Alter
Auszug aus dem Buch
3.1 Auswirkungen auf die Gesundheit
Soziale Beziehungen und die daraus resultierenden sozialen Netzwerke bilden die Grundlage für die Möglichkeit zur Wahrnehmung und für den Erhalt von sozialer Unterstützung. Das Konzept der sozialen Unterstützung wiederum ist häufig Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen, um beispielsweise den Einfluss sozialer Beziehungen auf die Gesundheit zu erklären. Hierdurch finden sich in der medizinsoziologischen, sozialepidemiologischen und gesundheitswissenschaftlichen Literatur zahlreiche Belege für die Einwirkung auf psychische und physische Zielkriterien (Knoll/Schwarzer 2005; Dehmel/Ortmann 2006).
Zur Erklärung des Einflusses der sozialen Unterstützung auf die Gesundheit werden insbesondere zwei Thesen untersucht und beschrieben: Die Direkteffekt- und die Puffereffekt-These (Dehmel/Ortmann 2006; Diewald/Sattler 2010). Ein Direkteffekt sozialer Unterstützung ist dann gegeben, wenn diese auch ohne eine konkrete Belastungssituation grundsätzlich das Wohlbefinden eines Menschen steigert. Es handelt sich somit um Begleiterscheinungen alltäglicher zwischenmenschlicher Beziehungen (Dehmel/Ortmann 2006; Kienle et al. 2006; Diewald/Sattler 2010). Der direkte positive Einfluss sozialer Unterstützung auf die Gesundheit kann dadurch erklärt werden, dass Menschen generell das „Bedürfnis nach Zugehörigkeit und sozialer Verortung haben, um sich in ihrer Umwelt zurechtzufinden und ihrem Leben einen Sinn zu geben (Diewald 1991, S. 91-92). Insgesamt kann festgestellt werden, dass Menschen die viel soziale Unterstützung erfahren, ein höheres Wohlbefinden aufweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den demografischen Wandel und leitet die Relevanz der Untersuchung von sozialen Beziehungen für die Gesundheit im Alter her.
2 Begriffsbestimmungen: Dieses Kapitel definiert theoretische Grundlagen, insbesondere die Konzepte der sozialen Beziehungen und die unterschiedlichen Prozesse des sozialen Wandels.
3 Soziale Beziehungen und sozialer Wandel: Hier werden die gesundheitlichen Auswirkungen von Unterstützung sowie die Konsequenzen des sozialen Wandels auf die Lebensgestaltung älterer Menschen analysiert.
4 Diskussion und Fazit: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse kritisch und diskutiert Handlungsoptionen, um soziale Integration und ein gesundes Altern zu fördern.
Schlüsselwörter
Soziale Beziehungen, Soziale Unterstützung, Sozialer Wandel, Gesundheit im Alter, Soziale Netzwerke, Individualisierung, Rationalisierung, Tertiarisierung, Reziprozität, Disengagementtheorie, Aktivitätstheorie, Wohlbefinden, Altern, soziale Integration, Einsamkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den komplexen Zusammenhang zwischen sozialen Beziehungen, den Bedingungen des sozialen Wandels und deren Auswirkungen auf die Gesundheit älterer Menschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition sozialer Ressourcen, die gesundheitlichen Wirkmechanismen von Unterstützung sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher Transformationsprozesse wie Individualisierung und Rationalisierung auf das Alter.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit zielt darauf ab, zu beantworten, wie soziale Beziehungen auf die Gesundheit im Alter wirken und welcher Einfluss dem sozialen Wandel hierbei zukommt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse wissenschaftlicher Studien und soziologischer Theorien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst Begriffe definiert und anschließend die gesundheitliche Wirkung von sozialer Unterstützung anhand von Thesen (Direkt- und Puffereffekt) sowie die spezifischen Auswirkungen des Wandels auf die Lebenslage im Alter diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Soziale Unterstützung, Sozialer Wandel, Gesundheit im Alter, Soziale Netzwerke und Reziprozität.
Wie unterscheidet sich die Disengagementtheorie von der Aktivitätstheorie im Kontext dieser Arbeit?
Die Disengagementtheorie postuliert einen natürlichen Rückzug aus sozialen Rollen als notwendigen Prozess, während die Aktivitätstheorie den Erhalt von Aktivitäten als entscheidend für die Lebenszufriedenheit und Gesundheit im Alter betont.
Warum wird die Reziprozitätsnorm im Alter als kritisch für die Gesundheit angesehen?
Wenn ältere Menschen aufgrund von Einschränkungen keine Gegenleistung mehr erbringen können, kann dies zu Minderwertigkeitsgefühlen und Schuldgefühlen führen, was die positive Wirkung sozialer Unterstützung konterkariert.
Welche Rolle spielt die Individualisierung für das soziale Netzwerk älterer Menschen?
Individualisierungstendenzen können traditionelle Unterstützungsstrukturen wie Familie und Nachbarschaft schwächen, was das Risiko für Einsamkeit erhöht und die soziale Absicherung im Alter gefährden kann.
- Arbeit zitieren
- Pajam Rais Parsi (Autor:in), 2012, Soziale Beziehungen, sozialer Wandel und Gesundheit im Alter, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/232135