Der Fußballsport ist seit seiner Ausbreitung über das „Mutterland“ England hinaus, von Migration begleitet worden. Das Spiel war außerhalb Englands zunächst primär ein Spiel von Migranten. Diese waren englische Kaufleute, Techniker und Akademiker. Ohne Kosmopolitismus und Migration hätte sich der Fußball nicht zu einem globalen Spiel entwickelt. (Vgl.: Schulze-Marmeling 2010 : S. 199) Um den Untersuchungsgegenstand in seinen globalen Charakter einzugrenzen, wird folgender Fragestellung und These nachgegangen:
Wie hat sich der Fußballsport als soziale Praxis in Deutschland entwickelt?
Der Fußballsport vermag es seinem Charakter nach, soziale und gesellschaftliche Elemente der Verbindung und auch der Trennung, in sich, zu vereinen.
Diese These erscheint am logischsten, da der Fußballsport ab dem Kaiserreich in allen politischen und gesellschaftlichen Systemen der deutschen Geschichte praktiziert wurde und diese Systeme hatten jeweils einen anderen Grad der Offenheit und Toleranz.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
I.1 Mögliche Quellen
I.2 Forschungsstand
I.3 Quellen- und Literaturdiskussion
I.4 Relevanz und Methode
II. Die Gründung der ersten Vereine in Deutschland
II.1 Gründung des Deutschen Fußball-Bundes
III. Fußball im Ersten Weltkrieg
IV. Arbeiterfußball in der Weimarer Republik
IV.1 Katholischer Fußball in der Weimarer Republik
IV.2 Hooligans in der Weimarer Republik
IV.3 Sportberichte in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“
V. Jüdische Sportvereine im „Dritten Reich“
V.1 Hamburger SV im „Dritten Reich“
V.2 Die Nationalmannschaft im „Dritten Reich“
V.3 Hooligans im „Dritten Reich“
VI. Länderspiele während des Krieges
VII. Kontinuitäten in der Nachkriegszeit
VII.1 Vom „Wunder von Bern“
VII.2 Eklat des DFB-Vorsitzenden
VIII. Fußball als Migrantensport in beiden Deutschlands
IX. Zuschauerzahlen der DDR Oberliga und der Bundesliga
IX.1 Aufeinandertreffen der beiden Deutschlands
X. Julius-Hirsch-Preis
X.1 Darstellung in der Kultur
XI. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entwicklung des Fußballsports in Deutschland von seiner Etablierung bis zum Aufeinandertreffen der beiden deutschen Nationalmannschaften bei der Weltmeisterschaft 1974. Dabei wird die zentrale These verfolgt, dass der Fußball soziale und gesellschaftliche Elemente der Verbindung sowie der Trennung in sich vereint und sich in verschiedenen politischen Systemen – vom Kaiserreich über die NS-Zeit bis zur Teilung – unterschiedlich manifestierte.
- Die historische Genese des Fußballs als soziale Praxis in Deutschland.
- Die Rolle des Fußballs als Integrations- und Segregationsinstrument in verschiedenen politischen Epochen.
- Die Entwicklung von Fankultur und Hooliganismus von der Weimarer Republik bis zur NS-Zeit.
- Der Umgang mit jüdischen Sportvereinen und deren Verfolgung im Nationalsozialismus.
- Die gesellschaftspolitische Bedeutung des deutsch-deutschen Duells 1974.
Auszug aus dem Buch
II. Die Gründung der ersten Vereine in Deutschland
Erst gegen Ende der 1880er Jahre entstanden die ersten deutschen Fußballvereine, der älteste heute noch existierende ist der „FC Germania 1888 Berlin“ und er trägt heute seine Spiele in der C-Klasse der Berliner Amateurliga aus. Vor allem englische Kaufleute, Ingenieure, Studenten und Schüler setzten sich für die Gründung von Fußballvereinen in Deutschland ein, dies war in Hamburg, Berlin, Leipzig, Nürnberg und anderen Städten der Fall. (Vgl.: Lindner u. Breuer 1978 : S. 8 u. 9) „Play up Germania“ war einer der Anfeuerungsrufe, der aus England und Schottland stammenden Zuschauer des SC Germania zu Hamburg.
Dieser am 15. Februar 1887 gegründete Verein, war einer der wichtigsten Vorläufer des Hamburger SV. Bei dem SC Germania handelte es sich um einen Zusammenschluss zweier Athletikvereine aus Hohenfelde und Wandsbek-Marienthal. Der neue Verein blieb zunächst einzig im Bereich der Athletik, seine Farben waren Schwarz und Blau. Die Öffnung zum Fußball erfolgte, als der Verein unter den Einfluss von Engländern geriet. Hamburg unterhielt zahlreiche Geschäftsbeziehungen nach London und versteht sich auch heute noch als deren Schwesterstadt, dementsprechend lebten viele englische Kaufleute und Akademiker in der Stadt. Diese rege Verbindung der beiden Städte, brachte fast zwangsläufig auch den Fußball über die Nordsee an die Elbe.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in die Thematik der sozialen Praxis des Fußballs sowie Vorstellung der Forschungsfrage und Quellenlage.
II. Die Gründung der ersten Vereine in Deutschland: Darstellung der Ursprünge deutscher Fußballvereine durch britische Einflüsse und Migranten.
III. Fußball im Ersten Weltkrieg: Analyse der Bedeutung des Fußballs als Entspannungsmittel für Soldaten und der Rolle der militärischen Führung.
IV. Arbeiterfußball in der Weimarer Republik: Betrachtung der Etablierung des Arbeiterfußballs sowie religiös geprägter und anderer Sportbewegungen dieser Zeit.
V. Jüdische Sportvereine im „Dritten Reich“: Dokumentation der Ausgrenzung jüdischer Sportler und Vereine unter dem NS-Regime.
VI. Länderspiele während des Krieges: Untersuchung der propagandistischen Nutzung internationaler Fußballbegegnungen während des Zweiten Weltkriegs.
VII. Kontinuitäten in der Nachkriegszeit: Analyse der personellen und strukturellen Verflechtungen zwischen dem NS-Fußballwesen und dem DFB nach 1945.
VIII. Fußball als Migrantensport in beiden Deutschlands: Vergleich der Integration von Migranten im Fußball in der Bundesrepublik und der DDR.
IX. Zuschauerzahlen der DDR Oberliga und der Bundesliga: Empirische Betrachtung des Publikumsinteresses in den beiden deutschen Staaten bis 1974.
X. Julius-Hirsch-Preis: Darstellung der modernen Erinnerungskultur des DFB und kulturelle Verarbeitung des Fußballs in Film und Literatur.
XI. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der These zur dualen Natur des Fußballs als verbindendes und trennendes Element.
Schlüsselwörter
Sozialgeschichte, Fußball, Deutschland, DFB, NS-Zeit, Weimarer Republik, Migration, Arbeiterfußball, Nationalmannschaft, DDR, Bundesliga, Julius-Hirsch-Preis, Identität, Sportkultur, WM 1974.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Sozialgeschichte des deutschen Fußballs und analysiert diesen als soziales Phänomen, das verschiedene politische Systeme überdauert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Vereinsgründungen, die Rolle des Fußballs in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus, die Entwicklung nach 1945 sowie die Bedeutung von Migration und Zuschauerzahlen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Forschungsfrage lautet: „Wie hat sich der Fußballsport als soziale Praxis in Deutschland entwickelt?“, geprüft anhand der These von der gleichzeitigen trennenden und verbindenden Funktion des Sports.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturgeschichtliche Arbeit, die den Fußball über verschiedene Epochen hinweg analysiert, ergänzt durch quantitative Daten wie Zuschauerzahlen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt chronologisch die Phasen der Fußballgeschichte, von der Entstehung der ersten Vereine über die NS-Diktatur und Nachkriegszeit bis hin zum Aufeinandertreffen von BRD und DDR bei der WM 1974.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Sozialgeschichte, Identität, Systemkonkurrenz, Integration, Segregation und Erinnerungskultur sind prägende Schlagworte.
Inwiefern beeinflusste das NS-Regime den Fußballsport?
Das NS-Regime instrumentalisierte den Fußball für Propagandazwecke, formte die Vereine ideologisch um und schloss Juden systematisch aus dem organisierten Sport aus.
Welche Bedeutung hatte das Spiel zwischen der BRD und der DDR 1974?
Das Spiel war nicht nur sportlich relevant, sondern ein hochgradig politisiertes Ereignis, das die gesellschaftliche Spaltung der beiden deutschen Staaten in den Fokus der Öffentlichkeit rückte.
Welche Rolle spielten Migranten in der Fußballgeschichte?
Sowohl bei der Gründung der Vereine durch englische Kaufleute als auch durch die Einwanderung von „Gastarbeitern“ in den 1960er Jahren war Fußball ein zentrales Medium der Identitätsstiftung und des sozialen Austauschs.
Wie unterscheidet sich die Aufarbeitung des Fußballs heute von der Vergangenheit?
Durch Initiativen wie den Julius-Hirsch-Preis hat sich der DFB von der Verdrängung der NS-Vergangenheit hin zu einer aktiven und kritischen Erinnerungsarbeit gewandelt.
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- Christoph Deichert (Author), 2013, Sozialgeschichte des modernen deutschen Fußballs, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/231814