Vor 10 Jahren hat der Gesetzgeber in §17b KHG die Schaffung eines leistungsorientierten und pauschalierenden Vergütungssystems in Deutschland angeordnet. Das aus Australien stammende DRG System wurde von der Bundesrepublik übernommen, über die Jahre weiter ausgearbeitet und verfeinert. Ziel war es, die Behandlung einzelner Patienten und die dabei entstandenen Kosten vergleichen und beurteilen zu können. Mit diesem System konnten von nun an Behandlungsfälle in sogenannte << Patientenklassifikationssysteme>> gruppiert werden. Dieses Klassifikationssystem bildet einen gemeinsamen Nenner der klinischen und der ökonomischen Sicht.
Auch wurde dieses System mit dem Ziel gewählt, homogene Behandlungsfallgruppen zu definieren. Inwiefern diese Homogenität, insbesondere mit dem Blick auf die Abbildung der Pflegeleistung in diesem Vergütungssystem vorhanden ist, damit befasst sich die Ihnen vorliegende Hausarbeit.
Das G-DRG System wird hinsichtlich dieser Fragestellung untersucht und chronologisch bis zu heutigen Tag erfasst. Wurden im Laufe der Jahre an der einen oder anderen Stelle das DRG Systems nachgebessert, gilt diese Entwicklung in dieser Hausarbeit heute aus der Sicht der Pflege zu betrachten, bewerten und neue Ziele für das Pflegemanagement in der Zukunft zu definieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Untersuchungsdesign
3. Das G-DRG System
3.1 Aufbau und Konzeption
3.2 Problem der Homogenität
3.3 Ursachen der Inhomogenität
4. Weiterentwicklung des G-DRG System
4.1 Paradigmenwechsel in der Krankenhausfinanzierung
4.2 PKMS und OPS 9-20
4.3 PPR A4 für Behandlungsfälle mit hochaufwendiger Pflege
5. Kritische Betrachtung des aktuellen G-DRG System
5.1 Inwiefern konnte dem Ausgangsproblem entgegen gewirkt werden?
5.2 Handlungsempfehlungen für das Pflegemanagement!
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die Abbildung pflegerischer Leistungen innerhalb des deutschen G-DRG-Systems. Ziel ist es, die Entwicklung der ökonomischen Vergütungsstrukturen aus pflegerischer Sicht zu analysieren, die Problematik der mangelnden Homogenität bei der Abbildung von Pflegeaufwand aufzuzeigen und Strategien für ein zukunftsorientiertes Pflegemanagement abzuleiten.
- Historische Entwicklung und Konzeption des G-DRG-Systems in Deutschland.
- Analyse der Inhomogenität bei der Abbildung von Pflegeleistungen in den Fallgruppen.
- Untersuchung von Reforminstrumenten wie PKMS, OPS 9-20 und PPR A4.
- Strategien zur Professionalisierung der Pflege und verbesserten Leistungsdarstellung.
Auszug aus dem Buch
3.3 Ursachen der Inhomogenität
Um den Ursachen für die schlechte Homogenität auf den Grund zu gehen, hat Fischer damals schon festgestellt, „dass es neben der Unwirtschaftlichkeit noch eine Reihe von anderen Faktoren gibt, welche die messbare Homogenität verschlechtern“. Neben der Ineffizienz von Betrieben kann unter anderem auch ein ungenügend differenzierendes Patientenklassifikationssystem der Grund für Inhomogenität sein. Hier ist der Blick nochmal auf den am Anfang (Seite 4) beschriebenen Datensatz zu richten. Anfangs ist man davon ausgegangen, dass sich die Pflegemaßnahmen fast vollständig innerhalb einer DRG über die ärztliche Haupt- und Nebendiagnose abbilden lassen.
Das der Pflegeaufwand bei gleicher ärztlicher Problematik unterschiedlich ausfallen kann, das hat Fischer in seiner Arbeit in Verbindung mit den Pflegeaufwandstudien verdeutlicht. So lassen sich unterschiedliche vorbestehende Pflegeprobleme wie zum Beispiel Mobilitätseinschränkung oder auch andere Patientenmerkmale mit beeinträchtigten sozialen Hintergründen, die einen zusätzlichen Pflegeaufwand erforderlich machen, sich nicht in den bislang vorhandenen Datensatz abbilden.
Ein Beispiel: Ein 57 Jahre alter Patient mit der Einweisungsdiagnose „transurethralen Prostatektomie“ kommt zur operativen Behandlung auf die Station 12. Hierbei handelt es sich um einen standardisierten operativen Eingriff, vom Tag der Aufnahme über die OP bis hin zur Entlassung. Im Grunde ganz gut zu kalkulieren, wenn da nicht… der Patient an Verwirrtheitszuständen leiden würde. Oder der Patient auf der psychischen Ebene deutlich sensibler in Form von Ängsten als andere Patienten der gleichen Fallgruppe reagiert. Oder andere bestehende Pflegeprobleme wie Dekubitus oder Gehbehinderung bestehen würden.
Diese Indikatoren für einen zusätzlichen Pflegeaufwand sind in keinem der Daten für die DRG Codierung (Seite 4) wieder zu finden. Diese Maßnahmen spiegeln sich weder in den ärztlichen Hauptdiagnosen noch in den Nebendiagnosen wieder. Es fehlt eindeutig an Erklärungskraft!
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die gesetzlichen Grundlagen des G-DRG-Systems und Definition der Forschungsfrage hinsichtlich der Pflegeabbildung.
2. Untersuchungsdesign: Erläuterung der angewandten Literaturarbeitsmethode zur Analyse der DRG-Entwicklung.
3. Das G-DRG System: Darstellung der Systematik, der Fallgruppendefinition und der kritischen Analyse der Homogenität von Pflegeleistungen.
4. Weiterentwicklung des G-DRG System: Analyse der Konvergenzphase und Einführung spezifischer Instrumente wie PKMS und PPR A4 zur besseren Abbildung komplexer Pflegebedarfe.
5. Kritische Betrachtung des aktuellen G-DRG System: Bewertung der Wirksamkeit bisheriger Maßnahmen und Ableitung von Handlungsempfehlungen für das Pflegemanagement.
Schlüsselwörter
G-DRG, Krankenhausfinanzierung, Pflegeaufwand, Homogenität, Pflegemanagement, Fallpauschalen, PKMS, OPS 9-20, PPR A4, Pflegediagnosen, Nanda, Patientenklassifikation, Leistungsabbildung, Professionalisierung, Krankenhausmanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse des deutschen G-DRG-Vergütungssystems und dessen Auswirkung auf die Abbildung und Finanzierung von Pflegeleistungen im Krankenhaus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Systematik der DRGs, das Problem der mangelnden Homogenität bei der Abbildung von Pflegeaufwand sowie neue Instrumente wie PKMS und PPR A4.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der DRG-Systematik aus der Perspektive der Pflege zu bewerten und Ansätze für ein proaktives Pflegemanagement zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin/der Autor führt eine reine Literaturarbeit durch, die einschlägige Fachliteratur, Expertenstatements und aktuelle Veröffentlichungen von Verbänden auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der DRG-Konzeption, die Analyse der Inhomogenität, die Betrachtung der Weiterentwicklungen durch spezifische Pflege-Indikatoren sowie Handlungsempfehlungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie DRG, Pflegeaufwand, Krankenhausfinanzierung, Homogenität, Pflegemanagement und Professionalisierung definiert.
Was versteht man unter dem in der Arbeit beschriebenen "Homogenitätsproblem"?
Es beschreibt die Diskrepanz, dass Patienten der gleichen DRG-Fallgruppe aufgrund unterschiedlicher pflegerischer Bedarfe (z.B. Mobilitätseinschränkungen) einen ungleich hohen Pflegeaufwand verursachen, der ökonomisch nicht differenziert abgebildet wird.
Welche Bedeutung haben das PKMS und der OPS 9-20?
Diese Instrumente dienen dazu, besonders hochaufwendige Pflegeleistungen bei Krankenhauspatienten mittels eines Scores zu erfassen und somit finanziell im DRG-System abzubilden.
Welche Rolle spielen die Nanda-Pflegediagnosen für die Zukunft?
Die Arbeit schlägt vor, Nanda-Pflegediagnosen als einheitliche Terminologie zu nutzen, um die Pflegeleistungen transparenter, nachvollziehbarer und besser steuerbar zu machen.
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- Jens Fuchs (Author), 2013, Abbildung der Pflegeleistung im G-DRG System, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/231623