Aufgrund der Vielfallt journalistischer Texte gibt es weiten Raum für eine sprachliche Vergleichsuntersuchung. Diese Arbeit wird sich dabei auf eine komparatistische Vergleichsanalyse zweier Textsorten aus vorzugsweise einer Zeitung, der FAZ, konzentrieren: Nachricht und Kommentar. Es wird dabei der Versuch unternommen werden, typische Merkmale und Unterschiede auf der Wort-, Satz- und Textebene beider Textsorten zu bestimmen.
Dabei sollen im folgenden Kapitel II zunächst die für die genauere Untersuchung der beiden Textsorten benötigten grammatischen Begriffe einführend beschrieben werden. Darauf aufbauend wird die eigentliche Analyse der Textsorte Nachricht (Kapitel III) und der Textsorte Kommentar (Kapitel IV) vorgenommen werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Einführung
1. Wortbildungsmuster
2. Textfunktionen
III. Die Textsorte Nachricht
1. Benennungsbedarf
2. Sprachökonomie
IV. Die Textsorte Kommentar
1. Stilistische Merkmale
2. Funktionen der Komposita
V. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die sprachlichen Unterschiede zwischen den Pressetextsorten Nachricht und Kommentar unter besonderer Berücksichtigung von Wortbildung, Textfunktion und Stil. Ziel ist es aufzuzeigen, wie unterschiedliche textuelle Intentionen – sachlich-informativ versus meinungsbetont-persuasiv – die Wahl lexikalischer Mittel und syntaktischer Strukturen maßgeblich beeinflussen.
- Analyse von Wortbildungsmustern (insbesondere Determinativkomposita)
- Kontrastierung von sachlich-neutraler Nachrichtensprache und wertend-subjektiver Kommentarsprache
- Untersuchung der Sprachökonomie in informierenden Texten
- Analyse rhetorischer Stilmittel und appellativer Elemente in Kommentaren
- Diskussion der Intentionalität und subjektiven Lexikauswahl in journalistischen Texten
Auszug aus dem Buch
III.2. Sprachökonomie
Typisch für Texte mit dominierender Informationsfunktion ist auch die „Gedrängtheit“ der vermittelten Informationen, was aus der Notwendigkeit heraus resultiert, möglichst viele Informationen auf möglichst engem Raum wiederzugeben (Sprachökonomie). Syntaktisch spiegelt sich dies in der Tendenz zur Abnahme der Hypotaxe bei gleichzeitiger Zunahme des Nominalstils in Einfachsätzen wider. Typisch sind folgende Konstruktionen:
„[…] Seit die Gespräche […] nach einem Besuch des türkischen Präsidenten Gül in Armenien aus Anlass eines WM-Qualifikationsspiels der Fußballmannschaften beider Länder begonnen haben, […].“ (FAZ, 24.4.09, S.1)
„[…] seit Beginn der EU-geführten Operationen […]“(FAZ, 2.5.09, S.1)
Die Aussparung der verbalen Ausdrucksweise in Nebensätzen gelingt durch eine erhöhte Blockbildung, das heißt die Gruppierung von mehreren Attributen (Gliedteile) um einen Nominalausdruck (Kern). Genitivattribute (z.B. ein Besuch des türkischen Präsidenten) und Präpositionalattribute (z.B. aus Anlass eines Qualifikationsspiels) ersetzen längere Formulierungen in Nebensätzen wie den Relativsatz ein Besuch, den Präsident Gül getätigt hatte beziehungsweise den Kausalsatz weil ein WM-Qualifikationsspiel (…) stattgefunden hatte.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung hinterfragt das Konstrukt der einheitlichen „Pressesprache“ und führt die Untersuchung der unterschiedlichen Textsorten Nachricht und Kommentar anhand der FAZ ein.
II. Einführung: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen zu Wortbildungsmustern wie der Komposition und klassifiziert Pressetexte anhand ihrer textuellen Intentionalität.
III. Die Textsorte Nachricht: Hier wird der Fokus auf sachlich-neutrale Nachrichten gelegt, wobei Mechanismen wie der Benennungsbedarf und die Sprachökonomie zur Informationsverdichtung analysiert werden.
IV. Die Textsorte Kommentar: Dieses Kapitel untersucht die stilistischen Merkmale und die Funktion von Komposita in meinungsbetonten, wertenden Texten, die gezielt zur Beeinflussung des Lesers eingesetzt werden.
V. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die den Einfluss der Textfunktion auf die Gestaltung der Lexik und Stilistik in der journalistischen Praxis bestätigt.
Schlüsselwörter
Pressesprache, Nachricht, Kommentar, Wortbildung, Determinativkomposita, Sprachökonomie, Textfunktion, Informationsvermittlung, Appellfunktion, Neologismen, journalistischer Stil, Lexikauswahl, Satzverkürzung, Nominalstil, Wertung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die sprachlichen Unterschiede zwischen Nachrichten und Kommentaren in der Tagespresse, insbesondere am Beispiel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ).
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Wortbildung, die textuelle Funktion sowie der spezifische Stil, der jeweils eine sachliche Information oder eine subjektive Meinungsäußerung transportiert.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll untersucht werden, wie sich die unterschiedliche Intentionalität von Nachricht und Kommentar auf die sprachliche Gestaltung, insbesondere auf die Lexik und die Satzstruktur, auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Untersuchung verwendet?
Es wird eine vergleichende Untersuchung durchgeführt, die linguistische Begriffe der Wortbildung und Textfunktion auf konkrete Textbeispiele aus der Tagespresse anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Wortbildungsmustern (Derivation, Komposition), die Sprachökonomie in Nachrichten sowie die rhetorischen und appellativen Mittel in Kommentaren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Pressesprache, Sprachökonomie, Komposita, Textfunktion, Informationsvermittlung und Appellfunktion.
Wie unterscheidet sich die Sprachökonomie in Nachrichten von der in Kommentaren?
In Nachrichten dient die Sprachökonomie der sachlichen Informationsverdichtung und Raumplanung; in Kommentaren steht die stilistische Gestaltung und die persuasive Wirkung stärker im Vordergrund.
Welche Rolle spielen Komposita in der journalistischen Sprache?
Sie dienen einerseits der Schließung lexikalischer Lücken bei neuen Begriffen (Benennungsbedarf) und ermöglichen andererseits eine hohe Informationsdichte, können aber in Kommentaren auch ironisch oder abwertend eingesetzt werden.
Was versteht die Autorin/der Autor unter der „Appellfunktion“?
Die Appellfunktion ist die Ausrichtung eines Textes darauf, beim Leser eine bestimmte Meinung, ein Urteil oder eine emotionale Reaktion zu provozieren, statt lediglich Fakten zu vermitteln.
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- Stefan Engelbert Heller (Author), 2009, Die Pressetextsorten Nachricht und Kommentar. Vergleich von Wortbildung, Textfunktion und Stil, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/231469