Wassily Kandinsky gilt als einer der bekanntesten Vertreter abstrakter Kunst; er entwickelte eine einzigartige Farb- und Formenlehre. Seine Werke inspirierten und bereicherten die europäische und internationale Kunstszene.
Während seines, fast zwei Jahrzehnte wärenden Aufenthaltes in Deutschland freundet er sich mit dem Komponisten Arnold Schönberg an. Beide unterhalten einen regen Briefwechsel, in dem sie sich über ihr gegenseitiges Kunstverständnis austauschen und einander beratend zur Seite stehen. Kandinsky durchläuft in dieser Zeit eine maßgebliche Entwicklung: sein expressiver Malstil wird zunehmend abstrakt. Seine Kunst löst sich vom Gegeständlichen. Schönberg beschreitet seinerseits mit atonale Kompositionen neue Wege. Beide Künstler sind in unterschiedlichen Metiers heimisch und ergänzen sich dennoch. Prägte einer das Kunstverständnis des anderen oder sind die parallelen Entwicklungen als autonom zu betrachten?
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Einordnung in den historischen Kontext mit Fokussierung auf die Kunstszene in Deutschland und Russland
3. Kandinskys erste Berührungen mit der Kunst / Aufbruch nach München
4. Wassily Kandinsky und Arnold Schönberg – Analyse einer Freundschaft
5. Zusammenfassung und Kommentar
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die prägende Wirkung der Freundschaft zwischen dem Maler Wassily Kandinsky und dem Komponisten Arnold Schönberg während Kandinskys Münchener Schaffensperiode (1896–1914) und analysiert, inwiefern dieser interdisziplinäre Austausch die künstlerische Entwicklung hin zur Abstraktion beeinflusste.
- Historischer Kontext der Kunstszene um die Jahrhundertwende in Deutschland und Russland.
- Die sinnästhetische Wahrnehmung Kandinskys und sein künstlerischer Werdegang.
- Analyse des intensiven Briefwechsels und fachlichen Austauschs zwischen Kandinsky und Schönberg.
- Gegenüberstellung von künstlerischen Thesen zur Freiheit der Form und Atonalität.
- Untersuchung des Einflusses der Freundschaft auf die Entstehung abstrakter Kunstkonzepte.
Auszug aus dem Buch
Wassily Kandinsky und Arnold Schönberg – Analyse einer Freundschaft
Erstmals ins Bewusstsein Kandinskys trat Schönberg im Januar 1911 als sich Kandinsky die Aufführung eines seiner Streichquartette ansah. Trotz seiner laienhaften Musikkenntnisse erschloss sich ihm die schwer zugängliche Musik Schönbergs. Ihn faszinierte die „fremdartige dissoziative Klangsprache und die von Satz zu Satz zunehmende Atonalität“24 Schönbergs Kompositionen standen in deutlichem Kontrast zu Werken konventioneller Komponisten und wurden von Kritikern oft harsch abgelehnt. 25
Die Anziehungskraft dieser neuen Musik veranlasste Kandinsky wenige Tage später einen ersten Brief an Schönberg zu schreiben.
Dort spricht er ihm seine Bewunderung aus offenbart seine spontane Verbundenheit und Sympathie: „Sie kennen mich, d. h. meine Arbeiten natürlich nicht [...] Unsere Bestrebungen aber und die ganze Denk- und Gefühlsweise haben so viel Gemeinsames, daß ich mich ganz berechtigt fühle, Ihnen meine Sympathie auszusprechen. Sie haben in ihren Werken das verwirklicht, wonach ich in freilich unbestimmter Form in der Musik so große Sehnsucht hatte.
Das selbstständige Gehen durch eigene Schicksale, das eigene Leben der einzelnen Stimmen in Ihren Compositionen ist gerade das, was auch ich in malerischer Form zu finden versuche. [...] Ich finde eben, daß unsere heutige Harmonie nicht auf dem >>geometrischen<< Wege zu finden ist , sondern auf dem direkt antigeometrischen, antilogischen. Und dieser Weg ist der der >>Dissonanzen in der Kunst[<<], also auch in der Malerei ebenso, wie in der Musik“26 Schönberg greift die angeführten Theorien Kandinskys in seinem Antwortbrief prompt auf – er bestätigt und ergänzt sie: „Ich verstehe das vollkommen und bin sicher, daß wir uns da begegnen. Und zwar in dem wichtigsten. In dem [,] was Sie das >>Unlogische<< nennen und das ich >>Ausschaltung des bewußten Willens in der Kunst<< nenne. Auch was Sie über das konstruktive Element schreiben, glaube ich. Jede Form, die traditionelle Wirkungen anstrebt, ist nicht ganz frei von Bewußtseins-Akten. Und die Kunst gehört aber dem Unbewußten! Man soll sich ausdrücken!“27 Beide offenbaren hier Thesen, die sie nicht nur für Malerei oder Musik geltend machen, sondern die Kunst im generellen Sinne meinen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Vorstellung des Lebensweges von Kandinsky und Erläuterung der Motivation für die Untersuchung der Freundschaft mit Schönberg.
2. Einordnung in den historischen Kontext mit Fokussierung auf die Kunstszene in Deutschland und Russland: Skizzierung der Epoche des Umbruchs durch Jugendstil, Impressionismus und Expressionismus als Rahmenbedingungen für Kandinskys Entwicklung.
3. Kandinskys erste Berührungen mit der Kunst / Aufbruch nach München: Beschreibung von Kandinskys sinnästhetischer Wahrnehmung und seinem Entschluss, die akademische Laufbahn zugunsten der Malerei in München aufzugeben.
4. Wassily Kandinsky und Arnold Schönberg – Analyse einer Freundschaft: Detaillierte Analyse des Austauschs zwischen beiden Künstlern, ihrer theoretischen Gemeinsamkeiten und der gegenseitigen Inspiration im Umgang mit Avantgarde und neuen Ausdrucksformen.
5. Zusammenfassung und Kommentar: Synthese der Forschungsergebnisse mit der Schlussfolgerung, dass die Freundschaft zwar inspirierend war, Kandinskys Weg in die Abstraktion jedoch weitgehend eigenständig verlief.
Schlüsselwörter
Wassily Kandinsky, Arnold Schönberg, Abstraktion, Expressionismus, Jahrhundertwende, Künstlerfreundschaft, Sinnästhesie, Atonalität, Moderne, Blaue Reiter, Kunsttheorie, Russland, München, Briefwechsel, Formfreiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Freundschaft zwischen Wassily Kandinsky und Arnold Schönberg und deren wechselseitigen Einfluss während der Münchener Jahre von 1896 bis 1914.
Welche zentralen Themenfelder werden beleuchtet?
Das Werk behandelt die Kunstgeschichte um die Jahrhundertwende, die Entwicklung zur abstrakten Malerei, musikalische Atonalität sowie die Korrespondenz zwischen Künstlern unterschiedlicher Disziplinen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, inwiefern Arnold Schönbergs Arbeit und Denken Wassily Kandinsky in seiner künstlerischen Entwicklung und seinem Streben nach Abstraktion prägten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Kandinskys persönlichen Schriften, seinem Essay „Über das Geistige in der Kunst“ sowie dem umfangreichen archivierten Briefwechsel zwischen Kandinsky und Schönberg.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf den fachlichen Dialog, gemeinsame ästhetische Zielsetzungen, das Verständnis von künstlerischer Freiheit und das gegenseitige Verständnis gegenüber der Kritik durch konservative Zeitgenossen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt am besten beschreiben?
Kandinsky, Schönberg, Abstraktion, Expressionismus, Sinnästhesie, Atonalität und künstlerischer Austausch sind die zentralen Begriffe.
Wie bewertet die Autorin den Einfluss von Schönberg auf Kandinsky?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der Einfluss zwar eine wichtige inspirierende Rolle spielte und Solidarität stiftete, die Entwicklung zur Abstraktion bei Kandinsky jedoch bereits vor der Bekanntschaft angelegt war.
Welche Bedeutung hatte der Briefwechsel für die Freundschaft?
Aufgrund der geographischen Distanz zwischen München, Wien und Berlin war der Briefwechsel das primäre Medium, um Ausstellungen zu organisieren und theoretische Thesen über die Kunst zu diskutieren.
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- Sandra Mühlbach (Author), 2013, Wassily Kandinsky und Arnold Schönberg: Analyse einer Freundschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/231407