„Problematisch am Fernsehen ist nicht, dass es uns unterhaltsame Themen präsentiert, problematisch ist, dass es jedes Thema als Unterhaltung präsentiert“ (Postman 1988: 110).
Mit diesem, für sein Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“ beispielhaften Zitat, übt Neil Postman 1985 an den Inhalten eines Mediums Kritik, das zu dieser Zeit bereits seit über zwei Jahrzehnten das Alltags-, Familien- und Sozialleben der Menschen dominierte. Er beschäftigt sich in seinem Standardwerk der Fernsehkritik nicht nur mit den Auswirkungen des Fernsehens auf den Konsum anderer Medien wie Buch oder Zeitung, sondern auch mit den Folgen der allgegenwärtigen Vorherrschaft der Bilder für die Kultur, die Gesellschaft und deren Auffassung von Wahrheit. Insgesamt zeichnet der Autor ein eher ernüchterndes Bild eines Mediums, das die meisten Nutzer ohne große Hintergedanken oder gar Bedenken nutzen. Er beschreibt wie durch das Fernsehen, Informationen aus ihren Zusammenhängen gerissen werden und ein „unstillbarer Hunger nach Aufklärung und Entwicklung [entsteht], der wiederum mit leichter Kost gestillt werden muss. Das Ergebnis: Der Mensch verhungert langfristig an geistiger Magersucht“ (Breitenbach 2008: 149). Man amüsiert sich also zu Tode.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fahrenheit 451
2.1 Inhalt
2.2 Rezeption des Films
2.3 Medienbild im Film
3. V wie Vendetta
3.1 Inhalt
3.2 Rezeption des Films
3.3 Medienbild im Film
4. Fernsehkritik in Fahrenheit 451 und V wie Vendetta
4.1 Schriftkultur vs. Bildkultur in Fahrenheit 451
4.1.1 Das Fernsehen und seine Auswirkungen
4.1.2 Schrift als Allerheilmittel?
4.2 Schriftkultur vs. Bildkultur in V wie Vendetta
4.2.1 Die Abgründe des Fernsehens
4.2.2 Rettung durch die Macht der Worte
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Fernsehkritik in den Science-Fiction-Filmen Fahrenheit 451 und V wie Vendetta, basierend auf Neil Postmans Medientheorie über das Verhältnis von Schrift- und Bildkultur. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Medium Fernsehen in den Filmen als manipulatives Instrument dargestellt wird und welche Rolle der Schriftkultur bei der kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Missständen zukommt.
- Analyse des Medienbildes des Fernsehens in dystopischen Filmwelten
- Vergleich der Darstellung von Schrift- und Bildkultur
- Anwendung der Medientheorie von Neil Postman auf die Filmanalyse
- Untersuchung von Propaganda und Unterhaltungsindustrie in Medien
- Reflektion über die Macht der Worte als Mittel gegen mediale Manipulation
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Das Fernsehen und seine Auswirkungen
Die bildzentrierte Kultur wird natürlich von den Feuerwehrmännern, aber hauptsächlich von Montags Frau Linda repräsentiert. Sie ist voll und ganz Dienerin des Götzen Fernsehen und zieht nicht nur eine neue Bildwand einer verbesserten Lebenssituation vor, sondern hält es auch für eine große Ehre an einer der Fernsehsendungen der Fernseh-„Familie“ teilnehmen zu dürfen. Dabei wird in Fahrenheit 451 das Fernsehprogramm bewusst einfältig und oberflächlich präsentiert. Die Sendung an der Linda „mitwirken“ darf, ist nicht nur absolut inhalts- sondern auch vollkommen handlungslos. Es geht kurz gefasst um die Sitz und Unterbringungsordnung bei einer Dinnerparty. Auch die Schauspieler scheinen vollkommen talentfrei. Sozusagen ein Prototyp der von Postman gefürchteten Unterhaltungsindustrie. Die ansonsten dargestellten Inhalte des Fernsehens sind auch, abgesehen von Propaganda, eher belanglos und richten sich scheinbar vornehmlich an Frauen (z.B. Verteidigungskurs für Frauen). Truffaut reiht sich hier also in einen Kritikerkanon ein, der dem Fernsehen vorwirft „es sei oberflächlich, transportiere Informationen, die keine tatsächliche Relevanz für den Zuschauer böten“ (Bachmaier 2003: 44).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die medienkritische Thematik basierend auf Neil Postman und Vorstellung der untersuchten Science-Fiction-Filme.
2. Fahrenheit 451: Überblick über den Film von Truffaut, dessen Rezeption sowie das darin gezeigte, fernsehdominierte Medienbild.
3. V wie Vendetta: Einführung in das Szenario der Comicverfilmung, deren Kritikermeinungen und die dortige Darstellung des Staatsfernsehens.
4. Fernsehkritik in Fahrenheit 451 und V wie Vendetta: Detaillierter Vergleich der beiden Filme hinsichtlich der Spannung zwischen Schriftkultur und manipulativer Bildkultur.
5. Fazit: Zusammenführende Betrachtung der Ergebnisse und Bestätigung, dass beide Filme die Macht des Wortes gegen mediale Manipulation verteidigen.
Schlüsselwörter
Fernsehkritik, Science-Fiction-Film, Neil Postman, Schriftkultur, Bildkultur, Fahrenheit 451, V wie Vendetta, Medienmanipulation, Dystopie, Medienpropaganda, Unterhaltungsindustrie, Buchkultur, Medienethik, Gesellschaftskritik, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die medienkritische Darstellung des Fernsehens in den Science-Fiction-Filmen Fahrenheit 451 und V wie Vendetta.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen der Konflikt zwischen Schrift- und Bildkultur, die Auswirkungen von Fernsehen auf die Gesellschaft sowie die Rolle von Propaganda und Unterhaltung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die beiden Filme das Fernsehen als Instrument zur Manipulation kritisieren und welche Bedeutung der Schriftkultur als Gegenpol beigemessen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine medientheoretische Filmanalyse, die auf Neil Postmans kritischen Thesen zur Fernsehkultur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den inhaltlichen Aspekten der Filme, ihrer Rezeption und einer detaillierten Untersuchung des Medienbildes im direkten Vergleich.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Fernsehkritik, Schriftkultur, Bildkultur, Medienmanipulation und Dystopie geprägt.
Wie unterscheidet sich die Rolle der Bücher in den beiden Filmen?
In Fahrenheit 451 sind Bücher generell verboten, während in V wie Vendetta eine "schwarze Liste" existiert; beide Filme sehen in der Schrift jedoch ein Werkzeug kritischen Denkens.
Warum wird V in V wie Vendetta als Repräsentant der Schriftkultur gesehen?
V verkörpert die "gute" alte Kultur, zitiert klassische Literatur und nutzt Worte statt Bilder, um die Bevölkerung zur kritischen Reflexion gegen das Regime anzuregen.
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- Simone Stern (Author), 2012, Schriftkultur vs. Bildkultur. Fernsehkritik in "Fahrenheit 451" und "V wie Vendetta", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/230917