Das Spätmittelalter gilt als die "Krisenzeit" des Mittelalters, u.a. wegen des starken Bevölkerungseinbruches, überwiegend durch die großen Pestwellen, aber auch infolge von Missernten, den daraus resultierenden Jahren des Hungerns und dem Ausbrechen von Epidemien. Auch zerfallen zunehmend die allgemeinen Machtstrukturen. Seit dem Interregnum setzt sich bei der Königswahl das Wahlrecht der Fürsten gegenüber dem Erbrecht durch. Die Königswahl wird zunehmend nur von den sieben bedeutendsten Fürsten des Reichs, den Kurfürsten, durchgeführt, und zwar von den Erzbischöfen von Köln, Mainz, Trier, dem König von Böhmen, dem Pfalzgraf bei Rhein, dem Herzog von Sachsen und dem Markgrafen von Brandenburg.
All dies sind natürlich Beispiele, die auf einen Zerfall des Mittelalters hindeuten und somit die These der „Krisenzeit“ bestätigen. Aber dennoch gibt es in dieser Epoche auch viele Ereignisse die gegen einen Zerfall sprechen, u.a. der Aufstieg der Habsburger zu einer „Weltmacht“, das Ausbreiten des Universitätswesens in Europa, das Durchsetzen eines allgemeinen Gerichtswesen im Heiligen Römischen Reich (Deutscher Nation) oder auch das Erstarken der Städte, durch z.B. Städtebündnisse. Das Gleiche gilt auch für den Aufschwung der Hanse, mit welchem ich beweisen möchte, dass das Spätmittelalter auch ein Zeitalter des Aufstieges und Wachstums war.
Inhaltsverzeichnis
1. Essay – „Spätmittelalter“
1.1 Entstehung der Hanse
1.2 Entwicklung zum Städtebündnis
1.3 Höhepunkt und Macht
1.4 Niedergang
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die gängige These des Spätmittelalters als reine „Krisenzeit“ durch die historische Analyse der Hanse zu hinterfragen und den Nachweis zu erbringen, dass diese Epoche ebenso ein Zeitalter des Wachstums und des Aufstiegs darstellte.
- Die Charakterisierung des Spätmittelalters als Krisenepoche
- Ursprünge und frühe Strukturen der Hanse
- Die Entwicklung von der Kaufmanns- zur Städtehanse
- Politischer und wirtschaftlicher Einfluss im Nord- und Ostseeraum
- Ursachen für den Aufstieg, Zenit und anschließenden Niedergang
Auszug aus dem Buch
Die Entwicklung der Hanse vom Kaufleutezusammenschluss zum Machtfaktor
Die Hanse war ursprünglich ein Zusammenschluss fahrender Kaufleute im 12. Jahrhundert, welche sich im 13. Jahrhundert zu einem der mächtigsten Städtebündnisse entwickelte. Dieses Städtebündnis sollte für rund 300 Jahre Handel, Schifffahrt und Politik im Nord –und Ostseeraum maßgeblich bestimmen. Es gab viele lokale „Hansen“, bevor aus diesen die „Deutsche Hanse“ im 13. Jahrhundert entstand und auf der politischen Bühne Europas erschien.
Ihre Ursprünge hatte die Hanse in Köln und London, wo sich die Kaufleute zu einer Genossenschaft vereinten. Diese erhielten im Jahre 1157 für ihre Niederlassung, die Londoner Guildhall und ihre Waren den besonderen Schutz des Königs. Ab 1175 bekamen sie das Privileg des freien Handels im gesamten Königreich. Wichtiger für die Geschichte der Hanse waren die Vorgänge im 12. Und 13. Jahrhundert im Ostseeraum. So kam es dort zur Gründung Lübecks, die Städtegründungen im Rahmen der Ostkolonisation und die damit einhergehende Entstehung der deutschen Gotlandfahrergenossenschaft.
Auf der Insel Gotland in der Stadt Visby entstand im 1161 eine Gilde, die Gemeinschaft der deutschen Gotlandfahrer. Diese war ein Zusammenschluss von einzelnen Kaufleuten ähnlicher Herkunft und Handelsinteressen aus dem nordwestlichen Teilen Deutschlands, wie zB. von Lübeck und aus Neugründungen von Städten an der Ostsee. Visby wurde zu einem wichtigen Knotenpunkt im Ostseehandel mit Hauptverbindung nach Lübeck. Diese Gilde der Kaufmannsleute aus dem Heiligen Römischen Reich, die sich gegenseitigen Schutz und Hilfe schworen, sollte zur Basis der Hanse werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Essay – „Spätmittelalter“: Das Kapitel führt in die Problematik des Spätmittelalters ein und stellt der Krisenthese die erfolgreiche Entwicklung der Hanse als Gegenbeweis gegenüber.
Entstehung der Hanse: Hier werden die Ursprünge der Hanse im 12. Jahrhundert sowie die wichtige Rolle der Gotlandfahrer und der Gründung Lübecks beleuchtet.
Entwicklung zum Städtebündnis: Dieser Teil beschreibt den Zusammenschluss der Handelszentren und die rechtliche Konsolidierung des Bundes im 13. und 14. Jahrhundert.
Höhepunkt und Macht: Das Kapitel analysiert die militärische und politische Dominanz der Hanse, insbesondere im Konflikt mit Dänemark und dem Frieden von Stralsund.
Niedergang: Abschließend werden die Ursachen für den Zerfall der Hanse ab dem 15. Jahrhundert durch innere Konflikte und den wachsenden Druck der Territorialfürsten dargelegt.
Schlüsselwörter
Spätmittelalter, Hanse, Krisenzeit, Städtebündnis, Lübeck, Nordsee, Ostsee, Handel, Gotlandfahrer, Kaufleute, Machtpolitik, Wirtschaftsgeschichte, Friede von Stralsund, Mittelalter, Kontor
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der historischen Wahrnehmung des Spätmittelalters als „Krisenzeit“ und den belegbaren Wachstumserscheinungen durch den Aufstieg der Hanse.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Genese der Hanse, ihre institutionelle Entwicklung, ihre wirtschaftliche Dominanz im nordeuropäischen Raum sowie ihr politischer Einfluss.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, nachzuweisen, dass das Spätmittelalter neben zerfallenden Strukturen auch eine Blütezeit für neue wirtschaftliche und urbane Entwicklungen bot.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf Literaturrecherche und der Auswertung zeitgenössischer Entwicklungen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Chronologie der Hanse von den ersten Kaufmannsgilden bis hin zu ihrer Blütezeit und ihrem späteren Niedergang.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Spätmittelalter, Hanse, Handelsbündnis, wirtschaftlicher Aufstieg und politische Machtstrukturen.
Welche Rolle spielte die Stadt Lübeck für den Erfolg der Hanse?
Lübeck entwickelte sich zur „Königin der Hanse“ und diente als zentraler Knotenpunkt für den Handel, was die Kontrolle über wichtige Routen im Nord- und Ostseeraum ermöglichte.
Warum wird der Frieden von Stralsund als Meilenstein genannt?
Der Frieden von Stralsund (1370) markiert den Zenit der europäischen Macht der Hanse nach dem erfolgreichen Konflikt gegen den dänischen König Waldemar IV.
Welche externen Faktoren führten zum Niedergang der Hanse?
Der Niedergang wurde durch innere Bürgerkämpfe, religiöse Auseinandersetzungen wie die Reformation und den wachsenden Druck durch die Territorialfürsten beschleunigt.
Wer waren neben den Städten die einzigen nichtstädtischen Mitglieder des Bundes?
Die Bauernrepublik Dithmarschen und der Deutsche Orden waren die einzigen Mitglieder, die nicht den Status einer Stadt innehatten.
- Arbeit zitieren
- Michael Wornest (Autor:in), 2012, Die Hanse im Spätmittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/230882