Der religiös motivierte Terrorismus macht heute einen Großteil des weltweiten Terrorismus aus. Vor dem Hintergrund des Ende der 80er Jahre überwundenen Kalten Krieges, dem folgenden Zusammenbruch der Sowjetunion und der damit eng verbundenen Diskreditierung der kommunistischen Ideologie in vielen Teilen der Welt verwundert dies kaum. Internationale terroristische Anschläge werden heute nicht mehr vornehmlich von ethno-nationalistischen/separatistischen Organisationen, sondern im Namen aller Weltreligionen und allzu oft im Namen des Islam verübt. (...) Durch das Wesen des islamistischen Terrorismus, dessen Netzwerke und Planungen im Verborgenen stattfinden, nehmen Geheimdienste und nicht zuletzt internationale Geheimdienstkooperationen eine sehr bedeutende Rolle in der Terrorismusbekämpfung ein. Hieraus ergeben sich einige zentrale Fragen, mit denen sich diese Arbeit befasst: Was kennzeichnet diese Intelligene-Kooperationen heute? Haben sich diese nach dem 11. September in der Zahl und der Intensität verändert? Warum kooperieren Geheimdienste unterschiedlichster Staaten miteinander, wenn es um Terrorismusbekämpfung geht? Diese Arbeit soll einen Beitrag zum Verständnis der Intelligence-Kooperationen in der Terrorismusbekämpfung leisten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Folgen des 11. September auf Intelligence-Kooperationen im Kampf gegen den Terrorismus
2.1 Kooperationen vor dem 11. September
2.1.1 Multilaterale Kooperationen
2.1.2 Plurilaterale Kooperationen
2.1.3 Bilaterale Kooperationen
2.2 Alte und neue Kooperationen nach dem 11. September
2.2.1 Wandel der bereits existierenden Kooperationen nach dem 11. September
2.2.2 Neue Kooperationen nach dem 11. September
2.3 Gründe für diese Entwicklung
2.3.1 Gleiche oder ähnliche Interessen
2.3.2 Struktur der islamistischen Terrororganisationen
2.3.3 Unterschiedliche Stärken
2.3.4 Umgehen von Hindernissen
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Anschläge vom 11. September 2001 auf die internationale Zusammenarbeit von Geheimdiensten bei der Terrorismusbekämpfung. Dabei wird untersucht, wie sich bestehende Kooperationsstrukturen wandelten und warum eine internationale Vernetzung in diesem Bereich zur Notwendigkeit wurde.
- Evolution der Geheimdienstkooperationen vor und nach dem 11. September
- Die Rolle der USA als zentraler Akteur im "global intelligence management"
- Strukturelle Faktoren des islamistischen Terrorismus als Kooperationsanreiz
- Strategien zum Informationsaustausch zwischen westlichen und nicht-westlichen Diensten
- Ethische und operative Dilemmata bei der Zusammenarbeit mit fragwürdigen Partnerdiensten
Auszug aus dem Buch
2.3.4 Umgehen von Hindernissen
Begünstigt werden geheimdienstliche Kooperationen zudem durch unterschiedliche Rechtsgrundlagen in den verschiedenen Ländern. Westliche Geheimdienste müssen sich im Vergleich zu vielen anderen Diensten in anderen Teilen der Erde an restriktivere Vorschriften halten. Diese schränken die Handlungsfähigkeiten besonders ein, wenn sie in dem westlichen Land selbst stattfinden. Daher werden immer wieder Versuche unternommen, diese Einschränkungen zu umgehen.
In der Realität führt das zu Kooperationen mit Geheimdiensten verschiedener Länder, die für ihre rauen, unmenschlichen und grausamen Haftbedingungen und Verhöre bekannt sind. In vielen Fällen schreckt man sogar vor Folter nicht zurück, um an Informationen zu gelangen. Mitte der 90er Jahre führten genannte Bedingungen zum Abbruch der Zusammenarbeit der CIA mit Partnerdiensten, die für derartige Bedingungen bekannt waren. Es kam in den USA schließlich zum Erlass des scrub order, der dafür Sorge tragen sollte, dass alle Kooperationsdienste auf Hintergründe diesbezüglich überprüft werden. Nach dem 11. September wurde der scrub order quasi ausrangiert und zusätzlich begann man, weitere Restriktionen zu ignorieren.
Beliebte Partnerdienste wären zum Beispiel die syrischen, da sie bekannt für ihre Brutalität und Folter ihrer Gefangenen sind. Die Vorgehensweise ist meist folgende: Terrorverdächtige werden dem ausländischen Dienst übergeben, wobei oft eine Liste mit interessierenden Fragen mit überreicht wird. Der Gefangene befindet sich nun im ausländischen Gefängnis, von wo aus die Verhöre durch den jeweiligen Dienst – in diesem Fall dem syrischen – durchgeführt werden. Die Ergebnisse der Befragungen werden daraufhin den Partnerdiensten im Ausland übermittelt. Gerechtfertigt wird das beschriebene Prozedere oft durch kulturelle Ähnlichkeiten zwischen dem Partnerland und dem Terrorverdächtigen, weswegen die ausländischen Dienste bessere Möglichkeiten hätten, an Informationen zu gelangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des religiös motivierten Terrorismus ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Veränderung und den Motiven internationaler Geheimdienstkooperationen.
2 Die Folgen des 11. September auf Intelligence-Kooperationen im Kampf gegen den Terrorismus: Dieses umfangreiche Kapitel untersucht zunächst bestehende Kooperationen vor dem Anschlagsdatum, analysiert dann deren Wandel und neue Formate nach den Ereignissen und erläutert schließlich die strategischen Gründe, die eine solche internationale Zusammenarbeit fördern.
3 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die intensivierte Zusammenarbeit zusammen und reflektiert kritisch die moralischen Probleme, die aus der Kooperation mit Diensten in Staaten mit fragwürdigen Methoden resultieren.
Schlüsselwörter
Geheimdienstkooperationen, Terrorismusbekämpfung, 11. September, Intelligence, USA, CIA, SIGINT, UKUSA, Islamismus, Internationale Sicherheit, Geheimdienst, Informationsaustausch, Counterintelligence, Politische Wissenschaft, Asymmetrische Kriegführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der internationalen Zusammenarbeit zwischen Geheimdiensten und analysiert, wie diese durch die Terroranschläge des 11. Septembers 2001 verändert und beeinflusst wurde.
Welche zentralen Themenbereiche werden abgedeckt?
Zu den Schwerpunkten gehören multilaterale, plurilaterale und bilaterale Kooperationsformen, der Wandel bestehender Allianzen sowie die Beweggründe für die enge Zusammenarbeit, selbst mit politisch umstrittenen Partnern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, einen Beitrag zum Verständnis der komplexen Intelligence-Kooperationen im Kontext des internationalen Kampfes gegen den Terrorismus zu leisten.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung von Fachliteratur und Dokumenten zur Geheimdienstarbeit basiert, wobei die Herausforderungen der Geheimhaltung berücksichtigt werden.
Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt des Hauptteils?
Im Zentrum steht die Untersuchung von Veränderungen in der Kooperationsintensität sowie die Analyse der strukturellen Faktoren und Interessen, die Geheimdienste zur Kooperation bewegen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Analyse?
Die zentralen Begriffe sind Intelligence-Kooperationen, Terrorismusbekämpfung, nationale Sicherheit und die ethische Problematik der internationalen Zusammenarbeit.
Warum kooperieren Geheimdienste trotz oft unterschiedlicher politischer Interessen?
Die Notwendigkeit ergibt sich aus der asymmetrischen Bedrohung durch global agierende Terrornetzwerke, die von einem einzelnen Staat allein nur schwer zu überwachen und zu infiltrieren sind.
Welche moralische Problematik wird im Fazit adressiert?
Die Arbeit kritisiert, dass im Zuge des "Krieges gegen den Terror" die Zusammenarbeit mit Geheimdiensten erfolgt, die für menschenrechtsverletzende Methoden wie Folter bekannt sind, was ethische Standards untergräbt.
- Quote paper
- Diplom-Volkswirtin Julia Kristin Ehrhardt (Author), 2006, Geheimdienstkooperationen und Terrorismusbekämpfung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/230877