Negative Schlagzeilen über Lobbying sind in nahezu jeder Zeitung zu lesen.Sie zeigen vor allem, dass Lobbying ein großes Thema und nicht gerade mit positiven Gefühlen verbunden ist.Die Bevölkerung assoziiert viel Schlechtes mit dem Begriff. Unterstützt wird dies nicht zuletzt von den Medien.
Dabei ist das Grundkonzept des Lobbyings kein Negatives:
Wir leben in einer Gesellschaft, in der möglichst alle politischen Meinungen und die Interessen aller Bevölkerungsgruppen akzeptiert und vertreten werden sollen. Diese Aufgabe liegt bei den einzelnen Parteien, aber auch bei den verschiedenen Interessengruppen, da die heutigen komplexen Gesellschaftsstrukturen eine Hilfe für die Entscheidungsfindung der Politiker notwendig machen.
Die Arbeit der Interessengruppen wird wichtig, wenn politische Entscheidungen getroffen werden sollen, die sich auf die Interessen ihrer Mitglieder auswirken.Lobbyisten verfolgen mit ihrer Arbeit ein klares Ziel: Sie vertreten bestimmte Interessen, um im Endeffekt politische Entscheidungen zu Gunsten ihrer Auftraggeber zu beeinflussen. Das macht ihre Arbeit zu einem wichtigen „Gestaltungsmittel in einer Demokratie“.
Die grundsätzliche Funktionsweise von Lobbying beruht auf gegenseitigem Austausch. Lobbyisten sind meist Experten für ihr Gebiet bzw. die Interessen ihrer Gruppe. Politiker dagegen können gar nicht so umfassend informiert sein, dass sie über jedes Thema, über das sie entscheiden müssen, genau Bescheid wissen. Darum benötigen sie Unterstützung bei der Information und Meinungsbildung. Die Lobbyisten helfen ihnen, indem sie ihr Wissen anbieten. Die Politiker versorgen sie dafür oft frühzeitig mit Informationen, die den politischen Prozess der Entscheidungsfindung betreffen.
Somit kann man nicht pauschalisiert sagen, dass Lobby-Arbeit immer schlecht ist.Eine gute Definition von Lobbying ist die einer „Form der Mitwirkung an politischen Entscheidungen, die jedoch nicht durch Gesetze geregelt ist“.Diese Definition beleuchtet beide Seiten. Denn schließlich müssen die Zweifel daran auch irgendwo ihren Ursprung haben. Zu oft schon gelangten Fälle an die Öffentlichkeit, bei denen Lobbyismus zu weit ging, wie beim Beispiel EnBW-Deal. Die Grenzen sind fließend, das Korruptionsrisiko ist da. Doch bevor man darüber urteilt, muss man sich klar machen, was genau Lobbying eigentlich ist. Schließlich weiß kaum jemand wirklich, was dabei genau passiert.Grund genug, sich die Vorgänge einmal genauer anzusehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriff und geschichtliche Entwicklung des Lobbying
3. Akteure
3.1 Lobbyisten allgemein
3.2 Verbände
3.3 Unternehmenslobbyisten
3.4 Non-Profit-Organisationen
4. Instrumente
4.1 Die Zusammenarbeit von Politik und Lobbyisten
4.2 Phasen der Interessenvermittlung
4.2.1 Analyse und Eigenpositionierung
4.2.1.1 Analyse der Sachverhalte
4.2.1.2 Eigenpositionierung
4.2.2 Strategien der Einflussnahme
4.2.2.1 Kontaktpflege
4.2.2.2 Dialog und politische Mediation
4.2.2.2.1 Der Dialog
4.2.2.2.2 Die politische Mediation
4.2.2.3 Veranstaltungen und Medien
4.2.2.4 Unterstützung der Parteien
4.2.2.5 Direkte Bürgerbeeinflussung
4.2.3 Bewertung
5. Legitimation von Lobbying
5.1 Rechtliche Grundlagen
5.2 Auswirkungen auf die Demokratie
6. Fallbeispiel: Der EnBW-Deal
6.1 Die EnBW
6.2 Vorgänge
6.3 Kritik an illegitimem Lobbying
7. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Feld des Lobbyings in Deutschland, um ein differenziertes Verständnis für dessen Funktionsweise, Legitimität und Gefahrenpotenziale in einer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft zu entwickeln. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der Abgrenzung zwischen notwendiger Interessenvertretung und illegitimer Einflussnahme sowie der Notwendigkeit einer besseren Transparenz und Kontrolle.
- Begriffliche Definition und historische Entwicklung des Lobbying-Phänomens.
- Analyse der verschiedenen Akteursgruppen (Verbände, Unternehmenslobbyisten, NGOs).
- Untersuchung der eingesetzten Instrumente und Strategien der Einflussnahme.
- Kritische Beleuchtung der Auswirkungen auf demokratische Entscheidungsprozesse.
- Fallstudie zum EnBW-Deal als Beispiel für illegitimes Lobbying.
Auszug aus dem Buch
3.3 Unternehmenslobbyisten
Lobbyisten arbeiten nicht nur für Verbände. Eine große Zahl ist mittlerweile auch bei Unternehmen selbst angestellt, die mittlerweile fast schon eine Konkurrenz für die Verbände darstellen.Der Trend geht eher weg von der Partizipation in Verbänden und hin zur Beschäftigung eigener Lobbyisten, die in Eigenregie die firmenspezifischen Interessen der Unternehmen vertreten. Eigentlich sind Unternehmen jedoch auf Verbände angewiesen, da diese durch ihre Vielfalt an Mitgliedern eine höhere Legitimation besitzen. Da die Unternehmen sich dessen bewusst sind, nutzen sie die Verbände neben den eigenen Lobbyisten zusätzlich als Verbesserer der Rahmenbedingungen und als eine Art 'Vorzeigeobjekte', da die Verbände durch ihre Vertretung der wirtschaftlichen Gesamtinteressen nicht ganz so eigeninteressiert wirken, wovon die zugehörigen Mitgliedsorganisationen profitieren.Die Arbeit in Unternehmen unterscheidet sich von der in den Verbänden hauptsächlich darin, dass Unternehmen eindeutigere Interessen verfolgen als Verbände, da sie ihre eigenen Interessen, sowohl in wirtschaftlicher, als auch in politischer Hinsicht, in den Vordergrund stellen, statt Kompromisse mit anderen Organisationen finden zu müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beleuchtet das öffentliche Bild von Lobbying, das durch Begriffe wie Korruption und Manipulation negativ geprägt ist, während das Grundkonzept als legitime politische Kraft in einer pluralistischen Gesellschaft dargestellt wird.
2. Begriff und geschichtliche Entwicklung des Lobbying: Nachzeichnung der Etymologie des Begriffs sowie die Entwicklung von mittelalterlichen Ansätzen der Interessenvertretung bis hin zur heutigen Professionalisierung und der Rolle der Gewerkschaften.
3. Akteure: Untersuchung der verschiedenen Akteure, von Verbänden über unternehmensinterne Lobbyisten bis hin zu Non-Profit-Organisationen, unter Berücksichtigung ihrer jeweiligen Arbeitsweisen und Ziele.
4. Instrumente: Detaillierte Analyse der Interaktionsformen zwischen Politik und Lobbyisten, darunter Kontaktpflege, Dialogverfahren, politische Mediation und der Einsatz von Medien.
5. Legitimation von Lobbying: Auseinandersetzung mit den verfassungsrechtlichen Grundlagen der Interessenvertretung und der kritischen Frage nach den Auswirkungen auf die demokratische Unabhängigkeit.
6. Fallbeispiel: Der EnBW-Deal: Fallstudie zur umstrittenen EnBW-Aktientransaktion durch Stefan Mappus, die als Negativbeispiel für mangelnde Transparenz und illegitime politische Beeinflussung dient.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Lobbyings als notwendiges Element demokratischer Prozesse bei gleichzeitiger Forderung nach mehr Transparenz, Kontrolle und Rollentrennung von Politikern.
Schlüsselwörter
Lobbying, Interessenvertretung, Politikberatung, Transparenz, Demokratie, Verbände, Unternehmenslobbyisten, Stakeholder, politische Einflussnahme, EnBW-Deal, Korruptionsrisiko, politische Kommunikation, Parteispenden, Gemeinwohl, Regulierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen des Lobbyings in Deutschland und untersucht, wie Akteure politische Entscheidungen beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen die Definition und Geschichte des Lobbyings, die beteiligten Akteure, eingesetzte Strategien sowie die Frage der demokratischen Legitimation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Lobbying als Teil demokratischer Prozesse zu verstehen und kritisch zu prüfen, wo die Grenzen zwischen legitimer Interessenvertretung und illegitimer Einflussnahme liegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive sowie analytische Herangehensweise unter Einbeziehung aktueller Literatur, Berichte und Fallstudien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Akteure, die detaillierte Darstellung der Instrumente sowie die rechtliche und gesellschaftliche Einordnung der Tätigkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Lobbying, Interessenvertretung, Transparenz, Demokratie, politische Kommunikation und der EnBW-Fall.
Was macht das Fallbeispiel des EnBW-Deals so relevant?
Der EnBW-Deal verdeutlicht die Problematik, wenn persönliche Seilschaften und illegitime Einflussnahme politische Entscheidungen hinter verschlossenen Türen steuern.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Zukunft des Lobbyings?
Die Autorin plädiert für eine stärkere Professionalisierung bei gleichzeitig notwendiger, verbesserter Transparenz und einer strikten Rollentrennung für Politiker, um das Vertrauen in die Demokratie zu wahren.
- Quote paper
- Nele Krische (Author), 2013, Lobbying. Begriffe, Akteure, Instrumente, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/230344