Seit den 1970er Jahren hat Chinas Wirtschaft einen beispiellosen Aufschwung erlebt. China hat sich in dieser Zeit von einer Planwirtschaft zu einer offenen Wirtschaft entwickelt. Besonders nach dem Beitritt zur WTO ist die Wirtschaft Chinas immer offener geworden. Ein wichtiger Aspekt der außenwirtschaftlichen Öffnung ist die Frage des Währungsregimes und des Wechselkurses. Die chinesische Wechselkurpolitik spiegelt die Wirtschaftentwicklung Chinas wider. Vor den 90er Jahren gab es in China keine echte Währungspolitik, weil das Wirtschaftsystem noch planwirtschaftlich war. Die Wechselkurspolitik wird aus politischen Gründen festgelegt. Deswegen wird in dieser Arbeit besonders die Wechselkurspolitik seit 1990 diskutiert. Die Wechselkurspolitik Chinas steht gegenwärtig in zentralem Fokus der internationalen Finanzmärkte. Die Handelspartnerländer von China z.B. die USA, Japan und die EU werfen China vor, dass sich China mittels eines unterbewerteten RMB einen unfairen Wettbewerbsvorteil verschafft. China gerät zunehmend unter Druck, seine Währung RMB aufzuwerten. Das Ziel dieser Arbeit ist zu analysieren, wie die chinesische Wechselkurspolitik sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat, welche Rolle die Wechselkurspolitik für die Wirtschaftentwicklung Chinas gespielt hat und wie die Wechselkurspolitik in Zukunft festgelegt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2. Grundlagen
2.1 Devisenmarkt und Wechselkurs
2.1.1 Funktionen des Devisenmarktes
2.1.2 Konzept des Wechselkurses
2.1.2.1 Kaufkraftparität und realer Wechselkurs
2.1.2.2 Effektiver Wechselkurs
2.1.2.3 Bestimmungsfaktoren von Wechselkursen
2.2 Wechselkurssysteme
2.2.1 Entwicklung der internationalen Wechselkurssysteme
2.2.2 Klassifikation von Wechselkurssystemen
2.2.3 Vorteile und Nachteile von festen und flexiblen Wechselkursen
2.3 Wechselkurspolitik
2.3.1 Kriterien für die Wahl eines Wechselkursregimes
2.3.2 Gründe für aktive Wechselkurspolitik
3. Die Wechselkurspolitik von China
3.1 Historische Entwicklung
3.1.1 (1953-1978)Fester Wechselkurs unter Zentralverwaltung
3.1.2 (1978-1993)Das Wechselkurssystem in der Wirtschaftsreform
3.2 Wechselkurspolitik seit 1994
3.2.1 1994-2005: Einheitliches „Managed Floating“
3.2.2 2005 bis heute: Der Währungskorb
3.3 Analyse der Entscheidung für die Wechselkurspolitik in China
3.3.1 Erfolgsfaktoren für die Wirtschaftsentwicklung
3.3.2 Neue Forderungen
3.3.2.1 Autonomie der Geldpolitik
3.3.2.2 Gleichgewicht der ökonomischen Entwicklung
3.3.2.3 Anwendung der Devisenreserven
4. Auseinandersetzungen über eine Aufwertung des RMB
4.1 Die Handelsungleichheit zwischen den USA und China
4.2 Ein Beispiel aus Japan
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Entwicklung der chinesischen Wechselkurspolitik seit 1990 und untersucht deren Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Dabei wird insbesondere der internationale Druck zur Aufwertung des Renminbi (RMB) vor dem Hintergrund der Handelsungleichgewichte, vor allem gegenüber den USA, beleuchtet und die Zukunftsfähigkeit des aktuellen Regimes kritisch hinterfragt.
- Historische Entwicklung des chinesischen Wechselkurssystems seit 1949.
- Analyse der Beweggründe für die Beibehaltung einer aktiven Wechselkurspolitik.
- Untersuchung der Handelsbeziehungen zwischen China und den USA.
- Vergleichende Betrachtung der Auswirkungen von Währungsaufwertungen am Beispiel Japans.
- Bewertung der zukünftigen Handlungsoptionen für die chinesische Zentralbank.
Auszug aus dem Buch
3.1 Historische Entwicklung
Seit der Gründung der People’s Bank of China (PBoC, Zentralbank von China) im Jahr 1948 erlebte das chinesische Wechselkurssystem drei wichtige Phasen: fester Wechselkurs, duale Wechselkursregime und teilweise flexibler Wechselkurs. Nach der Neugründung der Republik im Jahr 1949 war der Wechselkurs noch nicht einheitlich reguliert, weil die Preisniveaus im Inland unterschiedlich waren. Nach dem sowjetischen Vorbild erfuhr die Wirtschaftpolitik von China in der Zeit von 1949 bis 1952 einen Übergang zu einer streng Planwirtschaft. Im Jahr 1950 hat die PBoC den Wechselkurs einheitlich reguliert und private Devisengeschäfte per Gesetz verboten. Der Staat ersetzte die Rolle des Markts bei der Verteilung von Ressourcen und Investitionen, um eine schnellstmögliche Industrialisierung und höchstmögliches Wirtschaftswachstum zu erreichen. Der Wechselkurs des RMB wurde vollständig von der PBoC bestimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Aufstieg Chinas zur offenen Wirtschaft und definiert das Ziel, die Entwicklung der Wechselkurspolitik seit 1990 sowie deren Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung zu analysieren.
2. Grundlagen: Hier werden die theoretischen Fundamente zum Devisenmarkt, zu Wechselkurssystemen sowie zur Wechselkurspolitik gelegt, um ein Verständnis für die komplexen Mechanismen der Währungssteuerung zu schaffen.
3. Die Wechselkurspolitik von China: Das Hauptkapitel beschreibt die historische Transformation des chinesischen Systems von einer Planwirtschaft bis zum heutigen "Managed Floating" und analysiert die Gründe hinter diesen strategischen Entscheidungen.
4. Auseinandersetzungen über eine Aufwertung des RMB: Dieses Kapitel thematisiert den internationalen Druck auf China aufgrund von Handelsbilanzungleichgewichten, insbesondere im Verhältnis zu den USA, und zieht Lehren aus der historischen Entwicklung in Japan.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass China langfristig auf eine transparentere und flexiblere Wechselkurspolitik angewiesen ist, um schrittweise und stabil auf externe Schocks reagieren zu können.
Schlüsselwörter
Wechselkurspolitik, Renminbi, China, PBoC, Devisenreserven, Wechselkurssystem, Managed Floating, Handelsbilanz, Wirtschaftsentwicklung, Währungskorb, Kapitalverkehrskontrollen, Dollar, US-Handelsbilanzdefizit, Wirtschaftswachstum, Preisstabilität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit im Kern?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den Hintergründen der chinesischen Wechselkurspolitik seit 1990 und bewertet, wie diese die wirtschaftliche Entwicklung des Landes beeinflusst hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit behandelt die Grundlagen des Devisenmarktes, die Evolution chinesischer Wechselkurssysteme, die Handelsbeziehungen zwischen China und den USA sowie die Risiken einer rasanten Währungsaufwertung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Untersuchung zielt darauf ab zu analysieren, wie sich die chinesische Wechselkurspolitik historisch gewandelt hat, welche Rolle sie für Chinas Wirtschaftswachstum spielte und wie die Zukunft der RMB-Politik gestaltet sein sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer deskriptiven und analytischen Literatur- sowie Datenanalyse, die wirtschaftstheoretische Konzepte (wie das "Impossible Trinity" Modell) mit empirischen Entwicklungen und statistischen Daten abgleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert untersucht?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen, die spezifische historische und gegenwärtige Ausgestaltung der Wechselkurspolitik Chinas sowie eine detaillierte Analyse der Handelskonflikte mit den USA.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Wechselkurspolitik, Renminbi, Handelsbilanz, Devisenreserven und Wirtschaftsentwicklung.
Warum spielt das Beispiel Japan eine so wichtige Rolle in der Arbeit?
Japan dient als Fallbeispiel, um die Gefahren einer durch äußeren Druck erzwungenen, rasanten Aufwertung einer Währung aufzuzeigen und die Risiken für die wirtschaftliche Stabilität des eigenen Finanzsystems zu illustrieren.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich der Devisenreserven?
Der Autor argumentiert, dass die hohen Devisenreserven zwar ein Zeichen für wirtschaftlichen Erfolg sind, jedoch auch ein Resultat einer unausgewogenen Entwicklung darstellen und aktiv diversifiziert werden müssen.
Wird im Dokument eine sofortige Aufwertung des RMB empfohlen?
Nein, der Autor warnt eindringlich vor einer sofortigen, rasanten Aufwertung und plädiert stattdessen für einen schrittweisen Prozess, der dem Finanzsystem Zeit zur Anpassung lässt.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der USA im Handelskonflikt?
Der Autor sieht die USA und China in einem symbiotischen Verhältnis und betont, dass eine einseitige Aufwertung des RMB das strukturelle Handelsbilanzdefizit der USA nicht lösen wird, solange dort keine internen strukturellen Reformen stattfinden.
- Arbeit zitieren
- Tao Liu (Autor:in), 2010, Die Chinesische Wechselkurspolitik seit 1990, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/230292