Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich kritisch mit der Fleißtheorie von Jan De Vries. Dabei wird die Theorie auf der einen Seite ausgiebig erklärt und um die Forschungen von Becker, Voth und Ogilvie eränzt bzw. kritisch hinterfragt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Entwicklung des Arbeitseinsatzes im Verhältnis zur Entwicklung des Reallohnes zwischen 1750 und 1800
2.1 Methode und Quellenlage
2.2 Ergebnisse der Zeugenaussagen des Old Bailey
3. The Industrious Revolution als Erklärung der „Mehrarbeit“?
3.1 Definition von „Industrious Revolution“ und Verortung in der Forschung
3.2 Definition und Verhalten des Haushaltes nach De Vries während der Fleißrevolution
3.3 Veränderungen des Konsummusters und des Marktes
3.4 Veränderung des Arbeitsangebotes
3.5 „Ergebnisse“ der Fleißrevolution
4. Ein kritischer Blick auf das Konzept der Fleißrevolution von De Vries
4.1 Kritik am Beispiel der Übertragung des Konzeptes auf Deutschland
4.2 Allgemeine Kritik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der Entwicklung der Arbeitskraft und der Theorie der "Fleißrevolution" nach Jan de Vries, um eine Erklärung für die ambivalente Entwicklung von fallenden Reallöhnen bei gleichzeitig steigender Kaufkraft in der Frühen Neuzeit zu finden.
- Analyse des Arbeitseinsatzes und der Reallohnentwicklung zwischen 1750 und 1800.
- Theoretische Grundlagen und Definition der "Industrious Revolution" (Fleißrevolution).
- Untersuchung des veränderten Verhaltens von Haushalten und Konsummustern.
- Kritische Überprüfung der Anwendbarkeit des Konzepts auf das Beispiel Deutschland.
- Diskussion der Rolle der Frau und der institutionellen Rahmenbedingungen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition von „Industrious Revolution“ und Verortung in der Forschung
Der Begriff der Fleißrevolution („The Industrious Revolution“) geht auf Akira Hayami zurück. Er verglich die Entwicklung der industriellen Revolution in Japan mit der Entwicklung in Großbritannien. Dabei kam er zu der Beobachtung, dass es sich in Japan um arbeitsintensive Technologien handelte und in Großbritannien um kapitalintensive Technologien. Daraus leitete er für Japan ab, dass „there must have been a conversion from „horsepower“ to „manpower“ in rural Japan [and] the term industrious revolution can be applied to this change.” Hayami verdeutlichte mit dieser Aussage, dass die Menschen fleißiger wurden und über mehr Lohnarbeit Impulse für die industrielle Revolution gaben.
Dieser These bedient sich De Vries und prägt den Begriff der „Industrious Revolution“ für Nordwest Europa und Nordamerika, zeitlich gliedert er sie in das späte 17. Jahrhundert ein. Die Fleißrevolution definiert sich nach De Vries als Neuverteilung haushaltsbezogener Ressourcen. Diese Umverteilung erhöhte auf der einen Seite das Angebot von Lohnarbeit und auf der anderen Seite die Nachfrage von Marktgütern. Im Mittelpunkt seiner These stehen die Institutionen des Haushaltes und des Marktes.
De Vries sieht die Fleißrevolution als wichtigen Vorläufer für die industrielle Revolution. Sie fand somit nicht parallel zur industriellen Revolution statt, sondern bereits davor, vergleichbar mit anderen Veränderungen, z.B. der Transport- oder der Agrarrevolution. Durch die geänderte Einstellung gegenüber der Lohnarbeit war der Vollzug der industriellen Revolution erst möglich. In diesem Kontext ist es laut De Vries als wichtiges Desiderat anzusehen, dass die industrielle Revolution genauer untersucht werden muss. Dies kann aber nur erfolgreich sein, wenn auch die Vorgeschichte besser untersucht worden ist. Damit untermauert De Vries, dass in der aktuellen Forschung „die graduelle Veränderung betont und damit der evolutionäre Charakter der Industrialisierung“ verdeutlicht wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich des Zusammenhangs von Arbeitskraftentwicklung und der Fleißtheorie von Jan de Vries.
2. Die Entwicklung des Arbeitseinsatzes im Verhältnis zur Entwicklung des Reallohnes zwischen 1750 und 1800: Kritische Untersuchung der Arbeitszeitdaten unter Verwendung von Quellen wie den Gerichtsberichten des Old Bailey.
3. The Industrious Revolution als Erklärung der „Mehrarbeit“?: Theoretische Fundierung des Begriffs der Fleißrevolution und Erläuterung der veränderten Haushaltsentscheidungen.
4. Ein kritischer Blick auf das Konzept der Fleißrevolution von De Vries: Analyse der Grenzen des Modells, insbesondere bei der Übertragung auf den deutschen Raum und die Rolle der Institutionen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Fleißtheorie als argumentativ schlüssiger, aber empirisch noch weiter zu erforschender Ansatz.
Schlüsselwörter
Fleißrevolution, Industrious Revolution, Jan de Vries, Arbeitskraft, Reallohn, Haushalt, Konsumverhalten, Lohnarbeit, Institutionen, Industrialisierung, Frühe Neuzeit, Arbeitsangebot, Markt, Handelsgeschichte, Wirtschaftswachstum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die "Fleißrevolution" (Industrious Revolution) nach Jan de Vries im Kontext der wirtschaftlichen Veränderungen in der Frühen Neuzeit und setzt diese in Bezug zur tatsächlichen Entwicklung der Arbeitszeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Felder sind die Veränderung des Konsumverhaltens, die Neuverteilung der Ressourcen innerhalb von Haushalten sowie die Rolle von Institutionen bei der wirtschaftlichen Entwicklung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, die Ambivalenz zwischen sinkenden Reallöhnen und steigender Kaufkraft durch das Modell der Fleißrevolution zu erklären und dieses Konzept kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Wirtschaftsstudien sowie eine methodische Auseinandersetzung mit empirischen Quellen wie den Daten des Old Bailey.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Fleißtheorie von De Vries, deren Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und Haushalt sowie eine umfassende Kritik anhand von Beispielen aus Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind unter anderem Fleißrevolution, Industrious Revolution, Haushaltsökonomie, Arbeitszeitentwicklung und wirtschaftshistorische Institutionen.
Warum ist das Beispiel Württemberg für die Kritik so wichtig?
Württemberg dient als Kontrastbeispiel, um zu zeigen, dass starke traditionelle Institutionen die Bildung eines freien Marktes behinderten und somit die Voraussetzungen für die Fleißrevolution dort nicht im gleichen Maße vorlagen wie in England.
Welche Rolle spielt die Frau in der Fleißtheorie?
Frauen werden als entscheidende Akteurinnen identifiziert, deren vermehrte Teilnahme am Arbeitsmarkt und deren Einfluss auf den Konsumgeschmack maßgeblich zur Veränderung der Haushaltsproduktion beitrugen.
- Quote paper
- Vincent Nikolai (Author), 2013, Jan De Vries Fleißtheorie - Eine belegbare Theorie?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/230250