In dieser Arbeit wird das von Jelinek verwendete Vampirmotiv in ihrem Stück "Krankheit oder Moderne Frauen" untersucht. Hierbei wird herausgearbeitet, warum sie sich dieses Motivs bedient, welches Ziel ihre Vampirfiguren verfolgen und ob sie es letztendlich erreichen. Hauptgegenstand der Arbeit ist die Frage, was Jelinek in ihrem Stück mithilfe des Vampirmotivs, derber Sprache, Perversion, Groteskem und Unverblümten in Bezug auf den Diskurs der Rolle der Frau bezweckt und wie sie das tut.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Der Vampirmythos
2.1 Die Herkunft des Vampirmythos'
2.2 Die Modifizierung des Vampirmythos'
3. Jelineks Vampirinnen
3.1 Ihre Einführung in das Stück
3.2 Das Auflehnen und Scheitern der Frauen/Vampirinnen
4. Der Sinn hinter dem vermeintlichen Unsinn
4.1 Warum der Vampirmythos?
4.2 Das Schaurige Groteske
5. Die Regieanweisungen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das von Elfriede Jelinek in ihrem Stück "Krankheit oder Moderne Frauen" verwendete Vampirmotiv. Dabei wird analysiert, welche Ziele die Vampirfiguren verfolgen, warum Jelinek dieses Motiv nutzt und inwiefern der Einsatz grotesker, derber und perverser Elemente zur Darstellung der gesellschaftlichen Rolle der Frau und deren Scheitern an patriarchalischen Machtstrukturen beiträgt.
- Analyse des Vampirmythos im Wandel der Zeit und Literaturgeschichte.
- Untersuchung der Vampirfiguren Emily und Carmilla hinsichtlich ihrer Rollenkonflikte.
- Erforschung der Funktion von Haupt- und Nebentexten sowie Regieanweisungen.
- Deutung der grotesken und schaurigen Elemente als Kritik an weiblichen Rollennormen.
- Aufzeigen des Scheiterns feministischer Separationsbestrebungen im Kontext der männlich geprägten Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1 Ihre Einführung in das Stück
Die Besonderheiten Jelineks Vampirinnen werden schon in der dem Stück vorangestellte Personenauflistung deutlich. Hier werden Emily und Carmilla nicht nur als Figur aufgelistet, sondern genau geäußert, um was es sich bei ihnen handelt. Emily ist „Krankenschwester und Vampir“6, Carmilla „Hausfrau, Mutter und Vampir, österr.“, und zuletzt sind beide „Ein Doppelgeschöpf (Emily und Carmilla, zusammengenäht)“.7 Emily wird zuerst mit ihrer Berufsbezeichnung eingeführt. Sie ist Krankenschwester. Dies steht als Paradox ihrem Vampirismus gegenüber, denn jemand, der anderen das Leben rettet bzw. ihnen hilft, scheint nicht vereinbar mit einem Wesen, das anderen das Blut aussaugt, um sich selbst zu erhalten. Allerdings steht in der Personenauflistung fest: Emily ist Beides: Leben(-sretter) und Tod zugleich. Carmillas Beschreibung hingegen zeigt zuerst ihren Status in der Gesellschaft. Sie ist nicht nur Hausfrau, sondern auch Mutter. Darüber hinaus ist sie Vampir. Das angehängte „österr.“ untermalt noch einmal, ihren gesellschaftlichen Status. Eine „biedere österreichische Hausfrau“8. Dies ist ebenso wie bei Emily ein Paradoxon.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie Jelinek mithilfe des Vampirmotivs und grotesker Stilelemente den Diskurs über die Rolle der Frau und deren Unterdrückung kritisch beleuchtet.
2. Der Vampirmythos: Dieses Kapitel erläutert den geschichtlichen Hintergrund des Vampirmythos und dessen zunehmende Erotisierung sowie Modifizierung in Literatur und Film.
3. Jelineks Vampirinnen: Es wird die spezifische Figurenkonstellation von Emily und Carmilla analysiert, deren Einführung in das Stück ihre Zerrissenheit zwischen gesellschaftlicher Funktion und vampirischer Existenz verdeutlicht.
4. Der Sinn hinter dem vermeintlichen Unsinn: Hier wird untersucht, warum Jelinek das Vampirmotiv wählt und wie das "Schaurige Groteske" als ästhetisches Mittel dient, um Machtmechanismen und die Sinnentleerung weiblicher Bilder aufzudecken.
5. Die Regieanweisungen: Das Kapitel widmet sich der ironischen und oft widersprüchlichen Funktion der Regieanweisungen, die nicht als einfache Handlungsanweisungen, sondern als Kommentar der Autorin fungieren.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass das Auflehnen der Frauen scheitert und Jelineks Stück eine radikale Abrechnung mit patriarchalen Zerstörungslogiken darstellt.
Schlüsselwörter
Elfriede Jelinek, Krankheit oder Moderne Frauen, Vampir, Vampirismus, Frauenrolle, Patriarchat, Groteske, Körperlichkeit, Doppelgeschöpf, Feminismus, Regieanweisungen, Geschlechterdiskurs, Machtstrukturen, Scheitern, Literaturanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Jelineks Umgang mit dem Vampirmotiv in ihrem Theaterstück "Krankheit oder Moderne Frauen" und wie dieses zur Dekonstruktion weiblicher Rollenbilder genutzt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Rolle der Frau in der Gesellschaft, die patriarchale Unterdrückung, die Bedeutung von Körperlichkeit sowie das Scheitern feministischer Emanzipationsversuche.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, was Jelinek mithilfe des Vampirmotivs, derben Sprache und Groteskem in Bezug auf den Diskurs der Rolle der Frau bezweckt und auf welche Weise sie diese Kritik umsetzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext Jelineks durch einen historischen Kontext des Vampirmythos sowie aktuelle Sekundärliteratur zu feministischer Literaturtheorie einbettet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Vampirmythos, die Analyse der spezifischen Vampirfiguren Jelineks, die Deutung des Grotesken und die kritische Betrachtung der Regieanweisungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Vampirismus, Patriarchat, Groteske, Frauenrolle, Körperlichkeit und die spezifische Schreibtechnik Jelineks.
Wie deutet die Autorin das "Doppelgeschöpf" in Jelineks Stück?
Das Doppelgeschöpf wird als Höhepunkt des weiblichen Scheiterns interpretiert, in dem die Individualität der Frauen in einer monströsen Symbiose aufgeht und sie schließlich von Männern zerstört werden.
Warum spielt die Form der Regieanweisungen eine so entscheidende Rolle?
Die Regieanweisungen fungieren als ironische Kommentierung der Autorin, welche die Erzählinstanz zersetzt und den Rezipienten daran hindert, eine einfache oder eindeutige Bewertung des Bühnengeschehens vorzunehmen.
- Quote paper
- B.A. Bachelor of Arts Stefanie Zellmann (Author), 2013, Bis(s) aufs Blut. Das Vampirmotiv in Jelineks "Krankheit oder Moderne Frauen", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/229920