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Ziviler Ungehorsam

Zwischen traditionellen Definitionskriterien und praktischer Protestartikulation

Title: Ziviler Ungehorsam

Term Paper (Advanced seminar) , 2013 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Richard Scheffler (Author)

Philosophy - Practical (Ethics, Aesthetics, Culture, Nature, Right, ...)

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Summary Excerpt Details



Der Begriff des zivilen Ungehorsams wird in den aktuellen politischen Debatten der deutschen Medien- und Wissenschaftslandschaft immer wieder von Politologen, Aktivisten, Parlamentariern, Gewerkschaftlern, Historikern und Journalisten herangezogen, wenn es darum geht, einen moralisch begründeten Regelbruch zu beschreiben oder auch politisch zu legitimieren. Werden die dabei teils eklatant voneinander abweichenden Definitionen berücksichtigt, muss attestiert werden, dass der Begriff äußerst inflationär verwendet wird. Zu den Protestbestrebungen der jüngeren Vergangenheit, die den westlichen Medien zufolge auf das Mittel des zivilen Ungehorsams zurückgriffen, gehören beispielsweise die Anti-Atom-Bewegung der Bundesrepublik Deutschland, der Arabische Frühling oder auch die internationale Occupy-Bewegung. Der Begriff ist derart populär, dass selbst die Jugendorganisation der Gewerkschaft Verdi ein Informationsheft zum Thema herausgegeben hat. Der Bundeszentrale für politische Bildung zufolge erlebt die Formulierung „(…) in den vergangenen Jahren, insbesondere im deutschsprachigen Raum, eine Renaissance.“
Zu den Theoretikern, die sich um eine präzise begriffliche Verortung der Formulierung bemühten, gehören unter anderen Hannah Arendt, John Rawls, Jürgen Habermas und auch Mohandas Gandhi. Nach allgemeiner Auffassung handelt es sich beim zivilen Ungehorsam um eine Protestform, die gezielt als ungerecht empfundene Verbote oder Gesetze missachtet, wobei auf Mittel der physischen Gewaltanwendung verzichtet wird. Dieser Gesetzesbruch wird von den Akteuren zudem moralisch begründet, wobei eine Bestrafung für das entsprechende Vergehen akzeptiert wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definitionsannäherung

3. Bedingungen und Kriterien zivilen Ungehorsams

3.1. Gewaltlosigkeit

3.2. Akzeptanz strafrechtlicher Konsequenzen

4. Bemühungen um juristische Legalität zivilen Ungehorsams

5. Pflicht zum Rechtsgehorsam

6. Castor? Schottern! – Ausdruck zivilen Ungehorsams?

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen theoretischen Definitionen des zivilen Ungehorsams und dessen praktischer Anwendung im modernen politischen Diskurs. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit die klassische, an rechtsstaatliche Ideale gebundene Definition des Begriffs noch auf aktuelle Protestformen übertragbar ist und welche legitimatorischen Herausforderungen sich aus der Diskrepanz zwischen moralisch begründetem Regelbruch und staatlicher Strafverfolgung ergeben.

  • Historische und theoretische Begriffsbestimmung des zivilen Ungehorsams
  • Untersuchung der Kernkriterien: Gewaltlosigkeit und Akzeptanz strafrechtlicher Folgen
  • Juristische und moralische Bewertung von Protestbewegungen in der Bundesrepublik
  • Analyse der sokratischen Philosophie als Bezugspunkt für Gehorsamspflichten
  • Kritische Reflexion der "Castor? Schottern!"-Kampagne im Kontext der Definitionsdebatte

Auszug aus dem Buch

3.1. Gewaltlosigkeit

Die Problematik der Gewaltlosigkeit im Kontext des zivilen Ungehorsams wird von der Bundeszentrale für politische Bildung als die umstrittenste Frage hinsichtlich einer Definition des Begriffs angesehen. Nicht nur juristisch sondern auch hinsichtlich der Legitimität einer Aktion spielt die Frage eine Rolle, inwieweit Sachbeschädigung eine Form von Gewalt darstellt. Aber auch die Differenzierung zwischen physischer und psychischer Gewaltanwendung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Habermas scheint der Fragestellung zum Teil ambivalent gegenüberzustehen. Zum einen verweist er auf den Juristen Günter Frankberg, demzufolge die physische und psychische Integrität der Protestgegner sowie unbeteiligter Dritter gewahrt bleiben muss. Zum anderen verwendet er Ralf Dreiers Überlegungen, dass das Konzept der Gewaltfreiheit Momente der Nötigung nicht in jedem Fall ausschließt und über dies hinaus sogar mit psychischem Druck und Beeinträchtigung der Bewegungsfreiheit Dritter vereinbar ist. Zwar macht Jürgen Habermas auf die damals geführte Debatte über eine adäquate Definition des Gewaltbegriffs aufmerksam, vermied es allerdings sich diesbezüglich in eindeutiger Art und Weise zu positionieren. Für Hannah Arendt stellte der Verzicht des Gehorsamverweigerers auf Gewaltmittel das entscheidende Kriterium in Abgrenzung zum Revolutionär dar, der die bestehende Autorität und grundlegende Legitimität der Rechtsordnung nicht akzeptiert. Ganz unabhängig von dieser Diskussion können gewaltfreie Methoden eines Protestes entweder moralisch begründet oder vielmehr strategischen Ursprungs sein, da es nach Ansicht einiger Aktivisten wenig sinnvoll wäre, eine gewalttätige Auseinansetzung mit einer militärisch überlegenen Staatsmacht zu führen. Aktuell scheinen sich jedoch auch Definitionsversuche des zivilen Ungehorsams zu häufen, in denen die Gewaltproblematik keinerlei Bedeutung hat. In dem bereits erwähnten Streitgespräch zwischen Tadzio Müller und dem Attac-Mitbegründer Felix Kolb verwendet Müller eine stark reduzierte Definition des zivilen Ungehorsams. Das Kriterium der Gewaltlosigkeit entfällt dabei komplett. „Ich nutze den Begriff strategisch: Ziviler Ungehorsam ist schlicht ein Regelbruch, der von vielen Menschen als legitim angesehen wird.“

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Bedeutung des Begriffs ziviler Ungehorsam ein und beleuchtet die inflationäre Verwendung in verschiedenen politischen und medialen Diskursen.

2. Definitionsannäherung: Dieses Kapitel verortet den Begriff historisch und theoretisch, insbesondere durch den Bezug zu Henry David Thoreau und die Weiterentwicklung des Begriffsverständnisses.

3. Bedingungen und Kriterien zivilen Ungehorsams: Hier werden die zentralen theoretischen Säulen, wie Gewaltlosigkeit und die Akzeptanz rechtlicher Folgen, kritisch anhand prominenter Theorien untersucht.

3.1. Gewaltlosigkeit: Dieser Abschnitt thematisiert die Kontroversen um den Gewaltbegriff, insbesondere die Abgrenzung zwischen physischer und psychischer Gewalt.

3.2. Akzeptanz strafrechtlicher Konsequenzen: Hier wird der logische Widerspruch analysiert, der entsteht, wenn Akteure illegitime Gesetze brechen, aber gleichzeitig die staatliche Strafe als legitim anerkennen.

4. Bemühungen um juristische Legalität zivilen Ungehorsams: Das Kapitel analysiert, wie sich die juristische Bewertung von Protesten im Kontext der deutschen Friedensbewegung der 1980er Jahre gewandelt hat.

5. Pflicht zum Rechtsgehorsam: Anhand des Falls des Sokrates wird die philosophische Debatte über die moralische Verpflichtung zum Gehorsam gegenüber staatlicher Ordnung geführt.

6. Castor? Schottern! – Ausdruck zivilen Ungehorsams?: Diese Fallstudie untersucht, ob die Aktionen der Anti-Atom-Proteste die traditionellen Kriterien zivilen Ungehorsams erfüllen oder eine neue Definition erfordern.

7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Notwendigkeit einer Neudefinition des Begriffs in modernen, globalisierten Demokratien.

8. Quellenverzeichnis: Auflistung der verwendeten Literatur und Online-Ressourcen.

Schlüsselwörter

Ziviler Ungehorsam, Rechtsstaat, Gewaltlosigkeit, Protestform, Demokratie, Habermas, Rawls, Rechtsgehorsam, Castor-Proteste, Legitimität, Regelbruch, Friedensbewegung, Politikwissenschaft, Aktivismus, Rechtsphilosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Konzept des zivilen Ungehorsams zwischen theoretischen Definitionskriterien und seiner konkreten praktischen Anwendung im heutigen politischen Alltag.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die begriffliche Einordnung, das Spannungsfeld zwischen staatlicher Legalität und moralischer Legitimität sowie die Rolle von Protestbewegungen in modernen Demokratien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu hinterfragen, ob die klassischen Definitionen des zivilen Ungehorsams, etwa von Rawls oder Habermas, angesichts aktueller politischer Proteste noch zeitgemäß sind.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine theoretisch-analytische Methode, indem sie philosophische Texte in einen Diskurs mit aktuellen politischen Ereignissen und Proteststrategien setzt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zentrale Kriterien wie Gewaltlosigkeit und die Akzeptanz strafrechtlicher Folgen diskutiert sowie Fallbeispiele wie die Anti-Atom-Bewegung und der Fall des Sokrates analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere Ziviler Ungehorsam, Rechtsstaat, Legitimität, Gewaltlosigkeit, Rechtsgehorsam und politische Partizipation.

Wie unterscheidet sich die "deutsche" Auffassung von der US-amerikanischen Tradition?

In Deutschland wird laut der Arbeit stärker auf die Akzeptanz der demokratischen Rechtsordnung abgehoben, während in den USA zum Teil auch radikalere Ansätze unter dem Begriff subsumiert werden.

Ist "Schottern" nach Meinung der Autorin ein ziviler Ungehorsam?

Die Arbeit stellt fest, dass die Kampagne zwar Elemente des Ungehorsams teilt, aber aufgrund der Debatte um die Legitimität eine Neudefinition des Begriffs strategisch oder theoretisch provoziert.

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Details

Title
Ziviler Ungehorsam
Subtitle
Zwischen traditionellen Definitionskriterien und praktischer Protestartikulation
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Philosophie)
Course
Ziviler Ungehorsam
Grade
1,3
Author
Richard Scheffler (Author)
Publication Year
2013
Pages
21
Catalog Number
V229886
ISBN (eBook)
9783656451884
ISBN (Book)
9783656452805
Language
German
Tags
Ziviler Ungehorsam Habermas Sokrates
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Richard Scheffler (Author), 2013, Ziviler Ungehorsam , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/229886
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