Die Überlegungen zur Bildung eines tertiär erweiterten BHS-Bildungssystems gewinnen durch den fortschreitenden Bologna-Prozess zunehmend an Bedeutung. Das Bologna-Modell sieht im tertiär-akademischen Bereich eine Zweigliederung der traditionellen Diplomstudien vor. Es bietet sich an, dass die Praxis, wie es bei den HTL-Absolventen bereits seit 100 Jahren der Fall ist, entsprechend bildungsmäßig aufgewertet wird. Durch eine tertiäre Erweiterung des BHS-Bildungssystems werden die sekundaren Absolventen zu sekundar-tertiären Absolventen, die mit einem akademischen Bachelor-Grad abschließen. In Bereich der HTL wird praktisch die Standesbezeichnung Ingenieur zu einem akademischen Ingenieur aufgewertet. Die Durchlässigkeit zum derzeitigen tertiär-akademischen Bildungssystem wird immens erhöht, indem eine allgemeine Zugänglichkeit zu den Masterprogrammen der Fachhochschulen und Universitäten gegeben ist. Eine Aufwertung des tertiär-würdigen österreichischen BHS-Bildungssystems wird zunehmend erforderlich. Die traditionelle, bewährte und betriebs- und praxisnahe höhere Berufsbildung auf der Sekundarstufe II muss entsprechend tertiär würdig bewertet werden.
Die grünen Ingenieure müssen bei Zukunftsüberlegungen eines europakonform erweiterten, sekundar-tertiären Bildungssystems mitgedacht werden. Die Absolventen der höheren Land- und Forstwirtschaftlichen Lehranstalten können ebenfalls eine 3-jährige, facheinschlägige Betriebspraxis absolvieren. Die fachliche Beurteilung der Ingenieurpraxis erfolgt in diesem Falle durch das Landwirtschaftsministerium.
Inhaltsverzeichnis
1 „Tertiär“ erweitertes, „sekundar-tertiäres“ HTL- und HLFL-Bildungssystem
2 Staats-Gewerbeschulen gestern zu „sekundar-tertiär“ erweiterten Höheren Technischen Lehranstalten HTL morgen
2.1 Gewerbliches Bildungswesen zunehmend staatlich organisiert in der Habsburgermonarchie im heutigen Österreich
2.1.1 Unterrichtsministerium und eine staatliche pädagogisch-didaktische Förderung der Industrialisierung durch eine gewerbliche Bildung
2.1.2 Realschulen mit gewerblicher Bildung werden zu allgemeinbildenden Mittelschulen und bewirken spezialisierte Gewerbeschulen
2.1.3 Exposé eines Programms zur Errichtung von Staats-Gewerbeschulen mit unterschiedlichen Bildungsebenen
2.1.4 Reformprogramm 1883 mit einem Systematisierungsversuch gewerblicher Lehranstalten unter der Oberleitung des Unterrichtsministeriums
2.1.5 Salzburg – die erste Staats-Gewerbeschule der Habsburgermonarchie in Österreich entwickelt sich zur Höheren Technischen Lehranstalt
2.2 Höhere Gewerbeschulen und die „Standesbezeichnung Ingenieur“, im Jahre 1917 mit kaiserlicher Verordnung geschützt, gilt bis heute
2.3 Europakonform erweitertes, praxisnahes SEKUNDAR-TERTIÄRES Zukunftsmodell der Höheren Technischen Lehranstalten HTL
3 Europakonformes SEKUNDAR-TERTIÄRES Zukunftsmodell der „Berufsbildenden Höheren Schulen“ BHS
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Notwendigkeit einer tertiären Aufwertung des österreichischen BHS-Bildungssystems, um Absolventen der Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) europakonform zum akademischen Bachelor-Grad zu führen. Ziel ist es, die bestehende Durchlässigkeit zum tertiär-akademischen Bildungssystem zu verbessern, die Standesbezeichnung "Ingenieur" akademisch weiterzuentwickeln und eine praxisnahe, duale Ausbildung in das Regelsystem zu integrieren.
- Historische Entwicklung des gewerblichen Bildungswesens in Österreich
- Strukturelle Weiterentwicklung von den Staats-Gewerbeschulen zur HTL
- Implementierung eines europakonformen, tertiären Bildungsmodells
- Bologna-Konformität und akademische Aufwertung der Ingenieurausbildung
- Integration der 3-jährigen facheinschlägigen Praxis in das Bachelor-Modell
Auszug aus dem Buch
2.1 Gewerbliches Bildungswesen zunehmend staatlich organisiert in der Habsburgermonarchie im heutigen Österreich
Die revolutionären, liberal-demokratischen Ereignisse im März 1848 bringen Petitionen zur Hebung des Unterrichts hervor. Eine Entschließung des Kaisers Ferdinand wird am Freitag, 24. März 1848 in der amtlichen „Wiener Zeitung“ „in der Absicht veröffentlicht, damit die Verbreitung und die Vervollkommnung des Volks-Unterrichts, sowie die vollständigere Entwicklung wissenschaftlicher, technischer und artistischer Studien zu fördern und die Errichtung eines eigenen Ministeriums des öffentlichen Unterrichts zu beschließen geruht“.
Das Amt eines Unterrichtsministers wird dem liberal gesinnten Franz Freiherr von Sommaruga übertragen. Sommaruga entstammt einem lombardischen Adelsgeschlecht in Oberitalien. Er wird im Jahre 1780 in Wien geboren. Eine glänzende Laufbahn als Rechtslehrer und nach einer hervorragenden Tätigkeit im Justizdienste sein Wirken als Erzieher der Söhne am Hofe des Kaiser Franz I. hat vermutlich zur Folge, dass auf Sommaruga zurückgegriffen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 „Tertiär“ erweitertes, „sekundar-tertiäres“ HTL- und HLFL-Bildungssystem: Dieses Kapitel thematisiert die Problematik der "Bildungssackgasse" für HTL-Absolventen und fordert eine tertiäre Erweiterung des Systems zur Erhöhung der Durchlässigkeit.
2 Staats-Gewerbeschulen gestern zu „sekundar-tertiär“ erweiterten Höheren Technischen Lehranstalten HTL morgen: Es wird die historische Genese des österreichischen gewerblichen Schulwesens von der Habsburgermonarchie bis zur modernen HTL und deren systematischer Ausbau detailliert nachgezeichnet.
3 Europakonformes SEKUNDAR-TERTIÄRES Zukunftsmodell der „Berufsbildenden Höheren Schulen“ BHS: Hier wird ein konkretes Modell vorgestellt, wie das BHS-Schulwesen durch Integration einer formalisierten Praxis und Bologna-konformer Strukturen tertiär aufgewertet werden kann.
Schlüsselwörter
HTL, Berufsbildende Höhere Schulen, Tertiäre Bildung, Bologna-Prozess, Standesbezeichnung Ingenieur, Akademischer Ingenieur, Industrielle Bildung, Gewerbliche Lehranstalten, Staats-Gewerbeschulen, Fachpraxis, Bachelor-Grad, Bildungssackgasse, Schulorganisationsgesetz, Berufsvorbildung, Ingenieurpraxis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Möglichkeiten einer tertiären Aufwertung des österreichischen BHS-Bildungssystems, um HTL-Absolventen einen europakonformen akademischen Bachelor-Grad zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Entwicklung des gewerblichen Schulwesens, die Analyse aktueller bildungspolitischer Herausforderungen für Absolventen sowie der Entwurf eines zukunftsfähigen, tertiär erweiterten Modells.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die formale Aufwertung der HTL-Ingenieurausbildung zum akademischen Ingenieur innerhalb eines sekundar-tertiären Bildungssystems, das eine direkte Durchlässigkeit zu Masterstudien schafft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Untersuchung, die sich auf die Auswertung von Primär- und Sekundärliteratur zur Geschichte des gewerblichen Unterrichtswesens sowie bildungspolitische Analysen stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der österreichischen Staats-Gewerbeschulen und eine detaillierte Erarbeitung eines Zukunftsmodells für die berufsbildenden höheren Schulen unter Berücksichtigung des Bologna-Prozesses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen HTL-Ingenieur, tertiäre Bildung, Bologna-Konformität, sekundar-tertiäres System und industrielle Berufsbildung.
Warum ist die "Standesbezeichnung Ingenieur" für die Arbeit relevant?
Sie bildet den historischen Ankerpunkt der Ingenieursausbildung, deren heutige formale Aufwertung zum akademischen Ingenieur einen wesentlichen Kern der Argumentation zur Durchlässigkeit im Bildungssystem darstellt.
Was ist das "Ischler Programm" im Kontext dieser Arbeit?
Das Ischler Programm (1946) war eine wegweisende Zusammenkunft, die maßgeblich zur Etablierung 5-jähriger höherer Abteilungen an gewerblichen Schulen beitrug und somit die Basis für die heutige HTL-Struktur legte.
Welche Rolle spielt die Salzburg-Fallstudie in der Arbeit?
Die Staats-Gewerbeschule Salzburg dient als exemplarisches Beispiel für die Entwicklung einer lokalen Zeichenschule hin zu einer modernen Höheren Technischen Bundeslehranstalt.
Wie soll die 3-jährige Ingenieurpraxis in das akademische Modell integriert werden?
Durch eine bildungsmäßige Formalisierung, bei der die facheinschlägige Praxis als dualer Prozess unter Einbindung eines Praxisvertrags mit Betrieben fest in das tertiäre BHS-Regelsystem integriert wird.
- Arbeit zitieren
- Dipl.-Ing. MMag. Dr. Karl Josef Westritschnig (Autor:in), 2013, TERTIÄRE Bildungs-Integration: Europakonform zum Betriebs- und Praxisnahen akademischen BACHELOR-Grad., München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/229547