„Jede Fotografie ist ein Dokument. Dies gilt unabhängig davon, ob eine Aufnahme aufgrund eines Auftrags oder zur privaten Erinnerung angefertigt worden ist, ein künstlerisches Interesse bestanden hat, welche Gestaltungsmittel eingesetzt worden sind, eine Veröffentlichung vorgesehen war oder das Negativ und ein Abzug archiviert werden sollten.[...] Das Dokumentarische jeder Fotografie liegt darin, dass sie auf etwas verweist, das gewesen ist. Mit ihrem Bezug zu einem Moment der Vergangenheit hat das fotografische Bild – analog einem Schriftstück – den Charakter einer Urkunde.“1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Dokumentarismus in der Fotografie
1.2 Theoretische Ansätze zur Dokumentarfotografie
1.3 Diane Arbus und ihr Werk
1.4 Analyse der fotografischen Praxis
1.5 Bedeutung des Schwarz-Weiß
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Frage, inwieweit die Fotografien von Diane Arbus dem Genre der Dokumentarfotografie zugeordnet werden können, und analysiert dabei ihre spezifische Arbeitsweise sowie die Wirkung ihrer Porträts.
- Theoretische Grundlagen des Dokumentarischen in der Fotografie
- Kategorisierung nach archivalischen, dokumentarischen und konzeptuellen Ansätzen
- Die Rolle von Randfiguren und Freaks im Werk von Diane Arbus
- Interaktion zwischen Fotografin, Modell und Betrachter
- Die ästhetische und inhaltliche Bedeutung der Schwarz-Weiß-Fotografie
Auszug aus dem Buch
Die Fotografien von Diane Arbus
Als einer der prägendsten und bekanntesten amerikanischen Dokumentarfotografinnen des letzten Jahrhunderts wurde Diane Arbus durch ihre Reportagen für namhafte US-Magazine wie für ihre eindrucksvollen Porträts bekannt. Dabei interessierte sie sich vor allem für das Ungewöhnliche – die Welt, die außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung existierte. Die Porträtierten waren folglicherweise keine Schönen, Reichen oder Berühmtheiten, sondern gehörten größtenteils dem Menschentyp des Freaks an – vom Außenseiter über Behinderte, Verrückte, Abnormale bis zu sexuell anders orientierten Menschen. „Hier wurden nicht anziehend wirkende Menschen gezeigt, nicht repräsentative Typen in ihrem Alltagsleben, sondern eine Auswahl von monströsen Gestalten und Grenzfällen – zumeist häßlich, in grotesker oder unansehnlicher Kleidung und in einem tristen oder kahlen Milieu – die sich in Postur gestellt haben und in vielen Fällen den Betrachter direkt und vertrauensvoll ansehen“.
Vom Transvestiten über den Liliputaner, eineiige Zwillingen, Drillingen oder Menschen mit Downsyndrom liefen damit alle Porträtierten aufgrund des Verhaltens, Krankheiten oder genetischen Veranlagungen den gängigen Gesellschaftsnormen zuwider. Gertrud Baruch glaubt, dass Arbus den Betrachtern damit eine Welt zeigen wollte, „in der jeder ein Fremder ist, hoffnungslos isoliert, erstarrt in einer mechanischen, verkrüppelten Identität und Umweltbeziehung“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die begriffliche Definition des Dokumentarischen ein und stellt die theoretische Basis für die Analyse des Werkes von Diane Arbus dar.
1.1 Dokumentarismus in der Fotografie: Hier wird diskutiert, inwieweit jede Fotografie per se einen dokumentarischen Charakter als Urkunde der Vergangenheit besitzt.
1.2 Theoretische Ansätze zur Dokumentarfotografie: Dieses Kapitel erläutert die Unterteilung von Timm Starl in archivalische, dokumentarische und konzeptuelle Fotografie.
1.3 Diane Arbus und ihr Werk: Der Fokus liegt auf der Auswahl von Motiven am gesellschaftlichen Abgrund und der Intention der Fotografin, eine „spezifische“ Realität abzubilden.
1.4 Analyse der fotografischen Praxis: Hier wird das Vertrauensverhältnis zwischen Fotografin und Porträtierten sowie die Rolle der Bildunterschriften als Kontextualisierung analysiert.
1.5 Bedeutung des Schwarz-Weiß: Dieses Kapitel untersucht, wie Schwarz-Weiß-Aufnahmen Authentizität erzeugen und als nostalgische Signatur der Zeit fungieren.
Schlüsselwörter
Dokumentarfotografie, Diane Arbus, Porträtfotografie, Sozialdokumentarismus, Schwarz-Weiß-Fotografie, Freaks, Identität, Realität, Fotokritik, Authentizität, Bildsprache, Marginalisierte Gruppen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den dokumentarischen Charakter der Fotografien von Diane Arbus anhand ihrer berühmten Monographie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die theoretische Einordnung der Dokumentarfotografie, die spezifische Sujetwahl von Arbus und die mediale Wirkung ihrer Porträts.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu klären, inwiefern Diane Arbus als Dokumentarfotografin zu betrachten ist und wie ihre Arbeitsweise theoretisch begründet werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine diskursive Analyse wissenschaftlicher Theorien zur Fotografie, verknüpft mit einer hermeneutischen Betrachtung der Bildwerke.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Kategorisierung der Dokumentarfotografie nach Timm Starl und wendet diese auf das Werk von Arbus an, ergänzt durch die Analyse von Bildkontexten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Dokumentarfotografie, Subjektivität, Authentizität, soziale Randgruppen und der Blick auf das Abnormale.
Wie unterscheidet sich der archivalische vom dokumentarischen Ansatz bei Arbus?
Der archivalische Ansatz bei Arbus zeigt sich im repräsentativen Überblick über eine spezifische Personengruppe, während der dokumentarische Ansatz ihre subjektive Interpretation und emotionale Nähe betont.
Welche Bedeutung misst die Autorin der Schwarz-Weiß-Ästhetik bei?
Schwarz-Weiß wird als Signatur verstanden, die das Bild von der „bunten Gegenwart“ trennt und somit die zeitliche Distanz und die Authentizität des historischen Moments unterstreicht.
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- Daniel Voigt (Author), 2013, Dokumentarismus in der Fotografie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/229464