Seit mehreren Jahrzehnten wohnt dem Thema der Verrechnungspreise nicht nur betriebswirtschaftliche Problematik, sondern auch steuerrechtliche Brisanz inne. In einer Welt der globalisierten Märkte wächst die Bedeutung von Unternehmensverbünden, die sich zum Zwecke der Konzentration von Marktmacht und der Erzielung von Kostenvorteilen zusammengeschlossen haben. Nach einem Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums (BMF) wird bereits knapp 60% des Welthandels zwischen verbundenen Unternehmen ausgeführt.
Stammt die Thematik ursprünglich aus dem Unternehmenscontrolling, werden angemessen bepreiste unternehmensinterne Lieferungen und Leistungen zunehmend steuerlich relevant. Auch in jüngster Zeit sind viele Staaten mit der Verabschiedung neuer Verrechnungspreisregelungen befasst: Im kürzlich erschienenen Global Transfer Pricing Survey 2009 hat das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Ernst & Young 49 Staaten und deren Regelungen zu Verrechnungspreisen untersucht. Seit der letzten Abfassung des Berichts im Jahr 2006 haben dabei mehr als zehn Staaten neue Maßnahmen bezüglich Verrechnungspreisen getroffen, unter anderem auch China und Griechenland.
Diese Arbeit möchte Verrechnungspreise vorwiegend aus steuerrechtlicher Sicht thematisieren und sich auf die Behandlung europäischer Konzerne beschränken. Ein besonderer Fokus soll dabei auf der Ermittlung eines angemessenen Verrechnungspreises für Dienstleistungen innerhalb eines Konzerns liegen. Außer Acht bleiben sollen globale Gewinnmethoden, da derartige Methoden der Verrechnungspreisermittlung dem von der OECD grundgelegten Prinzip des Fremdvergleichs widersprechen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Begriffsklärungen
2.1 Multinationaler Konzern
2.2 Konzerninterne Dienstleistungen
3 Verrechnungspreise
3.1 Definition
3.2 Funktionen
3.3 Problematik der Verrechnungspreisfindung
4 Rechtliche Grundlagen
4.1 Fremdvergleichsgrundsatz
4.2 Nationales und internationales Recht im Spannungsfeld
4.3 Korrekturvorschriften im nationalen Recht
4.3.1 Verdeckte Gewinnausschüttung
4.3.2 Verdeckte Einlage
4.3.3 Berichtigung von Einkünften nach § 1 AStG
4.4 Korrekturvorschriften im internationalen Recht
4.4.1 OECD-Musterabkommen
4.4.2 Weiterführende Literatur und EU-Übereinkommen
5 Methoden zur Ermittlung von Verrechnungspreisen nach Maßgabe der OECD
5.1 Geschäftsfallbezogene Standardmethoden
5.1.1 Preisvergleichsmethode
5.1.2 Wiederverkaufspreismethode
5.1.3 Kostenaufschlagsmethode
5.2 Gewinnorientierte Verrechnungsmethoden
6 Praxisrelevante Schlussfolgerungen
6.1 Vorbemerkungen
6.2 Verrechenbarkeit von Dienstleistungen
6.2.1 Eindeutig zuzuordnende Leistungen
6.2.2 Mischleistungen
6.3 Ermittlung des Verrechnungspreises
6.3.1 Einzelabrechnung der Leistungen
6.3.2 Pauschalumlage der Kosten
6.4 Master File-Konzept
6.5 Advance Pricing Agreements
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Problematik der Verrechnungspreise in multinationalen Konzernen mit einem Fokus auf die steuerrechtliche Perspektive und die Ermittlung angemessener Preise für konzerninterne Dienstleistungen. Dabei wird analysiert, wie Unternehmen unter Berücksichtigung nationaler und internationaler Rechtsgrundlagen sowie der OECD-Richtlinien eine steuerlich akzeptierte Konzernpolitik gestalten können.
- Grundlagen der multinationalen Konzernstruktur und interner Dienstleistungen.
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Korrekturvorschriften (wie Fremdvergleichsgrundsatz, vGA, § 1 AStG).
- Methoden zur Ermittlung von Verrechnungspreisen gemäß OECD-Standard.
- Strategien zur Dokumentation (Master File) und zur Rechtssicherheit (Advance Pricing Agreements).
Auszug aus dem Buch
3.3 Problematik der Verrechnungspreisfindung
Gerade im Spannungsfeld von multinationalen Konzernen und deren Besteuerung, welches Grundlage dieser Untersuchung sein soll, stellt sich die exakte Preisfindung als schwierig dar. Dies hat nicht zuletzt seine Ursache im bereits erwähnten fehlenden Markt zur Bildung eines echten Marktpreises.
Des Weiteren sind international agierende Konzerne vielfältigen gesetzlichen Rahmenbedingungen unterworfen: Doppelbesteuerungsrisiken, unterschiedliche Steuersätze, Zölle und konkurrierende Gesetzgebung der Ansässigkeitsstaaten. Insofern weist Kahle darauf hin, dass „steuerliche Erwägungen“ notwendigerweise immer einen „bedeutenden Einfluss auf die Preisbestimmung“ ausüben werden. Da innerhalb eines Konzerns rechtlich selbständige Unternehmen interagieren, liegen diesen Leistungsbeziehungen schuldrechtliche Verträge zugrunde. Vertraglich regulierte Leistungsbeziehungen unterliegen im jeweiligen Ansässigkeitsstaat der Besteuerung und rücken notwendigerweise in den Fokus von Steuerbehörden.
Ernst & Young konstatiert im Global Transfer Pricing Survey 2009 eine Aufstockung der personellen Prüfkapazitäten der Finanzbehörden, resultierend in einer höheren Rate an Verrechnungspreisprüfungen und damit verbundenen Sanktionen. Transaktionen mit Steueroasen stehen dabei besonders im Fokus von Prüfungen. Eine durch Finanzbehörden vermutete Ergebnisverlagerung mittels Verrechnungspreisen in Niedrigsteuerländer kann eine Doppelbesteuerung nach sich ziehen. Jacobs stellt daher die Frage nach der angemessenen „Bandbreite“ der Verrechnungspreise: „Zahlt man bei einem Geschäft mit einem verbundenen Unternehmen zu viel, fordert der heimische Betriebsprüfer eine Gewinnanpassung, zahlt man zu wenig, droht das gleiche Schicksal im Nachbarstaat“. International weitgehend anerkannte Ansätze zur Festlegung angemessener Verrechnungspreise finden sich unter anderem in den OECD Transfer Pricing Guidelines.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung der Verrechnungspreise in einer globalisierten Wirtschaft und definiert den steuerrechtlichen Fokus der Arbeit.
2 Begriffsklärungen: Dieses Kapitel erläutert die Definitionen eines multinationalen Konzerns sowie die Besonderheiten konzerninterner Dienstleistungen.
3 Verrechnungspreise: Es werden Grundlagen zu Definition und Funktionen von Verrechnungspreisen sowie die Schwierigkeiten ihrer Findung ohne marktübliche Vergleichswerte dargelegt.
4 Rechtliche Grundlagen: Dieses Kapitel behandelt den Fremdvergleichsgrundsatz, das Spannungsfeld zwischen nationalem und internationalem Recht sowie spezifische Korrekturvorschriften wie vGA und § 1 AStG.
5 Methoden zur Ermittlung von Verrechnungspreisen nach Maßgabe der OECD: Hier werden die verschiedenen Standardmethoden (z. B. Preisvergleichs- oder Kostenaufschlagsmethode) sowie gewinnorientierte Methoden vorgestellt.
6 Praxisrelevante Schlussfolgerungen: Dieses Kapitel analysiert praktische Anwendungsfälle zur Verrechenbarkeit von Dienstleistungen, Ermittlungsmethoden, das Master File-Konzept und Advance Pricing Agreements.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Problematiken zusammen und gibt Handlungsempfehlungen für multinationale Konzerne hinsichtlich der Steuerstreitvermeidung.
Schlüsselwörter
Verrechnungspreise, Multinationale Konzerne, Dienstleistungsverrechnung, Fremdvergleichsgrundsatz, OECD, Steuerrecht, Gewinnverlagerung, Doppelbesteuerung, Kostenumlage, Master File, Advance Pricing Agreements, Betriebsprüfung, Steuerplanung, Konzerninterne Leistungen, Gewinnaufschlagsmethode.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der Verrechnungspreise innerhalb multinationaler Konzerne, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf der steuerrechtlichen Behandlung und der Verrechnung von Dienstleistungen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Rahmenbedingungen der Verrechnung, die von der OECD empfohlenen Ermittlungsmethoden sowie Strategien zur Dokumentation und zur Vermeidung von Steuerstreitigkeiten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Konzerne angemessene Verrechnungspreise ermitteln können, um sowohl den steuerlichen Anforderungen zu entsprechen als auch Planungssicherheit zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fundierte Literatur- und Rechtsanalyse sowie die Anwendung theoretischer Konzepte auf ein praxisorientiertes Fallbeispiel eines internationalen Konzerns.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der rechtlichen Grundlagen, die Vorstellung verschiedener Methoden zur Preisfindung nach OECD-Standard sowie die praktische Ableitung von Schlussfolgerungen für die Unternehmensführung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die zentralen Begriffe sind Verrechnungspreise, Fremdvergleichsgrundsatz, OECD-Richtlinien, Konzerninterne Dienstleistungen, Master File und Advance Pricing Agreements.
Welche Bedeutung hat das Master File-Konzept?
Das Master File dient als zentrales Kerndokument, um Verrechnungspreisdokumentationen für multinationale Konzerne kosteneffizient zu erstellen und die Akzeptanz gegenüber Finanzbehörden durch eine einheitliche Begründung zu erhöhen.
Wann ist die Pauschalumlage der Kosten gegenüber der Einzelabrechnung vorzuziehen?
Eine Pauschalumlage ist dann sinnvoll, wenn eine Einzelabrechnung aufgrund einer hohen Anzahl an Transaktionen mit einem unverhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand verbunden wäre oder die direkte Zuordnung der Kosten nicht durchführbar ist.
- Quote paper
- Christian Baltes (Author), 2010, Grundlagen der Dienstleistungsverrechnung im multinationalen Konzern, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/215791