„Die Wiese ist eine Wunderwelt: Wo sie sich entwickeln darf, bringt sie unzählige Gewächse hervor. Nicht nur Gräser, sondern Blumen, die mit Farben und Düften Insekten anlocken und verführen, auf dass ihr Pollen von den geflügelten Gästen weitergetragen werde. Kein Wunder, dass die Wiese und ihre Bewohner Maler und Dichter inspiriert haben – wie etwa Christian Morgenstern, der in einem Gedicht „butterblumengelbe Wiesen“ besang.“
(Sächsische Zeitung 2012)
In diesem Abschnitt eines Zeitungsartikels über die Wildwiese als Heimat vieler verschiedener Pflanzen und Tiere taucht der Begriff Wunder mehrfach auf. Der Autor bezeichnet die Wiese als Wunderwelt, die das Leben ihrer Bewohner erst ermöglicht und findet es auch nicht verwunderlich, dass dieser Ort, mit seinen vielen Farben und Düften, Maler und Dichter zu ihren Werken inspiriert hat. Die zwei Wunderbegriffe zeigen schon die Ambiguität dieses Wortes auf, das manchmal mit und manchmal gegen naturwissenschaftliche Erkenntnisse genutzt wird. Auch im Neuen Testament spielt der Wunderbegriff eine große Rolle, wenn es um die Wundertaten Jesu geht, die in den vier kanonischen Evangelien vorkommen.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, den Begriff Wunder mit seiner Problematik einzugrenzen und zu definieren und die Überlieferung und Verwendung der Wunder Jesu kurz aufzuzeigen. Dabei sollen auch die Gattungen der ‚Wundergeschichte‘ und ihre Funktionen erläutert, sowie ihr klassischer Aufbau aufgezeigt werden.
In einem zweiten Schritt sollen am Beispiel „Heilung eines Blindgeborenen“ aus dem Johannesevangelium (Kap. 9) die gewonnenen Erkenntnisse aufgezeigt werden. Dazu versuche ich, die ursprüngliche Wundergeschichte, welche der Autor als Grundlage nutzte, herauszuarbeiten, um danach auf die vom Autor eingebrachten Elemente als ‚johanneisch‘ darstellen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen
2.1 Der Begriff ‚Wunder‘
2.2 Überlieferung der Wunder Jesu
2.3 Funktion der Wundergeschichten
2.4 Gattungen der Wundergeschichten
2.5 Form der Wundergeschichten
3. Wunder im Johannesevangelium
4. Heilung eines Blindgeborenen
4.1 Die Traditionsgeschichte der Wundererzählung
4.2 Die johanneischen Anteile der Wundererzählung
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Ziel der Analyse der Heilung des Blindgeborenen?
Ziel ist es, die ursprüngliche Wundergeschichte von den spezifisch "johanneischen" Elementen zu trennen, die der Evangelist hinzugefügt hat, um seine theologische Botschaft zu vermitteln.
Wie wird der Begriff 'Wunder' im Neuen Testament definiert?
Wunder werden als Taten Jesu verstanden, die über das naturwissenschaftlich Erklärbare hinausgehen und eine religiöse Funktion oder Symbolik im Kontext des Reiches Gottes haben.
Welche Gattungen von Wundergeschichten gibt es?
Es wird zwischen verschiedenen Typen wie Heilungswundern, Exorzismen, Rettungswundern und Geschenkwundern unterschieden, die jeweils einem klassischen Aufbau folgen.
Was ist das Besondere an den Wundern im Johannesevangelium?
Im Johannesevangelium werden Wunder oft als "Zeichen" (Semeia) bezeichnet, die auf die göttliche Identität Jesu hinweisen und tiefergehende theologische Wahrheiten offenbaren.
Welche Funktion haben Wundererzählungen in der Bibel?
Sie dienen der Legitimation Jesu als Messias, der Demonstration der Macht Gottes und der Aufforderung zum Glauben an die Zuhörer.
- Quote paper
- Philipp Schaan (Author), 2012, Die Heilung eines Blindgeborenen (Joh 9), Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/215550