In einem ersten Schritt wird dem Leser Wilhelm von Humboldt näher gebracht. Dazu werden sein Leben und sein Schaffen in chronologischer Reihenfolge dargestellt und es wird auf die Hintergründe zu seiner Lebenszeit eingegangen. Anschließend wird die Bildungstheorie Humboldts erläutert, die hauptsächlich auf seiner Schrift „Theorie der Bildung des Menschen“ beruht und es wird näher auf die Bedeutung der Individualität eingegangen.
In einem weiteren Schritt wird dann der aktuelle Bezug zu Humboldt hergestellt und zuerst erläutert, was unter einer Wissensgesellschaft zu verstehen ist und wodurch sie sich auszeichnet. Danach wird diese sehr kritisch beleuchtet anhand der Theorie der Unbildung von Konrad Paul Liessmann. Er deckt Irrtümer der Wissensgesellschaft auf und äußert sich über aktuelle Entwicklungen im Bildungswesen. In einem anschließenden Vergleich der Bildungstheorie von Humboldt und der Theorie der Unbildung in der Zeit der Wissensgesellschaft werden Differenzen zwischen beiden aufgezeigt, die vermuten lassen, dass sich die Bildung in ihren Merkmalen stark verändert hat und dadurch auch die Individualität gefährdet wird. In einem Fazit werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und ein kurzer Ausblick gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Wilhelm von Humboldt
2.1 Biografie
2.2 Lebenszeitlicher Hintergrund
3. Bildungstheorie von Wilhelm von Humboldt
4. Die Wissensgesellschaft
5. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft
6. Humboldts Bildungstheorie im Vergleich zu der „Bildung“ in der „Wissensgesellschaft“ nach Liessmann
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem klassischen Bildungsbegriff Wilhelm von Humboldts und den aktuellen Anforderungen einer sogenannten Wissensgesellschaft. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die moderne Bildungsentwicklung – insbesondere unter dem Einfluss von Ökonomisierung und Standardisierung – die von Humboldt postulierte freie Selbstentfaltung des Individuums gefährdet.
- Humboldts klassische Bildungstheorie und der Stellenwert der Individualität
- Kritische Analyse der heutigen Wissensgesellschaft nach Konrad Paul Liessmann
- Auswirkungen der Ökonomisierung auf das Bildungswesen (Pisa, Bologna-Prozess)
- Kontrastierung von zweckfreier Selbstbildung und heutiger funktionaler Qualifizierung
Auszug aus dem Buch
3. Bildungstheorie von Wilhelm von Humboldt
Die aufklärerische Wissenschaft will den Menschen von Wunschdenken und Aberglaube befreien und nach Menschenkenntnis forschen. Auch Humboldt verfolgt dieses Ziel und will Einblick in das Sein des Menschen erlangen. So kommt Humboldt auf eine neue Wissenschaft, die er Theorie der Bildung des Menschen nennt. Von dieser Wissenschaft erhofft er sich unter Anderem Auskunft über den Fortschritt der Menschheit zu gewinnen. Schnell merkt Humboldt, dass diese Bildung sich individuell vollzieht und somit kommt die Frage nach der Erkenntnis und Bildung des Einzelnen auf, die den Mittelpunkt dieses Beitrages darstellen. Die Begriffe, die Humboldt in seiner Bildungstheorie verwendet stellen keine starren Fixpunkte dar, sondern sind modifizierbar und lassen sich je nach Bedarf von Humboldt ändern (vgl. Menze 1976, S. 145ff).
Humboldt lebte in einer Zeit des Umbruchs, in der nicht mehr Gott oder die Natur im Zentrum der Betrachtung stand sondern der Mensch selbst und seine Bildung (vgl. Konrad 2010, S. 38). Genau damit beschäftigt sich Humboldt auch und liefert eine Bildungstheorie im formalen Sinne, was bedeutet, dass er sich ausschließlich über die Form der Bildung äußert, aber niemals konkrete Inhalte vorgibt, die zu lernen sind (vgl. ebd., S. 41). Denn dieses Festschreiben eines konkreten Bildungskanons entspräche einer normativen Bildungstheorie, die Humboldt strikt ablehnt. Somit ist der Mensch bei Humboldt frei und kann sich selbst aussuchen welches Wissen er sich aneignet, was aber gleichzeitig auch bedeutet, dass er darauf angewiesen ist, sich seinen eigenen Weg im Leben zu suchen (vgl. ebd., S. 38). Die Grundzüge seiner Bildungstheorie werden hauptsächlich seiner eigenen Schrift „Theorie der Bildung des Menschen“ entnommen und bilden die Basis des hier behandelten Themas. Die Individualität bildet die Grundlage seiner Bildungstheorie und kann bei Beschreibung dieser deshalb nicht gesondert betrachtet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der klassischen Bildungsidee Humboldts im Kontrast zur modernen Theorie der Unbildung von Liessmann.
2. Wilhelm von Humboldt: Darstellung des Lebensverlaufs und des historisch-pädagogischen Hintergrunds zur Zeit Humboldts.
3. Bildungstheorie von Wilhelm von Humboldt: Erläuterung des formalen Bildungsbegriffs, der Selbstbildung und der zentralen Bedeutung der Individualität.
4. Die Wissensgesellschaft: Definition und Merkmale der Wissensgesellschaft sowie der damit einhergehenden Ökonomisierung von Wissen.
5. Die Irrtümer der Wissensgesellschaft: Kritische Auseinandersetzung mit der Theorie der Unbildung von Liessmann bezüglich aktueller Bildungspolitik.
6. Humboldts Bildungstheorie im Vergleich zu der „Bildung“ in der „Wissensgesellschaft“ nach Liessmann: Gegenüberstellung der Differenzen bezüglich Zweckfreiheit, Standardisierung und der Rolle der Individualität.
7. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf die zukünftige Bedeutung allgemeiner Menschenbildung.
Schlüsselwörter
Wilhelm von Humboldt, Bildungstheorie, Wissensgesellschaft, Konrad Paul Liessmann, Unbildung, Individualität, Selbstbildung, Ökonomisierung, Bildungsreform, Pisa-Studie, Bologna-Prozess, Menschenbildung, Zweckfreiheit, Wissensmanagement, Selbstentfaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht das klassische, auf Freiheit und Individualität ausgerichtete Bildungskonzept Wilhelm von Humboldts mit den kritischen Analysen der modernen Wissensgesellschaft durch Konrad Paul Liessmann.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bildungstheorie der Aufklärung, den Auswirkungen der Ökonomisierung auf das Bildungssystem sowie der Kritik an heutigen Standardisierungsmaßnahmen wie dem Bologna-Prozess und internationalen Leistungsvergleichen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen einem zweckfreien Bildungsbegriff und einem an beruflicher Verwertbarkeit orientierten Wissensmanagement herauszuarbeiten und die Gefährdung der individuellen Persönlichkeitsbildung zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen Humboldts mit zeitgenössischen bildungskritischen Diskursen in Beziehung setzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Humboldts Biographie und Theorie, die Charakterisierung der Wissensgesellschaft, die Auseinandersetzung mit Liessmanns „Theorie der Unbildung“ und eine abschließende systematische Gegenüberstellung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Individualität, Selbstbildung, Wissensgesellschaft, Ökonomisierung, Zweckfreiheit und Unbildung.
Inwiefern hat sich die Funktion von Bildung laut der Arbeit verändert?
Bildung wurde von einem Selbstzweck zur Persönlichkeitsentwicklung hin zu einer Ressource umfunktioniert, die primär der wirtschaftlichen Effizienz und der Beschäftigungsfähigkeit dient.
Was bedeutet „Unbildung“ im Kontext der Argumentation von Liessmann?
Unbildung beschreibt laut Liessmann einen Zustand, in dem durch die inflationäre Verfügbarkeit von Daten und die Standardisierung von Wissen der eigentliche Prozess der verstehenden Aneignung und kritischen Reflexion verloren geht.
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- Hanna Porn (Author), 2011, Die Bildungstheorie Humboldts und ihr aktueller Bezug , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/215478