Nach der Trennung eines Elternpaares oder nach der Geburt eines Kindes außerhalb des väterlichen Haushalts wird der Kontakt zwischen dem Kind und dem getrennten Elternteil als Umgang bezeichnet. Er dient der weiteren Pflege der Bindung und des Familienlebens.
Nach der Geburt eines Kindes, bei der die Mutter nicht mit dem Vater zusammen lebt, bietet der Umgang die Chance eine Bindung zwischen Vater und Kind aufzubauen und die Welt des Kindes durch die Familie des Vaters zu erweitern. Im engeren Zusammenhang von Umgang wird auch von Zugang, Kontakt und Besuch gesprochen.
Es wird von den Problemen gesprochen, die dabei auftreten,und wie sie möglicherweise gelöst werden können. Neben den individuellen Möglichkeiten werden die institutionalisierten Angebote der Beratung, einer gerichtlicher Regelung und eines begleiteten Umgangs ausführlich dargelegt und erörtert.
Dazu werden grundlegende Untersuchungen und neue Modelle der Sozialwissenschaften und der Psychologie vorgestellt, in denen Verhalten und Rollenbild der Eltern analysiert und erklärt wird.
Ferner wird die Rolle der Gesetze und die Arbeit der beteiligten Ämter und Professionen dargestellt und erörtert. Dabei werden offizielle Richtlinien und Kriterien vorgestellt, nach denen Ämter und Gerichte in Angelegenheiten des Umgangs vorgehen sollen.
Eine Fülle von Querverweisen und Quellenangaben ermöglicht es dem Leser, tiefer in die Materie einzudringen und sich einen guten Überblick über den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Arbeit zu diesem Thema zu verschaffen.
Inhaltsverzeichnis
Vom Umgang mit dem Umgang
Die Bedeutung des Umgangs
Umgangsregelung
Gerichtliche Umgangsregelung
Amtsgericht
Begleiteter Umgang
Abbruch des Umgangs
Umgangsgestaltung
Kind mit Vater-Bindung
Kind ohne Vater-Bindung
Rahmenbedingungen
Trennungsdrama
Rationalisierung
Verlustangst
Schuldgefühle
Entwicklungssprung
Flucht
Allmacht-Phantasien
Gefühlskälte
Enttäuschung
Ehe und Familie
Persönlichkeit und Umgang
Gefühlte Rechtsfindung
Gesellschaftliche Aspekte
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Komplexität der Umgangsgestaltung zwischen getrennt lebenden Eltern und ihrem Kind, wobei der Fokus auf den psychosozialen Spannungsfeldern, dem rechtlichen Rahmen sowie der Rolle der Beteiligten im Trennungsprozess liegt. Ziel ist es, die Dynamiken aufzuzeigen, die einen Kontakt fördern oder behindern, und die Bedeutung einer kindzentrierten Betrachtungsweise für die Bewältigung der Trennungssituation hervorzuheben.
- Psychosoziale Auswirkungen einer Trennung auf das Kind
- Rechtliche Grundlagen und gerichtliche Umgangsregelungen
- Die Rolle der Mutter im Kontext des "Gatekeepings"
- Bedeutung und Formen des begleiteten Umgangs
Auszug aus dem Buch
Die Bedeutung des Umgangs
Haben die Eltern mit dem Kind in einem gemeinsamen Haushalt gewohnt, bevor sie sich getrennt haben, dient der Umgang der Überwindung des Trennungserlebens, der Pflege der Bindung und dem Fortbestand der Familienbeziehung des Kindes. Die Situation wird von diesem als zwiespältig erlebt, da sein Empfinden nicht mit der realen Situation kongruiert. Kommt es aber auf die Welt, ohne dass der Vater im selben Haushalt lebt, macht der Abkömmling kein Trennungsdrama durch. Erst mit dem späteren, möglichen Umgang wird eine Bindung zum Vater aufgebaut. Somit stellt sich die Bedeutung des Umgangs in beiden Fällen unterschiedlich dar.
Der Umgang wird von den Eltern meist aus Einsicht in seine Notwendigkeit und Berechtigung einvernehmlich nach den Bedürfnissen der Elternpartner und des Kindes geregelt. Diese Fälle werden selten thematisiert, da sie relativ unproblematisch sind. Wohnt das Kind bei der Mutter, hat sie das Aufenthaltsbestimmungsrecht, das ihr auferlegt, zu bestimmen, wo das Kind wohnt und mit wem es Umgang hat. Das betrifft außer dem Vater natürlich auch alle anderen Familienangehörigen. Dem Vater steht jedoch auch ein gesetzlicher Anspruch auf Umgang zu. Ebenso den Großeltern und Geschwistern und Bezugspersonen, zu denen eine familiäre Beziehung besteht. Können sich die Eltern nicht einigen, kann eine Vermittlung durch das Jugendamt, einen Psychologen oder einen Anwalt versucht werden. Letztlich kann durch einen Umgangsbeschluss des Familiengerichts eine Vereinbarung festgelegt werden. Darin wird geregelt wird, wann wer wen besucht, abholt oder wann mit wem in Urlaub fährt, nötigenfalls sogar wohin und wie.
Zusammenfassung der Kapitel
Die Bedeutung des Umgangs: Beschreibt die unterschiedliche psychologische Relevanz von Umgangskontakten, abhängig davon, ob das Kind die Trennung bewusst erlebt oder bereits in ein getrenntes Familienmodell hineingeboren wurde.
Umgangsregelung: Erläutert die altersabhängigen Anpassungserfordernisse der Kontakte sowie die rechtlichen und praktischen Aspekte der Urlaubs- und Feiertagsregelungen.
Gerichtliche Umgangsregelung: Analysiert das Familienrecht, die Rolle von Bindungstoleranz und die oft eingeschränkte Vollstreckbarkeit sowie die Herausforderungen des Begriffs "Kindeswohl".
Begleiteter Umgang: Definiert die verschiedenen Formen des unterstützten Kontakts und diskutiert die Rolle der "Helfer-Industrie" sowie die Voraussetzungen für eine solche Maßnahme.
Abbruch des Umgangs: Untersucht die statistische Abnahme von Kontakten nach der Trennung, die oft durch komplexe, nicht rein rationale Prozesse beeinflusst wird.
Umgangsgestaltung: Beleuchtet die Herausforderungen beim Bringen und Holen sowie die Bedeutung des Aufrechterhaltens einer Alltagskultur bei Vater-Kind-Besuchen.
Rahmenbedingungen: Fasst verschiedene psychologische Phänomene zusammen, die Kinder im Trennungsprozess zeigen, wie Verlustangst, Schuldgefühle oder Allmacht-Phantasien.
Persönlichkeit und Umgang: Diskutiert, wie das Rollenbild des Vaters und die individuelle Persönlichkeit der Eltern den Erfolg der Umgangsgestaltung beeinflussen.
Gefühlte Rechtsfindung: Kritisiert die Intransparenz und die "taktische" statt juristische Argumentation in Familiengerichtsverfahren.
Gesellschaftliche Aspekte: Reflektiert die gesamtgesellschaftliche Entwicklung, die Rolle staatlicher Institutionen und die Schieflage zwischen den Generationen durch moderne familienrechtliche Strukturen.
Schlüsselwörter
Umgangsrecht, Trennung, Kindeswohl, Bindungstoleranz, Sorgerecht, Gatekeeping, Familiengericht, Coparenting, psychologische Regression, Scheidungsväter, begleiteter Umgang, Trennungsdrama, Elternverantwortung, Kindschaftsrecht, Familienbindung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den komplexen psychologischen, sozialen und rechtlichen Rahmenbedingungen, die den Umgang zwischen einem getrennt lebenden Elternteil (vornehmlich dem Vater) und seinem Kind nach einer Trennung beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen der Trennung auf das Kind, die Rolle des Familienrechts, die Praxis der Umgangsregelung, das Verhalten der Eltern im Kontext von "Gatekeeping" sowie die Bedeutung der Begleitung von Umgangskontakten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum Umgangskontakte oft scheitern und welche Faktoren – jenseits rein juristischer Vorgaben – für eine tragfähige Beziehung des Kindes zu beiden Elternteilen entscheidend sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine analytische Aufarbeitung des Themas, die auf Fachliteratur, rechtlichen Grundlagen (wie dem BGB) und entwicklungspsychologischen Modellen basiert, um das Spannungsfeld zwischen Rechtsprechung und gelebter Familienwirklichkeit zu durchleuchten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Umgangsmodellen, die psychologischen Folgen für das Kind, die Dynamiken zwischen den Eltern (insbesondere im gerichtlichen Kontext) und die kritische Analyse des Einflusses von Hilfs- und Beratungsinstanzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Umgangsrecht, Kindeswohl, Gatekeeping, Trennungsdrama, Bindungstoleranz und die Rolle des Familiengerichts.
Welche Bedeutung hat der Begriff "Gatekeeping" in dieser Untersuchung?
Der Begriff beschreibt die verhaltenssteuernde Rolle der Mutter bei der Entscheidung, in welchem Maße ein Vater Zugang zu seinem Kind erhält oder durch welche Barrieren dieser eingeschränkt wird.
Inwiefern beeinflusst das Alter des Kindes die Umgangsgestaltung?
Die Arbeit legt dar, dass die Umgangsgestaltung mit der Entwicklung des Kindes korrespondieren muss – vom Kleinkindalter über die Schule bis hin zur Adoleszenz, in der das Selbstbestimmungsrecht des Kindes an Bedeutung gewinnt.
Welche Kritik übt der Autor an aktuellen Gerichtsverfahren?
Der Autor kritisiert, dass Familiengerichtsverfahren oft als "inquisitorisch" empfunden werden, weil der Begriff des "Kindeswohls" eine hohe Interpretationsfreiheit lässt, die den Beteiligten keine Rechtssicherheit bietet und Väter oft in eine taktische Verteidigungsposition drängt.
- Quote paper
- Diplompsychologe Wolfdieter Hötzendorfer (Author), 2013, Vom Umgang mit dem Umgang, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/215267