Hausarbeiten logo
Shop
Shop
Tutorials
De En
Shop
Tutorials
  • How to find your topic
  • How to research effectively
  • How to structure an academic paper
  • How to cite correctly
  • How to format in Word
Trends
FAQ
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Der fehlgeleitete Leser. Werther-Fieber, Werther-Effekt und mediale Gewalt

Title: Der fehlgeleitete Leser. Werther-Fieber, Werther-Effekt und mediale Gewalt

Bachelor Thesis , 2012 , 32 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Katharina Bene (Author)

German Studies - Modern German Literature

Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Eigentlich war dem Menschen Bildung noch nie ganz geheuer. Aber während man beispielsweise
im Mittelalter alle Bücher verräterischen Inhalts mitsamt deren Autoren zu verbrennen gewöhnt
war, gestaltete sich die Sache ab dem 18. Jahrhundert zunehmend schwieriger.
Durch Modernisierungen des Buchdrucks und Verlagswesens und durch die steigende allgemeine
Alphabetisierung sah sich auch erstmals ein verhältnismäßig heterogeneres Publikum mit einer
verhältnismäßig heterogeneren Auswahl an Texten konfrontiert. Die Diskussion um die potenziellen
Gefahren des übermäßigen Lesens kulminierte um die Zeit des Werther-Fiebers, wo insbesondere
ein knappes Dutzend Werther-bedingter Selbstmorde Aufsehen erregten. Hierauf wird auch der
Hauptaugenmerk dieser Arbeit gerichtet sein. Mit jeder Einführung eines neuen Mediums wird
allerdings letztendlich dieselbe Diskussion neu entfacht: ob ihr Konsum schädliche Auswirkungen
haben könnte, und ob man ihn nicht sicherheitshalber, wenigstens bestimmten Gruppen, verbieten
sollte. Heute dreht sich diese Debatte in erster Linie um Computerspiele, deswegen wird auch das
abschließend kurz behandelt.Der Diskurs um die Gefahren der Medien ist deswegen seit dem 18. Jahrhundert von so hohem
emotionalem Potenzial und von so gleichbleibender Bedeutung für die Gesellschaft, weil die
Medien seit dieser Zeit begonnen haben, einen Aufgabenbereich einzunehmen, den früher die
Kirche innehatte: in den Medien wird ausgehandelt, was die aktuellen Werte und Ideologien einer
Gesellschaft sind.1
Es gilt also zu klären, wie sich dieser Diskurs in den letzten Jahrhunderten entwickelt hat, und wie
sich der Umgang mit fiktionaler Gewalt vom 18. Jahrhundert bis heute verändert hat.
Im Mittelpunkt dieser Überlegungen soll das Werther-Fieber mit der berüchtigten „Selbstmord-
Welle“ stehen, die zwar nicht die ersten Nachahmungstaten fiktionaler Gewalt in der Geschichte der
Menschheit sind – aber der erste diesbezügliche Skandal: schließlich wurden Kreuzzüge oder
Hexenverbrennungen beispielsweise nicht als Amokläufe fehlgeleiteter Leser aufgrund von
pervertiertem Konsum gewaltverherrlichender Medien angesehen, sondern als richtiges,
gesellschaftlich erwünschtes Handeln.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Leselandschaft im 18. Jhd. - Vom Intensiven zum Extensiven Lesen

3 Lesesucht

4 Werther-Rezeption

5 Mechanismen der Leserlenkung im Werther

6 Das Werther-Fieber

6.1 Werther-Kult

6.2 Imitatio - Lektüre des Werther

6.3 Werther-Selbstmorde

7 Der Werther-Effekt

8 Fiktionale Gewalt

8.1 Medienwirkung

8.2 Mediengewalt in der öffentlichen Meinung

9 Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen und medienpsychologischen Zusammenhänge zwischen fiktionaler Literatur bzw. medialen Inhalten und deren potenzieller Wirkung auf das Publikum. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie sich der Diskurs um mediale Gefahren vom 18. Jahrhundert bis in die heutige Zeit entwickelt hat und welche Rolle die mediale Darstellung von Suizid und Gewalt in diesem Kontext spielt.

  • Die historische Transformation des Leseverhaltens (vom intensiven zum extensiven Lesen).
  • Die Analyse des "Werther-Fiebers" und dessen Einfluss auf die Leserschaft im 18. Jahrhundert.
  • Die theoretische Untersuchung der Mechanismen von Leserlenkung und Nachahmung (Imitatio).
  • Der Vergleich historischer Debatten über "Lesesucht" mit aktuellen Diskursen zu digitaler Mediengewalt und Computerspielen.

Auszug aus dem Buch

5.1 Werther-Kult

Es ist im Nachhinein immer schwer zu fassen, warum irgendein Machwerk zum Kult erhoben wurde – die oben herausgearbeiteten Merkmale wie hohe Empathie, Zentralperspektive Werthers, die scheinbar als unmittelbar authentisch empfundene Darbietungsform (die teilweise Einbettung der Geschichte in historische Begebenheiten, Kommentare eines „Herausgebers“ etc.) – all das hat Goethe ja genau genommen nicht erfunden; im Gegenteil, ich halte Authentizität, Unmittelbarkeit und Empathie sogar für Bestandteile der meisten Werke mit medialer Wirkung.

Das Wort 'Kult' hat erst seit kurzem eine begriffliche Dehnung erfahren – mein nicht völlig aktueller Brockhaus beispielsweise versteht darunter noch ausschließlich die „Pflege, Verehrung, bes. die geordnete Form der gemeinsamen Gotteesverehrung“, und weiß nichts von dem umgangssprachlichen 'Kultstatus', der auch areligiösen Werken zuteil werden kann.

Martin Andree unterscheidet sieben Distinktionsmerkmale für Lektüren mit Kultstatus, die ich hier kurz zusammenfassen möchte, nämlich: Transmedialität, Performativität, Intermedialität, Imitativität, Exklusivität, Zentriertheit, Sakralität.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung skizziert den historischen Wandel der Medienkritik und führt das zentrale Thema der Arbeit, die mediale Wirkung fiktionaler Gewalt am Beispiel des Werther-Fiebers, ein.

2 Die Leselandschaft im 18. Jhd. - Vom Intensiven zum Extensiven Lesen: Dieses Kapitel beschreibt den gesellschaftlichen Wandel des Leseverhaltens, weg vom religiösen Wiederholungslesen hin zum extensiven, säkularen Konsum von Unterhaltungsliteratur.

3 Lesesucht: Hier wird der zeitgenössische Diskurs über die Gefahren des übermäßigen Lesens, insbesondere bei Frauen und unteren sozialen Schichten, analysiert.

4 Werther-Rezeption: Das Kapitel behandelt die zeitgenössische Wahrnehmung von Goethes Werk, die oft durch eine empfundene Authentizität und mangelnde Distanz zum fiktionalen Charakter geprägt war.

5 Mechanismen der Leserlenkung im Werther: Die Untersuchung legt dar, wie Goethe durch rhetorische Mittel und Strukturvorgaben eine starke Identifikation des Lesers mit dem Protagonisten förderte.

6 Das Werther-Fieber: Dieses Kapitel widmet sich dem Kultstatus des Werther, der imitatio-Lektüre sowie den dokumentierten Fällen von Nachahmungssuiziden.

7 Der Werther-Effekt: Der Begriff wird als medienpsychologisches Phänomen eingeführt und durch verschiedene Fallstudien sowie historische Verbotsversuche belegt.

8 Fiktionale Gewalt: Das Kapitel vergleicht den historischen Diskurs über Lesesucht mit modernen Debatten über Mediengewalt und deren mediale sowie politische Instrumentalisierung.

9 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und einer kritischen Einordnung der Frage nach der tatsächlichen Gefährlichkeit von Medien.

Schlüsselwörter

Werther-Fieber, Werther-Effekt, Lesesucht, Mediengewalt, Medienwirkungsforschung, Leserevolution, fiktionale Literatur, Nachahmung, imitatio-Lektüre, Medienkonsum, gesellschaftliche Normen, Kultbuch, Selbstmordrate, Rezeptionsgeschichte, Medialisierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Bachelorarbeit untersucht die historischen und psychologischen Wechselwirkungen zwischen Medieninhalten und dem Publikum, wobei der Schwerpunkt auf der Wirkung fiktionaler Literatur und Medien auf das menschliche Verhalten liegt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen umfassen die Veränderung des Leseverhaltens im 18. Jahrhundert, das Phänomen des Werther-Kults, die psychologischen Hintergründe von Nachahmungstaten und die medienkritische Debatte über Gewaltinhalte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit verfolgt das Ziel zu klären, wie sich der Diskurs über den schädlichen Einfluss von Medien über die Jahrhunderte entwickelt hat und inwieweit das Publikum durch fiktionale Texte in seinem Handeln beeinflusst wird.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine Analyse von historischem Quellenmaterial, Wirkungszeugnissen und Fachliteratur zur Medienwirkungsforschung sowie auf den Vergleich mit zeitgenössischen Studien zur Mediengewalt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die historische Einordnung der Leserevolution, die Analyse der Werther-Rezeption, die Untersuchung spezifischer Medien-Effekte (Werther-Effekt) und die kritische Auseinandersetzung mit Mediengewalt im Kontext aktueller Debatten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Werther-Fieber, Medienwirkungsforschung, Leserevolution, Imitatio-Lektüre und den Diskurs über die Gefährlichkeit von Medien beschreiben.

Warum gilt der "Werther" als Schlüssel für die mediale Wirkung?

Der Werther gilt aufgrund der dokumentierten intensiven Reaktionen der Zeitgenossen, bis hin zu tatsächlichen Nachahmungssuiziden, als eines der spektakulärsten historischen Beispiele für die suggestiven Kräfte medialer Inhalte.

Inwiefern lassen sich Parallelen zwischen "Lesesucht" im 18. Jhd. und heutigen Debatten ziehen?

Die Arbeit verdeutlicht, dass die aktuellen Ängste vor negativen Einflüssen durch Computer- oder Videospiele strukturell fast identisch mit den historischen Sorgen um das "wilde Lesen" und die "Lesesucht" des 18. Jahrhunderts sind.

Excerpt out of 32 pages  - scroll top

Details

Title
Der fehlgeleitete Leser. Werther-Fieber, Werther-Effekt und mediale Gewalt
College
University of Vienna  (Vergleichende Literaturwissenschaften)
Grade
1,0
Author
Katharina Bene (Author)
Publication Year
2012
Pages
32
Catalog Number
V215089
ISBN (eBook)
9783656428121
ISBN (Book)
9783656437659
Language
German
Tags
leser werther-fieber werther-effekt gewalt
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Katharina Bene (Author), 2012, Der fehlgeleitete Leser. Werther-Fieber, Werther-Effekt und mediale Gewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/215089
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  32  pages
Hausarbeiten logo
  • Facebook
  • Instagram
  • TikTok
  • Shop
  • Tutorials
  • FAQ
  • Payment & Shipping
  • About us
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint