In den folgenden Punkten dieser Arbeit wird zuerst der genaue Aufbau der Historia näher beleuchtet (2), es soll kurz auf die verschiedenen Teile im Einzelnen eingegangen werden. Daran anschließend folgt eine genauere Erläuterung der verschiedenen im Faustbuch vorherrschenden Erzählkonzepte, diese sollen vor allem unter dem Gesichtspunkt der Frage nach einer vorliegenden inneren Kohärenz betrachtet werden (3), bevor geklärt wird, wie sich das Verhältnis von Wahrheitstreue und Quellenfiktion, das möglicherweise auch eine Art äußerer Kohärenz im Rahmen der Erzählung bedingt, verhält (4). Im Fazit sollen dann abschließend nochmals alle Ergebnisse dieser Arbeit kurz subsumiert werden (5), um zuletzt die Frage zu beantworten, ob das Faustbuch denn eine tatsächliche Historia im eigentlichen Sinn ist. Meine hierbei vertretene Hauptthese ist, dass die prosaromantypischen hybriden Erzählmuster innerhalb des Faustbuches und der größtenteils nicht vorhandene Wahrheitsanspruch der Historia eine Kohärenz innerhalb der Erzählung in einem hohen Maße verdrängen. Die im Rahmen dieser Arbeit herangezogene Forschungsliteratur bezieht sich zu einem großen Teil auf Texte Marina Münklers, für die hier vorliegende Untersuchung wurden ihre Monographie Narrative Ambiguität und einige weitere ihrer Aufsätze, außerdem ebenfalls Jan-Dirk Müllers Einführung zu Faustbuch, herangezogen. Weitere wichtige Aufsätze im Rahmen dieser Arbeit stammen von Günter Hess, Hans-Gert Roloff und Andreas Kraß. Der Großteil der von mir verwendeten Definitionen stammt aus dem Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 DER AUFBAU DER HISTORIA
2.1 DIE VITA
2.2 DIE LEHRGESPRÄCHE
2.3 DER SCHWANKTEIL MIT SEINEN BESONDERHEITEN
2.4 DAS ENDE
3 DIE HYRIDEN ERZÄHLKONZEPTE DER HISTORIA - ZUR INNEREN KOHÄRENZ DER ERZÄHLUNG
4 DER WAHRHEITSANSPRUCH DER HISTORIA
4.1 TATSACHENGEHALT
4.2 QUELLENFIKTION
5 FAZIT
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, zu untersuchen, ob die Historia von D. Johann Fausten (1587) trotz ihrer heterogenen Struktur und hybriden Erzählformen tatsächlich als Historia im gattungsspezifischen Sinne bezeichnet werden kann. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, inwieweit das Werk eine innere Kohärenz aufweist und wie der explizite Wahrheitsanspruch des Textes im Verhältnis zur nachweisbaren Quellenfiktion zu bewerten ist.
- Analyse des strukturellen Aufbaus des Faustbuchs in vier Hauptelemente.
- Untersuchung der hybriden Erzählkonzepte wie Vita, Lehrgespräche, Schwank und Exempel.
- Kritische Beleuchtung des Wahrheitsanspruchs und der Rolle der Quellenfiktion.
- Diskussion über die innere Kohärenz des Werkes und das Wirken des Druckers als Kompilator.
Auszug aus dem Buch
2.3 DER SCHWANKTEIL MIT SEINEN BESONDERHEITEN
Der dritte Teil (Kapitel 33-59), auch bekannt als Schwankteil der Historia, besteht hauptsächlich aus einer Sammlung schwankhafter Anekdoten, größtenteils aus Geschichten rund um den historischen Faust und aus Schwankerzählungen des 16. Jahrhunderts. Unter dem Terminus Schwank kann sowohl eine Möglichkeit jeder Gattung als auch ein eigenständiges literarisches Genre verstanden werden. Der Schwank kann in Form des Exempels, der Fabel, des Lieds, des Märchens, der Novelle oder auch in dramatischer Form realisiert sein, kurzum ist ein Schwank zu verstehen als eine zumist kurze Erzählung mit komischem Inhalt. Der Schwankteil umfasst die seitens Faustus in verschiedensten sozialen Kontexten vollführten Zauberkunststücke, deren soziale Einbindung und Funktion jedoch sehr stark variieren.
„Manche der Zauberkunststücke führt Faustus auf Nachfrage der Stände vor, andere setzt er zu Zwecken des Betrugs, der Hilfe, der moralischen Belehrung oder der Bestrafung ein. Neben diesen Zauberkunststücken erzählt der dritte Teil aber auch von dem Bekehrungsversuch des Nachbarn, Fausts Bereitschaft zur Umkehr, den darauf folgenden Drohungen des Teufels, die in die zweite Verschreibung münden und von der Buhlschaft mit Helena.“
Die Komik innerhalb der Geschichten des Schwankteils, hinter der die biographische Konstruktion der Historia schon fast zu verschwinden droht, ist jedoch eher harmloser Natur, das Repertoire ist hier auffüllbar und offen für Erweiterungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die historische Rezeption des Faustbuchs von 1587 ein, definiert den Gattungsbegriff der Historia und formuliert die Leitfrage nach der Kohärenz des Werkes.
2 DER AUFBAU DER HISTORIA: Dieses Kapitel gliedert das Faustbuch in seine vier strukturellen Bestandteile: die Vita, die Lehrgespräche, den Schwankteil und das Ende.
3 DIE HYRIDEN ERZÄHLKONZEPTE DER HISTORIA - ZUR INNEREN KOHÄRENZ DER ERZÄHLUNG: Hier wird untersucht, wie unterschiedliche Erzählmuster – von genealogischen über dokumentarische bis hin zu exemplarischen Ansätzen – ineinandergreifen und inwieweit sie das Werk als kohärentes Gebilde stützen oder schwächen.
4 DER WAHRHEITSANSPRUCH DER HISTORIA: Das Kapitel analysiert den behaupteten Tatsachengehalt der Faust-Figur und entlarvt die umfangreiche Quellenfiktion, die der Drucker Johann Spies zur Authentifizierung nutzte.
5 FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass das Faustbuch aufgrund seiner hybriden Struktur und der mangelnden inneren Kohärenz lediglich als eine "rudimentäre Historia" zu bezeichnen ist.
Schlüsselwörter
Historia, Faustbuch, Johann Faustus, Prosaroman, Erzählkonzepte, Kohärenz, Wahrheitsanspruch, Quellenfiktion, Schwank, Exempel, Johann Spies, Frühneuhochdeutsch, Biographisches Erzählen, Narrative Ambiguität, Gattungstheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Faustbuch von 1587 hinsichtlich seiner strukturellen Einheit und seiner Gattungszugehörigkeit zur Historia.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf Erzählkonzepte, den Wahrheitsanspruch des Textes, das Verhältnis von Fakten zu Fiktion und die Frage der narrativen Kohärenz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob die Historia von D. Johann Fausten trotz ihrer offensichtlich hybriden und heterogenen Struktur tatsächlich die Kriterien einer Historia erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf dem Vergleich von Gattungsdefinitionen und der Untersuchung von Erzählstrukturen sowie der Forschungsliteratur (insb. Marina Münkler) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der vier Buchteile, die Untersuchung der hybriden Erzählmodelle sowie die Dekonstruktion der Quellenfiktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Historia, Faustbuch, Kohärenz, Quellenfiktion und hybride Erzählkonzepte.
Inwiefern spielt der Drucker Johann Spies eine Rolle für das Verständnis des Werkes?
Da der tatsächliche Autor unbekannt ist, wird diskutiert, ob Spies als Drucker nicht auch als maßgeblicher Kompilator und Verfasser des Werkes anzusehen ist.
Wie bewertet die Autorin den "Schwankteil" innerhalb der Struktur des Faustbuchs?
Die Autorin argumentiert, dass der sogenannte Schwankteil architextuell eher als Exempelteil zu verstehen ist, da er weniger auf Pointen als auf moralische Belehrung abzielt.
- Quote paper
- Julia Steinbichl (Author), 2013, Lässt sich die "Historia von D. Johann Fausten" auch tatsächlich unter dem Terminus einer Historia fassen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/214753