Die Arbeit behandelt den Jom Hakippurim, den großen Versöhnungstag Israels, wie er in Leviticus 16 dargestellt wird. Neben einer Textgliederung mit kommentierenden Passagen werden im Hauptteil Kapitel III die einzelnen Rituale des Festes anhand einer Analyse und Gegenüberstellung der relevanten Forschungspositionen diskutiert und dargestellt. Den Schluß der Arbeit bildet dann ein theologischer Vergleich des alttestamentlichen Sühneverständnisses mit der neutestamentlichen Tradition.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Gliederung des Textes
III. Die Rituale im Einzelnen
1.1. hattat
1.2. Zusammenfassung und Schlussfolgerung
2.1. Azazelritus
a) Legitimierung eines ursprünglich paganen Götzenopferkultes?
b) l’z’z’l im Lichte philologisch-traditionsgeschichtlicher Forschung
c) Fazit
2.2. hattat und Azazelbock
3. Olah
IV. Einblick in den Niederschlag der atl. Sühnevorstellung im Blick auf die neutestamentliche Tradition
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Sühneverständnis des großen Versöhnungstages (Jom Kippur) gemäß Levitikus 16, 1-34. Dabei wird analysiert, wie die verschiedenen Riten (hattat, Azazelbock, Olah) zur Reinigung des Heiligtums und zur Wiederherstellung des gestörten Verhältnisses zwischen Gott und Mensch beitragen, um abschließend die Relevanz dieser Sühnekonzepte für die neutestamentliche Tradition zu erörtern.
- Analyse der rituellen Abläufe und ihrer Zweckbestimmung (kipper).
- Diskussion der priesterschriftlichen Sühnetheologie und der Rolle der Opfergaben.
- Untersuchung des Azazelbockritus als Eliminationsritus.
- Vergleich alttestamentlicher Sühnevorstellungen mit neutestamentlichen Deutungen.
Auszug aus dem Buch
III.1.1. hattat
In den V. 3 u. 5 werden Opfertiere erwähnt, mit denen in Form einer speziellen Opferprozedur sühnende Wirkung erzielt werden soll. Sie werden mit hattat bezeichnet. Die traditionelle Übersetzung dieses Kultterminus ist „Sündopfer“. Die hattat kommt sowohl im Kontext mit Weiheriten, Sühnungsopfern, als auch im Zusammenhang mit Reinigungsriten am Kultinventar vor. Milgrom bemerkt über die Beschreibung der Reinigungsriten am großen Versöhnungstag: „The rite inside the adytum concludes with a statement of its purpose. The same is true for the rites inside the shrine and upon the altar.“ Dieser Zweck ist die mit kipper beschriebene erzielte Wirkung und bezieht sich für die hattat zunächst vor allem auf die Kulthandlungen am Heiligtumsinventar.
Im Text bezieht sich die mit kipper beschriebene Wirkung der hattat sowohl auf Personen (Aaron, sein Haus und die Gemeinde) als auch auf Gegenstände (Altar, kapporet). Das Verhältnis der jeweiligen Sühnehandlung zum Zielobjekt, auf das sie wirken soll (Sache oder Person) stellt sich jedoch verschieden dar, was schon die unterschiedliche semantische Verbindung von kipper und Sühnungs-Objekt illustriert (Sühne für Personen/ Sühne in oder auf Gegenständen bzw. Räumen). So sieht Milgrom die Sühnung durch die hattat ausschließlich für Heiligtumsgegenstände geltend und übersetzt dementsprechend kipper konsequent mit „reinigen“.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Skizzierung des großen Versöhnungstages als zentralem Fest des jüdischen Festkalenders und Formulierung der Forschungsfrage zum Sühnebegriff in Lev. 16.
II. Gliederung des Textes: Untersuchung der formalen Struktur und der inhaltlichen Abschnitte von Levitikus 16, 1-34 als präskriptiver Text in Form einer JHWH-Rede.
III. Die Rituale im Einzelnen: Analyse der sühnenden Wirkung der drei Hauptriten des Jom Kippur – hattat, Azazelritus und Olah – und ihrer rituell-theologischen Bedeutung.
IV. Einblick in den Niederschlag der atl. Sühnevorstellung im Blick auf die neutestamentliche Tradition: Reflexion über die Kontinuitäten und Diskontinuitäten zwischen alttestamentlichem Sühneverständnis und neutestamentlichen Deutungen des Kreuzesgeschehens.
Schlüsselwörter
Sühne, Jom Kippur, Levitikus 16, hattat, Azazelbock, Opfertheologie, Heiligtum, Reinigung, JHWH, neutestamentliche Tradition, Sündenvergebung, Kult, Substitution, Blutritus, Versöhnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Sühneverständnis innerhalb von Levitikus 16, 1-34 und dessen Bedeutung im priesterschriftlichen Kultverständnis.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die priesterliche Ritualpraxis, das Wesen der Opfergaben (hattat, Olah) und die theologischen Implikationen der Sühne für das Gottesverhältnis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die spezifische Sühnewirkung der verschiedenen Riten zu erörtern und die Relevanz dieses Sühnebegriffs für die neutestamentliche Tradition aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologisch-analytische Herangehensweise unter Einbeziehung von Kommentaren und religionsgeschichtlicher Forschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Riten (hattat, Azazelbock und Olah) detailliert analysiert und hinsichtlich ihrer theologischen Struktur untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sühne (kipper), hattat, Azazel, Opferlogik und die Relation zwischen alttestamentlicher Tradition und neutestamentlicher Rezeption.
Warum spielt der "Azazelbock" eine so kontroverse Rolle?
Der Ritus am lebendigen Bock wirft Fragen auf, da er Aspekte eines Sündeneliminierungsritus enthält, die schwer in den monotheistischen Kultrahmen Israels einzuordnen sind.
Wie unterscheidet sich die Sicht auf das Sühnegeschehen im AT und NT?
Während im AT der Opferkult als Mittel zur Reinigung und Besänftigung dient, liegt im NT der Fokus stärker auf dem liebevollen Heilswillen Gottes und der Sühnung aller Sünden durch das Wirken Christi.
Was ist unter der "kipper-Wirkung" zu verstehen?
Der Begriff kipper bezeichnet die Sühnewirkung, die im Kontext von Lev. 16 sowohl die Reinigung von Heiligtumsgegenständen als auch die Sündenvergebung für das Volk Israel umfasst.
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- Mathias Wilhelm (Author), 2010, Über das priesterschriftliche Sühneverständnis nach Levitikus 16 und dessen Relevanz für die neutestamentliche Tradition, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/214198