Für jeden ist Napoleon Bonaparte zuerst ein Kriegsherr, ein Eroberer der Europa beherrschte. Genauso bekannt ist der Gesetzgeber Napoleon, der Urheber zahlreicher Modernisierungen in der französischen Verwaltung, der Gesetzgebung und der Wirtschaft. Aber Napoleon Bonaparte war auch der Initiator der Rückkehr zum religiösen Frieden in Frankreich und der Gründer eines neuen Verhältnisses zwischen den europäischen Gesellschaften und der Religion. Denn die Französische Revolution hatte mit der Monarchie ebenso wie mit der Religion gebrochen. Der Bruch mit der Religion entwickelte sich aber seit 1790 zu einer Wunde in der französischen Gesellschaft, die nie richtig zu heilen begann und deren Behandlung immer dringender wurde. Denn nach Jahren des revolutionären Chaos, der „Dechristianisierung“ und des moralischen Durcheinanders blieb den gläubigen Franzosen nur noch die Religion als sittlicher Halt. Seit Jahrhunderten waren die katholische Kirche und die französische Monarchie untrennbar miteinander verbunden und legitimierten sich gegenseitig. So berief sich gerade der Royalismus in Frankreich stark auf den Katholizismus, um die Wiederherstellung der Dynastie der Bourbonen zu legitimieren und Unterstützung in der breiten Masse der Bevölkerung zu gewinnen. Damit hatten die Royalisten auch Erfolg. Der Erste Konsul Bonaparte erkannte nach dem Staatsstreich des 18. Brumaire (9./10. November 1799), dass die Lösung der religiösen Frage ein, wenn nicht das entscheidende Mittel zur Befriedigung Frankreichs und Assimilierung der neuen eroberten Territorien war. Vielmehr würde bei einer Wiederherstellung des religiösen Kultes die göttliche Legitimation der Bourbonen automatisch auf ihn übergehen müssen. Ein riesiger Schritt auf dem Weg zur Gründung einer eigenen Dynastie und ein vorzüglicher „Hebel zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung“. Die folgende Studie möchte zeigen, wie Napoleon Bonaparte den Glauben in Frankreich restaurierte und inwiefern er ihn für seine Zwecke instrumentalisierte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Napoleon und die Römisch-Katholische Kirche
2. Napoleon und die Protestantische Kirche
3. Napoleon und die Juden
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Religionspolitik Napoleons zwischen 1799 und 1814 mit dem Ziel zu analysieren, wie er den Glauben in Frankreich restaurierte und für seine staatlichen Zwecke instrumentalisierte. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich das Verhältnis des Regimes zu den drei großen Religionen (Katholizismus, Protestantismus und Judentum) gestaltete und ob diese zur Stabilisierung oder Destabilisierung seiner Herrschaft beitrugen.
- Analyse der napoleonischen Religionspolitik als Instrument der staatlichen Modernisierung.
- Untersuchung des Verhältnisses zum Katholizismus und der Konflikte mit dem Papsttum.
- Betrachtung der Integration der protestantischen Kirche in das staatliche Gefüge.
- Bewertung der Emanzipation und Reglementierung des jüdischen Glaubens.
- Darstellung der Wechselwirkungen zwischen religiösen Institutionen und napoleonischer Machtpolitik.
Auszug aus dem Buch
1. Napoleon und die Römisch-Katholische Kirche
Die Mehrheit der Franzosen blieb vor allem auf dem Land dem katholischen Glauben während der Revolution genauso treu, wie zur Zeit des Ancien Régimes. Die Polizeiberichte Fouchés bestätigten das. Einen Keil zwischen katholische Kirche und gläubige Bevölkerung auf der einen Seite und der Bourbonendynastie auf der anderen Seite zu treiben, musste die größte Herausforderung werden. Denn insgesamt waren 80% der französischen Bevölkerung, d.h. fast 30 Millionen Franzosen katholisch, und mussten daher Bonapartes zunächst religionsloser Herrschaft eine potentielle Bedrohung sein. Die Gefahr wurde dadurch vergrößert, dass es immer noch zahlreiche Priester und Bischöfe gab, die sich noch nicht auf die Verfassung vereidigen ließen und beständig gegen die neue republikanische Regierung predigten. Die daraus resultierenden Sorgen Bonapartes gingen aus einem seiner Gespräche mit Roederer hervor: „Ich verurteile diejenigen, die glauben, dass man die Priester links liegen lassen muss, sich nicht mit ihnen befassen darf […]. Das ist so als ob man sagte: Draußen stehen Leute mit brennenden Fackeln um Ihr Haus, lassen Sie sie nur, aber wenn sie es anstecken, müssen Sie sie verhaften.“ Auch gegenüber dem Staatsrat Thibaudeau bestätigte er, dass „das Volk eine Religion braucht! Und diese Religion muss sich in den Händen der Regierung befinden. Heute führen den französischen Klerus 50 emigrierte und von England bezahlte Bischöfe. Ihr Einfluss muss zerstört werden und dazu ist die Autorität des Papstes nötig.“ So setzte Bonaparte schon in den ersten Monaten des Konsulats erste Zeichen, um das Volk und den neuen revolutionsfeindlichen Papst Pius VII. über seine religiösen Absichten zu informieren. Am 28. Dezember 1799 wurde die Nutzung aller nicht veräußerten Kirchen zur Sonntagsmesse durch Bonaparte erlaubt und am 30. Dezember, dem am 19. August 1799 im Exil von Valence verstorbenen Papst Pius VI. auf seine Anweisung hin, eine würdige Trauerprozession gewidmet.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Religionspolitik für das napoleonische Frankreich ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach dem Verhältnis Napoleons zu den drei großen Religionen.
1. Napoleon und die Römisch-Katholische Kirche: Dieses Kapitel analysiert das Konkordat von 1801, die organischen Artikel sowie die zunehmenden Spannungen zwischen dem napoleonischen Staat und dem Papsttum, die in der Exkommunizierung Napoleons gipfelten.
2. Napoleon und die Protestantische Kirche: Hier wird die erfolgreiche Integration der protestantischen Gemeinschaften in den Staat durch die staatliche Anerkennung und Finanzierung im Jahr 1802 beschrieben.
3. Napoleon und die Juden: Dieses Kapitel beleuchtet die ambivalenten Maßnahmen Napoleons gegenüber der jüdischen Bevölkerung, insbesondere die Reglementierung und den Versuch der gesellschaftlichen Eingliederung durch das Große Sanhedrin und das Dekret von 1808.
Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Religionspolitik trotz des Scheiterns bei der dauerhaften Friedenssicherung die Grundlagen für das Verhältnis von Staat und Religion im 19. Jahrhundert legte.
Schlüsselwörter
Napoleon Bonaparte, Religionspolitik, Konkordat von 1801, Katholizismus, Protestantismus, Judentum, Säkularisierung, Papst Pius VII., Kaiserlicher Katechismus, Großes Sanhedrin, Integration, Staatskirchenrecht, Frankreich, 19. Jahrhundert, napoleonische Herrschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Religionspolitik Napoleons zwischen 1799 und 1814 und wie er den religiösen Frieden in Frankreich wiederherstellte, um sein Regime zu festigen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf die drei Konfessionen im napoleonischen Frankreich: den Katholizismus, den Protestantismus und das Judentum.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, inwiefern Napoleon den Glauben restaurierte und ihn als Instrument zur sozialen und politischen Stabilisierung seines Machtapparates nutzte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine historische Analyse, die einschlägige Primärquellen und aktuelle Forschungsliteratur zur napoleonischen Epoche auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Abschnitte, die jeweils das spezifische Verhältnis des Staates zu den drei großen Religionen und die daraus resultierenden gesetzlichen Rahmenbedingungen detailliert darstellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Napoleon Bonaparte, Religionspolitik, Konkordat, Integration, Säkularisierung, Papst Pius VII. und das Große Sanhedrin.
Warum war das Verhältnis Napoleons zum Papsttum so spannungsgeladen?
Es kam zu Konflikten, da der Papst seine spirituelle und weltliche Souveränität verteidigte, während Napoleon die Kirche politisch dem Staat unterordnen und seine eigene Autorität über die des Papstes stellen wollte.
Wie wurde die jüdische Bevölkerung in den napoleonischen Staat integriert?
Durch Maßnahmen wie das Große Sanhedrin und das Dekret von 1808 versuchte Napoleon, die jüdischen Gemeinschaften zu reformieren, rechtlich zu reglementieren und als französische Bürger in die Gesellschaft zu assimilieren.
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- Bachelor of Arts (B.A.) Geschichte Tim Altpeter (Author), 2012, Napoleons Religionspolitik zwischen 1799 und 1814. Zwischen Deeskalation, Integration und Konfrontation, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/213939