Die Bedeutung von multinationalen Unternehmen ist vor allem aufgrund der Globalisierung der Weltwirtschaft drastisch gestiegen. Es wird geschätzt, dass inzwischen 65% des weltweiten Handels innerhalb von international agierenden Konzernen fließt. Die Ermittlung angemessener Verrechnungspreise stellen dabei sowohl die nationalen Finanzverwaltungen als auch die multinationalen Unternehmen vor steuerrechtliche Herausforderungen, da kein einheitliches globales Steuersystem existiert. Aus Sicht eines multinationalen Konzerns bietet die Verrechnungspreisgestaltung die Möglichkeit Gewinne steueroptimal in Niedrigsteuerländer zu verlagern, aber auch gleichzeitig die Gefahr sich dadurch einer Doppelbesteuerung auszusetzen. Eine von Ernest & Young durchgeführte Befragung unter 877 multinationalen Unternehmen ergab, dass Verrechnungspreise noch vor der Steuerminimierung das wichtigste steuerliche Thema in 2010 darstellte. Verrechnungspreise haben jedoch nicht nur eine steuerrechtliche Perspektive, sonder auch eine betriebswirtschaftliche Perspektive, bei der besonders die Koordinationsfunktion im Mittelpunkt steht. Das erste Kapitel der vorliegenden Arbeit soll daher, als Einstieg in die Thematik, Verrechnungspreise inhaltlich und begrifflich abgrenzen, um anschließend ihre wesentlichen betriebswirtschaftlichen Funktionen darzustellen. Das dritte Kapitel soll herausarbeiten warum internationale Verrechnungspreise eine immense steuerliche Relevanz auslösen, bevor anschließend die Ermittlungsmethoden zur Ermittlung steuerlich angemessener Verrechnungspreise beschrieben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Abgrenzung
3. Verrechnungspreise aus betriebswirtschaftlicher Sicht
3.1 Funktionen und Ziele von Verrechnungspreisen
3.1.1 Erfolgsermittlungsfunktion
3.1.2 Koordinationsfunktion
4. Verrechnungspreise aus steuerlicher Sicht
4.1 Verrechnungspreise als Instrument internationaler Steuerplanung
4.2 Der Fremdvergleichsgrundsatz
5. Steuerliche Ermittlungsmethoden
5.1 Geschäftsvorfallbezogene Standardmethoden
5.1.1 Preisvergleichsmethode
5.1.2 Wiederverkaufspreismethode
5.1.3 Kostenaufschlagsmethode
5.2 Geschäftsvorfallbezogene Gewinnaufteilungsmethoden
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die duale Rolle von Verrechnungspreisen, die einerseits als Instrument zur betriebswirtschaftlichen Steuerung von Konzernbereichen dienen und andererseits eine zentrale Rolle bei der internationalen steuerlichen Gewinnabgrenzung einnehmen. Ziel der Arbeit ist es, die hieraus resultierenden Zielkonflikte sowie die gängigen steuerlichen Ermittlungsmethoden im Rahmen des Fremdvergleichsgrundsatzes aufzuzeigen.
- Betriebswirtschaftliche Funktionen (Erfolgsermittlung und Koordination)
- Steuerliche Motivationslage und internationale Steuerplanung
- Der Fremdvergleichsgrundsatz als globaler Maßstab
- Methoden zur Ermittlung steuerlich angemessener Verrechnungspreise
- Problematiken bei der praktischen Anwendung und Datenbeschaffung
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Koordinationsfunktion
Aus Sicht des Controllings steht bei der Verrechnungspreisgestaltung die Koordination im Vordergrund. Die Koordination durch Verrechnungspreise setzt eine dezentrale Organisationsstruktur mit einer Eigenverantwortlichkeit der Unternehmensbereiche für ihr operatives Geschäft voraus. Dies dürfte bei rechtlich selbstständigen Konzernunternehmen der Fall sein. Die Ermittlungsfunktion und die Koordinationsfunktion von Verrechnungspreisen sind dabei unmittelbar miteinander verbunden. Erst die sachgerechte Ermittlung des Erfolgs einzelner Unternehmensbereiche bildet die Grundlage sowohl für Entscheidungen des Bereichsmanagement als auch der zentralen Geschäftsleitung, die strategische Maßnahmen oder Ressourcenzuteilungen daran knüpft. Das Koordinationsproblem lässt sich aus dem Konflikt zwischen den Interessen des autonomen Bereichs und der Unternehmensleitung ableiten. Durch die Beeinflussung des Bereichsgewinns über Verrechnungspreise sollen nun das Entscheidungsverhalten dezentraler Teilbereiche im Hinblick auf das übergeordnete Gesamtunternehmensziel gesteuert werden, indem der Marktmechanismus fiktiv auf das einzelne Unternehmen übertragen wird. So sollen gerade marktpreisorientierte Verrechnungspreise eine gesamtoptimale Allokation knapper Ressourcen erreichen. Ein höherer Verrechnungspreis kann das Verhalten des beziehenden Bereichs dahingehend koordinieren, die Bezugsmenge zu verringern oder die Güter fremd zu beziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der Verrechnungspreise im Kontext der Globalisierung ein und skizziert die methodische sowie inhaltliche Vorgehensweise der Arbeit.
2. Begriffliche Abgrenzung: Hier wird der Begriff der Verrechnungspreise definiert und von synonymen Begriffen wie Transfer- oder Lenkpreisen abgegrenzt.
3. Verrechnungspreise aus betriebswirtschaftlicher Sicht: Dieses Kapitel erläutert die internen Funktionen der Verrechnungspreise zur Erfolgsmessung und Koordination dezentraler Einheiten.
4. Verrechnungspreise aus steuerlicher Sicht: Hier wird die steuerliche Relevanz im grenzüberschreitenden Konzern sowie der zentrale Grundsatz des Fremdvergleichs behandelt.
5. Steuerliche Ermittlungsmethoden: Dieses Kapitel stellt die verschiedenen OECD-anerkannten Methoden zur Bestimmung angemessener Verrechnungspreise vor.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Konkurrenz zwischen betriebswirtschaftlicher Steuerung und steuerlicher Optimierung sowie die praktischen Hürden zusammen.
Schlüsselwörter
Verrechnungspreise, Konzern, Steuern, Fremdvergleichsgrundsatz, Controlling, Gewinnabgrenzung, Steuerplanung, OECD-Richtlinien, Preisvergleichsmethode, Kostenaufschlagsmethode, Gewinnaufteilung, Doppelbesteuerung, Transferpreise, Finanzverwaltung, Ressourcenallokation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die komplexe Problematik der Verrechnungspreise, die sowohl als Steuerungsinstrument für das Management als auch als steuerliches Gestaltungsmittel innerhalb international agierender Konzerne fungieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die betriebswirtschaftliche Steuerung durch Verrechnungspreise, die steuerliche Planung zur Minimierung der Konzernsteuerquote und die Anwendung des internationalen Fremdvergleichsgrundsatzes.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Analyse der Funktionen von Verrechnungspreisen und die Aufarbeitung des Spannungsfeldes zwischen interner Leistungssteuerung und externen steuerlichen Anforderungen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse betriebswirtschaftlicher und steuerrechtlicher Quellen sowie der Auswertung offizieller OECD-Richtlinien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die betriebswirtschaftlichen Funktionen (Erfolgsermittlung und Koordination), dann die steuerlichen Aspekte und schließlich die spezifischen Ermittlungsmethoden (Standard- und Gewinnmethoden) detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Verrechnungspreise, Konzernsteuerung, Steuerplanung, Fremdvergleichsgrundsatz und OECD-Richtlinien charakterisiert.
Warum ist die Abgrenzung von Verrechnungspreisen so schwierig?
Da in der Literatur zahlreiche Definitionen existieren und der Begriff oft synonym zu Transfer- oder Lenkpreisen verwendet wird, ist eine allgemeingültige Definition nicht trivial.
Welcher Konflikt besteht zwischen der Koordinations- und der Gewinnverlagerungsfunktion?
Während die Koordinationsfunktion auf eine marktnahe Steuerung zur Ressourcenallokation abzielt, verfolgt die steuerliche Gestaltung oft das Ziel, Gewinne gezielt in Niedrigsteuerländer zu verlagern, was zu Akzeptanzproblemen bei den operativen Managern führen kann.
Was besagt der Fremdvergleichsgrundsatz?
Er fordert, dass Verrechnungspreise zwischen verbundenen Unternehmen dem Preis entsprechen müssen, den unabhängige Dritte unter vergleichbaren Bedingungen vereinbart hätten.
- Quote paper
- Dominik van Elst (Author), 2012, Verrechnungspreise im Spannungsfeld von Management, Controlling und Steuerabteilung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/213906