1 Einleitung
Eduard Mörikes Begeisterung für die Musik Mozarts reicht bis in seine frühe Jugend zurück. So besuchte er 1824 zusammen mit seinen Geschwistern Luise und August eine Don Giovanni Aufführung in Stuttgart. Der Besuch wurde von einem tragischen Ereignis überschattet, denn August verstarb vier Tage nach dem Opernbesuch auf unerklärliche Weise. Mörike jedoch war so begeistert, dass dieser Vorfall seiner Liebe zu Mozart keinen Abbruch tat. Von nun an beschäftigte Mörike sich immer wieder mit der Person des Komponisten und las diverse Zeitschriften und Bücher über ihn. So beschloss er „ein kleines Charaktergemälde Mozarts“ aufzustellen und begann im Sommer 1852 mit der Niederschrift seiner Novelle. Die Erzählung erschien vollständig erstmals im Juli und August 1855 als Zeitschriftendruck im “Morgenblatt für gebildete Leser.“ Heute zählt Eduard Mörike zu den bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikern des 19. Jahrhunderts.
Diese Seminararbeit soll sich eingehend mit der Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ von Eduard Mörike auseinandersetzen und sich vor allem mit dem Problem der Ökonomie und Mozarts Hang zur Selbstverschwendung beschäftigen. Die Arbeit ist in verschiedene Teile gegliedert, wobei sich der erste genau mit den verschiedenen Formen der Selbstverschwendung auseinandersetzt. Zuerst soll Mozarts Schwäche der Sparsamkeit deutlich gemacht werden. Es soll herausgearbeitet werden, in welchen Bereichen seines Lebens das Prinzip der Selbstverschwendung noch eine Rolle spielt. Zum einen soll Mozarts falsche Selbstdarstellung erkennbar werden und sein Versuch die Realität zu verdrängen. Dabei soll auf die optischen Aspekte, sowie auf die charakterlichen Eigenschaften eingegangen werden. Des weiteren soll Mozarts Arbeitsweise und sein Drang zur sexuellen Verschwendung herausgearbeitet werden. In diesem Teil soll auch geklärt werden, welche Konsequenzen Mozart aus seinem Handeln zieht und ob sein ökonomisches Problem für diese Novelle sinnvoll erscheint. Kann man Mozarts Verschwendungssucht als rein negativ betrachten oder gibt es auch positive Aspekte, die dieses Prinzip mit sich führt?
Im weiteren Verlauf soll die innere Zerrissenheit Mozarts deutlich gemacht werden. Auf der einen Seite versucht Mozart alles dafür zu tun dem Bürgertum zu entfliehen und sich dem zu entziehen. Es gibt aber dennoch Ansätze an denen klar wird, dass Mozart eine geheime Sehnsucht hegt, doch dem Bürgertum anzugehören und sich dort wohl zu fühlen, was ihm
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Prinzip der Selbstverschwendung
2.1 Die Ökonomie der Verschwendung
2.2 Zwischen Realität und Fiktion
2.3 Sexuelle Verschwendung
2.4 Verschwendung als Arbeitsweise
2.5 Resultate der Verschwendung
3 Der Wunsch nach einem bürgerlichen Leben
4 Constanze
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Produktivität und ökonomischem Unvermögen am Beispiel von Eduard Mörikes Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, ob Mozarts Verschwendungssucht als rein destruktives Element zu betrachten ist oder eine notwendige Bedingung für seine künstlerische Genialität darstellt.
- Die verschiedenen Ausprägungen von Mozarts Selbstverschwendung (finanziell, sexuell, künstlerisch)
- Die Diskrepanz zwischen Mozarts gewünschter bürgerlicher Fassade und seiner realen Lebensweise
- Der Einfluss von Mozarts Lebensführung auf seine physische und psychische Gesundheit
- Die Rolle von Constanze als Gegenpol und Stabilisator in Mozarts Leben
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Ökonomie der Verschwendung
Einen längst hergebrachten musikalischen Abend am Sonntag bei ihm, ein ungezwungenes Mittagsmahl an seinem wohlbestellten Tisch mit ein paar Freunden und Bekannten, zwei-, dreimal in der Woche, das wollte er nicht missen. (S. 230)
Man kann sagen Mozart nimmt das Leben so wie es kommt und handelt in einigen Fällen spontan. Er möchte nicht über alles was er macht nachdenken, sondern handelt so wie er sich gerade fühlt. Deshalb bricht er, als ihn der Graf von Schinzberg auf sein Schloss einlädt, auch seine Weiterreise ab und verschiebt sie auf den folgenden Tag.
Zum Leid Constanzes bringt Mozart öfters auch Besucher ins Haus, die er von der Straße wegholt und sie dann zum Essen oder zu einer Übernachtung zu sich nach Hause einlädt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Thema und die biographischen Hintergründe zu Mörikes Interesse an Mozart sowie Darlegung der Zielsetzung.
2 Das Prinzip der Selbstverschwendung: Analyse der verschiedenen Formen der Verschwendung, angefangen bei der finanziellen Situation über das Streben nach bürgerlichem Ansehen bis hin zur Arbeitsweise.
3 Der Wunsch nach einem bürgerlichen Leben: Untersuchung der inneren Zerrissenheit Mozarts zwischen seinem Drang zur Distanzierung vom Bürgertum und der Sehnsucht nach dessen Stabilität.
4 Constanze: Detaillierte Charakterisierung von Mozarts Ehefrau als Gegenentwurf, der versucht, die ökonomischen und alltäglichen Fehler Mozarts auszugleichen.
5 Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse mit der Schlussfolgerung, dass Genie und Wahnsinn im Leben Mozarts eng miteinander verwoben sind.
Schlüsselwörter
Eduard Mörike, Mozart auf der Reise nach Prag, Selbstverschwendung, Ökonomie, Künstlertum, Bürgertum, Constanze, Melancholie, Arbeitsweise, Genie, Wahnsinn, Identitätskonflikt, Lebenslust, Verschwendungssucht, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Motiv der Selbstverschwendung in Eduard Mörikes Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ und wie diese sowohl Mozarts Leben als auch sein Schaffen prägt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Feldern gehören die ökonomische Unvernunft Mozarts, seine Suche nach künstlerischer Identität, sein ambivalentes Verhältnis zum Bürgertum und die psychische Belastung durch sein exzessives Leben.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu ergründen, ob Mozarts Verschwendungssucht als rein negativ zu bewerten ist oder ob sie eine notwendige Voraussetzung für seine künstlerische Produktivität darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Text der Novelle mit sekundärliterarischen Quellen und biographischen Kontexten interpretiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der verschiedenen Verschwendungsbereiche (Finanzen, Sexualität, Arbeit), die Diskrepanz zwischen Schein und Sein (Realität vs. Fiktion) sowie die Charakterisierung von Constanze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Selbstverschwendung, Künstlertum, bürgerliche Ordnung, Melancholie, finanzielle Not und künstlerische Genialität.
Welche Rolle spielt die „Flakonszene“ in der Argumentation?
Sie dient als Symbol für Mozarts generelle Achtlosigkeit und Verschwendung, zeigt aber auch die Spannung in seiner Ehe, da Constanze versucht, mit Ressourcen sparsam umzugehen.
Warum spielt der Salzbehälter für den Autor eine Rolle?
Der Salzbehälter wird als Symbol für Wohlstand und Sesshaftigkeit gedeutet, das den Wunsch Mozarts nach einem geordneten, bürgerlichen Leben unterstreicht, welches er jedoch nie erreicht.
Wie wird Constanzes Rolle im Vergleich zu Mozart bewertet?
Constanze wird als der notwendige, bodenständige Gegenpol zu Mozart beschrieben, die seine Fehler korrigiert und die familiäre Stabilität zu bewahren versucht.
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- Anonym (Author), 2008, Eduard Mörike - „Mozart auf der Reise nach Prag“, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/213722