Die derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Autobahn-Servicebetriebe gestalten die betriebliche Situation zunehmend schwieriger. Viele Einflussfaktoren und -gruppen externer und interner Natur haben Auswirkungen auf den wirtschaftlichen Erfolg und die Leistungsfähigkeit solcher Betriebe. Der Anteil des Lebensmitteleinzelhandels am wachsenden privaten Verbrauch ist seit Jahren rückläufig, Beschaffungspreise und Personalkosten steigen jährlich und die Kunden erwarten hohe Qualität zu kostengünstigen Preisen. Gleichzeitig belastet das hohe Kraftstoffpreisniveau das ohnehin schon strapazierte Image der Tankstellen als teure Einkaufsstätte und schafft einen weiteren negativen Multiplikator. Darüber hinaus ist die Kundenfrequenz an Autobahn-Betrieben in sehr hohem Maße abhängig von Witterung, Verkehrslage, verkehrsrechtlichen Bestimmungen wie Fahrverboten, Mautgebühren oder Streckenneubau sowie der Einschränkung durch Baustellen. Hinzu kommen enorme saisonale Schwankungen im Verkehrsaufkommen sowie die Abhängigkeit von der nationalen und europaweiten Wirtschaftslage welche z.B. direkten Einfluss auf die zu bewegende Gütermenge hat. Der Pächter eines Autobahn-Servicebetriebes ist außerdem gesetzlichen Auflagen, hohen Kosten für Instandhaltung, einem schlechten Ruf der Raststätten sowie Pachtzahlungen an den Eigentümer und den Anforderungen der Mitarbeiter ausgesetzt. Abgerundet wird dieses Anforderungspaket durch fortlaufend neue Entwicklungen und Trends im Handel wie Convenience-Bereich, wie z.B. dem kontaktlosen Bezahlen. Ein Autobahn-Servicebetrieb muss daher in der Lage sein, etliche negative Einflussfaktoren zu kompensieren um positive Ergebnisse erzielen zu können. Hierfür scheinen jedoch wenig Stellschrauben vorhanden zu sein bzw. sind diese stark eingeschränkt, da z.B. Personalbedarf und Lohnkosten wenig beeinflusst werden können, die Verkehrsfrequenz ihren eigenen Gesetzen folgt, der Standort nicht variabel ist und eigene Marketingaktionen wie z.B. Preiswerbung wenig praktikabel sind.
Der Unternehmer bzw. das Management eines Autobahn-Servicebetriebes hat also die Aufgabe, das Unternehmen zielgerichtet an seine Umwelt und die Einflussfaktoren anzupassen um eine langfristige und erfolgreiche wirtschaftliche Tätigkeit sicherstellen zu können. [...]
1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Zielsetzung dieser Arbeit
1.2 Erläuterung des Aufbaus und des Inhalts dieser Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Rahmenbedingungen für Autobahnservicebetriebe und die Notwendigkeit neuer Managementansätze
2.2 Das Konzept der Balanced Scorecard und die Eignung für das Management von Autobahnservicebetrieben
2.3 Die vier Perspektiven der Balanced Scorecard
3. Beschreibung der Methode
3.1 Methodenauswahl und Vorgehensweise
3.2 Beschreibung der befragten Unternehmen
3.3 Qualitative Erhebung
3.3.1 Entwicklung und Operationalisierung des Leitfadens
3.3.1.1 Interview-Leitfaden
3.3.2 Durchführung der Interviews
3.3.2.1 Kurzdefinition zur Balanced Scorecard
3.3.2.2 Grafik zur Balanced Scorecard
3.3.3 Auswertung der Interviews
4. Ergebnisse
4.1 Struktur des Managements in Autobahn-Servicebetrieben
4.2 Relevante Themenbereiche für das Management eines Autobahn-Servicebetriebs
4.3 Informationsbedarf von Führungspersonen hinsichtlich der BSC-Perspektiven
4.3.1 Informationsbedarf zum Erreichen finanzieller Ziele
4.3.2 Informationsbedarf zum Erreichen kundenbezogener Ziele
4.3.3 Informationsbedarf zum Erreiche von Prozess- und Produktionszielen
4.3.4 Informationsbedarf zum Erreichen von Wachstums- und Entwicklungszielen
5. Diskussion
5.1 Beurteilung der gewählten Methode
5.2 Relevanz der gewonnen Erkenntnisse für die Erstellung einer Balanced Scorecard
6. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, durch eine detaillierte Informationsbedarfsanalyse festzustellen, welche spezifischen Inhalte eine Balanced Scorecard für einen Autobahn-Servicebetrieb abbilden muss, um eine strukturierte Grundlage für deren spätere Konzeption zu schaffen.
- Analyse der komplexen Rahmenbedingungen und externen Einflussfaktoren auf Autobahn-Servicebetriebe.
- Untersuchung des Balanced Scorecard-Ansatzes als Instrument zur strategischen Unternehmenssteuerung.
- Durchführung einer qualitativen Erhebung bei Pächtern und Betriebsleitern mittels halbstandardisierter Interviews.
- Ermittlung des Informationsbedarfs in den vier BSC-Perspektiven (Finanzen, Kunden, Prozesse, Potenzial).
- Bewertung der Anwendbarkeit des Konzepts unter Berücksichtigung der bestehenden Systemvorgaben.
Auszug aus dem Buch
3.3.1.1 Interview-Leitfaden
Leitfaden zum Interview: Balanced Scorecard an Autobahn-Servicebetrieben
Interviewer: Thomas Lippke
Befragte Person
Name:
Betrieb:
Frage 1: Sind sie Unternehmer oder Geschäftsführer dieses Betriebes?
- Wenn Unternehmer, dann Frage 2
- Wenn Geschäftsführer, dann Frage 3
Frage 2: Übernehmen Sie persönlich die Geschäftsführung?
- Wenn „nein“, dann Frage 2a
Frage 2a: Wie viele Personen setzen Sie zur Geschäftsführung ein?
Frage 3: Welche Kompetenzbereiche haben Sie bzw. haben die Geschäftsführer?
Frage 4: Ermöglichen die Befugnisse innerhalb dieser Kompetenzbereiche eine optimale Unternehmenssteuerung?
Frage 5: Setzen Sie bzw. die Geschäftsführer Planungs- und Steuerungsmethoden ein?
- Wenn „ja“, dann Frage 5a
Frage 5a: Sind diese Methoden Ergebnis eines Planungsprozesses oder „gewachsen“?
Frage 6: Besteht Ihrer Meinung nach Bedarf an mehr bzw. an anderen Planungs- und Steuerungsinstrumenten?
Frage 7: Sehen Sie die Möglichkeit, neue Methoden zeitlich und organisatorisch einzubinden?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Definiert die Problemstellung durch schwierige Rahmenbedingungen für Autobahn-Servicebetriebe und leitet daraus die Zielsetzung einer Informationsbedarfsanalyse für die Balanced Scorecard ab.
2. Theoretische Grundlagen: Beschreibt das Marktumfeld, die Abhängigkeit von Systempartnern sowie das Konzept der Balanced Scorecard und deren Eignung als Steuerungsinstrument.
3. Beschreibung der Methode: Erläutert die Wahl von halbstandardisierten Experteninterviews als Erhebungsinstrument sowie die Operationalisierung durch einen speziellen Interview-Leitfaden.
4. Ergebnisse: Analysiert die bestehenden Managementstrukturen und identifiziert den spezifischen Informationsbedarf von Führungspersonen über die vier Dimensionen der Balanced Scorecard.
5. Diskussion: Reflektiert kritisch über die gewählte Methodik und bewertet die Relevanz der gewonnen Erkenntnisse für eine zukünftige Implementierung der Balanced Scorecard.
6. Zusammenfassung und Fazit: Zieht ein abschließendes Resümee über die Durchführbarkeit und den Nutzen des Ansatzes im untersuchten Branchenkontext.
Schlüsselwörter
Autobahn-Servicebetriebe, Balanced Scorecard, Unternehmenssteuerung, Informationsbedarfsanalyse, Qualitative Erhebung, Management, Strategische Führung, Systempartner, Kennzahlensystem, Pächter, Betriebsleiter, Prozessoptimierung, Kundenfrequenz, Leistungsfähigkeit, Strategieumsetzung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Informationsbedarfe von Führungskräften in Autobahn-Servicebetrieben, um eine Grundlage für die Konzeption einer Balanced Scorecard zur Steuerung dieser Unternehmen zu schaffen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Managementstrukturen an Autobahnraststätten, die externe Einflussfaktoren auf den Betrieb, die methodische Vorgehensweise bei Expertenbefragungen und die Anwendung von BSC-Perspektiven auf diese spezielle Branche.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch eine empirische Untersuchung festzustellen, welche spezifischen Inhalte und Kennzahlen für eine Balanced Scorecard in einem Autobahn-Servicebetrieb relevant sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine qualitative Erhebung mittels halbstandardisierter Interviews bei Pächtern und Geschäftsführern verschiedener Autobahnstandorte durchgeführt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen der BSC erläutert, die Methodik beschrieben, die Ergebnisse der Interviews strukturiert dargelegt und der Informationsbedarf in den Bereichen Finanzen, Kunden, Prozesse sowie Wachstum und Entwicklung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Balanced Scorecard, Autobahn-Servicebetriebe, Informationsbedarfsanalyse und strategische Unternehmenssteuerung charakterisieren.
Warum spielt der "Systempartner" für die Pächter eine so große Rolle?
Der Systempartner gibt durch Markenauftritte, Sortimentsvorgaben und Preissetzungen wesentliche operative Rahmenbedingungen vor, wodurch der Handlungsspielraum der Pächter stark eingeschränkt ist.
Was ist das Hauptergebnis bezüglich der Nutzbarkeit der BSC für diese Betriebe?
Die Untersuchung zeigt, dass die BSC als individuelles Instrument auch kleinen Betrieben bei der gesamtheitlichen Zielausrichtung helfen kann, auch wenn die Pächter teilweise an der umfassenden Einsatzbarkeit aufgrund der Systemvorgaben zweifeln.
- Quote paper
- Thomas Lippke (Author), 2012, Informationsbedarfsanalyse zur Konzipierung einer Balanced Scorecard für Autobahn-Servicebetriebe, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/213674