Die Diskussionen in der gegenwärtigen Literaturtheorie werden von vier Hauptrichtungen bestimmt. Postmodernism, The New Historicism, Gender Studies (mit der verbleibenden Debatte um Feminismus) und Postcolonialism haben sich hierbei als die treibenden Kräfte etabliert. Innerhalb dieser vier Strömungen fällt der postkolonialen Debatte eine zentrale Rolle zu, auch wegen der literarischen Aktivität ihrer Autoren, zu der die islamische Gruppe gegenwärtig als aktivste zählt. Die enorme Vielfältigkeit postkolonialer Autoren hat ihren Ursprung (so wie die afrikanischer und jamaikanischer Schriftsteller) in der kolonialen Literatur englischer Autoren wie Daniel Defoe, Rudyard Kipling, Joseph Conrad, Alexander Durell oder Joyce Cary. Gemeinsam war diesen und anderen kolonialen Autoren eine Darstellung der europäischen Sichtweise im Schatten von Kolonialsierung, Imperialismus oder dem beginnenden Phänomen der Globalisierung (Childs/Williams 1997, 1-3; Walder 1998, 1-6; Erll/Nünning 2008; Erll/Rigney 2009).
Said, Bhabha und Spivak, die als die drei herausragenden Vertreter des Postkolonialimus gelten müssen, haben jeder auf seine Art und Weise eine kritische Reflexion dieser kolonialen Schreibweise vorgelegt. Sie reichen von einer negativen Konstruktion des Orients (Said) über eine Transformation von Identität (Bhabha) hin zu einer konstruktivistisch feministisch/ marxistischen Sichtweise über Rasse, Geschlecht oder Klasse (Spivak).
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Vorwort Joyce Cary
III. Joyce Cary und Mr. Johnson (1939)
IV. Christliche Moral und Religion als Voraussetzung hybrider Grundkonstellation in Mr. Johnson
V. Joyce Cary und seine Second Trilogy (1952-1955) – Wie beeinflussen Moral und Religion das menschliche Leben? –
VI. Gestaltende Kräfte: Moral und Religion
1. Moral
2. Religion
VII. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Moral und Religion als literarische Parameter im Werk von Joyce Cary, wobei der Schwerpunkt auf seinem Roman "Mr. Johnson" sowie der "Second Trilogy" liegt. Das primäre Ziel ist es, die Verbindung zwischen der postkolonialen Debatte und dem traditionellen Roman aufzuzeigen und zu verdeutlichen, wie Cary Moral und Religion als menschliche Grundfunktionen in komplexen Lebensentwürfen einsetzt.
- Analyse von Moral und Religion im kolonialen und postkolonialen Kontext
- Untersuchung der hybriden Identitätskonstruktion in "Mr. Johnson"
- Vergleich der Erzähltechniken und Themen in der "Second Trilogy"
- Bedeutung von individueller Freiheit im Spannungsfeld gesellschaftlicher Normen
- Der Einfluss des englischen Protestantismus auf Carys Charakterdarstellung
Auszug aus dem Buch
1. Moral
Carys Auffassung von Moral und moralischem Verständnis in der ST sind eng mit seiner Philosophie von menschlicher Freiheit verbunden (vgl. Cary 1958, 157,174/175; Wolkenfeld 1968,157).
So setzt Cary Moral einerseits in Verbindung mit menschlicher Freiheit (Fisher 1980, 198), beschreibt andererseits den Menschen aber im Spannungsfeld seiner eigenen persönlichen Erfahrungen und bestimmten, meist vorgegebenen, gesellschaftlich determinierten Normen und Wertvorstellungen. Dabei stellt Moral ein wichtiges Element der menschlichen Existenz dar, die sich in einer plural gestalteten Realität befindet und dort ihren Platz finden muss. Somit kann eine Analyse über Moral weitere wichtige Informationen über die Hauptpersonen der ST liefern. Es liegt auf der Hand, dass dieses Verhältnis – hier individuelle menschliche Moral, dort gesellschaftliche Moral – sehr oft konfliktbeladen und voller Spannung ist. Gerade in dieser Spannung aber weisen alle drei Hauptpersonen der ST noch deutlicher auf ihr eigenes Wesen hin und die Frage der Moral gibt dem Leser zusätzlich wichtige Informationen über den eigentlichen Charakter ihrer Persönlichkeit:
“I had to see a woman, a young girl, who could do a thing like that was not an ordinary girl – she didn`t think much of her moral virtue“ (NHM 57).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung verortet Joyce Cary in der modernen Literaturtheorie und führt in die zentrale Bedeutung postkolonialer Fragestellungen sowie der literarischen Auseinandersetzung mit Moral und Religion ein.
II. Vorwort Joyce Cary: Das Kapitel beleuchtet Carys künstlerisches Schaffen im Spannungsfeld zwischen traditionellen Erzählformen und modernen Techniken sowie sein tiefes Interesse an englischer Identität.
III. Joyce Cary und Mr. Johnson (1939): Es wird die Einbettung von "Mr. Johnson" in die Tradition des kolonialen Romans sowie die schriftstellerische Nähe zu Joseph Conrad diskutiert.
IV. Christliche Moral und Religion als Voraussetzung hybrider Grundkonstellation in Mr. Johnson: Dieses Kapitel analysiert das Scheitern des Protagonisten im Konflikt zwischen natürlichen afrikanischen Eigenschaften und kolonialen bürokratischen Zwängen.
V. Joyce Cary und seine Second Trilogy (1952-1955) – Wie beeinflussen Moral und Religion das menschliche Leben? –: Hier wird der gemeinsame Aufbau der drei Bände der zweiten Trilogie untersucht, wobei die Konzentration auf die Politik als zentrales verbindendes Element im Vordergrund steht.
VI. Gestaltende Kräfte: Moral und Religion: Diese Abschnitte widmen sich detailliert dem Spannungsfeld von individueller Freiheit und gesellschaftlichen Normen sowie der Rolle des christlichen Glaubens als persönlicher Maßstab.
VII. Schlussbemerkungen: Das Kapitel fasst zusammen, dass Cary durch seine Darstellung von moralischen und religiösen Ambivalenzen eine Brücke zwischen kolonialer und postkolonialer Literatur schlägt.
Schlüsselwörter
Joyce Cary, Moral, Religion, Mr. Johnson, Second Trilogy, Postkolonialismus, Identität, Hybridität, Freiheit, englische Gesellschaft, Protestantismus, Literaturtheorie, Romananalyse, Gesellschaftskritik, Individuum
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie Joyce Cary die Konzepte von Moral und Religion als literarische Parameter nutzt, um menschliche Existenz und Identität in seinen Werken zu hinterfragen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Spannungsverhältnis zwischen individueller Freiheit und gesellschaftlichen Normen, postkoloniale Identitätskrisen sowie die Rolle der Religion im englischen Roman.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, Carys Romane als Bindeglied zwischen kolonialem und postkolonialem Schreiben zu analysieren und aufzuzeigen, wie seine Protagonisten ihre Moralvorstellungen in einer sich wandelnden Welt individuell definieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die zentrale Werke unter Bezugnahme auf literaturtheoretische Ansätze (wie Postkolonialismus und Foucaultsche Machtanalysen) untersucht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert "Mr. Johnson" hinsichtlich seiner hybriden Konstellation sowie die "Second Trilogy", um dort die Themen Moral, Politik und Religion im Leben der Hauptfiguren zu beleuchten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Hybridität, moralische Labilität, postkoloniale Debatte, individuelle Religiosität und das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.
Warum spielt die Religion in der "Second Trilogy" eine so entscheidende Rolle?
Sie dient für Cary als Raster, um die menschliche Existenz zu deuten, wobei sie eng mit der persönlichen Freiheit des Einzelnen verknüpft ist, anstatt als bloßes Dogma zu fungieren.
Inwiefern ist die Identität von Mr. Johnson als "hybrid" zu verstehen?
Johnson versucht, in zwei Welten – der traditionellen afrikanischen und der kolonial-europäischen – zu leben, scheitert jedoch an der Unmöglichkeit, diese beiden gegensätzlichen Kulturen zu einer stabilen Identität zu verschmelzen.
- Quote paper
- Matthias Dickert (Author), 2013, Moral und Religion bei Joyce Cary: Analyse der "Second Trilogy" und "Mr. Johnson ", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/213530