Die folgende Untersuchung widmet sich der vergleichenden Gegenüberstellung der Positionen zweier Autoren der Gegenwartsphilosophie - Wolfgang Künnes, emeritierter Professor an der Universität Hamburg und Maria E. Reichers, ihres Zeichens Professorin für Philosophie an der RWTH Aachen - zur Frage, ob fiktive Gegenstände existieren. Intention der Arbeit ist es, die divergierenden Positionen beider Autoren zur genannten Fragestellung kontrastierend gegenüberzustellen und in einem abschließenden Fazit kritisch zu würdigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Fragestellung
2. Die Betrachtung fiktiver Gegenstände bei Wolfgang Künne
3. Die Betrachtung fiktiver Gegenstände bei Maria E. Reicher
4. Fazit und abschließender Vergleich
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die ontologischen Positionen von Wolfgang Künne und Maria E. Reicher bezüglich des Status fiktiver Gegenstände kontrastierend gegenüberzustellen, um die jeweilige Erklärungsstärke in Bezug auf Probleme der Referenz und Identität fiktionaler Charaktere zu bewerten.
- Ontologischer Status fiktiver Gegenstände
- Analytische Sprachphilosophie und Referenztheorie
- Künnes mimetische Akte und narrative Operatoren
- Reichers realistische Ontologie fiktiver Charaktere
- Kriterien für Identität fiktionaler Charaktere
Auszug aus dem Buch
Die Betrachtung fiktiver Gegenstände bei Wolfgang Künne
In § 1 des Anhangs seines Werkes Abstrakte Gegenstände. Semantik und Ontologie beschäftigt sich Wolfgang Künne mit „Fiktionale[r] Rede und Behauptungen über fiktive Gegenstände“ und behauptet, dass in fiktionaler Redeweise keine Behauptungssätze auftauchten, selbst dann nicht, wenn derjenige, der sich einer solchen Redeweise bedient, „einen Behauptungssatz äußert“: „Wer in fiktionaler Rede den Behauptungssatz ‚p’ äußert, der lügt auch dann nicht, wenn er davon überzeugt ist, daß nicht-p. Er behauptet also nicht, daß p“.
Andererseits gebe es auch eine Form des Nicht-Behauptens, die dennoch keine fiktionale Rede sei. Die fiktionale Verwendung eines Behauptungssatzes bestünde Künne zufolge jedoch lediglich in einem „mimetischen Akt“, von ihm auch „Quasi-Behauptung“ genannt. Man könne, so sagt er, dem Autor von fiktionaler Rede niemals eine Täuschungsabsicht unterstellen, denn wer in fiktionaler Rede so tut, als ob er etwas behaupte, der will nicht täuschen; er will nicht andere glauben machen, er stelle wirklich eine Behauptung auf. Andernfalls wäre ein Erfolgskriterium für sein Tun, daß seine Hörer/Leser seine fiktionale Rede für einen Tatsachenbericht halten. In Wahrheit kann und soll derjenige, der mit der Institution, mit dem Sprachspiel ‚fiktionale Rede’ vertraut ist, den Umständen der Rede […] entnehmen, daß nicht mit behauptender Kraft gesprochen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in das ontologische Problem fiktiver Gegenstände ein und definiert die Zielsetzung der vergleichenden Untersuchung zwischen Künne und Reicher.
2. Die Betrachtung fiktiver Gegenstände bei Wolfgang Künne: Es wird Künnes Ablehnung der Existenz fiktiver Gegenstände erläutert, wobei er durch mimetische Akte und narrative Operatoren versucht, die logische Handhabbarkeit solcher Aussagen zu gewährleisten.
3. Die Betrachtung fiktiver Gegenstände bei Maria E. Reicher: Dieses Kapitel stellt Reichers realistische Ontologie dar, die fiktiven Objekten Existenz zuspricht und mittels interner/externer Prädikate sowie Identitätsbedingungen Probleme der Fiktionstheorie löst.
4. Fazit und abschließender Vergleich: Der Autor bewertet die beiden Positionen kritisch und kommt zu dem Schluss, dass Reichers Ansatz durch den Verzicht auf narrative Operatoren und die logische Systematik überlegen ist.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der im Text zitierten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Ontologie, Fiktive Gegenstände, Wolfgang Künne, Maria E. Reicher, Fiktionale Rede, Analytische Philosophie, Narrative Operatoren, Referenz, Identität, Interne Prädikate, Externe Prädikate, Semantik, Realistische Ontologie, Sprachphilosophie, Fiktionale Charaktere.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem ontologischen Status fiktiver Gegenstände im Rahmen der modernen analytischen Philosophie.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt Fragen zur Existenz fiktiver Wesen, zur Natur fiktionaler Rede, zur logischen Struktur von Aussagen über Fiktionen sowie zur Identität fiktionaler Charaktere über verschiedene Werke hinweg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein kritischer Vergleich der theoretischen Ansätze von Wolfgang Künne und Maria E. Reicher, um deren methodische Stärken und Schwächen herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt die Methode der kontrastierenden Gegenüberstellung und die kritische Analyse der in den Primärtexten verwendeten logisch-semantischen Konzepte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Künnes Konzept der "Quasi-Behauptungen" und narrativen Operatoren sowie Reichers realistische Ontologie mit ihrer Unterscheidung zwischen internen und externen Prädikaten analysiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die zentralen Schlagworte sind Ontologie, fiktive Gegenstände, Referenz, Identität und analytische Sprachphilosophie.
Wie unterscheidet sich Künnes Umgang mit Fiktion von Reichers Ansatz?
Während Künne die Existenz fiktiver Gegenstände explizit ablehnt und versucht, fiktionale Rede über mimetische Akte zu erklären, postuliert Reicher eine realistische Ontologie, in der fiktive Charaktere als abstrakte Gegenstände existieren.
Warum hält die Autorin der Arbeit Reichers Ansatz für überlegen?
Die Autorin argumentiert, dass Reichers System durch den Verzicht auf narrative Operatoren eine höhere logische Konsistenz erreicht und Probleme der Identität fiktionaler Figuren eleganter lösen kann.
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- Kim Schlotmann (Author), 2013, Fiktive Gegenstände bei Wolfgang Künne und Maria E. Reicher. Ein Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/212993