In dieser Arbeit soll Honoré de Balzacs Novelle Oberst Chabert, in einer Übersetzung von Hildegard Blattmann erschienen 2007 im Verlag Philipp
Reclam jun. GmbH & Co., die im Jahr 1844 in Paris erstmals veröffentlicht wurde und an der Balzac bereits 1832 zu arbeiten begann, textanalytisch untersucht werden. Der Untersuchungsgegenstand bezieht sich auf die Ordnung der Erzählung, dabei werden die Prinzipien Gérard Genettes Anwendung finden, die Genette in seinem Werk Die Erzählung erschien. Hierbei werde ich mich auf den ersten Teil Genettes Ausführungen Diskurs der Erzählung in weiten Teilen stützten. Sollte es aber notwendig gewesen sein sich auf den zweiten Teil Neuer Diskurs der Erzählung zu beziehen, so wird dies an entsprechender Stelle deutlich gemacht werden.
Die Begriffe, die Genette in seiner Erzählung verwendet, werden in dieser Arbeit an vorkommender Stelle kurz umrissen und eingeführt, ansonsten möchte ich an dieser Stelle auf Genettes Werk verweisen, um eine tiefer gehende Betrachtung der Begriffe und deren Beziehungen zu einander zu ergründen. Sollten sich bei der Erarbeitung des vorliegenden Textes jedoch Kritikpunkte
an Genettes Definitionen für die Begriffe ergeben, so werde ich mich nicht scheuen genauer auf die Unterschiede einzugehen und die Details anhand der bereits benannten Novelle herauszustellen und einen Vergleich anzustreben.
An dieser Stelle soll noch darauf verwiesen sein, dass es sich bei der vorliegenden Ausarbeitung um eine rein analytische Betrachtung handelt und daher auf eine weiterführende interpretative Arbeit am Text fehlt, weswegen ich auf die Formulierung einer Fragestellung weitestgehend verzichtet habe, wobei man natürlich die Frage zu stellen hat, ob Genettes Prinzipien der Erzählung in Honoré de Balzacs Novelle Oberst Chabert von 1844 Anwendung finden können? Im Ausblick und Fazit am Ende der vorliegenden Arbeit soll auf
diese Frage zurück gekommen werden, um eine Beantwortung zu finden. Die Belegstellen für die Beantwortung finden sich im Abschnitt Analyse des Textes; die dafür verwendeten Methoden, die Genette in seiner Ausführung bestimmt detaillierter gemacht hat, als ich dies tun konnte, finden sich im nächsten Abschnitt Methodischer Ansatz und sollen eine Einführung hinsichtlich der Textarbeit darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Methodischer Ansatz
1.1 Verfahren der Textanalyse
1.2 Ordnungsprinzipien nach Neuhaus, Lahn und Meister, Schwarze
1.3 Ordnungsprinzipien nach Gérard Genette
1.4 Auswahl der Ordnungsprinzipien für diese Arbeit
2. Abriss über den Inhalt der Novelle
3. Analyse des Textes
3.1 Begründung für die Auswahl des Textausschnittes
3.2 Balzacs Novelle nach Gérard Genette analysiert
4. Ausblick und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, Honoré de Balzacs Novelle "Oberst Chabert" einer strukturalistischen Erzählanalyse zu unterziehen. Dabei steht die Untersuchung der zeitlichen Ordnung der Erzählung im Fokus, um auf Basis der theoretischen Konzepte von Gérard Genette die narrative Struktur des Textes präzise zu erfassen und zu systematisieren.
- Grundlagen der strukturalen Erzähltheorie nach Gérard Genette
- Vergleichende Betrachtung narratologischer Ordnungsprinzipien
- Strukturanalyse der Novelle "Oberst Chabert" (Fokus auf Zeitgestaltung)
- Anwendung von Fachtermini wie Analepsen, Prolepsen und Achronien
- Methodische Mikrosimulation der Erzählzeit versus erzählter Zeit
Auszug aus dem Buch
Balzacs Novelle nach Gérard Genette analysiert
Balzac beginnt in seiner Novelle Oberst Chabert weder mit der Angabe eines Jahres, eines Monats oder gar Datums, noch mit einem Verweis an welchen Tag wir uns befinden. Balzac schrieb aber, darauf weist sein Zyklus der „Comédie humaine“ hin, gesellschaftskritisch für seine Zeit (vgl. Blattmann 2007). Darauf aufbauend lässt sich der Beginn der Novelle dennoch zeitlich einordnen, da Balzac darin verschiedene „Alltäglichkeiten“ anspricht:
„Da ist ja unser alter Reitrock wieder!“ Dieser Ausruf kam von einem jungen Schreibergehilfen, der zu jener Gattung gehörte, die man in den französischen Schreibstuben „Gossenhupfer“ nennt, und der eben mit bestem Appetit in ein Stück Brot biß. (Seite 3)
Trotz des bereits bekannten Kontextes lassen sich weder „Gossenhupfer“, „Schreibstuben“ noch „Reitrock“ definitiver feststellen. Auf Seite 7 folgt der Ausspruch eines Schreibers:
„Verordnung vom ... vom –?“ fragte Godeschal. „Sagen Sie doch, von wann, Boucard.“ „Vom Juni 1814“, antwortete der erste Schreiber, ohne von seiner Arbeit aufzusehen. (Seite 7)
Das verweist darauf, dass man sich nach diesem Monat befinden muss. Die Nennung der Jahreszahl könnte darauf verweisen, dass man sich mindestens im Jahr 1815 befinden müsste. Da es im vorliegenden Ausschnitt keine weitere Eingrenzung des Jahres gibt, gehe ich davon aus, dass wir uns in einer Zeit nach dem Jahr 1814 befinden.
Zusammenfassung der Kapitel
Methodischer Ansatz: Einführung in die strukturalistische Erzähltheorie und die Definition zentraler narratologischer Begriffe von Autoren wie Genette, Neuhaus und Schwarze.
Abriss über den Inhalt der Novelle: Zusammenfassung der Handlung von Balzacs Werk, von der Rückkehr des totgeglaubten Oberst Chabert bis zu seinem endgültigen Verbleib im Altersheim.
Analyse des Textes: Detaillierte strukturalistische Untersuchung des gewählten Textausschnitts hinsichtlich seiner zeitlichen Abfolge, unter Verwendung der Methode der Mikrosimulation.
Ausblick und Fazit: Kritische Reflexion der Anwendbarkeit des gewählten methodischen Ansatzes auf den Text und Ausblick auf weiterführende interpretative Arbeiten.
Schlüsselwörter
Oberst Chabert, Honoré de Balzac, Gérard Genette, Erzähltheorie, Strukturalismus, Analepse, Prolepse, Achronie, Erzählzeit, Erzählte Zeit, Mikrosimulation, Narratologie, Zeitgestaltung, Literaturwissenschaft, Textanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit einer strukturalistischen Analyse der zeitlichen Ordnung in Honoré de Balzacs Novelle "Oberst Chabert" auf Basis narratologischer Kriterien.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Kategorien der Erzählzeit, insbesondere die Ordnung der Erzählung im Sinne von Gérard Genette, wie Analepsen (Rückblenden) und Prolepsen (Vorschauen).
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die narrative Struktur eines spezifischen Textausschnitts der Novelle methodisch exakt zu erfassen und die zeitlichen Verschachtelungen der Handlung offenzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine strukturelle Erzähltextanalyse (Mikroanalyse) angewandt, die sich primär an den Theorien von Gérard Genette orientiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der inhaltlichen Zusammenfassung der Novelle sowie der detaillierten Anwendung der theoretischen Modelle auf den zu untersuchenden Textausschnitt.
Was charakterisiert die Arbeit inhaltlich?
Die Arbeit zeichnet sich durch eine rein deskriptive, strukturalistische Perspektive aus, die auf eine weiterführende Interpretation zugunsten einer präzisen formalen Analyse verzichtet.
Wie ordnet die Arbeit das Eintreffen von Chabert zeitlich ein?
Die Arbeit verortet den Beginn der Novelle und das Eintreffen Chaberts durch verschiedene im Text gestreute Indizien (wie historische Verordnungen) in den Zeitraum zwischen 1815 und 1821.
Warum wird Genettes Modell anderen Ansätzen vorgezogen?
Genettes Modell wird als besonders geeignet angesehen, um die komplexen zeitlichen Schichtungen der Erzählung und die Position des Lesers systematisch zu erfassen.
- Quote paper
- Michael Krieger (Author), 2011, Die Novelle "Oberst Chabert". Eine Analyse und Einführung nach Gérard Genettes Ordnungsprinzipien der Erzählung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/212850