Wie oft in der Geschichte gab es Personen, die eine neue, weit von der gängigen Anschauung abweichende Meinung vertraten und damit vollkommen allein dastanden? Vergleichsweise viele dieser Fälle treten in der Religion auf. Ein Prophet hebt sich aus der Masse und verkündet, was ihm eine von vielen möglichen Inspirationsquellen angeblich für die Menschheit offenbart hat. Man denke an Jesus im Christentum, Mohammed im Islam, Josef Smith Jr. bei den Mormonen und viele mehr. Dies scheint ein Bereich des Lebens zu sein, in welchem diese Art und Weise der Meinungsbildung funktioniert. Doch in den meisten Fällen beruhen Veränderungen im Denken der Menschen nicht auf den Aussagen einer einzigen Person. Verschiedene Forscher ergänzen ihre Gedanken und mit jeder neuen Erkenntnis muss das Alte wieder überdacht werden. Auch die Geschicke unseres Staates werden nicht wie früher von einer einzigen Person entschieden, sondern von vielen diskutiert und gelenkt. Heutzutage gibt es für jedes große Projekt ein Team, eine Gruppe von Menschen, die ihre Ideen zusammentragen und gemeinsam Neues entwickeln oder nach Lösungen für Probleme suchen. Verantwortung wird geteilt, Entscheidungen auf eine breite Basis gestellt. Immer stärker erkennen wir die Effektivität von Zusammenarbeit. Es gibt durchaus Personen, die am liebsten allein arbeiten, jedoch der Großteil der Menschheit ist auf Partner angewiesen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zwei Künstler
3. Inhalt der Aufsätze
3.1. Adolf Loos: „Keramika“
3.2. Arnold Schönberg: Auszug aus dem Briefwechsel mit Ferruccio Busoni
4. Vergleich der Aufsätze
4.1. Befreiung
4.2. Forderung
4.3. Ausblick
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die künstlerische Freundschaft und den intellektuellen Austausch zwischen dem Architekten Adolf Loos und dem Komponisten Arnold Schönberg, um Gemeinsamkeiten in ihrem künstlerischen Denken und ihrer Ablehnung zeitgenössischer gesellschaftlicher Konventionen aufzuzeigen.
- Analyse der Ornamentkritik bei Adolf Loos
- Untersuchung von Schönbergs kompositorischen Zielen in seinem Briefwechsel mit Busoni
- Vergleich der Konzepte von Freiheit und Wahrheit in Architektur und Musik
- Die Rolle der künstlerischen Radikalität im Wien des frühen 20. Jahrhunderts
- Wechselseitige Inspiration und intellektuelle Mentor-Beziehung
Auszug aus dem Buch
4.1. Befreiung
Beide Künstler streben eine Befreiung an: der Komponist eine „vollständige Befreiung von allen Formen“, der Architekt eine Befreiung aus Empfindungszwängen, die „man versucht hat, uns […] aufzudrängen“ Dabei bezieht sich Schönberg in seinem Brief auf das Komponieren, speziell die „motivische Arbeit“. Für die nähere Beschreibung bedient er sich eines Vergleichs aus dem Arbeitsbereich seines Freundes Loos. Er will weg von der „Harmonie, als Cement oder Baustein einer Architektur“ und dem „Pathos! […] den gebauten und konstruierten Thürmen“. Vor allem die bis dahin so starren „Symbole“ und Verzierungen, die den Hörern den „roten Faden“ eines Werkes aufzeigen sollen, müssen aufgelöst und abgeschafft werden. Keiner soll mehr durch festgelegte Regeln zu einem vom Komponisten angestrebten Gefühl animiert werden. Auch unnütze, nachträgliche Ausschmückungen verurteilt er aufs Schärfste: „Dieses Ausschmücken mit Ornamenten, „tätowieren“ wie Adolf Loos sagt, ist eine Kinderei.“
Loos wendet sich ebenfalls entschieden gegen die zu seiner Zeit modernen Formen, vornehmlich gegen das Ornament und all die Verzierungen, die auf jeden Gegenstand angebracht werden. Salzfässer werden von Tritonen geziert, ein Tintenfass besteht aus badenden Najaden, die Aschenschale schmückt eine Tänzerin. Für Loos sind die „angewandten Künstler“, welche mit solchen Werken die Kunst in den Alltag integrieren wollen, nur „Prostituierer der Kunst“. Sie stellen, seiner Meinung nach, mit viel Aufwand und Material, nutzlose Gegenstände her, die nach wenigen Jahren sowieso niemandem mehr gefallen und deshalb wirklich unwirtschaftliche Anschaffungen sind. Ganz ungeniert stellt er ganz am Anfang seines Aufsatzes folgende Behauptung auf: „dem Menschen, der die heutige Kultur besitzt, gefallen Gebrauchsgegenstände […] am Besten, wenn sie undekoriert sind.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der partnerschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen bedeutenden Persönlichkeiten ein und skizziert das Untersuchungsziel, die gegenseitige Beeinflussung von Loos und Schönberg zu beleuchten.
2. Zwei Künstler: Dieses Kapitel zeichnet die Entstehung der Freundschaft zwischen Schönberg und Loos ab 1895 in Wien nach und beleuchtet die wechselseitige Unterstützung bei der Verbreitung ihrer Ideen.
3. Inhalt der Aufsätze: Hier werden die zentralen Schriften „Keramika“ von Loos sowie der Briefwechsel Schönbergs mit Busoni hinsichtlich ihrer Kernargumente und polemischen Stoßrichtung vorgestellt.
4. Vergleich der Aufsätze: Das Hauptkapitel stellt die Forderungen nach Freiheit von Formzwängen und Ornamentik sowie den Wunsch nach authentischem, schöpferischem Ausdruck bei beiden Künstlern gegenüber.
5. Schluss: Der Schlussteil fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Beziehung der beiden als eine bedeutende Inspirationsquelle, wobei Schönbergs Auseinandersetzung mit Loos’ Maximen besonders hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Adolf Loos, Arnold Schönberg, Wiener Schule, Ornamentik, Kunsttheorie, Briefwechsel, Emanzipation der Dissonanz, Architektur, Komposition, Moderne, Funktionalismus, Freundschaft, Kulturkritik, Authentizität, Raumplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die tiefgreifende intellektuelle Verbindung zwischen dem Architekten Adolf Loos und dem Komponisten Arnold Schönberg im Wien des frühen 20. Jahrhunderts.
Welche Themenfelder stehen dabei im Mittelpunkt?
Zentrale Felder sind die Ornamentkritik in der Architektur, die kompositorische Freiheit in der Musik sowie das gemeinsame Streben nach Wahrheit und schöpferischer Unabhängigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwiefern sich Loos und Schönberg gegenseitig in ihrer künstlerischen Entwicklung und ihrem Standpunkt gegenüber der damaligen Gesellschaft beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse spezifischer Quellentexte – insbesondere des Aufsatzes „Keramika“ und ausgewählter Briefe Schönbergs – um gemeinsame Denkmuster zu extrahieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil vergleicht die ästhetischen Forderungen der beiden Künstler, wobei insbesondere die Ablehnung von Ornamenten und die Befreiung von überkommenen Formvorgaben analysiert werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Ornamentkritik, Emanzipation der Dissonanz, künstlerische Freiheit, Wiener Moderne und authentisches Schaffen.
Welche Rolle spielte der Briefwechsel mit Ferruccio Busoni für die Argumentation?
Dieser Briefwechsel dient als Beleg für Schönbergs Wunsch, sich von harmonischen Konventionen und vorgefertigten Absichten zu lösen, was eine Parallele zu Loos' architektonischer Haltung zieht.
Wie bewerten Experten den Einfluss von Loos auf Schönberg?
Die Expertenmeinungen variieren zwischen der Ansicht, Loos sei ein direkter „geistiger Mentor“ für Schönberg gewesen, und einer vorsichtigeren Einschätzung, die eher von einer analogen geistigen Haltung spricht.
- Quote paper
- Anne-Christin Schilke (Author), 2010, Adolf Loos und Arnold Schönberg. Untersuchung der Freundschaft beider Künstler, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/212258