Der Begriff der Anerkennung findet seit dem 16. Jahrhundert seine Verwendung und entstand historisch gesehen in der Philosophie. So wandten ihn bereits vor mehreren Jahrhunderten bekannte Philosophen wie Johann Gottlieb Fichte, Immanuel Kant, Jean-Jacques Rousseau und Georg Wilhelm Friedrich Hegel an, und setzten sich in ihren Werken intensiv damit auseinander.
Heute lässt sich der Begriff nicht ausschließlich im philosophischen Bereich finden, sondern beispielsweise auch in der Soziologie, Politikwissenschaft und Erziehungswissenschaft. Dort wird er meist bezüglich ethisch-moralischer Fragen diskutiert.
In dieser Arbeit soll die Bedeutung der Anerkennung für die Entwicklung einer positiven Selbstbeziehung geklärt werden. Der Fokus liegt dabei auf dem Praxisfeld des Kindergartens, da im Kindergartenalter eine wichtige Entwicklungsphase für die Ich-Identität stattfindet und somit auch für die Beziehung, die man zu sich selbst aufbaut. So werden in diesem Alter u.a. der Selbstwert und die Selbstachtung gegründet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Die Bedeutung des Anerkennungsbegriffs im wissenschaftlichen Diskurs
2.2 Was meint der Begriff „positive Selbstbeziehung“?
3. Die Anerkennungstheorie nach Axel Honneth
3.1 Eine Einführung in das Anerkennungsdenken Honneths
3.2 Die drei Formen der Anerkennung
a) Affektive Anerkennung: Liebe
b) Moralische Anerkennung: Recht
c) Soziale Wertschätzung/Solidarität
3.3 Zusammenfassung
4. Anerkennung in der Erziehungswissenschaft
4.1. Die Bedeutung von Anerkennung und der Einfluss des Anerkennungsmodells Axel Honneths in der Pädagogik
4.2 Anerkennung im Kindergarten
a) Liebe
b) Recht
c) Solidarität
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Relevanz der Anerkennungstheorie nach Axel Honneth für die Entwicklung einer positiven Selbstbeziehung bei Kindern im Kindergartenalter. Dabei wird analysiert, wie die pädagogische Praxis im Kindergarten gezielt zur Förderung von Selbstvertrauen, Selbstachtung und Selbstwertgefühl beitragen kann.
- Grundlagen der Anerkennung im wissenschaftlichen Diskurs
- Die Anerkennungstheorie nach Axel Honneth
- Positive Selbstbeziehung als pädagogisches Ziel
- Umsetzungsmöglichkeiten der Anerkennungsformen (Liebe, Recht, Solidarität) im Kindergarten
- Bedeutung der Partizipation und Wertschätzung für die Identitätsbildung
Auszug aus dem Buch
3.2 Die drei Formen der Anerkennung
Spricht Honneth von Liebesverhältnissen, so meint er damit Primärbeziehungen, welche „(…) nach dem Muster von erotischen Zweierbeziehungen, Freundschaften und Eltern-Kind-Beziehungen aus starken Gefühlsbindungen zwischen wenigen Personen bestehen“ (Honneth 1992, S. 153). Wie Hegel beschreibt auch er die Liebe als die erste Stufe einer wechselseitigen Anerkennung, weil sich die Individuen, die sich in einer solchen affektiven und emotionalen Beziehung gegenüberstehen, als bedürftige Wesen anerkennen (vgl., ebd.).
Um dies näher zu erklären bezieht Honneth sich v.a. auf die Auffassungen des Kinderpsychiaters und Psychoanalytikers Donald W. Winnicott und auf die der Psychoanalytikerin Jessica Benjamin. Die erste Liebesbeziehung im Leben eines Menschen besteht zwischen dem Säugling und seiner Betreuungsperson, so der Ausgangspunkt des Sozialphilosophen. Ich werde im Folgenden davon ausgehen, dass die Mutter die wichtigste Betreuungsperson für das Kind darstellt, jedoch kann dies auch der Vater oder eine dritte Person sein.
Laut Winnicotts Objektbeziehungstheorie ist der Säugling in den ersten Lebensmonaten völlig abhängig von der Mutter, da diese ihn durch ihr fürsorgliches Verhalten am Leben erhält und umgekehrt entwickelt auch die Mutter eine Abhängigkeit zu ihrem Kind, da sie seine hilflose Bedürftigkeit anerkennt und sich dem mütterlichen Pflegeverhalten hingibt. Aus dieser wechselseitigen Dependenz resultiert dann schließlich die Verschmelzung der beiden zu einer Art Symbiose (vgl. Honneth 1992, S. 158f.). Aber wie löst sich diese Einheit am besten auf, sodass sowohl die Mutter, als auch das Kind sich „(…) am Ende als unabhängige Personen zu akzeptieren und zu lieben lernen?“ (ebd., S. 159).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung des Anerkennungsbegriffs ein und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Bedeutung von Anerkennung für die kindliche Selbstbeziehung im Kindergarten.
2. Begriffsklärung: Hier werden die zentralen Begriffe „Anerkennung“ und „positive Selbstbeziehung“ definiert und in den wissenschaftlichen sowie pädagogischen Kontext eingeordnet.
3. Die Anerkennungstheorie nach Axel Honneth: Dieses Kapitel erläutert das intersubjektivitätstheoretische Modell von Honneth, das die drei Anerkennungsformen Liebe, Recht und Solidarität als notwendige Bedingungen für Identitätsbildung identifiziert.
4. Anerkennung in der Erziehungswissenschaft: Dieses Kapitel verknüpft die theoretischen Erkenntnisse von Honneth mit der pädagogischen Praxis im Kindergarten und untersucht praktische Umsetzungsmöglichkeiten.
5. Schluss: Der Schluss fasst die Bedeutung der drei Anerkennungsformen für die kindliche Entwicklung zusammen und weist auf die bisherige Forschungslücke im Kontext der Kindergartenpädagogik hin.
Schlüsselwörter
Anerkennung, Axel Honneth, positive Selbstbeziehung, Erziehungswissenschaft, Kindergartenpädagogik, Selbstvertrauen, Selbstachtung, Selbstwertgefühl, Identitätsbildung, Liebe, Recht, Solidarität, Partizipation, Sozialphilosophie, Intersubjektivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung sozialer Anerkennung für die Entwicklung einer positiven Selbstbeziehung bei Kindern im Kindergartenalter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die Anerkennungstheorie von Axel Honneth, die verschiedenen Formen der Selbstbeziehung sowie deren praktische Anwendung im pädagogischen Alltag des Kindergartens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob und inwiefern eine Pädagogik der Anerkennung im Kindergarten dazu beiträgt, dass Kinder eine gelungene Beziehung zu sich selbst aufbauen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturrecherche und die theoretische Analyse des Anerkennungsmodells von Axel Honneth im erziehungswissenschaftlichen Kontext.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch Honneths Modell sowie einen praxisorientierten Teil, der die konkrete Umsetzbarkeit der drei Anerkennungsformen im Kindergarten untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Anerkennung, Axel Honneth, Selbstbeziehung, Kindergartenpädagogik, Identitätsbildung, Liebe, Recht und Solidarität.
Wie definiert der Autor das Konzept der „positiven Selbstbeziehung“?
Eine positive Selbstbeziehung wird durch ein gesundes Maß an Selbstvertrauen, Selbstachtung und Selbstwertgefühl charakterisiert, die durch soziale Anerkennung von Mitmenschen grundgelegt werden.
Warum ist das Kindergartenalter laut der Arbeit so entscheidend für die Anerkennung?
Das Kindergartenalter wird als eine kritische Entwicklungsphase für die Ich-Identität beschrieben, in der der Grundstein für die lebenslange Beziehung zu sich selbst gelegt wird.
Welche Rolle spielt die Partizipation bei der rechtlichen Anerkennung?
Partizipation ist laut der Studie ein entscheidendes Mittel, um Kindern schon früh das Gefühl zu geben, gleichberechtigte Akteure in ihrer Umwelt zu sein und so ihre Selbstachtung zu stärken.
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- Eva Herrmann (Author), 2012, Pädagogik der Anerkennung nach Axel Honneth und die Entwicklung einer positiven Selbstbeziehung im Kindergarten , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/211799