Das die Filme Vom Winde verweht, A Beautyful Mind, Herr der Ringe, Charlie und die Schokoladenfabrik, Madam Bovary und The Ring etwas gemeinsam haben ergibt sich für die wenigsten Menschen auf den ersten Blick. Jedoch haben alle Regisseure dieser Filme einen Roman als Vorlage für ihren Film benutzt – bei manchen Verfilmungen wie Der Herr der Ringe ist das wohl den allermeisten Zuschauern bekannt, bei vielen Filmen ist jedoch verlorengegangen, dass es sich dabei um eine Literaturverfilmung handelt, also, dass ein Buch dem Film zugrunde liegt.
Ziel der Arbeit ist es, einige der konkurrierenden Meinungen der Forschung zum Thema Literaturverfilmung kurz darzustellen und zu bewerten, darauf basierend möchte ich begründen, ob eine Literaturverfilmung von Romanklassikern, wie Don Quijote einer ist, überhaupt zulässlich ist.
Im ersten Teil dieser Hausarbeit sollen deswegen zunächst die Unterschiede und Möglichkeiten des Mediums Buch und Film betrachtet und gegenübergestellt werden, im zweiten Teil dann die eigentliche Literaturverfilmung und die an ihr geübte Kritik untersucht werden. Anschließend soll im letzten Teil nach dem Analyse-Model von Mathias Hurst2 eine konkrete Literaturverfilmung3 zu Cervantes´ Don Quijote von la Mancha1 auf ihre Erzählsituation im Vergleich zum Roman untersucht werden, um so eventuell die Qualität der Verfilmung bewerten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Film und Buch – Ein Vergleich
2.1 Die Produktion im Vergleich
2.2 Die Zeichensysteme im Vergleich
3. Literaturverfilmungen und die an ihr geübte Kritik
3.1 Beeinträchtigung der Deutungsfreiheit?
3.2 Literaturverfilmungen als konkurrierende Kunst zur Literatur?
4. Analyse einer Literaturverfilmung nach einem Analyse-Modell von Hurst
4.1 Die auffälligsten Unterschiede zwischen Vorlage und Adaption
4.2 Die Erzählsituation in Vorlage und Adaption
4.2.1 Erzählsituation im Roman
4.2.2 Erzählsituation in der Serie
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Beziehung zwischen Literatur und Film anhand der Analyse von Cervantes' „Don Quijote“. Das primäre Ziel ist es, die konkurrierenden Forschungsmeinungen zu Literaturverfilmungen darzustellen und auf Basis eines Analyse-Modells von Mathias Hurst zu bewerten, inwiefern eine Adaption eines Romanklassikers zulässig ist und wie sie sich in der Erzählsituation vom Original unterscheidet.
- Grundlegender Medienvergleich zwischen Buch und Film
- Kritische Auseinandersetzung mit der Literaturverfilmung als Kunstform
- Vergleichende Analyse von Erzählstrukturen (Auktorial vs. Personal)
- Untersuchung der filmischen Umsetzung der „Don Quijote“-Adaption von Carlo Rim
- Bewertung des Verhältnisses von „Werktreue“ zur Eigenständigkeit des Mediums
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Erzählsituation in der Serie
Auch in der Adaption von Rim gibt es einen Erzähler, der sich immer wieder in das Geschehen einmischt, es erläutert oder kommentiert und sich als ein auktorialer Erzähler gibt. Durch die sinngemäß und sprachlich übernommenen Worte des Romans, erhöht sich die Ähnlichkeit zwischen Verfilmung und Roman und laut Hurst „folgerichtig auch die Literarizität des Films“ Das Einsetzen der Erzählerstimme im off ist allerdings kein kinematografisches Gestaltungselement, sondern ein nicht-kinematografisches, Hurst bezeichnet es als „eine sprachliche Ergänzung des kinematographischen Codes“
Der kinematografische Code setzt sich „auf der Ebene der Bilder und der syntaktischen Verknüpfung der Einstellungen eines Films“ zusammen, also durch die vor der Kamera gezeigten Bilder die zu einer Abfolge kombiniert werden.
Der Erzählakt steckt nicht nur im Spiel der Schauspieler und in allem, was dazu gehört, sondern nur . Wenn wir den beigefügten verbalen Kommentar oder die Begleitmusik einen Moment außer acht lassen – in der Kamerahandlung. Das heißt: in den aufeinanderfolgenden Blicken und Blickbewegungen der Kamera, oder im Anfangen, Beenden, Unterbrechen und aufs Neue Anfangen der Blickaktivität der Kamera.“
Nach Hurst erzeugen die verschiedenen Kameraaufnahmen entweder eine auktoriale oder eine personale Erzählsituation. Er unterscheidet hierfür Syntagmatische Konnotationen von Paradigmatischen Konnotationen im Film.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Literaturverfilmung ein und benennt das Ziel der Arbeit, die konkurrierenden Ansichten der Forschung zu bewerten und eine konkrete Adaption von Don Quijote zu analysieren.
2. Film und Buch – Ein Vergleich: Dieses Kapitel stellt die fundamentalen Unterschiede der Medien Film und Buch hinsichtlich Produktionsaufwand und Zeichensystemen gegenüber.
3. Literaturverfilmungen und die an ihr geübte Kritik: Hier werden die pro und contra Argumente hinsichtlich der Beeinträchtigung der Deutungsfreiheit und des Kunstanspruchs von Verfilmungen erörtert.
4. Analyse einer Literaturverfilmung nach einem Analyse-Modell von Hurst: In diesem Hauptteil wird die vierteilige Fernsehserie von Carlo Rim auf strukturelle Abweichungen und die Erzählsituation hin untersucht.
5. Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass Literaturverfilmungen als eigenständige Werke zu betrachten sind, die das literarische Original nicht ersetzen sollten.
Schlüsselwörter
Literaturverfilmung, Don Quijote, Romanadaption, Medienvergleich, Auktorialer Erzähler, Kinematografischer Code, Erzählsituation, Matthias Hurst, Literarizität, Zeichensysteme, Interne Fokalisierung, Filmkritik, Buchvorlage, Syntagmatische Konnotation, Werktreue
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der komplexen Beziehung zwischen literarischen Vorlagen und deren filmischen Adaptionen, speziell am Beispiel von Cervantes' „Don Quijote“.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen den Medienvergleich zwischen Film und Literatur, die Kritik an Literaturverfilmungen sowie die Analyse erzähltheoretischer Strukturen in Adaptionen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis des Modells von Mathias Hurst zu begründen, ob die Verfilmung eines Romanklassikers künstlerisch zulässig ist und wie sie das Original interpretiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse der Erzählsituationen (Auktorial vs. Personal) basierend auf dem Modell von Mathias Hurst angewandt, ergänzt durch einen Vergleich der Produktionsbedingungen und Zeichensysteme.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Medienvergleich, eine Diskussion über die Kritik an Verfilmungen sowie eine detaillierte Untersuchung der vierteiligen „Don Quijote“-Serie von Carlo Rim.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind vor allem Literaturverfilmung, Erzählsituation, Medienvergleich, Werktreue und die spezifische Anwendung des Hurst-Modells auf filmische Gestaltungsmittel.
Wie unterscheidet sich die Serie von Carlo Rim in Bezug auf die Erzählweise vom Roman?
Die Serie nutzt eine Erzählerstimme „im off“, die der im Roman ähnelt, setzt jedoch filmische Mittel wie Kameraführung ein, um auktoriale oder personale Erzählsituationen zu erzeugen, während der Roman dies rein sprachlich durch den auktorialen Erzähler löst.
Warum wird die „metafiktionale Ebene“ in der Verfilmung von Carlo Rim als vernachlässigt bewertet?
Die Arbeit stellt fest, dass im Gegensatz zum Roman die Figuren der Serie keine Kenntnis von der Existenz eines Buches über ihre Abenteuer haben, wodurch die metafiktionale Dimension des Originals in der Adaption verloren geht.
- Arbeit zitieren
- Martina Lakotta (Autor:in), 2011, Cervantes "Don Quijote": Klassiker der Literatur als Literaturverfilmung?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/210942